Im frühneuzeitlichen Minden waren Hexereiverdächtigungen ein
alltägliches Phänomen. Warum stellte man sich vor das Haus einer
langjährigen Nachbarin, um sie lauthals der Hexerei zu
beschuldigen? Was brachte Kinder dazu, sich selbst und ihre
nächsten Angehörigen der Hexerei zu bezichtigen, und welche
Möglichkeiten hatten die Beschuldigten, sich gegen derartige
Vorwürfe zur Wehr zu setzen? Warum führten einige dieser
Verdächtigungen zu Prozessen und andere nicht? Und warum häuften
sich die Verfahren vor dem städtischen Ratsgericht speziell in
einigen Jahren derart, dass Minden als eine der Hochburgen der
Hexenprozesse im Alten Reich gelten muss und welche
stadthistorischen Faktoren spielten dabei eine Rolle?
Das Buch von Barbara Groß geht anhand der bislang kaum beachteten
Mindener Überlieferung der Frage nach, welcher sozialen Logik die
zeitgenössischen Akteure folgten, wenn sie Verdächtigungen
aussprachen, den neuesten Hexereiklatsch verbreiteten oder Prozesse
anstießen. Im Mittelpunkt steht dabei das in der Forschung bislang
nur am Rande thematisierte Verhältnis von Vorfeld und Verfahren,
die Frage also, ob die Vorgänge vor Gericht nur die konsequente
Weiterführung der Verdächtigungen im Vorfeld waren oder ob ihnen
ein anderes Muster zugrunde lag.