Hunger - Hamsun, Knut

Knut Hamsun 

Hunger

Roman. Mit e. Nachw. v. Daniel Kehlmann

Aus d. Norweg. v. Siegfried Weibel
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Hunger

Am 4. August 2009 jährt sich der 150. Geburtstag des norwegischen Literaturnobelpreisträgers Knut Hamsun. Mit Hunger gelang ihm 1890 sein literarischer Durchbruch. Nie wurde menschliches Leid so schonungslos und genau geschildert wie in diesem weltberühmten Roman über einen zerlumpten, halb verhungerten Künstler.

Die Moderne hält Einzug in Kristiania, dem heutigen Oslo. Die Stadt befindet sich im Aufbruch. Doch der namenlose Ich-Erzähler sieht sich in die Rolle des Zuschauers gedrängt. Unentwegt versucht er, unter schwierigsten materiellen Bedingungen als Journalist und Schriftsteller Beachtung zu finden - ohne Erfolg. Dabei ist der junge Mann ein begnadeter Fabulierer, auf den Straßen Kristianias erzählt er wildfremden Leuten erfundene Geschichten - und verschenkt schließlich sein letztes Geld an einen vermeintlich noch ärmeren Bettler. Ohne soziale Anklage wird das Bild einer Stadt präsentiert wie in einem Zerrspiegel: als pervertierte, fremde Welt, als Labyrinth einer Existenz am Rande der Gesellschaft. Zeitlos gültig ist dieser eindringliche Roman, der zu den bedeutendsten Werken der Moderne zählt und der zahlreiche Schriftsteller des 20. Jahrhunderts beeinflusste, darunter Marcel Proust und James Joyce.


Produktinformation

  • Verlag: Claassen Verlag
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 236 S.
  • Seitenzahl: 240
  • Deutsch
  • Abmessung: 211mm x 132mm x 25mm
  • Gewicht: 346g
  • ISBN-13: 9783546004497
  • ISBN-10: 3546004493
  • Best.Nr.: 25547544
»In ihm, dem Poeten, der die Autoritäten ignorierte, der die Konventionen verachtete und der die einsamen Außenseiter und die romantischen Aufrührer besang, haben sich ganze Generationen wiedererkannt: Er war der Dichter der Jugend Europas, wenn nicht ihr Gott.« Marcel Reich-Ranicki »Hunger ist eines der Ausnahmebücher, in denen sich fortwährend etwas Neues ereignet, ohne dass man je ins Beliebige gerät.« (Dieter Wellershoff)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.08.2009

Der Jäger mit dem Tierblick

Als die Fiktion vom Charakter Abschied nahm: Aus Anlass des hundertfünfzigsten Geburtstags erscheinen Knut Hamsuns Romane "Hunger" und "Pan" in neuer Übersetzung.

Von Wolfgang Schneider

Mal nennt er sich Andreas Tangen, mal Wedel-Jarlsberg. Den wirklichen Namen des jungen Selbstquälers erfahren wir nicht. Woher er kommt, auch nicht. Nur so viel: In Kristiania (der alte Name für Oslo) sucht er unter schweren Entbehrungen Anerkennung als Journalist und Schriftsteller. Er schreibt an einer Abhandlung über die "Verbrechen der Zukunft". Kein Zweifel, wir haben es mit einem norwegischen Raskolnikow zu tun - schon sein Zimmerchen, ein "klammer, unheimlicher Sarg", verweist literarisch nach Petersburg.

Ein Verbrecher aus Mutwillen ist Hamsuns Held allerdings nicht. Mehr noch als der Hunger peinigt ihn die Scham. Und nichts findet er verächtlicher als die Gier, die seinen eigenen Zustand spiegelt. Der Anblick einer Frau, die von den Auslagen einer Metzgerei allzu beeindruckt ist, widert ihn an: Der eine verbliebene Zahn in ihrem Mund "sah aus wie ein kleiner Finger, der aus dem Kiefer ragte, und ihr Blick war voll …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 01.08.2009

DAS HÖRBUCH
Alles ist Gemüt
Oskar Werner liest Knut Hamsuns „Hunger”
Ein Neuerer war er nicht, dem Pathos blieb er zugeneigt, dem hohen Ton und der gemessen sich an den Konsonanten abarbeitenden Stimme. Der österreichische Schauspieler Oskar Werner, der 1922 in Wien geboren wurde und 1984 auf einer Rezitationstournee in einem Hotel in Marburg an der Lahn starb, fasziniert bis heute, weil er Antirealist war und wahrhaftig zugleich. Seine Kunst hatte nichts Gekünsteltes und war doch mit jeder Faser ein Einspruch gegen die sogenannte Realität. Er wollte all das ins Wort bannen, in die sanft wienerisch eingefärbte Sprechmelodie, was im wahren Leben schnurstracks in die Verzweiflung führte. So auch hier: „Es war in jener Zeit”, hebt die Lesung an, und Werner lenkt seine tiefe, schlurfende Stimme ein wenig nach oben, setzt träumerisch und sehr effektvoll eine Pause, fährt baritonal fort, „als ich in Kristiania umherging und hungerte”.
Oskar Werner stand in seinem 38. Lebensjahr, er reüssierte am Wiener Burgtheater, als er 1961 Hamsuns monologischen Roman für den Süddeutschen Rundfunk las. Der spätere …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Andreas Breitenstein macht den Kniefall eines Rezensenten vor Knut Hamsuns Roman "Hunger". 1890 erstmals veröffentlicht habe der Roman den Weg aus dem Naturalismus in die Moderne gefunden und eine Vorlage für Kafka und Beckett geliefert, wie Breitenstein weiß. Ein "Knäuel" aus "Wahrnehmungen, Assoziationen und Überlegungen" ist das Buch, so Breitenstein, zusammengehalten durch den gehemmten Intellektuellen Andreas Tangen, der in Lumpen durch Kristiania irrt. Tangen sei dabei ein Eichendorffscher Taugenichts der Großstadt, "eine Art Charlie Chaplin und Woody Allen avant la lettre". Bemerkenswert findet Rezensent Breitenstein die Äquidistanz, mit der der Ich-Erzähler den Leser ins Bild setzt; die eigentliche Sensation sei aber wohl der Realismus des Hungers, den uns Hamsun vor Augen führt. Das literarische Feuerwerk, das Hamsun abschießt, führt für Breitenstein zum "Rätsel des großen Ganzen", schließlich weiß er: "Im Magen gärt der Sinn der Existenz".

© Perlentaucher Medien GmbH

»In ihm, dem Poeten, der die Autoritäten ignorierte, der die Konventionen verachtete und der die einsamen Außenseiter und die romantischen Aufrührer besang, haben sich ganze Generationen wiedererkannt: Er war der Dichter der Jugend Europas, wenn nicht ihr Gott.« Marcel Reich-Ranicki »Hunger ist eines der Ausnahmebücher, in denen sich fortwährend etwas Neues ereignet, ohne dass man je ins Beliebige gerät.« Dieter Wellershoff »Ein großes, Pionierdienst leistendes, aber keineswegs mysteriöses Buch. Es ist nur einfach sehr, sehr raffiiert.« Bücher, Helmut Krausser, 04/2009 »Zeitgemäß und nach wie vor sehr lesenswert« Titel Magazin, 29.06.09. Simone Schröder »Eine literarische Kostbarkeit« Hamburger Abendblatt, 27.06.09, Thomas Andre
Knut Hamsun wurde am 4. August 1859 in Gudbrandsdalen als Knud Pedersen geboren und gilt neben Henrik Ibsen als bedeutendster Schriftsteller Norwegens. Seine Schulausbildung war dürftig, eine Universität besuchte er nie und schlug sich zunächst mit Gelegenheitsarbeiten durch, bis ihm 1890 mit seinem Debütroman Hunger sogleich ein großer literarischer Erfolg gelang. 1920 erhielt er für sein Werk Segen der Erde den Literaturnobelpreis. Der wegen seiner Sympathien für den Nationalsozialismus politisch hoch umstrittene Hamsun starb 1952 in Nørholm.

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