Ich werde es sagen - Jensen, Kristian D.

Kristian D. Jensen 

Ich werde es sagen

Geschichte einer mißbrauchten Kindheit

Übersetzer: Wohlleben, Walburg
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Ich werde es sagen

Endlich darf der neunjährige Kristian ohne die Eltern in den Urlaub fahren. Gustav, ein junger Graphiker, nimmt sich seiner an. Drei Jahre lang verbringt Kristian daraufhin fast jedes Wochenende bei Gustav; das sind drei Jahre Martyrium, die die Psyche des Jungen zutiefst prägen. Mit 20 zeigt er den Gewohnheitstäter schließlich an. Doch sein Leidensweg ist damit nicht zu Ende. Erst nach einer langen Phase des Schweigens, nach jahrelangen Therapien und aufgrund der Unfähigkeit, ein normales Leben zu führen, findet Kristian Jensen eine Sprache für den eigenen Schmerz. "Ich werde es sagen" ist ein mutiger Bericht aus der Perspektive des Kindes, schonungslos, aber nicht reißerisch. Es ist in einem: Autobiographie, Psychogramm, aber auch ein Racheruf, Bekenntnis, Therapie - und gleichzeitig soziale Anklage und gesellschaftspolitisches Manifest:
"Eine sowohl mutige als auch wichtige Veröffentlichung, die nicht die Absicht hat, opportunistisch zur Pädophilie- Hysterie beizutragen, sondern deren sensible Ehrlichkeit ein kritisches Gegengewicht zu Verheimlichung, hohlem Mitleid und bagatellisierender Arroganz herstellt." (Politiken)


Produktinformation

  • Verlag: Klett-Cotta
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 308 S.
  • Seitenzahl: 309
  • Deutsch
  • Abmessung: 213mm x 136mm x 34mm
  • Gewicht: 451g
  • ISBN-13: 9783608936445
  • ISBN-10: 3608936440
  • Best.Nr.: 12419683

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Kristian Detlev Jensens Lebensgeschichte bestätigt, was man aus der kriminologischen Forschung über Kindesmissbrauch weiß, meint Dorion Weickmann, und doch erfährt der Leser die Geschichte sehr viel eindringlicher, versteht er vielleicht eher, warum ein Kind sich dieser Art von "Psychofolter", wie sie Weickmann nennt, nicht entziehen kann. Oder erst sehr viel später wie im Fall Jensen. Als Neunjähriger geriet Jensen, ein Arbeiterkind aus der dänischen Provinz, in die Fänge eines pädophilen, lebensgewandten Großstädters, der ihn fortan über die Wochenenden zu sich nahm, was von den Eltern auch noch gern gesehen wird. Das typische Muster spult sich ab, so Weickmann: ein emotional bedürftiges Kind, das abwechselnd verwöhnt und erpresst wird und an dem die Schuld hängen bleibt. Drei Jahre dulde das Kind die körperlichen Übergriffe; als es sich an die Eltern wende, versagten diese ein zweites Mal und kehrten alles unter den Teppich. Erst als Erwachsener habe Jensen seinen Vergewaltiger angezeigt, und das sei der bitterste Aspekt dieses Buches, bemerkt Weickmann: zwei Jahre auf Bewährung für den Pädophilen, weil nichts nachzuweisen war. Etwas aus seiner Rolle als Literaturkritiker fallend, fragt Weickmann empört: Warum bringt der Rechtsstaat diese Szene nicht zur Strecke?

© Perlentaucher Medien GmbH

kulturnews - RezensionBesprechung
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(c) bunkverlag
Als Neunjähriger darf Kristian ohne seine Eltern in den Urlaub fahren, mit seinem Schulfreund und dessen Vater -  und mit Gustav. Von da an verbringt Kristian drei Jahre lang fast jedes Wochenende bei dem Grafiker in Kopenhagen. Drei Jahre lang wird Kristian von dem jungen Mann sexuell missbraucht. Erst viele Jahre später findet Kristian Ditlev Jensen die Kraft, seinen Peiniger anzuzeigen. Mit "Ich werde es sagen" beschreibt er die Verletzungen seiner Kindheit ohne Effekthascherei und Pädophilie-Hysterie. Diskret, doch mit klarer Sprache protokolliert Jensen die Übergriffe und deckt so die psychologischen Verhaltensmuster des Täters auf. Sein Bericht ist nie Anklage. Er bleibt die Innenansicht eines Opfers, dessen Sprache die Vielschichtigkeit der Qualen eindringlich zu schildern weiß. Jessen beschreibt Therapien und seine Schwierigkeiten, ein normales Leben zu führen, und mit viel Feingefühl kann er verdeutlichen, wie Eltern und Umfeld von den Vorfällen nichts bemerken konnten. Ein schrecklich-schönes Buch und ein Autor, von dem man mehr lesen möchte: Parallel zum Drehbuch zu "Ich werde es sagen" arbeitet der Journalist gerade an seinem ersten Roman. (cs)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.03.2004

Bericht eines vergifteten Lebens
Kristian Ditlev Jensen dokumentiert sich als mißbrauchtes Kind

Der Mann redet ohne Punkt und Komma. Er schwatzt das Blaue vom Himmel herunter, lauter Belanglosigkeiten. Woche um Woche geht das so. Die Therapeutin hört geduldig zu. Sie fragt nichts, sie läßt ihn einfach gewähren. Irgendwann löst der Klient das Rätsel seines Redestroms: "Wenn ich bei Gustav schlief, mußte ich den Mund halten. Aber immer dann, wenn wir kurz vor dem Einschlafen waren, begann er, sich an mir zu vergreifen." Nur indem das Kind ständig plapperte, konnte es sich seinen Peiniger vom Leibe halten.

Mit neun Jahren hat Kristian Ditlev Jensen verlernt zu schweigen. Damals wurde er zum erstenmal mißbraucht. Drei Jahre später endete zwar sein körperliches Martyrium, doch sein Leben blieb vergiftet. Weder die Verurteilung seines Vergewaltigers noch diverse Therapien vermochten daran Grundlegendes zu ändern. Mit dreißig Jahren hat Jensen die Kraft gefunden, seine Geschichte aufzuschreiben und sich selbst wie den Leser dazu zu zwingen, der zerstörerischen Wucht und den fatalen Folgen des Kindesmißbrauchs ins Auge zu …

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Kristian Ditlev Jensen wurde 1971 in Holbaek (Dänemark) geboren. Er arbeitet als Journalist, Übersetzer (übersetzte "Stupid White Men" von Michael Moore ins Dänische) und Literaturkritiker. Zur Zeit schreibt er an seinem ersten Roman. Für "Ich werde es sagen" erhielt er den Literaturpreis der Wochenzeitung "Weekendavisen".

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