Gründe der Liebe - Frankfurt, Harry G.

Harry G. Frankfurt 

Gründe der Liebe

Übersetzer: Hartmann, Martin
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Gründe der Liebe

Harry G. Frankfurt gehört zu den wichtigsten Philosophen der Gegenwart und hat mit seinen Arbeiten zur Willensfreiheit und insbesondere zu Problemen der Moralphilosophie die philosophischen Debatten der vergangenen Jahrzehnte maßgeblich mitbestimmt. Ausgehend von der Frage "Wie sollen wir leben?", nähert er sich in seinem neuen Buch auf luzide Weise einer Kategorie, die, wie er selbst sagt, "auf berüchtigte Weise schwer zu erhellen ist": der Liebe.

Liebe, so Frankfurt, darf nicht mit Vernarrtheit oder Lust, Besessenheit oder Abhängigkeit verwechselt werden, also mit dem, was eine Person glaubt oder fühlt. Liebe, so die Generalthese des Buches, ist vielmehr eine Sache des Willens, genauer: der praktischen Sorge um das, was für den, den man liebt, gut ist. Zu Beginn entfaltet Frankfurt daher seinen Begriff des 'Sich-Sorgens', der am Grund der Liebe steht. Indem wir das verfolgen, was uns am Herzen liegt, also worum wir uns sorgen, bekommt die Welt überhaupt erst eine Bedeutung für uns. Nur so entwickeln wir stabile Interessen und Wünsche, die unser Leben mit Sinn erfüllen und leiten. Die Liebe, so der nächste Schritt, ist die wichtigste Form des Sich-Sorgens, denn in der Liebe verfolgen wir etwas um seiner selbst willen und nicht als Mittel zum Zweck. Das Buch schließt mit einer überraschenden Reflexion über die Selbstliebe, die Frankfurt als die reinste Form der Liebe bezeichnet.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2006
  • 3. Aufl. Nachdr.
  • Ausstattung/Bilder: Nachdr. 2006. 108 S.
  • Seitenzahl: 108
  • Best.Nr. des Verlages: 58426
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 121mm x 12mm
  • Gewicht: 150g
  • ISBN-13: 9783518584262
  • ISBN-10: 351858426X
  • Best.Nr.: 13281197
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 24.06.2005

Wer weiß schon, ob er ins Wasser springt, wenn seine Frau ertrinkt?
Ganz falsch ist das alles nicht, doch ist's etwas lose dahergeredet: Harry Frankfurt entnimmt Säuglingen und Tanten Gründe für die Liebe

"Ich liebte meine Tante, obwohl ich sie nicht mochte." Harry Frankfurt bringt dieses Beispiel in der veröffentlichten Fassung der allgemeinverständlich gehaltenen Vorlesungen über die Liebe, die er in den letzten Jahren vielerorts gehalten hat, nicht. Es ist gleichwohl gut geeignet, die Abgrenzungen, die er vornimmt, zu verdeutlichen und auch, inwieweit er damit den Sprachgebrauch beugt. Es geht ihm bei der Liebe nicht um Wünsche oder Affekte, die immer temporär, austauschbar, selbstbezogen sind. Erotische Liebesbeziehungen, durchsetzt mit Begierden und Selbsttäuschungen, geben deshalb nur sehr unvollkommene Beispiele für die Liebe. "Es ist nicht wesentlich, daß eine Person mag, was sie liebt. Sie kann es sogar widerlich finden." Es geht aber auch nicht um den objektiven Wert des von uns Geliebten. Der noch so überzeugende Beweis eines Wertes kann uns nicht zur Liebe zwingen. Umgekehrt wird uns der Beweis der Nichtswürdigkeit des …

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Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Als "scharfsinniger Denker" und "gewandter Stilist" habe sich der in Princeton lehrende Philosoph Harry Frankfurt einmal mehr erwiesen, bemerkt Barbara Bleisch. Dessen schmaler Band "Die Gründe der Liebe", der im vergangenen Jahr auf Englisch erschien und nun in deutscher Übersetzung vorliegt, enthalte in den ersten beiden Kapiteln zwar Überlegungen, die Frankfurt-Kennern nicht unbedingt neu vorkommen werden, gelange aber im letzten Abschnitt zu "erstaunlichen" Erkenntnissen: "Die wichtigste Frage, die wir uns stellen können, sei nicht die Frage, wie wir leben sollen, sondern die empirische Frage, woran einem aufrichtig und langfristig liege. In der Antwort auf diese Frage liege der Schlüssel zum geglückten Dasein", wie die Rezensentin zusammenfasst. Verhaltene Kritik übt Bleisch allerdings an einigen Definitionen Frankfurts. So nennt sie etwa die Darstellung von Selbstliebe als "höchste Form der Liebe" ein "Wagnis". Die Unschärfe anderer zentraler Begrifflichkeiten lastet sie dem Übersetzer Martin Hartmann an, der beispielsweise Frankfurts Schlüsselbegriff der "wholeheartedness" aus ihr unerfindlichen Gründen mit "Entschlossenheit" wiedergegeben habe. Die kleinen Makel können jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass die Rezensentin Frankfurts "Gründe der Liebe" mit großem Interesse und Erkenntnisgewinn durchmessen hat.

© Perlentaucher Medien GmbH
Harry G. Frankfurt, geboren 1929, lehrte Philosophie u.a. in Cornell, Oxford und Yale. Seit 1990 ist er Professor für Philosophie an der Universität von Princeton. Er ist Träger zahlreicher Auszeichnungen und Mitglied der American Academy of Arts and Sciences.

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