Heidegger. Die Einführung des Nationalsozialismus in die Philosophie
Emmanuel Faye versucht so polemisch wie quellennah die Nähe der
deutschen Philosophie der 30er Jahre zum Nationalsozialismus
nachzuweisen. Er beeindruckt durch die Materialfülle, mit der er
belegt, dass die Grundlagen Martin Heideggers Denken in rassischem,
völkischem und antisemitischem Gedankengut zu finden sind.
"Heidegger und die Einführung des Nationalsozialismus in die
Philosophie" gehört zu den meist umstrittenen Büchern der
letzten Jahre.
Die deutsche Ausgabe hat Emmanuel Faye durchgesehen und mit einem
neuen Nachwort versehen. Darin geht er auf die seit Erscheinen des
Buchs in Frankreich nicht endenden Vorwürfe ein. Der deutsche Leser
hat nun die Möglichkeit, eine Debatte kritisch zu beurteilen, deren
Ende nicht absehbar ist, denn "zwei Tatsachen über Martin
Heidegger sind so unleugbar, wie sie den Umgang mit seinem Werk
kompliziert machen: Er ist einer der einflussreichsten Philosophen
des 20. Jahrhunderts, und er war ein Nazi. An dieser Spannung
entzünden sich bis heute immer neue Diskussionen um das Werk des
deutschen Denkers" (DIE ZEIT).
Nicht wirklich begeistert zeigt sich Rezensent Uwe Justus Wenzel von Emmanuel Fayes Buch über Martin Heideggers Verhältnis zum Nationalsozialismus, das vor vier Jahren in Frankreich Anlass für eine neuerliche Heidegger-Kontroverse war. Dem deutschsprachigen Leser bietet das Buch, das das französische Publikum mit bis dato nur auf Deutsch zugänglichen Zeugnissen bekannt machte, seines Erachtens wenig Neues. Der dokumentarische Teil des Buchs scheint ihm gleichwohl verdienstvoll. Mit Fayes totaler Verdammung von Heideggers Philosophie ist er allerdings nicht einverstanden. Fayes Forderung, Heideggers Werk aus den Regalen der philosophischen Bibliotheken zu verbannen und in die Abteilung Geschichte des Nationalsozialismus zu stellen, scheint Wenzel ziemlich überzogen. Daraus spricht für ihn ein "eigenartiges, seinerseits besorgniserregendes Reinheitsverlangen".