Gabriel, ein etwa dreißigjähriger Übersetzer, wohnhaft in London,
durchlebt eine Sinnkrise. Aufgewachsen in der französischen Provinz
als Sohn einer ungarisch-jüdischen Einwandererfamilie, ist er dem
stummen Zuhause entflohen: stumm, was die Herkunft, das Schicksal
der Vorfahren, aber auch, was den Unfalltod der geliebten Schwester
betrifft, der sein und der Eltern Leben urplötzlich verdunkelt hat.
In London heiratet er eine lebenslustige junge Frau, der er mit
Erfolg Gesprächigkeit und Aufgeschlossenheit vorspielt. Sie hat ihn
mit ihrem Lachen, das ihm eine hellere Zukunft verspricht, in Bann
geschlagen. Ein Verlag beauftragt Gabriel mit der Neuübersetzung
von Thomas Manns Doktor Faustus. Laura wird schwanger. Das Paar
richtet sich auf Nachwuchs ein. Alles läßt sich gut an.
Da fährt er zu einem Übersetzerkolloquium nach Budapest. Auf dem
jüdischen Friedhof entdeckt er die Gräber seiner Familie. In den
Dämpfen des Király-Bads begegnet er sich selbst? Die
totgeschwiegene Vergangenheit greift nach ihm. Sie stellt alles in
Frage. "Steht es mir noch zu, mein Leben gegen ein anderes
einzutauschen? Ein neues Tor zu öffnen und einen anderen Weg zu
finden?"
Holger Fock, geboren 1958 in Ludwigsburg, übersetzt seit 25 Jahren französische Literatur. Er lebt zusammen mit der Übersetzerin Sabine Müller und zwei Kindern im Raum Heidelberg. Gemeinsam mit Sabine Müller wurde er im Jahr 2011 mit dem Eugen-Helmlé-Übersetzerpreis ausgezeichnet.
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