Hausaufgaben - Arjouni, Jakob

Jakob Arjouni 

Hausaufgaben

Roman

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Hausaufgaben

Deutschlehrer Joachim Linde weiß, dass es mit seiner Familie, mit seinem Leben an und für sich, nicht zum Besten steht. Dass er jetzt sein "peinlichstes" Privatleben vor den Kollegen ausbreiten muss, geht ihm schon gewaltig gegen den Strich. Aber es scheint die einzige Möglichkeit zu sein, seine Haut zu retten. Linde ist fest entschlossen, sich nicht unterkreigen zu lassen.
Es geht in diesem Roman um private, aber auch um historische Schuldzuweisung. Darum, wie sich ein Mensch in Wunschdenken und Halbwahrheiten verstrickt, weil er mit sich selbst im Reinen bleiben, vor sich selbst bestehen möchte.


Produktinformation

  • Verlag: DIOGENES
  • 2005
  • Ausstattung/Bilder: 2005. 188 S.
  • Seitenzahl: 188
  • detebe Diogenes Taschenbücher Nr.23504
  • Deutsch
  • Abmessung: 182mm x 114mm x 17mm
  • Gewicht: 168g
  • ISBN-13: 9783257235043
  • ISBN-10: 3257235046
  • Best.Nr.: 14415901
kulturnews - RezensionBesprechung
Bereitgestellt von kulturnews.de
(c) bunkverlag
Für Joachim Linde, Mitvierziger und Deutschlehrer an einem Kleinstadtgymnasium, kommt es in Jakob Arjounis neuem Roman knüppeldick. Seine Karriere, die Beziehung zu seiner Frau und zu seinen Kindern, seine ganze gesellschaftliche Existenz - in allen Bereichen bahnt sich innerhalb weniger Stunden die jeweils katastrophalste Wendung an. Indiskretionen lassen sich nicht mehr vermeiden, Schuldige müssen gefunden werden, will Linde dem Untergang noch entkommen. Hausaufgaben ist eine fiese kleine Geschichte über Schuld und Sühne, von Arjouni gewohnt souverän und konventionell in Szene gesetzt. Gnadenlos einfühlsam möchte man es nennen, wie der Autor sein überaus modernes Pädagogenmonstermonster dem Leser so nahe zu bringen versteht, dass der sich bald weniger Gedanken über Linde als über sich selbst macht. Wer keine Angst vor solchen Hausaufgaben hat, wird mit wunderbaren Gemeinheiten belohnt. (aw)

Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Aus der Sparte "junge deutsche Literatur mit Biss und Haltung" gibt es gute Neuigkeiten, meldet der Rezensent Jochen Förster. Denn Jakob Arjouni war schon immer gut, aber damit nicht genug, er wird immer besser. Denn für den Rezensenten ist "Hausaufgaben", die Geschichte um den Lehrer Joachim Linde, eindeutig Arjounis bisher bestes Buch, und dies aus drei Gründen. Einmal, weil Arjounis Konzept besser ausgearbeitet sei, dann, weil er sich mit seinem Gegenstand - der selbstgerechten, pseudo-lebenslustigen und Freiheit dozierenden Linksbürgerlichkeit - hervorragend auskenne und somit "feiner ziselieren" könne, und schließlich, weil er die dazu "passende Perspektive" (die Erzählung in der dritten Person) gefunden habe. Linde, durch und durch Pädagoge, wähne sich als Opfer seiner familiären Situation (hysterische Frau, frauenloser Sohn und suizidgefährdete Tochter), deren Krise er jedoch mitbegründet habe. Diese weite sich endgültig zum Familienfiasko aus, als eine Schulstunde zum Thema "Drittes Reich" aus den Fugen gerät, und es aus allen Ecken Anschuldigungen und mehr oder weniger handgreifliche Übergriffe auf Linde regnet. Mit "Hausaufgaben", der Aufdeckung einer routinierten und blinden "politisch korrekten Heuchelei", ist Arjouni eine "brillante Innenansicht pädagogischer Uneigentlichkeit" gelungen, "sein relevantester Roman und sein feinster".

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.10.2004

Die Welt ist nicht genug
Jakob Arjounis Schule der Nation / Von Volker Weidermann

So viele Hoffnungsträger hat die deutsche Gegenwartsliteratur nicht, als daß sich diese wenigen so hängenlassen dürften, wie es der Schriftsteller Jakob Arjouni in letzter Zeit tut. Denn wie wenige Autoren mit seinem Talent haben wir! Und wie läppisch sind seine Bücher seit einiger Zeit! Dabei brauchen wir einen solchen Autor.

Einen Autor nämlich, der etwas über unsere Gegenwart zu sagen hat. Der sie kennt, der weiß, wie die Menschen sprechen, was sie erleben. Der genausoviel von Geschichte versteht wie vom Geschichtenerzählen. Der die Fachwerkhäuser von Michelstadt im Odenwald liebt und das Frankfurter Bahnhofsviertel kennt wie kein zweiter, der in Kreuzberg zu Hause ist wie im südhessischen Dieburg, im deutschen Norden wie in Frankreichs Süden. Einer, der die Welt kennt und schreiben kann. Einer wie Jakob Arjouni. Der uns mit "Magic Hoffmann" vor acht Jahren den wahren Wendehelden schenkte, der das neue Berlin staunend und präzise beschrieb wie keiner, der mit den Kayankaya-Krimis, die er vor siebzehn Jahren zu schreiben begann, den deutschen …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.10.2004

Das Monster Joachim
Hässliche „Hausaufgaben”: Jakob Arjouni gräbt im Morast einer deutschen Pädagogenseele
Ressentiments, so erklärt uns die aktuelle Ausgabe der Zeitschrift Merkur, haben immer nur die anderen. Das rudimentär gesträubte Nackenhaar, der Schaum vorm Mund, die getrübte Sicht - in einer am Argument orientierten Gesellschaft sind solche deutlichen Signale längst passé und müssen, zumindest scheinbar, rationalisiert werden. Was nicht heißt, dass hinter einem Argument nicht doch wieder ein hässliches kleines Ressentiment verborgen ist. Einen besonders unangenehmen Fall von Tarnung parodiert Jakob Arjouni in seinem neuen Roman „Hausaufgaben”: Die vor Selbstgefälligkeit strotzende Hauptfigur steckt voller heimlicher Hass- und Schuldgefühle, die in einer 180-Grad-Wendung immer den anderen angelastet werden.
„Womit wir bei einer der prägnantesten Auswirkungen des Dritten Reichs auf unser heutiges Leben wären: der Verleugnung oder besser: Verneblung oder Verschattung - unserer Herkunft. Wir können immer noch nicht wie ein Franzose oder Engländer stolz und froh erklären, woher wir kommen. Nach wie vor müssen wir aufpassen, was …

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Jakob Arjouni, geboren 1964 in Frankfurt am Main, studierte und jobbte nach dem Abitur einige Jahre in Südfrankreich und lebte dann in Berlin. Er veröffentlichte Romane, Theaterstücke, Erzählungen und Hörspiele. Für "Ein Mann, ein Mord" erhielt Jakob Arjouni 1992 den Deutschen Krimi-Preis. Derzeit lebt er vorwiegend in Südfrankreich.

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