Im Licht des Tages - North, Will

Will North 

Im Licht des Tages

Roman. Deutsche Erstausgabe

Übersetzung: Sander, Ruth
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Im Licht des Tages

"Ein wahrhaft wunderbares Ende beschließt einen ebensolchen Roman. Eine intelligent geschriebene Liebesgeschichte." -- Kirkus Reviews

"Authentisch, gefühlvoll und bewegend." -- Bestsellerautorin Jacquelyn Mitchard über "Am Ende des Weges"

Andrew Stratton ist die Vernunft in Person. Auch in der Liebe. Doch als sich der frisch geschiedene Professor aus Amerika eine Auszeit in einem idyllischen Dorf an Englands rauer Küste gönnt, begegnet er der eigenwilligen Nicola. Die impulsive Malerin zwingt ihn, die Dinge in einem ganz anderen Licht zu sehen. Er muss sich entscheiden: Gehorcht er seinem Verstand oder folgt er zum ersten Mal seinem Herzen?


Produktinformation

  • Verlag: Heyne
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 366 S. 187 mm
  • Seitenzahl: 368
  • Heyne Bücher Bd.40736
  • Deutsch
  • Abmessung: 189mm x 118mm x 34mm
  • Gewicht: 285g
  • ISBN-13: 9783453407367
  • ISBN-10: 3453407369
  • Best.Nr.: 26315781
"Authentisch, gefühlvoll und bewegend." Bestsellerautorin Jacquelyn Mitchard über "Am Ende des Weges"

"Authentisch, gefühlvoll und bewegend."

"Authentisch, gefühlvoll und bewegend."
Will North arbeitete unter anderem als Ghostwriter für Bill Clinton und Al Gore und wurde für seine schriftstellerische Tätigkeit im Sachbuchbereich ausgezeichnet, bevor er sich äußerst erfolgreich dem Romangenre zuwandte. "Am Ende des Weges" ist sein erster Roman und wurde gleich ein internationaler Erfolg. Er lebt in Seattle, Washington und Großbritannien.

Leseprobe zu "Im Licht des Tages"

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Leseprobe zu "Im Licht des Tages" von Will North

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Leseprobe zu "Im Licht des Tages" von Will North

Alles in Ordnung da unten?"

Andrew Stratton schaute drei Meter hoch zum Klippenrand über seinem Kopf, doch die Nachmittagssonne blendete, und alles, was er erkennen konnte, war die Silhouette einer Frau, deren Kopf und Schultern sich gegen den leuchtend blauen Himmel abzeichneten. Stratton stand auf einem schmalen, grasbewachsenen Felsvorsprung über dem Meer, den er mit einem laut blökenden schwarzköpfigen Schaf teilte. Neben der Frau tauchte der Schatten eines Hundes auf. Der Schatten bellte.

"Äh, ja", rief er zurück. "Ich habe einen Spaziergang gemacht und gesehen, dass sich dieses Schaf hierher verirrt hat."

"Und da haben Sie beschlossen, ihm Gesellschaft zu leisten?"

"Ja ... oder besser, nein ... ich meine, ich dachte, ich könnte ihm wieder nach oben helfen. Aber sobald ich näher komme, tut es so, als würde es gleich springen."

"Wirken Sie immer so auf andere?"

"Was?"

"Ach nichts."

Von dem schmalen Sims, auf dem er mit dem Schaf stand, ging es seiner Schätzung nach mindestens sechzig Meter steil abwärts zum Atlantik, dessen Wogen sich tief unten brachen - so tief unten sogar, dass er die donnernden Wellen durch das Pfeifen des Windes kaum hören konnte. Er war über den Klippenpfad nördlich des kornischen Dorfes Boscastle gewandert und hatte eine Pause eingelegt, um zuzuschauen, wie die Wellen heranrollten und an dem zerklüfteten Gestein am Fuß der Klippe in Gischt und Dunst zerstoben. Da hatte er das Schaf gehört. Eine Spur aus losen Steinen und zertrampelten Pflanzen zeigte, wo es zum Felsvorsprung hinuntergeklettert war, wohl in der Annahme, dass das Gras dort grüner sei.

"Das wird Darwins Schaf sein", sagte die Stimme oben.

"Sie kennen den Besitzer?" Andrew schöpfte gleich ein wenig Hoffnung.

Die Frau lachte. "Nein, das heißt, neben Ihnen steht das dümmste Schaf der Herde, dasjenige, das sterben muss, um den Genpool zu schützen und das Überleben der Art zu sichern."

"Oh."

Irgendetwas an ihrem Tonfall verriet Andrew, dass sie der Meinung war, er und das Schaf hätten mehr gemein als nur den schmalen Streifen Gras, auf dem sie standen.

"Irgendwelche Vorschläge?", rief er.

"Keine. Normalerweise lässt man der Natur ihren Lauf."

Das verschlug Andrew die Sprache.

"Also gut", fuhr sie fort. "Wenn Ihnen nichts fehlt, überlass ich Sie Ihrem Schicksal." Und mit diesen Worten verschwand der Kopf hinter der Felskante. Andrew konnte hören, dass die Frau pfiff, während sie sich mit knirschenden Schritten auf dem Pfad entfernte.

Andrew Stratton - Professor aus Philadelphia - wusste nicht viel über Schafe. Er hatte keine Ahnung, wie er das Tier nun, da er zu ihm heruntergeklettert war, wieder nach oben schaffen sollte. Genau genommen war er sich nicht einmal sicher, wie er selbst wieder hinaufkommen sollte. Noch einmal näherte er sich dem scheuen Tier, und wieder wich es, die wässrigen roten Augen ängstlich aufgerissen, vor ihm zurück, bis es direkt am Rand des Abgrunds stand.

Da gab Andrew auf. Er wandte sich der Klippenwand zu und begann zu klettern, nur um fast augenblicklich wieder abzurutschen, weil sich ein Stück Fels unter seinem Griff gelöst hatte. Beinahe konnte er die Stimme seiner Frau Katerina hören - Exfrau, um korrekt zu sein: "Meide beim Klettern Tonstein oder Schiefer. Die bröckeln, und du kannst abstürzen." Sie hatte vor etwas mehr als einem Jahr ihre Liebe zum Bergsteigen entdeckt - und zu einem Bergsteiger, wegen dem sie Andrew kurz darauf verlassen hatte. Nun erinnerte er sich an einige ihrer Sicherheitsregeln: Plane deinen Aufstieg mehrere Schritte im Voraus; behalte an drei Punkten sicheren Kontakt mit dem Stein, ehe du nach dem nächsten Halt greifst; überprüfe jeden Haltepunkt, bevor du ihn mit Gewicht belastest. In den Wochen nach ihrem Auszug hatte sich Andrew oft gewünscht, dass es für private Krisen ähnliche Verhaltensregeln gäbe.

Nach wenigen Minuten umsichtigeren Kletterns zog er sich zum sicheren Fußpfad hoch. In der Ferne war eine Gestalt zu sehen, eine Frau, die über die Klippen marschierte und dabei von einem großen braunweißen Hund umkreist wurde. Aus ihm unbekannten Gründen fuchtelte sie mit den Armen, als führe sie ein angeregtes Gespräch mit dem Tier.

Andrew schaute nach unten. Das Schaf war wieder mit Fressen beschäftigt; dass es bald kein Gras und kein Entkommen mehr gäbe, störte es offenbar nicht. Die Frau hatte Recht: Es war ein sehr dummes Schaf - obwohl seiner Erfahrung nach, auch wenn sie auf seine wenigen Tage in Cornwall beschränkt war, alle Schafe bei einem Intelligenztest gleich abgeschnitten hätten. Er beschloss, der Leiterin des örtlichen Besucherzentrums von dem verirrten Schaf zu berichten, und es von jemandem retten zu lassen, der sich damit auskannte.

Der Tag hatte sehr angenehm mit einer Führung durch das Valency-Tal begonnen. Seine Führerin war eine Expertin, die jede Schleife und Windung des rauschenden Flusses und alle Ecken und Winkel des Tals kannte: die Stellen, zu denen das Wild frühmorgens zum Trinken kam; die Quellen und Sumpflöcher, in denen die meisten Frösche zu finden waren; das tiefe Becken, in dem man, wenn man ganz still hielt, manchmal Fische sehen konnte, die reglos unter der spiegelnden Wasseroberfläche verharrten. Ihr Name war Lilly Trelissick, und sie hielt das Valency-Tal für den schönsten Ort auf der ganzen Welt. Lilly war neun. Sie hasste ihren Namen und wurde lieber Lee gerufen. Natürlich nannte sie Andrew Drew.

Lilly - oder besser gesagt Lee - war das einzige Kind von Roger und Anne Trelissick, die auf der Bottreaux-Farm auf einem Hügel oberhalb von Boscastle wohnten, einem kleinen Dorf in einem steilwandigen, v-förmigen Tal an Cornwalls stürmischer Atlantikküste. Auf den üppigen Weiden oberhalb des Tals züchtete Roger Devon-Ruby-Rinder, eine Rasse, die für ihr schmackhaftes Fleisch sehr geschätzt wurde, und Anne arbeitete nebenberuflich als freischaffende Kinderbuchillustratorin. Andrew hatte von dem Paar ein renoviertes Cottage aus dem 17. Jahrhundert gemietet, das in einem abgelegenen Teil der Farm lag. Das Haus, in dem Roger und Anne lebten, war neueren Datums - aus der Georgianischen Zeit, schätzte Andrew angesichts der hohen Fenster und ausgewogenen Proportionen. Er vermutete, dass sein Cottage, das weniger wie erbaut, sondern eher wie aus dem Boden gewachsen wirkte, das ursprüngliche Farmhaus gewesen war.

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Zwei (S. 22-23)

Nicola Rhys-Jones machte sich Vorwürfe. Und das alles andere als leise. Sie brüllte sie laut in den Wind. »Idiotin! Dumme Gans! Begegnest zufällig einem gut aussehenden, hilfsbereiten Mann und was tust du? Reißt dumme Witze und gehst einfach weiter. Großartig!« Randi, ihr sieben Jahre alter Sibirischer Husky, umkreiste sie bellend, während sie den Küstenpfad entlangstapfte.

Dieses Spiel gefiel dem Hund: Wenn seine Herrin schrie und mit den Armen fuchtelte, rannte er immer im Kreis um sie herum. Er wusste, dass sie nun jeden Augenblick stehen bleiben und ihn anschauen würde. Dann sagte sie meist: »Was zum Teufel machst du da eigentlich, du verrückter Hund?«, kniete sich hin und nahm ihn fest in den Arm, weil sie sich noch alberner aufgeführt hatte als er. Das Spiel kannte er schon. Und er liebte es. Insbesondere die Umarmungen.

Nicola hielt sich brav an die Regeln. Schließlich richtete sie sich wieder auf und blickte über die Klippen zurück nach Norden. Hoch über Pentargon, in der Nähe des gleichnamigen Flusses, der sich über den Felsrand stürzte und beim Auftreffen auf den Strand tief unten nur noch aus Wasserdampf bestand, entdeckte sie die winzige Silhouette eines Mannes. Da ging der gut aussehende Mann, der dem blöden Schaf zu Hilfe geeilt war, der attraktive Mann mit den dichten grau melierten Locken und dem sanften, liebenswürdigen Gesicht. Sie würde sich nicht von ihm einholen lassen.

Ein Teil von ihr zögerte zwar, doch auf ihn zu warten kam nicht in Frage. Das war ihr zu durchsichtig. Nachdem sie den hohen Mast mit dem fischförmigen Windrichtungsanzeiger auf dem Penally Point passiert hatte, folgte sie dem abschüssigen Pfad zum Hafen von Boscastle, der zu ihrem kleinen Cottage mit Atelier an der Mole führte. Nicola Rhys-Jones, ledig - geschieden, um korrekt zu sein -, näherte sich unaufhaltsam dem »gewissen Alter«, tat aber, als mache ihr das nichts aus, was natürlich nicht der Wahrheit entsprach.

Alle, die ihr auf dem Küstenpfad begegnet wären, zumindest alle Männer, hätten sie als sehr schön beschrieben, auch wenn sie selbst andere Maßstäbe anlegte. Sie hatte langes, leicht welliges dunkelbraunes Haar, große braune Augen, dichte, ausdrucksstarke Brauen und eine hübsche Nase, die zugegebenermaßen für ihr Gesicht ein wenig zu groß war. Dazu hohe, schräge Wangenknochen, eine leicht olivfarbene und erstaunlich faltenlose Haut, volle Lippen mit aufwärts gebogenen Mundwinkeln, die stets ein geheimnisvolles Lächeln andeuteten, und ein Kinn, das erste Anzeichen von Erschlaffung zeigte - bislang der einzige Teil ihres Körpers, der der Schwerkraft nachgab. Die fast vierzig Jahre sah man ihr nicht an.

Noch nicht. Sie war knapp eins fünfundsiebzig (etwas zu groß, ihrer Meinung nach), hatte breite Schultern (ein wenig zu breit, fürchtete sie), einen üppigen Busen (zu üppig - ihr italienisches Erbe), schlanke Beine und wohlproportionierte Hüften, die sie eisern in Form hielt (deshalb die Spaziergänge mit dem Hund, die ihr allerdings sehr viel Spaß machten). Ihr Exmann Jeremy hatte dazu gern einen derben Kommentar abgegeben, der ihr insgeheim gefallen hatte, ehe sie ihn zu hassen begann: »Ich mag es, zwischen deinen Schenkeln das Tageslicht zu erblicken.«

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