Haut - Hayder, Mo

Mo Hayder 

Haut

Psychothriller

Übersetzung: Rainer Schmidt
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Haut

Zwei mysteriöse Selbstmorde, ein teuflisches Wesen und Inspector Jack Caffery, der gegen seine eigene Angst ankämpftAls die Leiche einer Frau in der Nähe von Bristol gefunden wird, deutet alles auf einen Selbstmord hin. Doch Detective Inspector Caffery ist skeptisch, und tatsächlich bleibt es nicht bei einer Toten. Auch ein zweites Rätsel lässt ihn nicht los: die Suche nach einem Wesen, dem sogenannten 'Tokoloshe', dem man Zauberkräfte zuspricht und der Caffery zu verfolgen scheint. Aber auch Polizeitaucherin Flea Marley ist in einem Alptraum gefangen. Denn im Kofferraum ihres Wagens entdeckt sie eine Tote - eine Frau, nach der die Polizei von Bristol fieberhaft sucht ...


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 383 S. 190 mm
  • Seitenzahl: 383
  • Goldmann Taschenbücher Bd.47544
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 126mm x 30mm
  • Gewicht: 336g
  • ISBN-13: 9783442475445
  • ISBN-10: 3442475449
  • Best.Nr.: 32576470
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Starker Auftakt der Reihe hin oder her: Langsam sollte Mo Hayder ihren Inspector Caffery und Polizeitaucherin Flea Marley in die ewigen Jagdgründe eingehen lassen. Weder Hand noch Fuß hat das, was sich die Autorin in "Haut" zusammenfantasiert - auch wenn Leichenteile in verschiedenen Stadien der Verwesung natürlich keine Mangelware bei Hayder sind. Marley findet bei einem irrational riskanten Tauchgang nicht die Leiche, die sie sucht, dafür aber die schon matschende und müffelnde Fußballergattin Misty im eigenen Kofferraum, plattgefahren von Fleas Bruder. Während Caffery sich nicht anständig um die verschollene Misty kümmert, sondern lieber seinen ewigen afrikanischen Tokoloshe-Geist oder auch Nicht-Geist sucht und dabei per Zufall einem von menschlicher Haut besessenen Triebtäter auf die Spur kommt, muss Flea irgendwie die Leiche entsorgen. Dabei handelt sie mindestens so kopflos wie Caffery, und es ist geradezu ärgerlich, wie sie mit ihrer Stümperei und ihren Lügen durchkommen. Viel zu viele Zufälle und lose Enden - an denen Hayder weiterstricken wird im nächsten Band, auch wenn es eigentlich schon diesen hier dem Logik verehrenden Leser zuliebe nicht mehr hätte geben dürfen. (kab)

"Schockierender, brillanter Thriller, der seinen Vorgänger 'Ritualmord' um Längen schlägt." -- Hör Zu<br/><br/>"Spannung ohne billige Effekte - bravo!" -- Petra<br/><br/>"Wieder einmal hat Mo Hayder einen Thriller geschrieben, den man nicht im Dunkeln lesen möchte und der einen erschauern lässt. Wahrhaft genial!" -- Crimespree Magazine

»Wieder einmal hat Mo Hayder einen Thriller geschrieben, den man nicht im Dunkeln lesen möchte und der einen erschauern lässt.« Crimespree Magazine »Der große Erfolg der Kult-Autorin endlich als Hörbuch:spannend!« Lea »Schauspieler Wolfram Koch liest so eindringlich, dass sich die Härchen des Hörers oft aufrichten.« Subway »Die prägnante Stimme von Wolfram Koch verleiht jeder Figur ihren eigenen Charakter.« Nordkurier »Wolfram Koch versteht sein Handwerk.« Krimizeit.de »Packend gelesen von Wolfram Koch.« Vorsicht - Das Rhein-Nahe-Journal

"Wieder einmal hat Mo Hayder einen Thriller geschrieben, den man nicht im Dunkeln lesen möchte und der einen erschauern lässt. Wahrhaft genial!"
Mo Hayder, 1962 in Essex geboren, verließ mit fünfzehn ihr Zuhause, um in London das Abenteuer zu suchen. Sie hat später viele Jahre im Ausland verbracht, unter anderem auch in Tokio, wo sie eine Zeit lang in einem Nachtclub arbeitete und für eine englische Zeitung schrieb. Sie studierte Filmwissenschaften an der American University in Washington D.C. und später Creative Writing an der Bath Spa University. Mit ihrem Debüt, dem Psychothriller »Der Vogelmann«, wurde sie über Nacht zur international gefeierten Bestsellerautorin. Seither hat sie ihren Ruf als brillante Spannungsautorin mit den Romanen »Die Behandlung«, »Tokio«, »Ritualmord« und »Haut« weiter gefestigt. Die Autorin lebt heute mit ihrem Lebensgefährten und ihrer Tochter in der Nähe von Bath.

Leseprobe zu "Haut" von Mo Hayder

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Leseprobe zu "Haut" von Mo Hayder

Die menschliche Haut ist ein Organ, das größte des Körpers, und besteht aus der Dermis, der Epidermis und einer subkutanen Fettschicht. Wenn man sie in einem Stück abziehen und ausbreiten wollte, würde sie eine Fläche von knapp zwei Quadratmetern bedecken. Und sie ist schwer: Bei all dem Protein und dem damit verbundenen Fett hat sie ein enormes Gewicht. Die Haut eines gesunden erwachsenen Mannes wiegt zwischen zehn und fünfzehn Kilo, je nach seiner Größe. Genauso viel wie ein kleines Kind.

Die Haut einer Frau dagegen wiegt etwas weniger. Auch ihre Fläche ist kleiner.

Die meisten Männer mittleren Alters, selbst diejenigen, die allein in einer entlegenen Gegend von Somerset leben, würden niemals darüber nachdenken, wie eine Frau ohne ihre Haut aussähe. Sie würden auch keinen Grund haben, sich zu fragen, wie ihre Haut aussähe, wenn man sie ausgespannt auf eine Werkbank nagelte.

Aber natürlich sind die meisten Männer nicht wie dieser Mann.

Dieser Mann ist völlig anders.

Tief in den regennassen Mendip Hills in Somerset liegen acht überflutete Kalksteinbrüche. Sie wurden schon vor langer Zeit stillgelegt; ihre Eigentümer haben sie durchnummeriert, von eins bis acht, und sie liegen in einem hufeisenförmigen Halbkreis beieinander. Nummer acht, am südöstlichen Ende, grenzt beinahe unmittelbar an das, was in der Umgebung als Elf's Grotto bezeichnet wird: die Elfengrotte, ein System aus tropfenden Höhlen und Gängen, die tief in die Erde hinunterreichen. Den regionalen Mythen zufolge führen geheime Ausgänge aus diesem Höhlensystem in die alten römischen Bleibergwerke, und in alten Zeiten haben die Elfen in Elf's Grotto die Tunnel als Fluchtwege benutzt. Manche sagen, wegen all der Sprengungen im zwanzigsten Jahrhundert münden diese Tunnel jetzt direkt in die gefluteten Steinbrüche.

Sergeant "Flea" Marley, die Leiterin der Unterwasser-Sucheinheit der Avon and Somerset Police ließ sich kurz nach vier an einem klaren Mainachmittag in den Steinbruch Nummer acht gleiten. Sie dachte nicht an geheime Eingänge. Sie suchte nicht nach Löchern in der Wand. Sie dachte an eine Frau, die seit drei Tagen vermisst war. Die Frau hieß Lucy Mahoney, und die Profis an Land glaubten, ihre Leiche könnte hier unten sein, irgendwo unter dieser weiten Wasserfläche, eingerollt in den Tang auf einem dieser Simse.

Flea tauchte zehn Meter hinunter und bewegte den Unterkiefer hin und her, um den Druck in ihren Ohren auszugleichen. In dieser Tiefe war das Wasser von einem gespenstischen, fast graugrünen Blau, und nur ein zarter Hauch von milchigem Kalksteinstaub schwebte da, wo ihre Flossen ihn aufgewirbelt hatten. Perfekt. Normalerweise herrschte in dem Wasser, in dem sie tauchte, null Sichtweite - als würde sie durch eine Suppe schwimmen, sodass sie ganz auf ihren Tastsinn angewiesen war -, aber hier unten konnte sie mindestens drei Meter weit sehen. Sie entfernte sich von der Einstiegsstelle und hangelte sich an der Kalksteinwand entlang, bis der Zug der Sicherungsleine konstant war. Sie erkannte jedes Detail, jede sich wiegende Wasserpflanze, jeden Steinblock auf dem Grund. Jede Stelle, an der eine Leiche hätte landen können.

"Sarge?" Police Corporal Wellard, ihr Leinenführer, sprach in sein Funkmikrofon, und seine Stimme ertönte in ihrem Ohr, als stünde er neben ihr. "Sehen Sie was?"

"Ja", murmelte sie. "Ich sehe die Zukunft."

"Hä?"

"Ich kann in die Zukunft sehen, Wellard. Ich sehe, wie ich in einer Stunde völlig durchgefroren hier auftauche. Und ich sehe die Enttäuschung in allen Gesichtern, weil ich mit leeren Händen komme."

"Wieso?"

"Keine Ahnung. Ich glaube nur nicht, dass sie hier unten ist. Fühlt sich nicht so an. Seit wann wird sie vermisst?" "Seit zweieinhalb Tagen." "Und ihr Wagen. Wo war der geparkt?" "'ne halbe Meile weit von hier. Auf der B 3135." "Hielt man sie für depressiv?"

"Ihr Exmann wurde im Zusammenhang mit der Vermisstenmeldung befragt. Er sagt ganz entschieden, sie war es nicht."

"Und sonst keine Verbindung mit dem Steinbruch? Nichts, was ihr gehört? Sie war nicht schon öfter hier oder so was?"

"Nein."

Flea paddelte mit den Flossen ein Stück weiter, und die Nabelschnur - die Luft- und Sprechfunkleitung, die sie mit der Oberfläche verband - wehte sanft hinter ihr her. Steinbruch Nummer acht war ein berüchtigter Ort für Selbstmörder. Vielleicht hatte der polizeiliche Fahndungsberater, Stuart Pearce, die Ansicht der Familie über Lucy Mahoney nicht geteilt. Vielleicht hatte er deshalb diese spezielle Nadel in die Landkarte gestochen und sie zu dieser Suchaktion eingeteilt. Entweder das - oder er klammerte sich an einen Strohhalm. Sie war Stuart Pearce schon begegnet. Vermutlich war Letzteres der Fall.

"Konnte sie schwimmen, Wellard? Ich hab vergessen, danach zu fragen."

"Ja. Sie war eine gute Schwimmerin."

"Dann muss sie sich mit einem Gewicht belastet haben, wenn sie Selbstmord begangen hat. Mit einem Rucksack oder so was. Das bedeutet, sie muss sich nah am Rand befinden. Lassen Sie uns die Suche im Pendelmuster durchführen, bis auf zehn Meter hinaus."

"Äh, Sarge, da gibt's ein Problem. Bei zehn Metern kommen Sie tiefer als fünfzig Meter."

Wellard besaß einen Plan des Steinbruchs. Flea hatte ihn oben studiert. Als die Steinbruchfirma fingerförmige Löcher gebohrt hatte, um den Sprengstoff hineinzuschieben, hatten sie zehn Meter lange Bohrer benutzt, und folglich war das Gestein - bevor sie die Pumpen abschalten und das Wasser in den Steinbruch strömen ließen - in zehn Meter dicken Scheiben abgesprengt worden. An einem Ende betrug die Wassertiefe zwanzig bis dreißig Meter, am anderen war es tiefer; da ging es mehr als fünfzig Meter hinunter. Die Vorschrift der Gesundheits- und Sicherheitsabteilung war eindeutig: Kein Polizeitaucher hatte die Genehmigung, tiefer als fünfzig Meter zu tauchen. Niemals.

"Sarge? Haben Sie gehört? Am Ende des Suchbogens wären Sie fünfzig Meter tief. Vielleicht tiefer."

Sie räusperte sich. "Haben Sie das ganze Bananenbrot aufgegessen?"

"Hä?"

An diesem Morgen vor Dienstantritt hatte sie Bananenbrot für das ganze Team gebacken. So etwas tat sie normalerweise nicht. Sie war die zweitjüngste nach Wellard und der Boss, aber sie bemutterte niemanden. Und sie hatte es nicht getan, weil sie gern backte. Sie hatten in letzter Zeit schlimme Zeiten durchgemacht: Einer von ihnen hatte aus psychischen Gründen Sonderurlaub, und nach dem, was er zu Anfang der Woche hatte durchmachen müssen, würde er wahrscheinlich nicht zurückkehren.

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