Ich, Gott und die Welt - Traxler, Hans

Hans Traxler 

Ich, Gott und die Welt

Neue Bildergedichte

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Ich, Gott und die Welt

Im Frühsommer letzten Jahres fuhr Hans Traxler in den Urlaub mit der Absicht, "ein paar kleine Landschaftsbilder zu malen". Doch unverhofft kommt oft: Schon am ersten Morgen beim Frühstück fiel dem Zeichner ein Vierzeiler ein, und von da an brachte jeder Tag ein neues Gedicht. Knappe und längere, über Katzen und Päpste, Banker und Bauchtänzerinnen, Künstler und Bischöfe, kurz, Gedichte über Gott und die Welt: "Das ging 20 Tage so, ganz ohne mein Zutun, und dann war plötzlich Schluss."
Schluss mit dem Dichten. Aber in den darauffolgenden Monaten wollten die solchermaßen entstandenen Verse durchaus noch illustriert werden - pro Zeile ein Bild. Das Ergebnis sind 20 komische Bildergedichte, mit 210 wunderschönen farbigen Zeichnungen, in bedrucktes Leinen gebunden, mit einem respektlosen Nachwort des Dichters, Malers und Zeichners über Hochkunst und Karikatur.


Produktinformation

  • Verlag: Reclam, Ditzingen
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 160 S. m. 210 farb. Zeichn. 265 mm
  • Seitenzahl: 127
  • Deutsch
  • Abmessung: 256mm x 186mm x 17mm
  • Gewicht: 592g
  • ISBN-13: 9783150107850
  • ISBN-10: 3150107857
  • Best.Nr.: 29957295
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.12.2010

Krone der Erschöpfung
Die Erschaffung der Welt aus dem Geist der Komik: Hans Traxlers neue Bildergedichte
Irgendetwas, das hat sich herumgesprochen, ist bei der biblischen Darstellung der Schöpfung schiefgelaufen. Gottes Fähigkeiten wurden entweder maßlos überzeichnet, oder es gilt, was Berufene seit langem behaupten: „SIE ist schwarz.“ Hans Traxler lässt den lieben Gott einen guten Mann sein. Ihm, dem Künstler, geht es um Gottes Werk, und das ließ nun zumindest anfangs auch zu wünschen übrig.
Daraus ergibt sich eines der neuen „Bildergedichte“, die Traxler jetzt in einem ausnehmend schön gemachten Band publiziert hat. Es heißt: „Berliner Genesis - aus der Sicht von Emma Niembsch, Feministische Frauengruppe Knesebeckstraße“:
Am letzten Schöpfungstach
Hat ER den Mann jeschaffen
Jleich nach dem Menschenaffen
Man konnt’ det ooch erkenn’
Der sah ja aus zum flenn’
Ja, und denn?
Gott läuft durchs hohe Gras und denkt – man kennt diese Haltung von Sartre: die Hände auf dem Rücken verschränkt, den Körper vorgebeugt, stemmt er sich gegen den unsichtbaren Wind des Schicksals, das IHN …

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Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

82, aber zeichnen tut er wie ein junger Gott, äh Deifi, findet Andreas Platthaus und legt nicht nur altgedienten Titanic-Lesern diesen Band mit Bildgedichten, klassisch-alt und neu, sehr ans Herz. Den Traxler Hans kennt er als wortgewandten bösen Satiriker der Neuen Frankfurter Schule. Doch etwas Altersmilde steht ihm laut Platthaus auch ganz gut. Erscheinen Euro-Krise, biblischer Brudermord und Hans und Grete erst im pastellfarbenen Abendlicht, ist's nochmal so schön. Wenn dereinst die Nachgeborenen zurückschauen und den Traxler entdecken, denkt sich der Rezensent, werden sie neben Mord und Totschlag schließlich auch das Liebenswerte der Epoche erkennen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 17.05.2011

Plauderei mit dem Tod
Grundgütiger Spötter: Hans Traxlers Bildergedichte

Irgendwann einmal, in einer Zeit weit nach unserer, werden die Menschen über den Büchern von Hans Traxler sitzen und in deren Bildern das Liebenswerte wiederentdecken. Das wird dann ein Korrektiv sein zu dem, was unsere Epoche sonst ausmacht: Überfremdungsdebatte, Euro-Krise, Krieg und Mord und Totschlag. Bei Hans Traxler werden vielmehr noch die schlimmsten Dinge erträglich. Hänsel und Gretel verbrennen die Hexe? Bei Traxler, dem Mann, der schon vor bald fünfzig Jahren die Wahrheit über das Geschwisterpaar herausfand, tun sie es mit so gütigem Lächeln, dass keiner ihnen übelwollen könnte. Ein ruinierter Investmentbanker stürzt sich aus dem Fenster? Im Hintergrund lässt Traxler ihn wie einen Vogel davonfliegen. Der Tod tritt ins Atelier des Künstlers? Mit Freund Hein kann man doch vernünftig reden. (Zumindest Traxler kann es, und wer den Frankfurter Zeichner persönlich kennt, der weiß, dass diese Bildvision geradezu fotorealistisch genannt werden darf; Hans Traxler ist von einer Wort- und Witzgewandtheit, die jeden Gesprächspartner die Zeit vergessen …

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Hans Traxler, geboren 1929 in Herrlich/Böhmen, studierte Malerei und Lithographie an der Städelschule in Frankfurt. Er war Gründungsmitglied der Satirezeitschriften Pardon und Titanic und arbeitete für die Magazine von ZEIT, SZ, FAZ u.a. Darüber hinaus zeichnete, schrieb und illustrierte er mehr als 40 Bücher. 2006 erhielt er den Satirepreis "Göttinger Elch", 2007 den "Deutschen Karikaturenpreis", beide für sein Lebenswerk.

Inhaltsangabe

Wallfahrt
Seelenwanderung
Warum nicht?
Berliner Genesis
Plädoyer für Kain
Die 7 Leben meines Katers
Andre Länder, andre Sitten
Darwins Fluch
Cheops
Erfinderpech
Nachtrag zur Geschichte der Römischen Päpste
Deutsches Volksmärchen
Kurzkritik
Faustisch
Aus der Wirtschaft
Soviel über Kinder
Das Schaf und das Kätzchen
Der Zeichner im Urlaub
Ammersee
Letzter Wille
Alberto, Peter und die Zocker. Eine Kunstbetrachtung

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