Imagination des Bösen - Bohrer, Karl H.

Karl H. Bohrer 

Imagination des Bösen

Zur Begründung einer ästhetischen Kategorie

Broschiertes Buch
 
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
20 ebmiles sammeln
EUR 19,90
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Andere Kunden interessierten sich auch für

Imagination des Bösen

Gewalt, Grausamkeit, Krieg - diese Sphäre zieht die Künstler vor allem an. Warum paktiert die literarische Fantasie mit dem Bösen? Karl Heinz Bohrer erläutert anhand der Werke von Poe, Baudelaire, Shakespeare, Kafka und anderen die Natur des Bösen und gibt dem Leser einen Einblick in diese ästhetische Kategorie.


Produktinformation

  • Verlag: Hanser
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 320 Seiten
  • Seitenzahl: 272
  • Edition Akzente
  • Best.Nr. des Verlages: 505/20494
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 121mm x 25mm
  • Gewicht: 315g
  • ISBN-13: 9783446204942
  • ISBN-10: 3446204946
  • Best.Nr.: 12370273
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 28.05.2004

Hinweis

BOHRERS BÖSES. Daß sich zu Beginn des Irak-Kriegs auch eine intellektuelle Linke willig in die Koalition der Willigen einreihte, mag heute vergessen sein. Aber man nehme nur noch einmal die entsprechenden Hefte der Zeitschrift "Merkur" aus dem Schuber, um zu sehen, welche Attraktivität der Krieg auch für ein sich links verstehendes Denken ausübt. Näheren Aufschluß gewinnt, wer die neue Aufsatzsammlung des "Merkur"-Herausgebers Karl Heinz Bohrer über das Böse in den Künsten zur Hand nimmt. Unter dem Buchtitel "Imaginationen des Bösen" legt Bohrer dar, "wie stark die Anziehungskraft des Bösen als epiphanes Ereignis für die künstlerische Vorstellung während unterschiedlicher Epochen gewesen ist und weiterhin offenbar bleibt". Der Untertitel variiert: "Für eine ästhetische Kategorie" heißt er im Buch selbst, auf dem Schutzumschlag jedoch ist das Plädoyerhafte des "Für" abgemildert zu: "Zur Begründung einer ästhetischen Kategorie". Der nicht festgelegte Untertitel mag für das Schillernde des Ganzen stehen. Bohrer identifiziert den Krieg als "zum Kern des zivilisatorischen Prozesses" gehörend. Am Ende glänzt das Böse als Phantasma für …

Weiter lesen

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Niels Werber bespricht einen Band mit acht Essays von Karl Heinz Bohrer über das Böse als ästhetische Kategorie. Der Rezensent macht als Hauptthese des Bandes aus, dass "große Kunst" stets eine "Affinität zum Bösen" aufweist, wie Bohrer anhand von Texten Kafkas, Jüngers und Weiss'" sowie Bildern von Delacroix, Goya und Bacon zu zeigen versuche. Der Autor argumentiert, dass die "Deutung als Sinnstiftung" letztlich nicht den Kern dieser Kunst trifft, erklärt der Rezensent. Am Text "Kriegsgewinnler", dem einzigen "Originalbeitrag" des Bandes, wie Werber betont, demonstriert der Bohrer dann, dass die Kunst von je her ihre besondere "Energie" aus dem Krieg mit seinen Grausamkeiten und Schrecken gewonnen hat. Bedauerlich findet es der Rezensent am Ende, dass Bohrer nicht auch die Kunst nach dem Terroranschlag des 11. Septembers unter diesem Aspekt untersucht hat.

© Perlentaucher Medien GmbH
Karl Heinz Bohrer, geboren 1932, Professor für Neuere deutsche Literaturgeschichte an der Universität Bielefeld, seit 1984 Herausgeber des MERKUR. 2007 wurde Karl Heinz Bohrer der Heinrich-Mann-Preis verliehen.

Leseprobe zu "Imagination des Bösen" von Karl H. Bohrer

PDF anzeigen

Leseprobe zu "Imagination des Bösen" von Karl H. Bohrer

Wenn der Pädagoge A. nach Anhörung eines Vortrags über Kleists Selbstmord als imaginatives Projekt meint, diese Katastrophe müsse doch vom Vortragenden vermittelt werden; wenn der Philosoph B. anläßlich einer Diskussion über Friedrich Schlegels Absage an die Geschichtsphilosophie zugunsten einer ästhetischen Utopie sich erregt, wer derlei gedanklich nachvollziehe, sei ein Anwalt des Bösen; und wenn der Soziologe C. schließlich eine Versöhnung herstellt zwischen Aufklärung und Romantik, dann haben alle drei, der mahnende Pädagoge, der zürnende Philosoph und der vermittelnde Soziologe, einen Beleg dafür gebracht, inwiefern der künstlerisch-literarischen Rede für den akademisch-politischen Menschen noch immer ein Skandal innewohnt, der, wie aufgeräumt Pädagogen, Philosophen und Soziologen im allgemeinen sich auch gegenüber dieser Sphäre des Scheins zu verhalten wissen, bis heute nicht gezähmt werden konnte bzw. mit unrichtigen theoretischen Vorschlägen zu zähmen versucht wird.Das Beunruhigende liegt darin, daß sich ästhetische Konstrukte offenbar nicht auf die moralisch-diskursive Rede rückübersetzen lassen, so gerne man dies auch möchte, und zwar nicht erst seit der Romantik. Max Webers Theorem von der Ausdifferenzierung der kulturellen Wertsphäre, mit welchem man sich gegenüber der Beunruhigung der Kunst bis heute beruhigt, begriff die neue Autonomie bzw. den Autonomie-Anspruch der modernen Kunst und Literatur funktional, als das historische Korrelat zum Rationalisierungsprozeß der Moderne. Sofern die Kunst als Sphäre des Subjektiv-Expressiven dieses Primat quasi entlastend begleitet, kann ihr ein Stellenwert innerhalb dieses Prozesses angewiesen werden. Sofern sie aber diesem Prozeß, wie verhüllt oder erkennbar auch immer, widerspricht, wird sie als das neue Irrationale tabuisiert und verfällt der ideologiekritischen Aufklärung. Jürgen Habermas hat diese funktionalistische Begründung und Duldung der ästhetischen Wertsphäre übernommen, um gleichzeitig das eingangs angedeutete moralisch-intellektuelle Verdikt auf den aktuellen Begriff zu bringen: Er nennt die "schwarzen Schriftsteller des Bürgertums, allen voran der Marquis de Sade und Nietzsche", die die letzten Verbindungen zur Marxschen Gesellschaftstheorie unterbrochen hätten.Was der Pädagoge A., der Philosoph B. und der Soziologe C. meinen, das hat Habermas unmißverständlich ausgesprochen: Wenn sich die Literatur von der Kommunikationsinstanz Gesellschaft bzw. von der gesellschaftlichen Theorie der Moderne radikal abkoppelt, dann wird sie "schwarz". Habermas nimmt Webers kultursoziologischen Hinweis auf die "diabolische" Wendung innerhalb der modernen Kunstentwicklung ("Die Wirtschaftsethik der Weltreligionen") sozusagen moralisch ernst. Hatte Weber 1920 eher die aktuellen Exzesse einer noch von Décadence und Ästhetizismus geprägten Boheme-Moderne relativiert, so sieht Habermas 1980 die Geschichte der ästhetischen Wertsphäre als Alternative zum rationalen Diskurs "Moderne". Habermas unterstellte sozusagen die Möglichkeit eines graduellen Schuldigwerdens bis hin zu jenem endgültigen Sündenfall, bei dem die moderne Literatur sich von der höchsten Instanz, der gesellschaftlichen Vernunft, ablöst wie Miltons Satan von Gott. Dieses von Max Weber abgeleitete funktionale Theorem bekommt seine moralische Dignität vom Wissen um jene historisch-politische Entwicklung, die Georg Lukács als "Zerstörung der Vernunft" beschrieb, eine These, deren theoretische Relevanz der Habermas-Schüler Hauke Brunkhorst, nachdem sie etwas in Vergessenheit geriet, in einem Aufsatz (Merkur, Nr. 436, Juni 1985) wieder stark zu machen versuchte. Weder er noch Habermas stellen indes die Frage, ob jener angebliche Sündenfall der Literatur nicht möglicherweise das Apriori der modernen Kunst seit ihrer Entstehung zu Beginn des 19. Jahrhunderts sein könnte: nicht bedingt durch eine Verfehlung dieses oder jenes Künstlers bzw. ästhetischen Programms - was man abermals sozialhistorisch und funktionsgeschichtlich zu erklären hätte -, sondern durch die Verfaßtheit eines ästhetischen Konstrukts seit der europäischen Romantik, dem man sich mit einer anderen Methode zu stellen hätte.Es war Hegel, der diese Vermutung als erster kategorisch formulierte, wenn er in seiner Ästhetik das Werk E.T.A. Hoffmanns als ein Beispiel des "Bösen", d.h. des wesenlos "Negativen", aus dem künstlerisch Zulässigen auszugrenzen versuchte. Hegel hat die "Schwärze" der modernen romantischen Kunst, von der Habermas spricht, also nicht sanktioniert, sondern er hat sie als erster Philosoph unter der Kategorie des "Bösen" aus der Sphäre des "Geistes" ausgeschlossen. Er steht am Anfang der Geschichte eines theoretischen Bannfluchs, dem sich von ihm inspirierte Philosophen wie Karl Rosenkranz in seiner Ästhetik des Häßlichen (1853) und Publizisten wie Arnold Ruge in der Neuen Vorschule der Ästhetik (1837) entschieden und weniger entschieden anschlossen. Vornehmlich Ruge, den der Systematiker Rosenkranz, der um das Heterogene an dem Phänomen Kunst wirklich theoretisch bemüht war, allerdings auch kritisiert, hat unter dem Begriff des "Bösen" ebenfalls über Hoffmann, aber auch über Heinrich Heine in einer Sprache das Urteil gesprochen, in welcher der moralische Rigorismus der späteren Ideologiekritik festgelegt wurde. Seit Hegel wird die romantische und die ihr folgende "schwarze" Literatur der Moderne unter jenen Verdacht des "Bösen" gestellt, der im Kategoriensystem von Habermas oder Apel und deren Schülern bis heute wiederkehrt.Ich möchte also nach dem Bösen in der Literatur im Sinne eines historischen Begriffs, nicht im Sinne einer wieder Mode werdenden kryptosakralen Symbolik oder aber einer ontologischen Kategorie fragen. Dabei soll es allerdings nicht um die Erörterung des soeben gekennzeichneten philosophischen Verdachts selbst gehen, den die Phänomenalität einer böse gewordenen Kunst gar nicht interessiert, der sie vielmehr unter diesem Begriff denunziert. Vielmehr geht es um die Umkehrung dieser Negativität zu einer ästhetischen Kategorie. Um vorweg anzudeuten, was damit gemeint sein könnte, zitiere ich den von Habermas als "schwarzen" Schriftsteller apostrophierten Nietzsche: Dieser hat in einem sehr ironischen Kommentar aus dem Nachlaß der achtziger Jahre zu der Tragödiendefinition des Aristoteles geschrieben, wenn dieser die griechische Tragödie unter den "deprimierenden", d.h. den moralisch-reflexiven Affekten von "Schrecken" und "Mitleid", mißverstehe, dann übersehe er, daß die Tragödie ein "tonicum" sei, also etwas Erhebendes. Und dieses Verkennen komme aus der "absoluten Verlogenheit eines Systematikers". Vor Nietzsche hatte nur Heinrich von Kleist in einem Brief an Marie von Kleist vom Spätherbst 1807 schon dagegen polemisiert, daß die "Anforderung an Sittlichkeit und Moral" das "ganze Wesen des Dramas" vernichte. Die griechische Tragödie, so Kleist, hätte unter solchen moralisierenden Kriterien, wie sie ein gegenwärtiges bürgerliches Publikum vertrete, nie entstehen können! Was Kleist und Nietzsche für das 19. Jahrhundert fordern, ist nichts anderes, als daß die Ausgrenzung des Bösen ästhetisch wieder rückgängig gemacht werde, denn des Aristoteles Tragödiendefinition, die bis in die ästhetische Diskussion des 18. Jahrhunderts bei allen Differenzierungen der Auslegung verbindlich blieb, hätte die erste theoretisch begründete Ausgrenzung des Bösen vorgenommen: Das erste Verbrechen des Mythos, das Atreus-Grauen - nicht bloß in seiner Urform bei Aischylos und Sophokles, sondern noch in Goethes Iphigenie auf Tauris als Rückkehr des Mythos ästhetisch präsent - wurde schon von Aristoteles theoretisch-moralisch gezähmt. Diesem stellte sich nicht das Problem, daß es das Grauen selbst sein könnte, was an der Tragödie fasziniert.

5 Marktplatz-Angebote für "Imagination des Bösen" ab EUR 18,60

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
Wie neu 18,60 0,00 Selbstabholung und Barzahlung, PayPal, Banküberweisung Hausmanns Büchershop 98,8% ansehen
Wie neu 18,60 0,00 Selbstabholung und Barzahlung, Banküberweisung Buchversand Zorneding 99,1% ansehen
wie neu 18,90 0,00 Banküberweisung Hamleh 96,3% ansehen
Wie neu 18,90 0,00 Banküberweisung robo-buch 98,3% ansehen
gebraucht; wie neu 18,91 0,00 PayPal, Banküberweisung, Selbstabholung und Barzahlung jo1u 98,4% ansehen
Mehr von