Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot - Winkler, Josef

Josef Winkler 

Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot

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Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot

"Reisen, um heimatlos zu werden", schreibt Henri Michaux. Der Österreicher Josef Winkler ist während der Niederschrift seiner Romane über sein Heimatland Kärnten immer wieder nach Italien gereist, später nach Indien und dann auch nach Mexiko, im Gepäck die Erzählungen anderer Autoren, aus denen er kurze Zitate als Intarsien in seine poetologischen Reportagen einsetzt: von Reisen, die ihn zu seiner eigenen Überraschung mit Variationen eines Bildes aus der Kindheit - ein am Straßenrand liegendes, bereits mit Packpapier abgedecktes, überfahrenes Kind - heimholen. Zuletzt in Klagenfurt, wo bei Straßenarbeiten zur Vorbereitung der Fußballeuropameisterschaft 2008 ein Kind überfahren wird und stirbt. Erzählung für Erzählung, Todesfall für Todesfall rückt Winkler seiner Heimatlosigkeit näher.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2008
  • 4. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 125 S.
  • Seitenzahl: 125
  • Edition Suhrkamp Nr.2556
  • Best.Nr. des Verlages: 12556
  • Deutsch
  • Abmessung: 177mm x 110mm x 12mm
  • Gewicht: 134g
  • ISBN-13: 9783518125564
  • ISBN-10: 3518125567
  • Best.Nr.: 23865197

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

So "beknackt" wie dem Rezensenten der Titel des neuen Buches von Josef Winkler vorkommt, so angenervt zeigt sich Oliver Jungen auch von Winklers Thanatos-Extremismus "Büchnerpreis hin oder her". Die vorliegenden, von Jungen als mit Erinnerungen kurzgeschlossene Lektüren (von Döblin bis Zschorsch) begriffenen Miniaturen, machen da keine Ausnahme. Kann Jungen dem Autor eine "gewisse Poetizität" auch nicht absprechen, wenn er den Tod in seinen vielfältigen Erscheinungsformen ausbreitet, klingt es ihm doch wie die Litanei eines auf dem "Memento-mori-Trip Hängengebliebenen" im Ohr. Vielleicht, gibt der Rezensent zu bedenken, ist der Tod ja doch das Banalste überhaupt und taugt einfach nicht als Kraftzentrum eines künstlerischen Gesamtwerkes. Vielleicht, wenn aus seiner Behandlung "nie etwas folgt", wird daraus, trotz aller "intellektuellen Absicherung" eine Art "Boulevardvoyeurismus", mutmaßt der Rezensent.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 22.12.2008

O Sterbebasteln!
Josef Winkler drückt allzu sehr auf die Tube der Bedeutung
Überschwängliches Lob wurde dem Büchner-Preisträger dieses Jahres, Josef Winkler, für seine „obsessive Dringlichkeit”, für seinen „Atemstoß” mit dem „Signum des Notwendigen”, für seine „trotzig-radikale Kraft” und seinen „stillen Glanz” zuteil.
Sein neues Buch lässt von diesen Qualitäten wenig erkennen. Es handelt sich um ein offensichtliches Nebenwerk, bestehend aus elf Einzeltexten, die gerade mal hundertzwanzig kleinformatige Seiten der edition suhrkamp füllen. Das Beste daran ist der Titel, „Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot”. Der Sohn pflegte es zu seiner Mutter zu sagen, wenn sie es ihm verwies, das Brot „untereinander” zu schneiden (was heißt das übrigens?), weil er damit dem Herrgott die Fersen abschnitte. Aus solchen isolierten Reminiszenzen eines österreichischen Bauernlebens besteht der Band zu großen Teilen, angereichert durch große Reisen nach Indien und Mexiko und kleinere innerhalb Europas.
Das geht alles recht schnell und durcheinander, und dazwischen ist noch Platz für eine ganze Menge Kindermund, …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.01.2009

Selbst ist der Mord oder Sieh doch, wie klein du bist, Mensch

Der österreichische Büchnerpreisträger Josef Winkler lässt in seinem Buch "Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot" wieder einmal Köpfe rollen.

Schön sieht es aus, und einen beknackten Titel trägt es, das neue, mit dem "Schutzengel" von Peter Pongratz verzierte Büchlein des österreichischen Thanatos-Extremisten Josef Winkler: "Ich reiß mir eine Wimper aus und stech dich damit tot". Eine frühe Drohung gegen die Mutter war das; die Schrift hätte also auch heißen können: "du schlägst deinen Schädel an einem Grabstein ein": das ging damals an den Vater. Das Buch enthält kleine Reportagen und Essays, die im Umfeld der größeren Werke der vergangenen Jahre - "Natura morta" (2001), "Leichnam, seine Familie belauernd" (2003), der Totenkultbericht aus Varanasi (2006) und "Roppongi. Requiem für einen Vater" (2007) - entstanden sind. Seit je aber sind alle Texte des jüngst unter dem Büchnerpreis bestatteten Autors eng miteinander verschlungen. Winkler ist Wiederkäuer.

Die Miniaturen gehen meist von Lektüren aus, die mit eigenen Erinnerungen kurzgeschlossen …

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"Nur einem überragenden und derart phantasiebegabten Stilisten wie Josef Winkler ist es vergönnt, das Lebensthema Tod so zu variieren, dass die Lektüre jedes seiner Bücher wie Friedhof der bitteren Orangen , Natura morta oder Roppongi. Requiem für einen Vater zu einem neuen rhapsodischen Genuss wird. Davon kündet in nuce dieses bunte Bändchen mit seinem gewaltlüsternen Titel." Katrin Hillgruber Frankfurter Rundschau
Josef Winkler, geb. am 3.3.1953 in Kamering bei Paternion in Kärnten. Nach der Volksschule besuchte er drei Jahre lang die Handelsschule in Villach. Nachdem er zunächst im Büro einer Oberkärntner Molkerei beschäftigt ist, besuchte er die Abendhandelsakademie in Klagenfurt und arbeitete tagsüber im Betrieb eines Verlags, der Karl-May-Bücher produziert, seit 1971 dann in der Verwaltung der neuen Hochschule für Bildungswissenschaften in Klagenfurt. In seiner Freizeit besuchte er germanistische und philosophische Vorlesungen. Seit 1982 ist Josef Winkler freier Schriftsteller. Er lebt derzeit in Klagenfurt. 2008 erhielt Josef Winkler den Georg-Büchner-Preis.

Inhaltsangabe

Nur mit den Kernen der Apfelbutzen Radiergummibrösel zwischen den Lungenflügeln der Truthühner, vor der Primiz Die Lufthoheit der Totenkissenschlacht Zeit der Butterblumen, Zeit der Gladiolen Himmelfahrtsgeschichte unter dem Antlitz eines mexikanischen Zuckertotenkopfes O, Herr Jesu Christ, schlag nur zu! Sag "Joe", das löst die Lippen; No milk today! Der Tod ist ein Schiff, und ich bin sein Wrack Knochenstilleben auf dem Asphalt mit Ovomaltine Gänsehaut hinter dem Hochaltar vor den ausgehöhlten goldenen Schutzengeln Im Sternhagel der Bilder

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