Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension
Fasziniert hat Joachim Güntner in dieser Auswahl aus Günter Grass' insgesamt 2200 Seiten starken Stasi-Akten gelesen, und er lobt den von Kai Schlüter herausgegebenen Band als gleichermaßen erhellendes Geschichts-, wie kurzweiliges "Lesebuch". Vor allem das darin dokumentierte couragierte Auftreten des Schriftstellers, der kaum je eine Gelegenheit ausließ, Missstände in der DDR zu kritisieren und der deshalb als besonders gefährlicher "Provokateur" und "Staatsfeind" galt, ringt dem Rezensenten Respekt ab. Man liest die Protokolle der Stasi mit Wut und irritierter "Belustigung" so Güntner, der zudem das Vorwort zum historischen Kontext von Schlüter und Zeitzeugenerinnerungen, nicht zuletzt von Grass selbst, als sehr informativ lobt.
© Perlentaucher Medien GmbH
 | Besprechung von 06.03.2010 |
Nein, diese Suppe ess' ich nichtWenn es einen Mann gab, vor dem die Stasi Angst hatte, dann war das Günter Grass. Nun erscheinen die Spitzelberichte, ergänzt um Kommentare der damals Ausspionierten.
Von Andreas Platthaus
Für die Stasi war Günter Grass der "Bolzen". So lautete sein Deckname als Beobachtungsobjekt. Es gehört zu den Perfidien der DDR-Staatssicherheitsbehörde, dass sie nicht nur ihre Zuträger hinter Pseudonymen verbarg - im Falle der Ausspionierung von Grass vor allem den Bruder des Schriftstellers Hans Joachim Schädlich, den Historiker Karlheinz Schädlich, der in den Akten als IM "Schäfer" firmiert -, sondern auch die Opfer ihrer wahren Namen beraubte. Nach welchen Kriterien solche Bezeichnungen ausgewählt wurden, kann man nur vermuten. Bei Grass wird seine Bärbeißigkeit und polternde Art eine Rolle gespielt haben, die mehrmals in den Stasi-Dokumenten Erwähnung findet. Wobei stets zu beachten bleibt, was Kai Schlüter in seinem jetzt erscheinenden Buch "Günter Grass im Visier" schreibt: "Die Stasi-Akten spiegeln eine gefilterte Sicht der Wirklichkeit wider. Es ist die Sicht einer politischen Geheimpolizei, die im …
"Die Stasi-Aufzeichnungen über Günter Grass erscheinen 20 Jahre nach der Wiedervereinigung in einer fesselnd zu lesenden Dokumentation." (dpa)
"Ein neues Buch beleuchtet den nahezu pathologischen Wahn, mit dem der DDR-Geheimdienst Grass zu einem Hauptfeind des Arbeiter- und Bauernstaates stilisierte und bespitzelte. (...) Schlüters Buch ist ein Dokument deutsch-deutscher Kulturgeschichte zu Zeiten der Teilung. Es ist zudem ein Lehrstück über die Hilflosigkeit der Ost-Berliner Diktatoren, die sich vor ihren Bürgern und der Weltöffentlichkeit ebenso entschlossen wie politisch gefestigt gerierten und doch vor Angst schlotterten, dass Grass ihre Untertanen mit seinem Traum vom demokratischen Sozialismus infizieren könnte." (Spiegel online)
"Kai Schlüter ist mit der aufbereiteten Dokumentation ein entlarvendes Geschichtsbuch gelungen." (Märkische Allgemeine)
"Ein spannendes, lehrreiches Dokument der deutschen Literatur- und Teilungsgeschichte. Das gescheite Buch verrät viel über die Furcht der Machthaber, Farce und Schrecken der Überwachung, Mut und Anpassung unter Literaten. Vor allem aber ist es geeignet, das Bild zu korrigieren, das sich die Öffentlichkeit von Günter Grass macht." (Süddeutsche Zeitung)
"Kai Schlüters dokumentarisches "Lesebuch" ist zuverlässig gearbeitet, es schneidet den Fall Grass mit gut gewählten Dokumenten und Kommentaren aus dem riesigen Komplex "Sicherungsbereich Literatur" heraus und gibt Einblicke in die Vita eines Westdeutschen, dessen antitotalitäre Haltung zu keiner Zeit ein bloßes Lippenbekenntnis war." (Literarische Welt)
"Wie umfangreich Grass observiert, wie sehr jeder seiner DDR-Besuche auf Schritt und Tritt verfolgt, wieviel Richtiges, Falsches, Tendenziöses und Nebensächliches in den Stasi-Berichten zu seiner Person und seinen politischen Einstellungen gesammelt wurde, das alles steht jetzt in dem äußerst lesenswerten Buch des Germanisten und Journalisten Kai Schlüter." (Tagesspiegel)
"Kai Schlüters Edition ist ein vorzüglicher Beitrag zur jüngsten Zeitgeschichte. Vor allem lässt er die Stasi-Berichte nicht einfach stehen so als handelte es sich bei ihnen um die reine Wahrheit , sondern von den Betroffenen kommentieren." (Tages-Anzeiger)
"2200 Seiten stark ist Grass' Stasi-Akte. Nun hat der Bremer Journalist Kai Schlüter dieses faszinierende Material erstmals gesichtet, geordnet und ediert. Das Ergebnis seiner Suche, das Lesebuch "Günter Grass im Visier", bildet ein Schlüsseldokument der deutsch-deutschen Geschichte." (Rheinischer Merkur)
"Schlüter wollte keine wissenschaftliche Edition von Archivmaterial veröffentlichen, sondern ein Lesebuch. Das ist gelungen: Der Band ist fesselnd, informativ und bedrückend." (Hannoversche Allgemeine Zeitung)
"Ergänzt um historische Erläuterungen und kommentierende Rückblicke von Zeitzeugen, insbesondere von Günter Grass selbst, ist ein ausgezeichnetes Geschichtsbuch entstanden, zugleich ein unterhaltsames Lesebuch, instruktiv, spannend, das man, die Dokumente von Servilität und Verrat vor Augen, ebenso mit Grimm wie mit kopfschüttelnder Belustigung liest." (Neue Zürcher Zeitung)
"Ein einzigartiges Dokument der Literatur- und Zeitgeschichte." (NDR Bücherjournal, 4.5.2010)
Die Stasi-Aufzeichnungen über Günter Grass erscheinen 20 Jahre nach der Wiedervereinigung in einer fesselnd zu lesenden Dokumentation. Matthias Hoenig, dpa Ein neues Buch beleuchtet den nahezu pathologischen Wahn, mit dem der DDR-Geheimdienst Grass zu einem Hauptfeind des Arbeiter- und Bauernstaates stilisierte und bespitzelte. (...) Schlüters Buch ist ein Dokument deutsch-deutscher Kulturgeschichte zu Zeiten der Teilung. Es ist zudem ein Lehrstück über die Hilflosigkeit der Ost-Berliner Diktatoren, die sich vor ihren Bürgern und der Weltöffentlichkeit ebenso entschlossen wie politisch gefestigt gerierten – und doch vor Angst schlotterten, dass Grass ihre Untertanen mit seinem Traum vom demokratischen Sozialismus infizieren könnte. Carsten Holm, Spiegel online Kai Schlüter ist mit der aufbereiteten Dokumentation ein entlarvendes Geschichtsbuch gelungen. Meike Jänike, Märkische Allgemeine Ein spannendes, lehrreiches Dokument der deutschen Literatur- und Teilungsgeschichte. Das gescheite Buch verrät viel über die Furcht der Machthaber, Farce und Schrecken der Überwachung, Mut und Anpassung unter Literaten. Vor allem aber ist es geeignet, das Bild zu korrigieren, das sich die Öffentlichkeit von Günter Grass macht. Jens Bisky, Süddeutsche Zeitung Kai Schlüters dokumentarisches »Lesebuch« ist zuverlässig gearbeitet, es schneidet den Fall Grass mit gut gewählten Dokumenten und Kommentaren aus dem riesigen Komplex »Sicherungsbereich Literatur« heraus und gibt Einblicke in die Vita eines Westdeutschen, dessen antitotalitäre Haltung zu keiner Zeit ein bloßes Lippenbekenntnis war. Harro Zimmermann, Literarische Welt Wie umfangreich Grass observiert, wie sehr jeder seiner DDR-Besuche auf Schritt und Tritt verfolgt, wieviel Richtiges, Falsches, Tendenziöses und Nebensächliches in den Stasi-Berichten zu seiner Person und seinen politischen Einstellungen gesammelt wurde, das alles steht jetzt in dem äußerst lesenswerten Buch des Germanisten und Journalisten Kai Schlüter. Gerrit Bartels, Tagesspiegel Kai Schlüters Edition ist ein vorzüglicher Beitrag zur jüngsten Zeitgeschichte. Vor allem lässt er die Stasi-Berichte nicht einfach stehen – so als handelte es sich bei ihnen um die reine Wahrheit –, sondern von den Betroffenen kommentieren. Martin Ebel, Tages-Anzeiger 2200 Seiten stark ist Grass' Stasi-Akte. Nun hat der Bremer Journalist Kai Schlüter dieses faszinierende Material erstmals gesichtet, geordnet und ediert. Das Ergebnis seiner Suche, das Lesebuch »Günter Grass im Visier«, bildet ein Schlüsseldokument der deutsch-deutschen Geschichte. Hans-Joachim Neubauer, Rheinischer Merkur Schlüter wollte keine wissenschaftliche Edition von Archivmaterial veröffentlichen, sondern ein Lesebuch. Das ist gelungen: Der Band ist fesselnd, informativ und bedrückend. Martina Sulner, Hannoversche Allgemeine Zeitung Ergänzt um historische Erläuterungen und kommentierende Rückblicke von Zeitzeugen, insbesondere von Günter Grass selbst, ist ein ausgezeichnetes Geschichtsbuch entstanden, zugleich ein unterhaltsames Lesebuch, instruktiv, spannend, das man, die Dokumente von Servilität und Verrat vor Augen, ebenso mit Grimm wie mit kopfschüttelnder Belustigung liest. Joachim Güntner, Neue Zürcher Zeitung Ein einzigartiges Dokument der Literatur- und Zeitgeschichte. NDR Bücherjournal, 4.5.2010
Kai Schlüter, Jg. 1956; Studium der Germanistik und Sozialwissenschaften in Göttingen; 1983 Promotion; 1983/84 Volontariat bei der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung; 1984-86 Hörfunkredakteur beim Norddeutschen Rundfunk; seit 1986 Redakteur bei Radio Bremen; ARD-Hörfunkkorrespondent in Washington und London sowie Chef vom Dienst im 2001 neu gegründeten Nordwestradio (RB/NDR).