In Liebe, Agnes - Nesser, Håkan

Håkan Nesser 

In Liebe, Agnes

Roman

Aus d. Schwed. v. Gabriele Haefs
Buch mit Leinen-Einband
 
2 Kundenbewertungen
***** ausgezeichnet
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
8 ebmiles sammeln
EUR 8,00
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Andere Kunden interessierten sich auch für

In Liebe, Agnes

Die Geschichte einer tödlichen Freundschaft zwischen Tübingen und Heidelberg ...

Ein Dreiecksverhältnis, das tödlich endet: Agnes und Henny sind alte Schulfreundinnen, die sich seit Jahrzehnten nicht mehr gesehen haben. Auf der Beerdigung von Agnes' Mann treffen sie sich wieder. Zögerlich beginnen sie sich erneut anzunähern, schreiben zunächst Briefe, vertrauen einander alte Geheimnisse an. Schritt für Schritt nähern sie sich dabei einem gefährlichen Komplott, detailversessen planen sie einen heimtückischen Mord. Doch eine von beiden spielt falsch ...



Produktinformation

  • Verlag: Btb
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 184 S.
  • Seitenzahl: 192
  • btb Bd.74044
  • Deutsch
  • Abmessung: 153mm x 96mm x 15mm
  • Gewicht: 108g
  • ISBN-13: 9783442740444
  • ISBN-10: 3442740444
  • Best.Nr.: 26265079
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Och nö! Ein Krimi, der zum größten Teil aus Briefwechseln besteht? Wie soll denn da Spannung aufkommen? Aber als ich mir nach gut hundert Seiten die Fingerknöchel abnage, ist klar: Hakan Nesser hat es mal wieder geschafft! "In Liebe, Agnes" ist ein perfider, wunderbar menschlicher Krimi und eignet sich prima als gemütliche Sonntagslektüre. (es)

"Seine Krimis zählen zum Besten, was das Genre in Skandinavien zu bieten hat. Dramaturgisch raffiniert, mit vielschichtigem Personal ausgestattet und psychologisch besonders wertvoll."

„Raffiniert und elegant. Dieses Buch ist eine wahre Perle!"
Håkan Nesser, geboren 1950, ist einer der interessantesten und aufregendsten Krimiautoren Schwedens. Für seine Kriminalromane um Kommissar Van Veeteren erhielt er zahlreiche Auszeichnungen, sie sind in mehrere Sprachen übersetzt und wurden erfolgreich verfilmt. Daneben schreibt er Psychothriller, die in ihrer Intensität und atmosphärischen Dichte an die besten Bücher von Georges Simenon und Patricia Highsmith erinnern. "Kim Novak badete nie im See von Genezareth" oder "Und Piccadilly Circus liegt nicht in Kumla" gelten inzwischen als Klassiker in Schweden, werden als Schullektüre eingesetzt, und haben seinen Ruf als großartiger Stilist nachhaltig begründet. Håkan Nesser lebt mit seiner Frau derzeit in London und auf Gotland.

Leseprobe zu "In Liebe, Agnes" von Håkan Nesser

PDF anzeigen

Leseprobe zu "In Liebe, Agnes" von Håkan Nesser

Im Großen und Ganzen verlief die Beerdigung sehr gut.

Der Vormittag war grau, unfreundlich und windstill gewesen, aber als wir dann am Grab standen, brach die Sonne durch die Wolkendecke und warf schräge Lichtbündel durch die bereits gelb werdenden Blätterkronen der Ulmen.

Erich hätte es gefallen. Herbst. Der Himmel, der sich plötzlich zu heben schien und der Luft eine gewisse Schärfe verlieh. Klar, aber nicht kalt. Die Felder, die sich in Richtung Molnar hinunterzogen, abgeerntet, aber noch nicht untergepflügt. Ein Bauer, der in der Ferne ein Feld abflämmte.

Der Geistliche hieß Sildermack, ein großer, magerer, blonder Mann, wir hatten uns vorher natürlich getroffen und alles besprochen, er ist neu im Amt und leidet unter irgendeiner Verformung des Rückgrats, weshalb er irgendwie unbeholfen geht, mit rollenden Bewegungen sozusagen. Es lässt ihn auch älter wirken. Aber sein Gesicht scheint zu leuchten, und bei der Beisetzung hat er seine Aufgabe tadellos erledigt.

Wir waren vielleicht zwei Dutzend Trauergäste. Die Kinder natürlich. Erichs Mutter mit Begleitung, ihrer Freundin und der übellaunigen Pflegerin.

Beatrice und Rudolf.

Justin.

Hendermaags, die den schlechten Geschmack hatten, ihre Kinder mitzuschleifen. Die sind erst zehn oder zwölf, ein schüchterner Knabe und ein Mädchen mit vorstehenden Zähnen und nervösem Blick, wozu soll es denn gut sein, ihnen so etwas zuzumuten? Und keins von ihnen hatte irgendeine Beziehung zu Erich, sie sind ihm sicher nicht häufiger als zwei- oder dreimal begegnet, wenn ich das richtig in Erinnerung habe.

Ebert Kenner natürlich und einige neuere Kollegen, die ich noch nie gesehen hatte. Ein Quartett, genau gesagt, zwei Frauen, zwei Männer. Dazu Oberarzt Monsen, der es sich in der Kirche nicht verkneifen konnte, ein paar Worte zu sagen, die er dann am Grab noch einmal wiederholte.

Über die Klarheit der Herbsttage und die uns zubemessene Zeit auf Erden. Über die analytische Schärfe, die Erichs hervorstechendste Eigenschaft war und Zeugnis von seiner Meisterschaft ablegte.

Worte.

Ich fühlte mich ein wenig müde. Dort draußen, in dem schwarz gekleideten Kreis aus Trauernden und weniger Trauernden und solchen, die aus ganz allgemeinen Gründen gekommen waren, überkam mich eine Woge der Erschöpfung. Vielleicht lag es an der Trauer, die mich doch noch erfasste, nicht in erster Linie der Trauer um Erich, sondern der Trauer über das Leben an sich.

Über dessen Ungerechtigkeiten und blinden Flecke. Über Verfehlungen, die wir unter den Teppich kehren und verdrängen, aber die uns doch einholen, wenn wir ihnen lange genug den Rücken zudrehen. Wenn wir nicht genug aufgepasst haben.

Ich weinte nicht. Nicht eine Träne quoll während der gesamten Feierlichkeit aus meinen Augen: Es ist mir egal, wie das auf andere wirken mochte, und es gibt heutzutage doch zahllose Medikamente, die uns abstumpfen und unsere Seele betäuben, also gehe ich davon aus, dass mein Auftreten niemanden wirklich überrascht hat. Ich habe mit keinem Menschen ein Wort gewechselt. Habe mich auf bestätigende Blicke beschränkt. Auf Händeschütteln. Leichte Umarmungen und illusorisches Nicken.

Die Jugendfreunde vom Ruderklub trugen den Sarg. Vier Männer, drei erkannte ich, wusste jedoch von keinem den Namen, sie alle wohnen in Gobsheim, und dem Pastor zufolge hatten sie sich selbst für diesen Freundesdienst angeboten. Und dann noch Henny.

Ich wollte wirklich nicht alle Anwesenden aufzählen, aber jetzt habe ich es wohl doch getan. Henny Delgado.

Sie trug in der Kirche etwas langärmliges Schwarzes, doch als wir dann auf den Friedhof gingen, hatte sie einen dunkelroten Poncho übergestreift. Mir fiel ein, dass sie immer schon Rot getragen hat, nicht unbedingt am ganzen Leib, aber etwas Rotes war doch immer dabei gewesen. Ein roter Blickfang. Eine karminrote Bluse oder ein Schal. Ich selbst bin blau und kalt. Schon als Gymnasiastin hielt jede von uns sich an ihre Farben: Hennys Töne waren Rot, Gelb, Ocker. Meine Blau und Türkis, kalte Farben. Nur bei Grün konnten wir einander begegnen, kamen dabei aber aus entgegengesetzten Richtungen. Später, das muss während des ersten Wintersemesters an der Universität gewesen sein, suchten wir zusammen einen Farbanalytiker auf, der unsere intuitive Wahl sofort guthieß. Er hielt Stofflappen neben unsere verdutzten Gesichter und verbreitete sich über unsere unterschiedlichen Hauttypen. Über Pigmentierungspersönlichkeiten, als handele es sich dabei fast um etwas Seelisches.

Henny sah erstaunlich jung aus. Auf irgendeine Weise frisch und geschmeidig; ich weiß eigentlich nicht, warum es mich überrascht hat, aber so war es tatsächlich. Sie war natürlich allein gekommen, Mann und Kinder hatte sie in Grothenburg gelassen, ja, ich bin keiner ihrer Töchter je begegnet, aber ihre Taufbilder liegen in der passenden Reihenfolge in irgendeinem Album.

Ich finde es gar nicht gut, dass wir nicht miteinander sprechen konnten, wo wir uns nach so vielen Jahren endlich wiedergesehen haben. Aber ich habe doch das Gefühl, dass ich von ihr hören werde. Woher diese vage Ahnung stammt, weiß ich nicht, aber ich glaube nicht, dass ich mich irre. Trotz allem haben wir einander so nahegestanden wie zwei Menschen vom selben Geschlecht das überhaupt nur können, ohne miteinander verwandt oder lesbisch zu sein. Lange Zeit ist vergangen, aber es gibt Zeichen und kleine Fingerzeige, die uns auf einer tieferen Ebene treffen als der kognitiven und sprachlichen. Natürlich gibt es sie.

Justin bot an, über Nacht zu bleiben, aber ich lehnte dankend ab. Justin ist ein guter, verständnisvoller Mensch, ich habe ihn immer sehr geschätzt, trotz seines ein wenig unkultivierten Stils, aber ich will allein sein. Allein mit den Hunden, mit einem Feuer im offenen Kamin, den Sessel ans Fenster gezogen. Ein Glas Portwein oder zwei, die Dämmerung, die sich über den Garten senkt, die knorrigen, zu sehr beschnittenen Apfelbäume, die Buchsbaumhecke und die Felder, die sich nach Molnar hinunterziehen: einige Stunden in absoluter Stille, mit dem Fotoalbum und den Erinnerungen. Vielleicht werde ich auch eine Zigarette rauchen, obwohl ich das Rauchen eigentlich schon vor Jahren aufgegeben habe, aber es ist schließlich ein besonderer Tag, und ich habe noch zwei Packungen in der Schublade.

Ich bin auch nächste Woche noch krankgeschrieben. Die Hälfte der Stunden werde ich nachholen, die andere Hälfte ist Bruun zugefallen. Wie üblich. Es tut mir leid, Keats und Byron seinen schlaffen, feuchten Händen überlassen zu müssen, aber mir blieb nichts anderes übrig.

Kundenbewertungen zu "In Liebe, Agnes" von "Håkan Nesser"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 5 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
***** ausgezeichnet
 
(2)
***** sehr gut
***** gut
***** weniger gut
***** schlecht
Schreiben Sie eine Kundenbewertung zu "In Liebe, Agnes" und Gewinnen Sie mit etwas Glück einen 15 EUR buecher.de-Gutschein

Bewertung von Xirxe aus Hannover am 21.02.2012 ***** ausgezeichnet
Kein Blut, keine Toten, überwiegend Briefe - und das sollen die Zutaten für einen fesselnden Krimi sein? Ja, das sind sie!
Obwohl so gut wie alles, was einen guten Krimi ausmacht, fehlt, steigt die Spannung spürbar von Seite zu Seite an. Man vermutet, dass mehr hinter dem Ganzen steckt und als man es glaubt zu wissen, wird man wieder eines Besseren belehrt.
An der Beerdigung von Agnes' Ehemann nimmt auch Henny teil, ihre frühere beste Freundin, die sie vor 19 Jahren das letzte Mal sah. Kurz darauf beginnt zwischen den beiden Frauen ein reger Briefwechsel, in dem Henny Agnes bittet, ihren Mann für sie umzubringen. Agnes willigt ein...
Während in den ausgetauschten Briefen langsam der Mordplan Gestalt annimmt, lässt Agnes die Lesenden an ihren Erinnerungen an die gemeinsame Jugend teilhaben. Und nach und nach beginnt man zu ahnen, dass doch nicht alles so eindeutig ist wie es scheint. Oder vielleicht ist es auch ganz ganz anders.
Toll gemacht, nur leider hat man es viel zu schnell gelesen.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

1 von 1 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Dem Autor für die Bewertung danken
Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Bewertung von Janssen aus Varel am 01.02.2009 ***** ausgezeichnet
Zu Anfang war ich doch sehr skeptisch über dieses Buch. Doch umso weiter die Geschichte ging, je mehr wollte ich dann auch wissen, wie sie ausgeht. Habe mich auch wieder sehr gut unterhalten gefühlt. Für jeden, der mal zwischendurch eine spannende Geschichte lesen will immer zu empfehlen.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Broschiertes Buch

3 von 4 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
War diese Bewertung für Sie hilfreich?
JA NEIN

Dem Autor für die Bewertung danken
Verstoß melden
Kommentieren Sie diese Bewertung

Sie kennen "In Liebe, Agnes" von Håkan Nesser ?
Tipp: Stöbern Sie doch mal ein wenig durch ausgewählte aktuelle Bewertungen in unserem Shop
Andere Kunden kauften auch