Heimkehr in fremdes Land - Achebe, Chinua

Chinua Achebe 

Heimkehr in fremdes Land

Roman. Aus d. Engl. v. Susanne Koehler

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Heimkehr in fremdes Land

Wie schon in seinem ersten Roman Okonkwo oder das Alte stürzt ist es auch in Heimkehr in fremdes Land, dessen Hauptfigur der Enkel von Okonkwo ist, Achebes Anliegen, "meiner Gesellschaft zu helfen, den Glauben an sich selbst wiederzugewinnen und die Komplexe zu überwinden, die durch lange Jahre der Beleidigung und Selbsterniedrigung entstanden sind."
Obi Okonkwo, Stolz und Hoffnung seines von alters her berühmten Dorfes, kehrt in den fünfziger Jahren vom Studium in England zurück, wohin ihn die Dorfgemeinschaft gesandt hatte. Denn "die Dinge des weißen Mannes zeugen heute von Größe". Obi kehrt in der Zeit vor der Unabhängigkeit in die Hauptstadt Lagos zurück, wo er - als Regierungsbeamter Teil der neuen Elite - versucht, den Erwartungen seiner christlichen Familie und der den alten Traditionen verhafteten Dorfältesten gerecht zu werden. Zugleich muß er die Anforderungen seiner Stelle zu erfüllen versuchen. Seine Verbindung mit Clara, Tochter aus "verbotenem Hause", scheitert am Widerstand seiner Eltern. Zwischen den Kräften zerrieben, unfähig, das traumatische Erlebnis der Begegnung seiner Kultur mit Europa zu verarbeiten, erliegt Obi schließlich dem Versuch der Korruption.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2002
  • Ausstattung/Bilder: 2002. 194 S.
  • Seitenzahl: 194
  • Deutsch
  • Abmessung: 203mm x 126mm x 22mm
  • Gewicht: 327g
  • ISBN-13: 9783518413838
  • ISBN-10: 351841383X
  • Best.Nr.: 10937415
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 12.10.2002

Woher der Wind weht
Chinua Achebe erzählt vom Verfall einer afrikanischen Familie

Wer den jüngst vergangenen Wahlkampf nicht schon ganz vergessen hat, mag sich an jene Episode aus den sonnigeren Sommertagen entsinnen, als wir noch nichts von unterelbischen Nebenflüssen ahnten, dafür aber vieles über Bonusmeilenkonten und Herrenausstatter lernten. Da wurde uns mit einem Mal bewußt, welch ungeheurer Druck auf den Mitgliedern unserer Elite lastet. Bei all der Arbeit, die sie für uns machen, auch immer noch gut auszusehen ist offensichtlich eine Leistung, die bislang völlig unterschätzt wurde. Da kann es wohl mal vorkommen, daß man Brutto mit Netto verwechselt und, wenn die Steuerforderung fällig wird, auf freundschaftlich gewährte Darlehen zurückgreift. Daß aber jemand, der einer jungen Politikergeneration angehört und dessen weithin anerkannte Fähigkeiten zu großen Hoffnungen berechtigten, am Ende seinen Rücktritt einreicht, war ein echter Schlag, den wir so schnell nicht vergessen werden. Bei der Lektüre von Chinua Achebes "Heimkehr in fremdes Land", jetzt in kluger deutscher Übersetzung von Susanne Koehler neu erschienen, kommt er uns …


Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Als "Erzählung von den Phantomschmerzen der Modernisierung" bezeichnet beeindruckt Rezensent Tobias Döring den (in kluger Übersetzung) wiederaufgelegten Roman des bedeutenden nigerianischen Erzählers. Dieser 1960 "genau zur offiziellen Unabhängigkeit des Landes" zuerst erschienene Roman fängt seiner nach Ansicht nach auch die nervöse Stimmungslage einer "prekären Aufbruchsperiode" ein. Durch die "unaufdringliche Kunst seiner Milieuschilderung aus dem spätkolonialen Lagos" sowie durch "skizzenhafte doch detailgetreue Figurenporträts" gelinge es dem Friedenspreisträger des Jahres 2002, die "einfache Fabel vom Aufstieg und Fall eines Dorfjungen in der Metropole" zu einer Chronik vom Verfall einer Familie zu vertiefen. In deren bitteren Geschicken sieht der Rezensent sich die "Geschichte einer Übergangsgesellschaft mit ungesicherten Zukunftsvisionen" brechen. Doch kann man Döring zufolge in diesem Roman auch verfolgen, "dass Traditionen und Moderne, herkömmliche Lebensweise und neuer, westlich geprägter Lebensstil" keine Gegensätze bilden müssten, sondern sich durchaus produktiv begegnen und durchdringen könnten.

© Perlentaucher Medien GmbH
Chinua Achebe, 1930 in Ogidi/Nigeria geboren, studierte zunächst Medizin, dann Literatur, Geschichte und Religion an der Universität von Ibadan/Nigeria. Leiter des nigerianischen Rundfunks. Lehrtätigkeiten an verschiedenen Universitäten von Nigeria sowie der Universität von Massachusetts/Amhurst und Connecticut. Leitet den Fachbereich für Literatur an der Universität von Nsukka/Nigeria.
Chinua Achebe erhielt 2002 den Friedenspreis des Deutschen Buchhandels.

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