'Ich wurde eine Romanfigur', Wolfgang Koeppen 1906-1996 - Häntzschel, Hiltrud; Häntzschel, Günter

Hiltrud Häntzschel Günter Häntzschel 

'Ich wurde eine Romanfigur', Wolfgang Koeppen 1906-1996

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'Ich wurde eine Romanfigur', Wolfgang Koeppen 1906-1996

Der hundertste Geburtstag Wolfgang Koeppens am 23. Juni 2006 und das Gedenken an seinen Tod am 15. März 1996 sind Anlaß, den verschlungenen, sich verzweigenden, oft schwer zu erkennenden oder absichtsvoll in die Irre führenden Weg in dessen Biographie genau zu verfolgen. Kurz: In dieser erstmals den gesamten Nachlaß einbeziehenden Lebens- und Werkbeschreibung geht es um Dichtung, um Wahrheit und um das Verhältnis zwischen beiden.

Wolfgang Koeppen bewahrte fast alle ihn betreffenden Dokumente auf. Sie eröffnen neue Einsichten in seine persönlichen Geschicke, in lebensentscheidende Ereignisse und Begegnungen, in die wenigen Freundschaften und in heftige Liebesgeschichten, vor allem aber in eine von Bruchstücken, von Fragmenten, Plänen, Anfängen, Varianten, kleinen, uns vollendet erscheinenden, aber nicht veröffentlichten Kunststücken überquellende Schreibwerkstatt.

Koeppen hat die literarische Öffentlichkeit mit seinem Schweigen mindestens ebenso beschäftigt wie mit seinem Schreiben. Die hier entworfene persönliche und literarische Physiognomie entzaubert den einen oder anderen in der Öffentlichkeit kursierenden Mythos, gewichtet Realität und Fiktion neu und stellt so das große 'uvre eines singulären und zugleich repräsentativen Schriftstellers des 20. Jahrhunderts in seinen Entstehungszusammenhängen und in seiner Wirkungsgeschichte dar.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2006
  • Ausstattung/Bilder: 2006. 175 S. m. zahlr. Abb.
  • Seitenzahl: 175
  • Deutsch
  • Abmessung: 280mm x 211mm x 15mm
  • Gewicht: 770g
  • ISBN-13: 9783518417690
  • ISBN-10: 351841769X
  • Best.Nr.: 20774446
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.03.2006

Am meisten auf der Welt muss man das Geld hassen
Gefesselt, beängstigt und doch sehr entzückt: Eine Ausstellung im Münchner Gasteig widmet sich Leben und Werk Wolfgang Koeppens
Ginge es in einer Ausstellung zur Literatur um Ernest Hemingway oder Ernst Jünger, dann ließen sich die Donnerbüchse des Großwildjägers zeigen, Memorabilia aus den großen Kriegen und viele Fotos, die einen jahrzehntelangen, routinierten Umgang mit den Größen aus Kultur und Politik festhalten. Aber bei dem nach innen gewendeten Wolfgang Koeppen? Kein Staatenlenker hat ihn je besucht, Affären mit Filmstars waren ihm nicht beschieden. Und selbst wenn es solche Dokumente gäbe, über die zauberhafte, unverwechselbare Eigenart von Koeppens Prosa und über die Imaginationsstrategien, die ihr zugrunde liegen, wäre noch kaum etwas gesagt.
Die Ausstellung in der Glashalle des Gasteig zieht aus diesen Schwierigkeiten eine einleuchtende Konsequenz: Sie beginnt mit einem Sprung in den Kopf des Schriftstellers. Der Besucher, der die Rolltreppe vom Foyer in den ersten Stock besteigt, gleitet durch ein Hängeportal, auf dem ein Motiv aus dem rätselhaften „Carceri”-Zyklus des Giovanni …

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Hiltrud Häntzschel, Dr. phil., arbeitet freiberuflich als Germanistin und Autorin in München. Mitarbeit an der Süddeutschen Zeitung, am Bayerischen Rundfunk, als Kuratorin an mehreren Ausstellungen. Publikationen zur Literatur der Weimarer Republik, zur Exilforschung, Wissenschaftsgeschichte, Wissenschaftsemigration, Biographik und zur Literatur von Frauen; Mitarbeiterin am Projekt "NS-Dokumentationszentrum München.

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