"Ich brauche Deine Briefe" - Celan, Paul; Chomed, Gustav

Paul Celan Gustav Chomed 

"Ich brauche Deine Briefe"

Der Briefwechsel

Hrsg. v. Jürgen Köchel u. Barbara Wiedemann
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"Ich brauche Deine Briefe"

Diese Korrespondenz ist ein außergewöhnliches Dokument: Gustav Chomed (1920-2002) war ein Schulkamerad und enger Freund Celans seit etwa 1932. Der zwischen beiden geführte Briefwechsel der Jahre 1938-1970 überbrückt die größte Zeitspanne aller Celan-Briefwechsel und ist zwischen beiden Briefpartnern ausgewogen wie kein zweiter. 1938 beginnt die Korrespondenz mit einem langen Brief Celans aus Tours, einem der frühesten bekannten Briefe des Dichters überhaupt. Am Ende stehen Briefe aus den letzten Lebensmonaten 1970, in denen Celan seine verzweifelte Situation zu erkennen gibt und zugleich noch einmal wichtige Positionen seiner späten Poetik formuliert. Aus Chomeds Briefen wiederum erfahren wir nicht nur von der Situation der im sowjetischen Czernowitz zurückgebliebenen Freunde Celans. In ihnen berichtet er auch von seinem Weg als Soldat der Roten Armee, der Auschwitz und die verkohlte Leiche von Goebbels im eroberten Berlin mit eigenen Augen gesehen und der als Dolmetscher an den Nürnberger Prozessen teilgenommen hat.
Die Ausgabe dieser Briefe mit Nachwort und Kommentar läßt eine im Leben Paul Celans selten enge, vertrauensvolle und dauerhafte Beziehung vor dem katastrophischen Hintergrund des 20. Jahrhunderts lebendig werden.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 94 S. m. BIldtaf.
  • Seitenzahl: 94
  • Best.Nr. des Verlages: 42086
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 131mm x 20mm
  • Gewicht: 224g
  • ISBN-13: 9783518420867
  • ISBN-10: 3518420860
  • Best.Nr.: 29746390
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.12.2010

Meridionale
Sehnsüchte
Der Briefwechsel zwischen
Paul Celan und Gustav Chomed
„Nicht nur die Töpfergasse war menschlich“, schreibt der deutsche jüdische Dichter Paul Celan im Jahre 1962 aus Paris an den ebenfalls deutschsprachigen Juden Gustav Chomed in Tschernowzy in der Sowjetunion – die an einem Hang gelegene Töpfergasse am Rande der Czernowitzer Innenstadt war in der Jugend der beiden 1920 Geborenen Schauplatz von Schlittenfahrten, und man spielte vor der Kulisse von Kastanienbäumen und alten Ziehbrunnen. 1962 nimmt Celan, der sich von allen Seiten bedrängt fühlt, wieder Kontakt zu seiner früheren Heimat auf.
Zwei Gleichaltrige aus Czernowitz ragen dabei heraus: Erich Einhorn, der mittlerweile in Moskau lebte, und Gustav Chomed, der wieder in Czernowitz wohnte und Buchhalter in einem Krankenhaus war. Wie Einhorn, dessen Briefwechsel mit Celan vor einigen Jahren erschien, entschied sich auch Gustav Chomed in einer historischen Schlüsselsituation anders als Celan: Als die sowjetischen Truppen während des Zweiten Weltkriegs zunächst Czernowitz besetzt hatten, sich dann aber wieder zurückziehen mussten, blieb Celan in …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Noch ein Celan-Briefwechsel. Helmut Böttiger bemüht sich redlich, eine Lektüreempfehlung zu geben. Leicht hat er es nicht. Was gibt es zu lesen in den 24 Briefen zwischen Celan und seinem Czernowitzer Jugendfreund? Außer formelhaften Gefühls- und Erlebnisschilderungen mitunter immerhin schon das Pathos der Trauer und der Einsamkeit des Dichters Paul Celan, wie Böttiger versichert. In der Vorsicht und der Unsicherheit der Formulierungen erkennt er sogar die "spezifische Prägung" eines ganzen Jahrhunderts! Der Rest ist Schweigen und möglicherweise noch die für den Rezensenten spürbare Sehnsucht nach einer "meridionalen Verbindung".

© Perlentaucher Medien GmbH

"Dafür aber kristallisiert sich in dieser fernen Bezugsperson Celans Sehnsucht nach etwas Persönlichem, nach einer meridionalen Verbindung nach Heimat. Sie wird im Bewusstsein einer Unmöglichkeit kurz vor Celans Selbstmord am intensivsten. Hier schreibt Celan den Satz: Ich brauche deine Briefe ." (Süddeutsche Zeitung)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 03.03.2011

Unwiederbringlich

Zu Zeiten, in denen Briefe fast nur noch maschinell erstellt werden, darf man sich angesichts der zahlreichen, in den vergangenen Jahren erschienenen Editionen mit Korrespondenzen Paul Celans ruhig einmal über dessen Schreibeifer wundern. Im Vergleich mit umfangreicheren, wie etwa dem mit Ingeborg Bachmann oder Klaus Demus, fällt der hier vorliegende Briefwechsel mit dem Czernowitzer Jugendfreund Gustav Chomed knapper aus. Doch er spiegelt in 24 Briefen das Lebensdrama der beiden Korrespondierenden. Im Dezember 1938 schreibt Celan dem Freund aus Tours, wo er ein Medizinstudium begonnen hatte. Er spricht von Einsamkeit und rührt an das, was ihn zeitlebens umtreiben wird: sein Leiden an Deutschland und die Sehnsucht nach der seiner Erfahrung angemessenen Sprache. "Deutschland . . . Ich will Dir alles noch einmal erzählen, aber diesmal kann ich's nicht tun, glaub mir, ich kann's nicht", heißt es im ersten Brief des Bandes. Erst 25 Jahre später setzt die Korrespondenz wieder ein. Auch Chomed kämpft mit traumatischen Erinnerungen, gegen die Einsamkeit. Als Soldat der Roten Armee zunächst zu "den Trümmern des Warschauer Ghettos, in die Bunker …

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»Dafür aber kristallisiert sich in dieser fernen Bezugsperson Celans Sehnsucht nach etwas Persönlichem, nach einer meridionalen Verbindung nach Heimat. Sie wird im Bewusstsein einer Unmöglichkeit kurz vor Celans Selbstmord am intensivsten. Hier schreibt Celan den Satz: >Ich brauche deine Briefe<.«
Paul Celan wurde am 23. November 1920 als Paul Antschel als einziger Sohn deutschsprachiger, jüdischer Eltern im damals rumänischen Czernowitz geboren. Nach dem Abitur 1938 begann er ein Medizinstudium in Tours/Frankreich, kehrte jedoch ein Jahr später nach Rumänien, zurück, um dort Romanistik zu studieren. 1942 wurden Celans Eltern deportiert. Im Herbst desselben Jahres starb sein Vater in einem Lager an Typhus, seine Mutter wurde erschossen. Von 1942 bis 1944 musste Celan in verschiedenen rumänischen Arbeitslagern Zwangsarbeit leisten. Von 1945 bis 1947 arbeitete er als Lektor und Übersetzer in Bukarest, erste Gedichte wurden publiziert. Im Juli 1948 zog er nach Paris, wo er bis zum seinem Tod lebte. Im selben Jahr begegnete Celan Ingeborg Bachmann. Dass Ingeborg Bachmann und Paul Celan Ende der vierziger Jahre und Anfang der fünfziger Jahre ein Liebesverhältnis verband, das im Oktober 1957 bis Mai 1958 wieder aufgenommen wurde, wird den posthum veröffentlichten Briefwechsel Herzzeit zwischen den beiden bestätigt. November 1951 lernte Celan in Paris die Künstlerin Gisèle de Lestrange kennen, die er ein Jahr später heiratete. 1955 kam ihr gemeinsamer Sohn Eric zur Welt. Im Frühjahr 1970 nahm sich Celan in der Seine das Leben
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