In den Fängen der Großmächte - Baumgärtner, Wilhelm A.

Wilhelm A. Baumgärtner 

In den Fängen der Großmächte

Siebenbürgen zwischen Bürgerkrieg und Reformation. Orts- und Personenregister

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In den Fängen der Großmächte

Wie entstand das Fürstentum Siebenbürgen? Ungarns Niedergang ermöglichte Transsylvaniens Aufstieg. Das Waffengeklirr der osmanischen Heere konnte niemand überhören. Sie überrannten den Balkan, sie überrannten Ungarn, sie wollten den "goldenen Apfel" 1 Wien pflücken. Dieser große Konflikt zwischen Abend- und Morgenland mit den zahlreichen Kriegen, die man im Westen die Türkenkriege 2 nennt, erreichte 1526 mit der Vernichtung Ungarns und 1529 mit der Belagerung Wiens seine ersten Höhepunkte. Zeitumstände und nicht planvolle Absicht führten dazu, dass aus Siebenbürgen, dieser Provinz des ungarischen Reiches, ein (beinahe) selbstständiger Staat wurde.
Nach dem Zusammenbruch der ungarischen Monarchie infolge der verlorenen Türken-Schlacht von Mohatsch gelangten Ungarn und Siebenbürgen in das machtpolitische Netzwerk der Großmächte. Ein jahrzehntelanger Konflikt um die Krone Ungarns zwischen Ferdinand von Habsburg, Erzherzog von Österreich,
König von Böhmen, deutscher König und Kaiser, und dem von den Türken unterstützten Grafen der Zips und siebenbürgischen Woiwoden, Johann Zapolya, sowie deren Nachfolger, verhinderte jede staatliche Restauration und jede wirtschaftliche Regeneration. In der Folge wurde Zentral-Ungarn osmanische Provinz.
Aus dem auf sich gestellten östlichen Restteil des Reiches entstand notgedrungen ein neuer Staat - das Fürstentum Siebenbürgen. Daraus ersehen wir, dass siebenbürgisch-sächsische Geschichte auch in Wien, Ofen (Budapest), Prag und Konstantinopel gemacht wurde und nicht nur in Hermannstadt, Kronstadt
oder Bistritz.
Jahr und Tag waren ins Land gezogen, und allmählich wurde am Horizont das Morgenrot einer neuen Zeit sichtbar. Europa befand sich im geistigen Umbruch. Festgefügtes geriet ins Wanken, Altes verging, Neues entstand. Die Schwelle vom Mittelalter zur Neuzeit wurde überschritten. Verwegene Ideen der wieder entdeckten Antike veränderten allmählich die europäischen Gesellschaften. "Die Luft der Freiheit weht ..." 3 stellte der Reichsritter und Poet Ulrich von Hutten fest. Dem allein auf Gott bezogenen Weltbild 10 wurde eines entgegengesetzt, das den Menschen in den Mittelpunkt stellte und damit unsere humanistische Tradition begründete. "O Jahrhundert, o Wissenschaft", rief derselbe Ulrich von Hutten voller Begeisterung, "es ist eine Lust zu leben. Die Studien blühen, die Geister regen sich, Barbarei, nimm dir einen Strick und mach' dich auf Verbannung gefasst!" 4 Die Renaissance brach mit dem festgefügten mittelalterlichen Ständedenken, an die Stelle des Autoritätsglaubens trat der freie Geist der Selbsterkenntnis.
Der Mensch wurde zum Maß aller Dinge und die Staatsräson zum Prinzip der Politik. Damit aber nicht genug: Selbst die vom Hauch der Ewigkeit erfasste Kirche, die in anderen zeitlichen Dimensionen dachte, geriet ins Wanken. Die von Wittenberg ausgegangenen geistigen und geistlichen Umwälzungen breiteten sich in ganz Europa aus. Die Allmacht des Papstes wurde in Zweifel gezogen. Das Zeit alter der Reformation war angebrochen. Doch anders als im
Deutschen Reich, wo wirtschaftlich-soziale und politische Nöte die Reformation förderten, war sie in Siebenbürgen das Werk einer Oberschicht von humanistisch ausgerichteten und gebildeten Bürgern, die sich anfangs nur auf eine Neuordnung der Kirche beschränkten.
....
Schäßburg, am 1. August 1965 (Dr. Fritz Mild)


Produktinformation

  • Verlag: Schiller Verlag
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 456 S. m. Abb., 16 farb. Bildtaf.
  • Seitenzahl: 456
  • Die Geschichte Siebenbürgens Bd.4
  • Deutsch
  • Abmessung: 22 cm
  • Gewicht: 610g
  • ISBN-13: 9783941271449
  • ISBN-10: 394127144X
  • Best.Nr.: 32719799
Wilhelm Andreas Baumgärtner wurde 1952 in Hermannstadt geboren. Nachdem er das Brukenthal-Gymnasium in seiner Heimatstadt absolviert hatte, studierte er evangelische Theologie am vereinigten protestantischen Institut mit Universitätsgrad in Hermannstadt. Doch als ihm und den Seinen die Heimat zu eng wurde, wanderten sie 1977, wie so viele andere, nach Deutschland aus.

Leseprobe zu "In den Fängen der Großmächte"

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Leseprobe zu "In den Fängen der Großmächte"

Kaspar Tauber hatte eine theologische Schrift veröffentlicht, in der er für das Priestertum aller Gläubigen eintrat. Außerdem übte er darin Kritik an der Ohrenbeichte, der Heiligenfürbitte und leugnete die Existenz des Fegefeuers. Er deutete die angebliche Realpräsenz Christi beim Sakrament des Abendmahls nur symbolisch, ähnlich wie auch die Theologen und Reformatoren Jean Calvin aus Genf, Ulrich Zwingli aus Zürich oder Johannes Ökolampad aus Basel. Nach Sitte der Zeit verteidigte er seine Thesen in einer öffentlichen Disputation - und zwar nach Ansicht des Wiener Magistrats erfolgreich. Trotzdem wurde er der Ketzerei angeklagt und auf Befehl des Landesherren Ferdinand I. verhaftet und im Kärntnerturm eingesperrt.

Inhaltsangabe

Aus dem Inhalt:
Vorwort
Am Vorabend der Reformation
Blutzeugnis
Wortzeugnis
Reformstimmung
Gegensätze
Reformatorischer Gegenwind
Katholische Gegenwehr
Das Kapitel klagt
Der Tag des Untergangs
Die Schlacht
Die Besetzung
Der Rückzug
Die doppelten Könige
Thronansprüche
Die Wahl Zapolyas
Die Wahl Ferdinands
Der Sultans-Pakt
Qual der Wahl
Unruhige Zeiten
Die Türken vor Wien
Stimmungswechsel
Der Feldzug beginnt
Wiener Mut - Wiener Blut
Der Krieg der Maulwürfe"Siegreicher" Rückzug
Wieder in Ofen
Duell der Könige
Kriegsschauplatz Siebenbürgen
Ferdinands Wanken
Die Schlacht von Marienburg
Im Würgegriff des Feindes
Die Affäre Beuchel
Kronstadts Wende.. 165
Hermannstadts Alleingang
Kirche in den Wechseljahren
Im Schock der Niederlage
Könige, Kirche, Kontrahenten
Der siebenbürgische Luther
Lebenswege
Glaubenswege
Des Sultans Rückkehr
Erneute Friedensversuche
Der Tod Grittis
Hermannstädter Schicksalsstunden
Der Friede von Großwardein
Schäßburger Gespräche
Halbmond über Ungarn
Vom Königreich zum Fürstentum
Der Vertrag von Julmarkt
Das Abkommen von Nyribátor
Mörderische Intrigen
Ferdinands kurze Herrschaft
Die Stadt in Flammen
Das gefesselte Fürstentum
Der Weg des Evangeliums
Kronstadt reformiert
Erste "evangelische Mess"Das Reformationsbüchlein
Ringen mit der Staatsmacht
Ringen mit sich selbst
Briefe des Glaubens
Die Reformation zieht Kreise
Das Land wird evangelisch
Tagung der "gelehrten Männer"Kurz vor dem Ziel
Zeit der Gefährdung
Einheit und Trennung
Reformatorische Dispute
Calvinische Abweichler
Entscheidung für Augsburg
Streit der Theologen
Land der Toleranz
Verhältnis zur Orthodoxie
Anhang
Verzeichnis der Regierenden
Literaturverzeichnis
Personenverzeichnis
Ortsverzeichnis
Anmerkungen