 | Besprechung von 26.04.2003 |
Noch eins drauf?Süßes Frankreich: Anna Gavalda strapaziert Ohren und RippenDarf man Autoren an ihren Kritiken messen? Was kann ein Schriftsteller dazu, wenn Rezensenten scharenweise Unfug über ihn verzapfen? Nichts, wird der Schriftsteller antworten. Alles, wird der Kritiker antworten. Denn es sind in der Regel besonders schlechte Bücher, die besonders dämliche Rezensionen hervorrufen. Aber Mangel an Qualität reicht für gewöhnlich nicht aus. Es muß eine weitere Besonderheit hinzukommen, damit die Sache interessant wird: Erfolg. Schlechte Bücher, die ihren Weg über beeindruckende Verkaufszahlen ins Feuilleton finden, stellen für die Kritik offenbar zunehmend ein Problem dar.
Die Bücher der jungen französischen Autorin Anna Gavalda sind ein solches Problem. Nachdem zahlreiche Lektoren etablierter Verlage abgewunken hatten, erschien ihr Debüt, der Erzählungsband "Ich wünsche mir, daß irgendwo jemand auf mich wartet", in einem Pariser Kleinverlag, der mehr als vierhunderttausend Exemplare davon verkaufte. Damit war die perfekte Grundlage für die Legende vom unkonventionellen Jungstar geschaffen, samt klapprigem Renault, mit dem …
 | Besprechung von 17.03.2003 |
Heul doch
Anna Gavalda steigt ins Rosenwasserschaumbad: „Ich habe sie
geliebt”
Formidable! Époustouflant! Génial! Frankreich hat nicht nur eine
ähnlich hohe Nettohaushaltsverschuldung wie Deutschland, sondern
auch seine literarischen Fräuleinwunder. Anna Gavalda gehört zu
diesen Mademoiselles Miracle. Und weil die französische
Literaturkritik generell einen Hang zu Sprechblasen aus dem
Rosenwasserschaumbad und zu Patschuli- Beweihräucherungen pflegt,
liest man über Gavaldas neuen Roman, er zeuge von einer besonderen
„Intelligenz des Herzens” und der gewissen „Musik einer
Schriftstellerin”. Lauschen wir also der Musik dieses intelligenten
Schriftstellerherzens.
Ein Buch, das mit dem Zwischenruf einer Schwiegermutter beginnt,
stimmt von vornherein misstrauisch. Ein Schwiegerelternbuch also.
Der Mittdreißigerin Chloé ist der Mann durchgebrannt. Sacré Adrien!
Paris ist ein Fest, und dem Heißsporn war es zu langweilig bei
Familienausflug und Schrankwandsex. Nun sitzt die Gehörnte mit
ihren zwei kleinen Töchtern Lucie und Marion bei den betuchten
Schwiegereltern und weiß nicht mehr weiter.
Will man mehr von einer Frau lesen, die in …
 | Besprechung |
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(c) bunkverlag
Eine Zugfahrt von Hamburg nach München reicht dicke aus, um die 168 Seiten in sich aufzusaugen. Nach dem furiosen französischen Erfolg von Anna Gavaldas Kurzgeschichtenbändchen "Ich wünsche mir, dass irgendwo jemand auf mich wartet" hat die 32-Jährige nun ein gereiftes Romanwerk herausgebracht. Sie verzichtet hier genussvollerweise auf alles, was bei den Kurzgeschichten ein wenig gestört hat. Die waren zwar allesamt originell und pointiert, aber die Debütautorin wollte da noch demonstrativ ihre schreiberische Bandbreite unter Beweis stellen. In ihrem ersten Roman "Ich habe sie geliebt" hat sie sich für einen Stil entschieden. Die Geschichte um Chloé, die gerade eine Trennung erlebt hat und nun mit den beiden Kindern für ein paar Tage im Haus des (Ex-)Schwiegervaters Urlaub macht, kommt erwachsener daher, leichtfüßiger. Der Roman wirkt nicht so popliterarisch, auf Schreibteufel komm raus jung. Das ist sehr angenehm und liest sich schnell wie ein ICE ohne Verspätung. Was auch an der Dialoglastigkeit liegt. Ist aber keine Last, liest sich wie ein Drehbuch. Die fast durchgängige wörtliche Rede zwischen Chloé und Pierre, dem Vater ihres Ex-Mannes, bringt viel Tempo in …
Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension
Rezensent Hubert Spiegel befasst sich zunächst mit dem Hype um die französische Bestsellerautorin und die Hymnen, die ihre Bücher auch im deutschen Feuilleton verursacht haben. Er selbst mag diesen Preisungen mitnichten folgen. Vielmehr findet er in Anna Gavaldas Buch viele Banalitäten "derart grotesk aufgeblasen", dass ihm die sprachlichen Unzulänglichkeiten des Buches umso deutlicher aufgefallen sind. Auch schlägt er den deutschen Kritikerkollegen von "Welt" und "Zeit" ihr Urteil über die "schnelle und genaue Prosa" samt Lob auf die Übersetzerin um die Ohren, sieht in deren, aus seiner Sicht ungerechtfertigtem Lob, eine allgemeine Kritikermisere. Was treibe einen Kritiker, eine solche Prosa für ihre Leichtigkeit zu preisen, fragt Spiegel, nachdem er einige Beispiele zitiert hat, in denen nicht Leichtes, dafür aber jede Menge Plattes zu finden war. "Fürchtet er den Vorwurf, er sei ein elitärer Nörgler und selbstgefälliger Verächter solider Konfektionsware? (... ) Oder lässt er sich, dann und wann, ganz gerne mal herab?"
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Das Schicksal ist manchmal grausam...<br /> Eine Geschichte, wie sie das Leben beinahe täglich schreibt: Chloé wird von ihrem Ehemann verlassen. Von einem Tag auf den anderen, einfach so. Wegen eines jungen Mädchens, natürlich. Und plötzlich ist Chloé alleine mit ihren beiden kleinen Töchtern. Eben noch war sie die wohlsituierte Hausfrau, die ein glückliches, erfülltes Leben mit ihrer Familie führt. Jetzt ist ihre Idylle zerplatzt wie eine Seifenblase. Sie kann ihr Unglück kaum fassen, ist wie gelähmt vor Schmerz. Nur weil es ihre Kinder gibt, funktioniert sie weiter. Doch zwischen Frühstücksbroten schmieren, Spielzeug aufräumen und Gute-Nacht-Geschichten vorlesen ist Chloé der einsamste Mensch der Welt. Sie kann nur noch weinen.<br /> ...und manchmal unerwartet gnädig<br /> Bis jemand sie auffängt in ihrer Trauer. Und dieser jemand ist ausgerechnet Pierre, ihr Schwiegervater - der unnahbare, distanzierte Pierre, der nie Gefühle zeigt und der mit Chloé immer nur das Nötigste gesprochen hat. Er nimmt Chloé und die Kinder mit in das abgelegene französische Landhaus, in dem er bereits seine Kindheit verbracht hat. Und plötzlich merkt Chloé, dass hinter Pierres kühler Fassade ein warmherziger, liebenswerter Mensch steckt: Er sorgt sich wirklich um die verlassene Frau seines Sohnes, er spielt mit den Kindern, er kocht für sie, holt den besten Wein aus dem Keller, hört Chloé nächtelang zu - und gibt ihr schließlich sein tiefstes Inneres preis: Er erzählt ihr von seinem lange gehüteten Geheimnis...<br /> Ein außergewöhnliches Buch über die Liebe<br /> Man könnte meinen, dies sei eine ganz alltägliche Geschichte über das Verlassenwerden, wie sie ständig in irgendeiner scheinbar glücklichen Beziehung passiert. Doch <em>Ich habe sie geliebt</em> ist anders. Anna Gavalda stellt in ihrem Debütroman, der sich in ihrer Heimat Frankreich schon über 250 000 mal verkauft hat, heikle Fragen über die Liebe, über Versuchung, über Affären, Schuld und große Fehler. In einer Sprache, die vom ersten Wort an mitreißt - gefühlvoll, leicht, erschreckend direkt, aber auch immer witzig, lakonisch und voller Lebensklugheit. Ein außergewöhnliches Buch über das Verlassen und Verlassenwerden. Fulminant!<br /> (Stephanie Wiehler)
"Ein starkes Stück zeitgenössischer Literatur." Renate Dubach, Berner Zeitung, 07.02.03 "... leicht und elegant erzählt." Meike Fessmann, Der Tagesspiegel, 19.03.03 "Anna Gavalda hat, was der oft akademisch und selbstverliebt wirkenden französischen Literatur nicht selten fehlt: Schwung, Temperament, Fabulierlust." Uwe Wittstock, Die Welt, 29.03.03
Anna Gavalda, geb. 1970, ist auf dem Land aufgewachsen, hat in Paris Literatur studiert und wurde mit ihrem ersten Erzählband auf einen Schlag berühmt. Sie lebt mit ihren zwei Kindern bei Paris.
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