Hundsnächte - Jirgl, Reinhard

Reinhard Jirgl 

Hundsnächte

Roman

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Hundsnächte

Deutschland in den neunziger Jahren, ein für den Abriß freigegebenes Dorf im Niemandsland des edhemaligen Todesstreifens. Doch in den Ruinen haust noch ein letzter Mensch, der sich schreibend dem Vergessen und der Zeit widersetzt.

Deutschland Mitte der neunziger Jahre. Im Grenzgebiet zur ehemaligen DDR liegen die Ruinen eines längst verlassenen Dorfes, die jetzt beseitigt werden sollen. Zu diesem Zweck rückt eine Abrisskolonne an, der auch ein ehemaliger Ingenieur angehört. Vor Ort erfahren die Männer, dass in dem Dorf noch jemand haust. Ein Mann, der seit langem nicht mehr ansprechbar ist, aber ununterbrochen schreibt. Eine Nacht soll ihm noch verbleiben, dann muss auch er verschwinden. Der Ingenieur, selbst ein Einzelgänger und Außenseiter, begibt sich für diese eine Nacht zu dem Mann in die Ruine und versucht, ihn zum Auszug zu bewegen.
Jirgl beschreibt den Lebenskampf in einer neuen Epoche als einen Kampf um die Erinnerung, gegen Stummheit, gegen Hass, Kälte und Lieblosigkeit. Ein großer Roman über die jüngste deutsche Geschichte.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2001
  • Ausstattung/Bilder: 2001. 519 S.
  • Seitenzahl: 528
  • dtv Taschenbücher Bd.12931
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 121mm x 32mm
  • Gewicht: 435g
  • ISBN-13: 9783423129312
  • ISBN-10: 342312931X
  • Best.Nr.: 09876281
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 04.11.1997

Zurückgekrochen in Ruinen
Es ist nicht jeder frei, der seiner Ketten spottet: Reinhard Jirgls Roman "Hundsnächte" / Von Lothar Müller

Im neuen Roman von Reinhard Jirgl fällt in einem Wohnzimmer der Blick durch die schimmernde Glasscheibe einer Büchervitrine. Er trifft auf die "Buchrücken von Exemplaren, die seinerzeit im-Osten jeder, der mittels Büchern fliehen u entkommen wollte, durch jene seltsamen Winkel-& Küngelzüge seiner Beziehungen zu Buchhändlern, sich zu ergattern wußte". Die Lesergeschichte der DDR, von der hier die Rede ist, gibt es erst in Bruchstücken. Eines davon stammt von dem Lyriker Durs Grünbein. Er hat beschrieben, wie er Anfang der achtziger Jahre bei der Lektüre eines aus dem Westen stammenden Taschenbuchexemplars von Elias Canettis "Masse und Macht" in den anthropologischen und ethnologischen Beschreibungen ferner Stämme und Völker immer wieder Urszenen der eigenen Gesellschaft wiedererkannte.

Reinhard Jirgl, geboren im Jahre 1953 in Ost-Berlin und knapp zehn Jahre älter als Grünbein, hat seit Mitte der siebziger Jahre geschrieben, aber nichts veröffentlicht, solange die DDR bestand. Nach dem Fall der …

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"Dies ist große Literatur, widerspenstig und ein gewaltiger Rammbock in den gegenwärtigen Moden des Schreibens und seiner Rezeption." Helmut Böttiger in der 'Frankfurter Rundschau'<br/><br/>"Jirgl hat einen atemberaubenden poetischen Entwurf gewagt, er hat das Bild einer Gesellschaft, die im gleichen Maße dümmer wird, wie sie Wissen ansammelt, die einen scheinbar unerschöpflichen Vorrat an Infantilität bereithält, bis zur Kenntlichkeit verzerrt." Peter Walther in der 'tageszeitung'<br/><br/>"Anders als die Welt, die er beschreibt, hat dieser Roman aber mehr als eine Seite, genau gesagt hat er eine lyrische, schlüsselhaft schöne Seite und fünfhundertzehn erschreckende, widerliche, ekelerregende, großartige und meisterhafte, deren Sprachkraft und Imagination allein dastehen in der heutigen deutschen Literatur." Philipp Blom in der 'Berliner Zeitung'<br/><br/>"Vielleicht ... ist Jirgls atemloses, vital aufzuckendes Erzählen, diese manische Arbeit am Differenzierungsvermögen von Sprache, dieser Überbietungsgestus gegenüber seinen literarischen Vätern, nichts als ein absurdes Auflehnen aus heroischer Verzweiflung, wenn nicht aus Zwang, ein panisches Anhäufen von Geschichten und ihren Stoffen ge-gen diesen stets präsenten Sog ins Nichts. Vielleicht ist es auch umgekehrt und der Widerstand eine Preisgabe - euphorisch und nicht minder absurd." Hamburger Rundschau<br/><br/>"Wer die zynischen Steigerungen des Alptraums aushält, wird durch die artifiziellen Raffinessen der Klang- und Bildermaschine reich belohnt." Elisabeth Strehlau in der 'Welt'

"Dies ist große Literatur, widerspenstig und ein gewaltiger Rammbock in den gegenwärtigen Moden des Schreibens und seiner Rezeption." (Frankfurter Rundschau)

»Wer die zynischen Steigerungen des Alptraums aushält, wird durch die artifiziellen Raffinessen der Klang- und Bildermaschine reich belohnt.« Elisabeth Strehlau in >Die Welt<
Reinhard Jirgl wurde 1953 in Berlin (DDR) geboren. An seine Ausbildung zum Elektromechaniker schloss sich ein Studium der Elektronik an. 1978 kam er zur Berliner Volksbühne, dort arbeitete er als Beleuchtungstechniker.
Seit 1996 lebt Jirgl als freier Schriftsteller in Berlin. Er ist Mitglied im P.E.N.-Zentrum Deutschland und seit 2009 der Deutschen Akademie für Sprache und Dichtung. 2010 wurde ihm der Georg-Büchner-Preis verliehen.

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