Hymne der demokratischen Jugend - Zhadan, Serhij

Serhij Zhadan 

Hymne der demokratischen Jugend

Aus d. Ukrain. v. Juri Durkot u. Sabine Stöhr
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Hymne der demokratischen Jugend

San Sanytsch, ein Ringkämpfer mit Abitur, schließt sich den 'Boxern für Gerechtigkeit und soziale Adaption' an, die als Wachschutzbrigade die Märkte beim Traktorenwerk kontrollieren. Nachdem er beim Testen einer kugelsicheren Weste fast umkommen wäre, tut er sich mit Goga zusammen, einem früheren Klassenkameraden, der aus dem Tschetschenienkrieg zurückgekehrt ist und vom eigenen Club träumt. In einem heruntergekommenen Sandwichladen namens 'Butterbrot-Bar' eröffnen die beiden den ersten Schwulenklub der Stadt.

Seit einigen Jahren wimmelt es in der ostukrainischen Metropole Charkiw von Leuten mit ausgefallenen Geschäftsideen und dem Gespür für Marktlücken. Die einen gründen die Bestattungsfirma 'House of the Dead' und blamieren sich mit ihrer Power-Point-Präsentation in Budapest. Andere widmen sich den 'Besonderheiten des Organschmuggels' und handeln an der EU-Außengrenze mit Visa und Prostituierten.Wie in Depeche Mode zieht Serhij Zhadan alle Register seines Könnens, um in sechs witzigen, temporeichen Episoden ein paar Helden der Transformationszeit zu schildern - Mitspieler in einer Gesellschaft, die sie bald wieder ausspucken wird.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 185 S.
  • Seitenzahl: 185
  • Best.Nr. des Verlages: 42118
  • Deutsch
  • Abmessung: 206mm x 127mm x 21mm
  • Gewicht: 313g
  • ISBN-13: 9783518421185
  • ISBN-10: 3518421182
  • Best.Nr.: 26390528

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Selten sei vom "Sinnlosen und Entsetzlichen" so heiter und enthusiastisch erzählt worden, wie in den sechs Geschichten dieses Erzählbandes, schreibt Iris Radisch über die Erzählungen des ukrainischen Autors. Ihren Informationen zufolge handelt es sich um Geschichten aus der Geschäftsmodellwelt der "Ich-Anarchie", die in einem entsprechenden postkommunistischen "Klima der Korruption", der Deregulierung und der "Männereinsamkeit" angesiedelt sind. Doch ist das ganze Buch dem Eindruck der Kritikerin zufolge von einer "zuversichtlichen Traurigkeit" geprägt, die sie an Daniil Charms oder gar an Gogol erinnert. Radisch lacht bei der einen Geschichte Tränen, während sie bei der nächsten über ein "kongeniales Sinnbild für die Ziellosigkeit jedes entfesselten Wirtschaftens" staunt. Das Prinzip dieser Geschichten sei Drastik, die Handlungsführung mäandernd bis grotesk. Nur die deutsche Übersetzung fällt ihr manchmal negativ durch eine etwas "aufgesetzt" auf sie wirkenden Rüpelhaftigkeit auf.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 23.12.2009

Kulturraum? Es gibt nur deinen Fernseher!

Hier beginnt der Tag noch mit einer Schusswunde: Der junge Ukrainer Serhij Zhadan treibt die Osteuropa-Klischees auf die Spitze und erzählt von den Glückssuchern der Gegenwart.

Es gibt in der Wirklichkeit kaum literarischere Figuren als solche, die mit absurden und dreisten Geschäftsideen ihr Glück versuchen. Manche erinnern sich vielleicht an eine ständig wiederkehrende Kleinanzeige in der Fernsehzeitschrift "Prisma": Der sogenannte Tina-Versand bot dort in den ausgehenden siebziger Jahren eine Brille an, die es angeblich ermöglichte, durch die Kleidung angezogener Menschen hindurchzusehen. Wie sollte das gehen? Die Brille, die nach Zahlungseingang tatsächlich verschickt wurde, hatte Gläser, deren Innenseiten mit kleinen Bildern nackter Frauen beklebt waren. Betrug!

Bei Kleinunternehmern, die so etwas erfinden, paaren sich Phantasie und kriminelle Energie. Seit Jahren schon berichtet der Journalist Helmut Höge von Projektmachern, deren Geschichten klingen, als seien sie erfunden; der Schriftsteller Bernd Cailloux hat am Beispiel eines selbstgebastelten Stroboskops von der Kommerzialisierung der …

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"Es ist die strukturelle Anarchie der postkommunistischen Ära, die es dem Ukrainer Zhadan angetan hat und aus deren Auswüchsen er prächtige Pointen schlägt. ... Zhadan erzählt auf rasant-absurde Weise von Menschen, die im galoppierenden Kapitalismus irgendwie Halt zu finden versuchen und trotzdem ihren Stolz bewahren."
Christoph Schröder KulturSpiegel

»Das Prinzip ist die Drastik, die Handlungsführung mäandernd bis grotesk, die Sprache jugendlich bis jargonhaft, der Humor schwarz wie der Galgen. ... Selten ist vom Sinnlosen und Entsetzlichen so heiter und enthusiastisch erzählt worden.«

"Es ist die strukturelle Anarchie der postkommunistischen Ära, die es dem Ukrainer Zhadan angetan hat und aus deren Auswüchsen er prächtige Pointen schlägt. ... Zhadan erzählt auf rasant-absurde Weise von Menschen, die im galoppierenden Kapitalismus irgendwie Halt zu finden versuchen und trotzdem ihren Stolz bewahren." (Christoph Schröder, KulturSpiegel)
Serhij Zhadan, geb. 1974 im Gebiet Luhansk/Ostukraine, studierte Germanistik, promovierte über den ukrainischen Futurismus und gehört seit 1991 zu den prägenden Figuren der jungen Szene in Charkiw.

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