Ich bremse auch für Männer - Evanovich, Janet

Janet Evanovich 

Ich bremse auch für Männer

Roman. Deutsche Erstausgabe

Dtsch. v. Christoph Göhler
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Produktbeschreibung zu Ich bremse auch für Männer

Niemand möchte mitten im feuchtschwülen Miami eine Leiche finden. Nicht mal, wenn sie auf Eis liegt. Genau das passiert Alex Barnaby. Um nichts als ihre geliebten Rennautos wollte sie sich kümmern. Jetzt aber steckt sie tief in der Patsche. Und das zusammen mit Sam Hooker, dem treulosesten - und leider auch heißesten - Mann diesseits der Rocky Mountains. Aber nicht umsonst hat Alex rote Haare und ein Mundwerk, das besser läuft als ein Achtzylinder. Sie ist sich ganz sicher, dass sie das Problem mit der Leiche geregelt kriegt. Was aber soll sie nur mit dem sexy Sam machen? Na, zwischen diesem oder jenem glühendheißen Kuss wird ihr schon etwas einfallen ...

Eine neue Heldin von der Bestseller-Autorin Janet Evanovich, die uns die unwiderstehliche Stephanie Plum geschenkt hat!

"Evanovichs Romane sind eine umwerfend komische Lektüre. Sie sind voller Situationskomik, witziger Dialoge und Lacher auf jeder Seite - die perfekte Methode, um Lust am Lesen zu bekommen." -- USA Today

"Ein Buch wie eine Rallye: rasant und heiß!" -- Neue Woche (zu "Tiefer gelegt")

Produktinformation


  • Verlag: Blanvalet
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 319 S.
  • Seitenzahl: 320
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.36502
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 133mm x 26mm
  • Gewicht: 408g
  • ISBN-13: 9783442365029
  • ISBN-10: 3442365023
  • Best.Nr.: 20943308
"Ein Buch wie eine Rallye: rasant und heiß!"
Janet Evanovich stammt aus South River, New Jersey, und lebt heute in New Hampshire. Die Autorin wurde von der Crime Writers Association mit dem "Last Laugh Award" und dem "Silver Dagger" ausgezeichnet und erhielt bereits zweimal den Krimipreis des Verbands der unabhängigen Buchhändler in den USA.

Leseprobe zu "Ich bremse auch für Männer" von Janet Evanovich

Manchmal muss man sich entscheiden, ob man fair kämpfen will oder im Dienst der guten Sache trickst. Und möglicherweise bin ich gelegentlich in der Hitze des Gefechts ein wenig vom rechten Pfad abgekommen. Ich kann also verstehen, dass jemand in Versuchung gerät. Aber eins muss klar sein, wenn jemand tricksen will: Bei mir braucht er das nicht zu versuchen. Ich nehme das persönlich.

Und ich war ziemlich sicher, dass ich einen Typen im Auge hatte, der auf meine Kosten tricksen wollte. Er trug einen roten Overall und fuhr einen auffälligen Wagen mit einer riesigen Neunundsechzig auf der Seite. Und er war eindeutig zu schnell. Durch mein Fernglas konnte ich genau beobachten, wie er die Kurve nahm und wie eng er den linken Vorderreifen an der Innenmarkierung entlangführte.

Ich stand dabei auf dem Flachdach der Tribüne am Homestead-Miami-Speedway, von wo aus man die struppige Landschaft Floridas aus der Vogelperspektive betrachten konnte. Hitzeschwaden waberten über der ovalen Rennstrecke, und die Luft war gesättigt vom Geruch nach verbranntem Gummi, Rennbenzin und jener Euphorie, die die NASCAR bei jedem Rennen weckt. Außer mir waren noch zweiundvierzig Menschen auf dem Dach. Trotzdem war ich die Einzige auf dem Dach, die einen String aus rosa Spitze anhatte. Wenigstens war ich fast sicher, dass ich die Einzige mit einem Stringtanga war, weil ich das einzige weibliche Wesen dort oben war, aber ich kann mich natürlich auch irren. Außerdem trug ich eine enge schwarze Jeans und ein T-Shirt von Stiller Racing. Das kurzärmlige Shirt war weiß mit schwarz-goldenem Saum und hatte vorn das Stiller-Racing-Logo aufgestickt.

Der auf dem Rücken aufgestickte Name war mein Werkstatt-Spitzname: Motor Mouth. Ich bin Sam Hookers Spotter, das heißt, ich beobachte das Rennen für ihn. Ich bin die falsche Blondine mit dem Lipgloss, die Hooker Tipps einflüstert, während er sich jede Woche in seinem schwarz-goldenen Asbestoverall das Hirn rausschwitzt.

Diese Woche jagte Hooker seinen schwarzen, von Metro gesponserten Rennwagen um das 1,5 Meilen lange Oval in Homestead. Es war das letzte Rennen der Saison, und ich freute mich schon darauf, endlich einen Gang runterschalten zu können. Ich liebe meinen Job, aber irgendwann kommt der Zeitpunkt, an dem jedes Mädchen in einem sexy Kleidchen über die Promenade stöckeln und einen Cosmo schlürfen will, ohne dass es sich dazu in ein Restaurant mit Steakgrill setzen muss. Nicht dass ich was gegen Grillsteaks hätte, aber in letzter Zeit hatte ich verdammt viel Fleisch gehabt.

Hookers Stimme kam klar und deutlich aus meinem Kopfhörer. "Erde an Motor Mouth. Sprich mit mir."

"Was ich gerade denke, ist nicht für die Öffentlichkeit bestimmt."

"Hat es was mit Nacktsein zu tun?", fragte Hooker.

"Nein, eher was mit Rache."

"Hör zu, es war ein Unfall. Ich schwör's. Ich war betrunken und kann mich an rein gar nichts erinnern. Ich weiß nicht, wie ich mit dieser Verkäuferin im Bett gelandet bin. Süße, du weißt, dass ich dich liebe."

Eine mentale Ohrfeige. "Doch nicht das, du Dödel. Ich rede von dem Rennen."

Hooker hat auf den Dirt Tracks von Texas angefangen, Rennen zu fahren. Er hat offene Rennwagen und Trucks gefahren und so gut wie nichts dazwischen ausgelassen. Er ist so alt wie ich, sieht aber aus wie ein College Kid. Sonnengebleichtes Blondhaar, ein netter Body mit genügend Muskeln und obendrein eine Handbreit größer als ich. Dass Hooker kein College Kid mehr ist, erkennt man an seinen Augen. Sie haben Fältchen in den Winkeln, die sein Alter und seine Erfahrung verraten. Und die Tiefe in seinem Blick erzählt von einem harten Leben, aus dem er viel gewonnen hat.

Ich bin Rennen gefahren, als ich auf der Highschool war. Ausschließlich lokale Amateurrennen. Ich fuhr die Autos regelmäßig zu Schrott und frisierte sie danach in der Werkstatt meines Dads in Baltimore wieder auf. Dabei stellte sich raus, dass ich im Frisieren wesentlich besser war als im Fahren, darum ließ ich die Rennfahrerei sausen und machte stattdessen einen Abschluss als Mechanikerin. Hooker ist eine Katastrophe als Mechaniker, aber er ist ein genialer Fahrer. Ich habe inzwischen eine volle Saison - die gesamten sechsunddreißig Cup-Rennen - als sein Spotter und als Mitglied seines technischen Teams gearbeitet, und immer noch hauen mich seine aggressive Einstellung und sein fahrerisches Können um.

Manche Leute meinen, dass Hooker mehr in der Hose als im Kopf hätte. Ich habe noch kein Röntgenbild seines Kopfes gesehen, also kann ich über sein Hirn nur Vermutungen anstellen, aber in seine Hose habe ich sehr wohl geschaut - und ich bin ziemlich sicher, dass das Zahlenverhältnis bei zwei zu eins liegt.

Ich hatte eine romantische Beziehung mit Hooker, als ich den Job bei Stiller angenommen habe. Und ich war so dämlich gewesen zu glauben, dass es was Ernstes war. Nach vier Monaten hatte mir Hooker mit einem One-Night-Stand, der in jeder Boulevardzeitung breitgetreten wurde, vor Augen geführt, wie falsch ich gelegen hatte. Inzwischen war ich über Hooker hinweg ... so einigermaßen. Zurzeit war es mir nur mit einer Sache ernst, und das war mein Job. Ich arbeitete mit ganzem Herzen für Stiller Racing.

"Du hast jetzt zweihundertvierzig Runden", sagte ich. "Dir fehlen noch dreiundzwanzig. Der rote Neunundsechziger liegt vier Längen vor dir."

Der Neunundsechziger wurde von Lube-A-Lot gesponsert und gehörte Huevo Motor Sports, einem mexikanischen Topunternehmen, das genug Geld verdiente, um es mit Rennautos zu verbraten. Huevo baute tolle Wagen, aber manchmal war der Neunundsechziger einfach zu gut, und ich hätte mein Gehalt darauf verwettet, dass der Neunundsechziger trickste und mit regelwidriger Technik getunt war.

"Vier Wagenlängen", sagte Hooker zu mir. "Das ist zu viel. Unternimm was."

"Ich kann dir verraten, wann du gefahrlos überholen kannst und wann du in die Box kannst und wann es weiter vorn Schwierigkeiten gibt. Aber nachdem ich hier oben auf dem Dach stehe und du da unten auf der Rennstrecke bist und ich meinen Voodoo-Zauberstaub im Bus gelassen habe, weiß ich nicht, was ich unternehmen sollte."

Und genau da kam der große Knall. Der Monsterunfall, den die Rennwagenbesitzer so fürchten und die Fans so lieben. Einer unserer Stiller-Wagen, gefahren von Nick Shrin, kam ins Schlingern, rutschte aus seiner Spur und wurde von dem dahinterfahrenden Wagen touchiert, woraufhin Shrin gegen die Bande gerammt wurde. Sechs weitere Wagen rasten in das Wrack und verwandelten sich auf der Stelle in verbogenes, verknittertes Altmetall. Zum Glück waren alle hinter Hooker.

Wenn das Rennen wieder aufgenommen würde und alle zum Neustart aufgestellt würden, wäre die Lücke zwischen dem roten Gleitmittel-Neunundsechziger und Hookers Metro-Wagen geschlossen.

"Lass es laufen", erklärte ich Hooker. "Du hast Schwein gehabt."

"Was ist denn?"

"Shrin ist ins Schleudern gekommen und gegen die Wand geknallt, und alle Wagen außer deinem und dem Pacecar sind in ihn reingedonnert."

Die gelbe Flagge wurde geschwenkt, woraufhin das Feld eingefroren blieb, solange die Aufräumarbeiten dauerten. Stiller Racing ist mit drei Wagen beim Cup vertreten. Einen davon fährt Hooker. Den zweiten Larry Karna. Und Nick Shrin fährt den gelb-roten, von YumYum Snack Cakes gesponserten Wagen. Nick ist ein guter Fahrer und ein guter Mensch, und ich war einigermaßen um ihn besorgt. In den Cup-Rennen fahren umgebaute Serienwagen, bei denen die Fahrer durch das Seitenfenster ein- und aussteigen, und Shrin war noch nicht aus seinem Wagen geklettert. Ich hatte das Fernglas auf ihn gerichtet, konnte aber nicht viel erkennen. Er hing immer noch in den Gurten, hatte immer noch den Helm auf und das Visier runtergeklappt. Sein Wagen war von Rettungsmannschaften umringt. Bei dem Unfall waren eine ganze Reihe von Wagen geschrottet worden, aber Shrin war der einzige Fahrer, der noch nicht aus seinem Wagen geklettert war.

"Was ist denn los?", wollte Hooker wissen.

"Shrin ist immer noch in seinem Wagen."

Shrins Spotter stand direkt neben mir. Er heißt Jefferson Davis Warner, aber jeder nennt ihn Gobbles. Er ist Anfang dreißig, hat Segelohren, wirres braunes Haar und seit einer Barkeilerei eine eingeschlagene und leicht schiefe Nase. Außerdem hat er Storchenbeine, ist klapperdürr und hat riesige Hände und Füße ... eine Art Mischung aus Kronenkranich und halbwüchsiger Dänischer Dogge. Er isst ununterbrochen, ohne auch nur ein Gramm zuzulegen. Ich habe gehört, er hätte seinen Spitznamen in der Schule bekommen, wo er immer als Erster bei der Essenausgabe war. Irgendwie passt es auf ironische Weise ganz gut, dass jemand, den alle "Mampfer" nennen, jetzt für das YumYum-Snack-Cakes-Team arbeitet. Er hat ein gutes Herz und ist gut in seinem Job als Spotter. Und wie so viele Leute aus unserer Branche war Gobbles, wenn er mal aus dem NASCAR-Sumpf auftauchte, nicht die schärfste Nadel auf dem Pinnbrett. Er konnte anhand der Motordrehzahl die Geschwindigkeit des Wagens in der Boxengasse errechnen, aber er konnte einen Bauernfänger nicht von einem Kuhfladen unterscheiden. Für Gobbles roch beides gleich. Im Moment war sein Gesicht kreidebleich, und er klammerte sich mit letzter Kraft am Geländer fest.

"Wie geht es ihm?", fragte ich Gobbles. "Spricht er mit dir?"

"Nein. Ich hab noch gehört, wie er gegen die Wand gekracht ist, aber seither ist alles still. Er sagt überhaupt nichts mehr."

Alle Spotter hatten die Ferngläser auf den YumYum-Wagen gerichtet. Die Gespräche auf dem Dach waren verstummt. Keiner rührte sich vom Fleck. Wenn ein Fahrer schwer verletzt war, wurde eine Plane aufgezogen, um das Geschehen vor neugierigen Blicken abzuschirmen. Ich hatte die Zähne in die Unterlippe gebohrt, und mein Magen war zu einem festen Knoten zusammengeschnürt. Ich betete still, dass die Plane unten bleiben möge.

Inzwischen hatten sich Rettungsmannschaften an beiden Seitenfenstern zu schaffen gemacht. Dann richtete sich der Sanitäter auf der Fahrerseite auf. Er hatte Shrin unter den Armen gepackt. Shrin wurde auf eine Bahre geschnallt. Ich konnte immer noch nichts erkennen. Zu viele Menschen am Unfallort. Die Rennleitung meldete sich auf der ihr vorbehaltenen Frequenz und verkündete, dass Shrin bei Bewusstsein sei und jetzt untersucht würde. Gleich darauf schallte die gleiche Auskunft aus der Lautsprecheranlage. Ein hörbarer Seufzer der Erleichterung stieg von der Tribüne auf. Die Spotter lösten sich vom Geländer und nutzten die Unterbrechung, um etwas Junkfood runterzuwürgen, eine zu rauchen oder auf die Toilette zu flitzen.

Gobbles hatte sich immer noch am Geländer festgekrallt und sah aus, als könnte er jeden Augenblick vornüberkippen.

"Er ist bei Bewusstsein", erklärte ich Gobbles. "Er wird jetzt untersucht. Sieht so aus, als könntest du Feierabend machen."

Gobbles nickte, ließ das Geländer aber nicht los.

"Du siehst nicht allzu gut aus", meinte ich. "Du solltest nach unten und aus der Sonne gehen."

"Daran ist nicht die Sonne schuld", sagte Gobbles. "Sondern mein Leben. Mein ganzes Leben ist zum Kotzen."

"Es wird schon wieder."

"Das glaube ich nicht", widersprach Gobbles. "Ich bin ein Loser. Ich bring nichts auf die Reihe. Jetzt hat mich auch noch meine Frau verlassen. Bei ihr hab ich auch nichts auf die Reihe gebracht. Vor sechs Monaten ist sie mit den Kindern und dem Hund abgezogen. Sie hat gesagt, ich würde nichts vom 'Mann im Boot' verstehen. Der Mann im Boot könnte es gar nicht leiden, wenn er mitten in der Nacht aufgeweckt wird. Und er kommt nicht auf Touren, wenn das Ruder keine dreißig Sekunden im Wasser bleibt. Ich sag dir, sie konnte stundenlang über den Mann im Boot quatschen. Tu dies. Lass das. Und oft genug konnte ich den verfluchten Mann im Boot nicht mal finden. Es war verflixt verwirrend. Ich meine, es war nicht so, als wäre mir der Mann im Boot scheißegal gewesen, aber Jesus verflucht noch mal, ich konnte es ihr einfach nicht recht machen. Wenn du mich fragst, ist der Mann im Boot ein verfluchter Miesepeter. Wo sind die Zeiten hin, in denen es gereicht hat, dass ein Mann den Müll rausbringt? Was ist nur daraus geworden? Damals war alles einfacher. Und jetzt hab ich auch noch in meinem Job Mist gebaut. Mein Fahrer hat sich verletzt."

"Das war doch nicht deine Schuld."

"Klar war es meine Schuld. Loser, Loser, Loser. Ich dachte, ich würde alles richtig machen, und hab verschissen. Genau wie bei dem Mann im Boot."

"Vielleicht solltest du mit Hooker sprechen. Er weiß eine Menge über den Mann im Boot."

Gobbles richtete sein Fernglas auf das Innenfeld und holte hörbar Luft. "Und als würde das nicht reichen, reden diese Schweine jetzt mit Ray Huevo. O Gott, was hat das zu bedeuten?"

Das Fahrerlager im Inneren eines Rundkurses ist eine eigenständige Rennfahrerstadt. Die Trucks, in denen die Rennwagen transportiert werden, stehen den Boxen gegenüber und dienen als mobiler Kommandostand. Hinter den Trucks stehen die millionenschweren Wohnmobile der Fahrer. Und wenn der Platz ausreicht, wird für ein paar glückliche Fans innerhalb des Rundkurses ein kleines Campinggelände eingerichtet. Ich schwenkte mein Fernglas über das Feld, wusste aber nicht, wonach ich Ausschau halten sollte.

"Ich weiß nicht, wie Huevo aussieht", sagte ich zu Gobbles. "Wo ist er?"

"Da stehen drei Männer neben dem Truck für den Neunundsechziger. Ray Huevo ist der im kurzärmligen Hemd. Ich habe ihn nur ein paarmal gesehen. Normalerweise kommt er nicht zu den Rennen. Er bleibt so gut wie immer in Mexiko. Sein Bruder Oscar ist der Chef von Huevo Motor Sports, darum sieht man meistens nur ihn an der Strecke. Ray ist so was wie das schwarze Schaf in der Familie. Jedenfalls ist der kleine Glatzkopf neben Ray Huevo der Kerl, der Clay über den Haufen gefahren hat."

Clay Moogey hat bei Stiller in der Motorenentwicklung gearbeitet. Vor drei Tagen war er aus einer Bar gekommen, vom Gehweg auf die Fahrbahn getreten und von einem Wagen überfahren worden, dessen Fahrer ohne anzuhalten geflüchtet ist.

"Bist du sicher?"

"Das, was Clay passiert ist, war hundertpro kein Unfall. Ich hab gesehen, wie er überfahren wurde", sagte Gobbles. "Ich war dort. Ich hab gesehen, wie Gobbles auf die Straße tritt und dieser Typ aus dem Nichts auftaucht und genau auf ihn zuhält."

"Hast du das der Polizei erzählt?"

"Das ging nicht. Ich sitz zurzeit in der Klemme. Ich wollte auf keinen Fall in was reingezogen werden. Außerdem hätte ich ihnen sowieso keinen Namen verraten können oder so. Ich erzähl es dir nur, weil ... Scheiße, keine Ahnung, warum ich es dir erzähle. Weil ich dir alles erzähle. Mann, ich hab dir sogar vom Mann im Boot erzählt. Wie peinlich ist das?"

In der Ferne stand immer noch Ray Huevo, die Hände in die Hüften gestemmt und leicht nach vorn gebeugt, um bei dem Lärm auf der Rennstrecke etwas zu verstehen. Plötzlich richtete er sich auf, drehte sich um und sah zu uns herüber. Er zeigte mit dem Finger auf uns, und Gobbles machte quiekend einen Satz zurück.

"Er ist weit weg", beruhigte ich Gobbles. "Er hätte auf jeden hier zeigen können."

Gobbles' Stimme sprang eine Oktave nach oben. "Er hat auf mich gezeigt! Ich weiß genau, dass er auf mich gezeigt hat! Ich hab's gesehen."

Ray Huevo machte auf dem Absatz kehrt und stolzierte davon. Die zwei Männer im Anzug folgten ihm mit einem Meter Abstand. Alle verschwanden hinter einem anderen Sattelschlepper, und mein Blick wurde von Hookers Stimme in meinem Ohr auf die Rennstrecke zurückgelenkt.

"Da stimmt was nicht mit dem Funk", sagte er. "Ich höre nichts mehr."

"Das kommt daher, dass ich nichts sage", antwortete ich.

"Wie viel zahlen wir dir?"

"Bei Weitem nicht genug. Außerdem habe ich sowieso nur einen Rat für dich. Ich finde, du solltest den Neunundsechziger überholen."

"Ja, das hört sich gut an. Mann, warum ist mir das nicht eingefallen?"

Falls der Neunundsechziger vorn blieb, würden wir die Saison als Zweiter abschließen. Und für mich persönlich zählte Zweiter nicht. Dickie Bonnano, auch bekannt als Dickwanst, Banana Dick, Dickmann oder auch schlicht Arschloch, fuhr den Neunundsechziger. Bonnano war ein ekelhafter Großkotz. Und ein mittelmäßiger Fahrer. Außerdem hatte er eine Freundin, die kein Mensch leiden konnte. Sie war einen Kopf größer als Bonnano, hatte eine Vorliebe für Leder, mehr Kajal um die Augen als Catwoman und ein Paar gekaufte Titten Größe Doppel-D, die niemals wackelten, hingen oder schielten. Die Männer in der Werkstatt nannten sie Dolores Dominatrix. Darum hieß Bonnano, wenn er nicht Dickwanst, Banana Dick, Dickmann oder Arschloch genannt wurde, auch Spanky, der Peitschenmann.

Hooker hatte ein paar Punkte Vorsprung auf Bonnano, aber falls Bonnano dieses Rennen gewann, hätte er die ganze Saison gewonnen. Und er würde gewinnen, falls Gott nicht plötzlich Einsehen zeigte und Bonnanos Motor zerfetzte.

Es waren noch zweiunddreißig Wagen im Rennen. In fester Reihenfolge hinter dem Pacecar herzockelnd, kreisten sie mit vierzig Meilen pro Stunde auf dem Oval und warteten ungeduldig auf das Signal, dass die Bahn wieder frei war und das Rennen fortgesetzt werden konnte. Endlich näherten sie sich Kurve Nummer vier, das Pacecar fuhr in die Boxengasse ein, und die grüne Flagge ging hoch.

"Das Pacecar ist weg", sagte ich zu Hooker. "Grün, grün!"

Die Wagen röhrten mit Vollgas an mir vorbei. Bonnano blieb in Führung und hielt sie auch, wobei er in jeder Kurve eine Handbreit Vorsprung rausholte. Hooker schwieg in sein Mikrofon.

"Ruhig", sagte ich zu Hooker. "Geh kein Risiko ein. Direkt hinter dir ist niemand, und du hast nur einen einzigen Wagen vor dir."

"Das ist ein Albtraum", sagte Hooker. "Ein verfickter Albtraum."

"Zweiter zu werden ist nicht so schlecht. Auch für den zweiten Platz gibt es ziemlich viele Punkte."

"Wie schön."

"Wenn du den Cup nicht gewinnst, brauchst du auch nicht auf der Bühne zu sitzen und bei dem Preisverleihungsbankett blöd aus der Wäsche zu gucken. Dann müssen Spanky und Dolores die Bühnennummer abziehen."

"Du kannst dich auch freuen", meinte Hooker. "Du hättest auch auf der Bühne gesessen."

"Auf gar keinen Fall."

"Ich hätte dich mitgenommen."

"Wohl kaum.""Du solltest mal in deinen Vertrag schauen. Da ist eine Klausel drin, dass du in Notfällen den Fahrer daten musst."

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Ich bremse auch für Männer

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  • Verlag: Blanvalet
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 319 S.
  • Seitenzahl: 320
  • Blanvalet Taschenbuch Nr.36502
  • Deutsch
  • Abmessung: 208mm x 133mm x 26mm
  • Gewicht: 408g
  • ISBN-13: 9783442365029
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Niemand möchte mitten im feuchtschwülen Miami eine Leiche finden. Nicht mal, wenn sie auf Eis liegt. Genau das passiert Alex Barnaby. Um nichts als ihre geliebten Rennautos wollte sie sich kümmern. Jetzt aber steckt sie tief in der Patsche. Und das zusammen mit Sam Hooker, dem treulosesten - und leider auch heißesten - Mann diesseits der Rocky Mountains. Aber nicht umsonst hat Alex rote Haare und ein Mundwerk, das besser läuft als ein Achtzylinder. Sie ist sich ganz sicher, dass sie das Problem mit der Leiche geregelt kriegt. Was aber soll sie nur mit dem sexy Sam machen? Na, zwischen diesem oder jenem glühendheißen Kuss wird ihr schon etwas einfallen ...

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"Evanovichs Romane sind eine umwerfend komische Lektüre. Sie sind voller Situationskomik, witziger Dialoge und Lacher auf jeder Seite - die perfekte Methode, um Lust am Lesen zu bekommen." -- USA Today

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Manchmal muss man sich entscheiden, ob man fair kämpfen will oder im Dienst der guten Sache trickst. Und möglicherweise bin ich gelegentlich in der Hitze des Gefechts ein wenig vom rechten Pfad abgekommen. Ich kann also verstehen, dass jemand in Versuchung gerät. Aber eins muss klar sein, wenn jemand tricksen will: Bei mir braucht er das nicht zu versuchen. Ich nehme das persönlich.

Und ich war ziemlich sicher, dass ich einen Typen im Auge hatte, der auf meine Kosten tricksen wollte. Er trug einen roten Overall und fuhr einen auffälligen Wagen mit einer riesigen Neunundsechzig auf der Seite. Und er war eindeutig zu schnell. Durch mein Fernglas konnte ich genau beobachten, wie er die Kurve nahm und wie eng er den linken Vorderreifen an der Innenmarkierung entlangführte.

Ich stand dabei auf dem Flachdach der Tribüne am Homestead-Miami-Speedway, von wo aus man die struppige Landschaft Floridas aus der Vogelperspektive betrachten konnte. Hitzeschwaden waberten über der ovalen Rennstrecke, und die Luft war gesättigt vom Geruch nach verbranntem Gummi, Rennbenzin und jener Euphorie, die die NASCAR bei jedem Rennen weckt. Außer mir waren noch zweiundvierzig …

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Rezensionen und Kritik

"Ein Buch wie eine Rallye: rasant und heiß!"

Autorenporträt zu "Janet Evanovich"

Janet Evanovich stammt aus South River, New Jersey, und lebt heute in New Hampshire. Die Autorin wurde von der Crime Writers Association mit dem "Last Laugh Award" und dem "Silver Dagger" ausgezeichnet und erhielt bereits zweimal den Krimipreis des Verbands der unabhängigen Buchhändler in den USA.

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