Gottes Spuren - Englisch, Andreas

Andreas Englisch 

Gottes Spuren

Die Wunder der katholischen Kirche

Herausgeber: Fischer, Robert
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Gottes Spuren

Ein genau recherchierter Report über Wunder nicht nur in der Bibel, sondern besonders in unserer heutigen Zeit

Wirkt Gott in dieser Welt Wunder? Greift eine höhere Macht, die wir Gott nennen, in unser Leben ein? Beweist das Unerklärliche die Existenz Gottes? Ist es ein Eingreifen Gottes, wenn Sterbenskranke doch überleben und unfruchtbare Paare dennoch ein Kind bekommen? Der Vatikan-Korrespondent und Bestsellerautor Andreas Englisch fragt nach: Was ist dran an Blut weinenden Madonnen, wundersamen Heilungen und Marienerscheinungen? Sein Weg führt von Lourdes über Fatima bis hin zu Wundern, die in unseren Tagen geschehen sind. Denn die Zeit der Wunder scheint keineswegs vorbei.
- Von einem der bestinformierten Journalisten im Vatikanstaat.

"Man muss nicht katholisch sein, um diesem Buch etwas abzugewinnen. [...] Eine spannende Lektüre, besonders auch für kritische LeserInnen, die sich nicht vorschnell einnehmen lassen, einen gesunden Abstand und Menschenverstand wahren." Ulrike M. Dierkes

"Andreas Englisch zeigt einmal mehr, wie lebendig und interessant Geschichte sein kann." Fränkische Tag

"Andreas Englisch vermag außerordentlich spannend zu erzählen." Hamburger Abendblatt

Madonnen, die blutige Tränen weinen, Menschen, die Jesu Leidensmale an Händen und Füßen tragen, Priester, die Sterbenskranke heilen und böse Geister austreiben das alles klingt nach finsterem Mittelalter und ist doch Realität in der katholischen Kirche des 21. Jahrhunderts. Der Vatikan-Experte und Papst-Biograf Andreas Englisch, der seit den 80er Jahren in Rom lebt und engen Kontakt sowohl zu dem verstorbenen Papst Johannes Paul II. hatte als auch zu Benedikt XVI. hat, folgt den Spuren des Unerklärlichen.Seit Jahren recherchiert er in Sachen Wunder. Bei aller aufgeklärten Skepsis kann er sich der Faszination von Menschen nicht entziehen, die vom direkten Eingreifen Gottes, aber auch des Satans auf Erden überzeugt sind. Je mehr Englisch sich auf das Wirken Gottes in der Welt einlässt, umso intensiver werden die Hinweise auf die dunkle Macht des Fürsten der Finsternis. Er wird Zeuge von Teufelsaustreibungen, sieht Besessene, lernt Exorzisten kennen, die von Benedikt XVI. öffentlich
geehrt werden und junge Priester, die mitten im Leben stehen und selbstverständlich mit all diesen rational nicht zu erklärenden Phänomenen umgehen. Können das alles nur wilde Phantasien sein? Oder leben wir auch im 21. Jahrhundert in einer Welt,i n der ein mächtiger Gott und sein dunkler Widersacher in das Leben von Menschen eingreifen? Die Zeit der Wunder scheint keineswegs vorbei so das Fazit dieses ungemein aufregenden, exakt recherchierten und nachdenklich stimmenden Buches.
Exklusive Informationen vom langjährigen Vatikan-Korrespondenten und Bestseller-Autor


Produktinformation

  • Verlag: Goldmann
  • 2008
  • Ausstattung/Bilder: 2008. 381 S., 26 meist farb. Abb. auf Taf.
  • Seitenzahl: 381
  • Goldmann Taschenbücher Bd.15499
  • Deutsch
  • Abmessung: 179mm x 126mm x 30mm
  • Gewicht: 337g
  • ISBN-13: 9783442154999
  • ISBN-10: 3442154995
  • Best.Nr.: 23327546
"Englisch wird Zeuge von Teufelsaustreibungen, sieht Besessene, lernt Exorzisten kennen, die von Benedikt XVI. öffentlich geehrt werden, und junge Priester, die mitten im Leben stehen und selbstverständlich mit all diesen rational nicht zu erklärenden Phänomenen umgehen. Können das alles nur wilde Phantasien sein? Oder leben wir auch im 21. Jahrhundert in einer Welt, in der ein mächtiger Gott und sein dunkler Widersacher in das Leben von Menschen eingreifen? Die Zeit der Wunder scheint keineswegs vorbei - so das Fazit dieses spannenden Buches." MDR artour<br/><br/>"Gibt es sie tatsächlich? Madonnenfiguren, die Tränen aus Blut weinen, vom Teufel Besessene oder Menschen, die durch Handauflegen heilen können? Der Aufklärung solch übernatürlicher und rational vermeintlich nicht erklärbarer Phänomene hat sich der Vatikan-Experte und Papst-Biograph Andreas Englisch verschrieben." 3sat Kulturzeit<br/><br/>"Andreas Englisch zeigt einmal mehr, wie lebendig und interessant Geschichte sein kann." Fränkische Tag<br/><br/>"Man muss nicht katholisch sein, um diesem Buch etwas abzugewinnen. [...] Eine spannende Lektüre, besonders auch für kritische LeserInnen, die sich nicht vorschnell einnehmen lassen, einen gesunden Abstand und Menschenverstand wahren." Ulrike M. Dierkes<br/><br/>"In seinem Buch "Gottes Spuren. Die Wunder der katholischen Kirche" versucht Englisch das Geheimnis des Unerklärlichen zu ergründen." 3sat Kulturzeit<br/><br/>"Andreas Englisch vermag außerordentlich spannend zu erzählen." Hamburger Abendblatt<br/><br/>"Ich glaube, dass jeder Mensch ein bisschen spürt, dass wir nicht in der Lage sind, alle Fragen zu beantworten. Ich glaube, dass ein jeder ein bisschen spürt: Es gibt in meinem Leben etwas Wunderbares, etwas, das ich nicht beschreiben kann." Andreas Englisch<br/><br/>"Die Zeit der Wunder scheint keineswegs vorbei - so das Fazit dieses ungemein aufregenden, exakt recherchierten und nachdenklich stimmenden Buches." Allgemeiner Anzeiger<br/><br/>"Komplizierte Sachverhalte sowie katholische Grundlagen erklärt er verständlich, politische, kirchliche und gesellschaftliche Exkurse zeugen von seiner fachlichen Kompetenz." Main-Echo<br/><br/>"[...] damit dieses großartige, gründliche und mutige Buch noch jene vielen neugierigen Leser findet, die es verdient." Dr. Andreas Püttmann

"Die Zeit der Wunder scheint keineswegs vorbei - so das Fazit dieses ungemein aufregenden, exakt recherchierten und nachdenklich stimmenden Buches."
Andreas Englisch, Jg. 1963, studierte Literaturwissenschaften und Journalistik. Er lebt seit 1987 als Journalist in Rom und leitete zehn Jahre lang das italienische Korrespondentenbüro des Axel-Springer-Verlages. Heute schreibt er exklusiv für 'Bild' und 'Bild am Sonntag' aus Italien und kommentiert für verschiedene Fernsehsender das Geschehen hinter den Kulissen des Vatikans. Andreas Englisch lebt seit 1987 in Rom als Vatikan-Korrespondent. Er stand in engem Kontakt zu Papst Johannes Paul II. und gehört zu den sechs Journalisten, die Benedikt XVI. auf allen Reisen begleiten dürfen.

Leseprobe zu "Gottes Spuren" von Andreas Englisch

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Leseprobe zu "Gottes Spuren" von Andreas Englisch

Ich kann mich genau an den Tag erinnern, an dem die Geschichte dieses Buches beginnt, denn ich war damals mit meinem Sohn Leonardo von Papst Johannes Paul II. zu einer Privataudienz empfangen worden. Auf dem Rückweg versuchte ich ihm im Auto zu erklären, wer Petrus war - ein guter Freund von Jesus, der Kranke heilen und andere Wunder wirken konnte.

Mein Sohn war damals fünf Jahre alt. Der Besuch in dem großen Haus bei dem Papst in Weiß hatte ihn ganz aufgewühlt. Er hörte sehr genau zu und sagte dann: "Ach so, Petrus konnte also zaubern? So wie Glöckchen?"

"Glöckchen? Wer ist noch mal Glöckchen?"

"Na, Glöckchen, die Fee von Peter Pan. Sie kann zaubern."

Ich wusste nicht, was ich antworten sollte, aber ich spürte, dass er damit im Grunde genau das gefragt hatte, was auch mich mein ganzes Leben lang beschäftigt hatte:

Wirkt Gott in dieser Welt Wunder?

Greift das unerklärliche Wesen, das wir Gott nennen, in unser Leben ein, immer wieder und überall auf der Welt?

Kann man durch diese Wunder beweisen, dass Gott existiert?

Rettet uns Gottes Schutz manchmal das Leben?

Ist es ein Eingreifen Gottes, das Sterbenskranke doch überleben und unfruchtbare Paare dennoch ein Kind bekommen lässt?

Nichts hat mich je so gefesselt wie die Frage nach dem konkreten Wirken des Überirdischen in dieser Welt. Nichts fand ich je so spannend wie die Frage, ob es Wunder gibt, denn Wunder scheinen mir nichts anderes als eine Spur Gottes zu sein: Mit jedem Eingriff in das irdische Geschehen hinterlässt dieses rätselhafte Wesen so etwas wie einen Fingerabdruck des Unerklärlichen.

In meiner Kindheit und Jugend hielt ich Wunder für seltsame Ereignisse, die sich vor unvorstellbar langer Zeit zugetragen hatten: damals, als Jesus von Nazaret noch auf der Erde lebte, und vielleicht auch noch einige Zeit unmittelbar danach. Ich wuchs auf mit der Vorstellung, dass die Zeiten, in denen Wunder geschehen, endgültig vorbei seien. In meinem Alltag war ein Wunder für mich schlicht nicht mehr vorstellbar. Wer sollte noch heute über das Wasser gehen sowie mit drei Broten und zwei Fischen fünftausend Menschen speisen können?

Doch meine Meinung änderte sich schlagartig, als ich im Jahr 1987 nach Rom kam, um meinen neuen Job als Auslandskorrespondent anzutreten. Auf den ersten Blick schien Rom eine ganz normale Stadt zu sein. Zwar mochte es hier mehr Sehenswürdigkeiten geben als anderswo, mehr Touristen, mehr Hotels - aber ansonsten war es doch eine ganz normale Stadt. Tatsächlich dauerte es einige Monate, bis ich begriff, dass dieser Eindruck völlig falsch war. Die Wahrheit versteckte sich nämlich gut: Rom gab sich alle Mühe, um mit seinen Bürohäusern und den Staus auf den Straßen wie eine ganz normale Großstadt auszusehen, aber anders als in Lissabon oder Paris etwa war das hier alles nur Fassade. In Wirklichkeit bestand die komplette Innenstadt aus einem einzigen gigantischen Kloster, und hinter den Mauern war noch immer das Mittelalter lebendig. Immer noch gehörten der katholischen Kirche fast alle Gebäude - die moderne Stadt Rom hatte nur versucht, sich dazwischenzuquetschen und mit seinen Geschäften und Mietshäusern die wenigen Lücken auszufüllen, die das seit Ewigkeiten betende Rom der Moderne ließ. Ja, Rom glich mehr einer Zauberstadt als einer richtigen Metropole: Es kam mir so vor, als sei die Zeit hier stehen geblieben. Die Menschen wirkten seltsam gebannt von der Allgegenwart unvorstellbar geheimnisvoller Schätze: In der ganzen römischen Innenstadt schienen seit Jahrhunderten Menschen vor dem Unerklärlichen zu knien. Ich entdeckte Mönche, die die Reliquien des Heiligen Kreuzes Jesu Christi in der Basilika Santa Croce in Gerusalemme eifersüchtig hüteten und für viele Jahrhunderte nur am Karfreitag zuließen, dass Menschen staunend davor standen in der Hoffnung, geheilt zu werden. Ich sah betende Kranke, die auf Knien die Heilige Stiege am Lateranspalast hinaufrutschten, und sprach mit Menschen, die meinten, tatsächlich geheilt worden zu sein. Ich entdeckte Patres, die am Tiber die Spuren von dem Fegefeuer entronnenen und auf die Erde zurückgekehrten Menschen bewahren wollten, und ich fand schließlich die vatikanische Behörde für Wunder, die Congregatio de Causis Sanctorum, in der unerklärliche Wunder daraufhin untersucht werden, ob sie tatsächlich ein Einwirken Gottes bezeugen. Und wenn ich mit Bischöfen sprach, die die Kongregation davon überzeugen wollten, dass sie selbst ein Wunder erlebt hatten - weil sie etwa eine Muttergottesstatue in der Hand gehalten hatten, die blutige Tränen weinte -, dann lag das Unfassbare für mich vor allem darin begründet, dass es sich nicht um Wunder handelte, die vor langer Zeit geschehen waren, sondern um solche, die heute geschehen: Wunder, die derjenige, der davon berichtete, selbst gesehen und bestaunt haben wollte.

Meine Aufgabe am Hof der Päpste brachte mich plötzlich und ohne, dass ich etwas davon geahnt hätte, in einen direkten, unmittelbaren Kontakt mit Wundern. Ich wusste natürlich, was ein Papst ist - dass er den für einen Menschen schier unbegreiflichen Titel "Vertreter Gottes auf Erden" trägt. Aber ich hatte mir bis dahin nur wenig Gedanken darüber gemacht, was das bedeuten sollte. Als ich in Rom anfing, regierte Johannes Paul II. im Vatikan, und ich erlebte immer wieder, dass dieser Mensch Karol Wojty?a absolut sicher war, mit dem ewig unerklärlichen Gott - dessen bloße Existenz von Milliarden Menschen auf der Erde bestritten wird - in einen direkten Kontakt treten zu können. Es gab viele Episoden, die das belegten, aber an einem Tag erklärte Johannes Paul II. deutlicher denn je, was er meinte. Da war er schon alt, der Mann aus Wadowice, und von der Parkinson-Krankheit gezeichnet, aber bezwungen hatte ihn das Leiden noch nicht. Er kämpfte, und er war ärgerlich an diesem Tag, dem 29. Mai 1994, an dem er nach dem Angelusgebet mit entschlossenem Gesicht der Welt entgegenschrie: "Versteht das doch endlich; versteht, warum der Papst so leiden muss."

Mir lief damals ein Schauder über den Rücken, denn der alte Mann meinte damit klipp und klar, dass er gerade selbst ein Wunder erlebte: dass Gott beschlossen hatte, ihn, den Menschen Wojty?a, leiden zu lassen, weil die Menschen nicht nach den Gesetzen Gottes lebten.

Aber war das wirklich so? Spürte Karol Wojty?a den allmächtigen Gott? Konnte er mit ihm sprechen? Können Päpste im Vatikan Wunder nachweisen lassen? Gab es so etwas überhaupt, oder war das nichts weiter als eine gewaltige Lüge, eine Scharlatanerie, eine Illusion?

Dann wurde ein neuer Papst gewählt, und vor den überraschten Augen der Welt bestieg ein Deutscher den Thron Petri.

Ich hätte angenommen, dass der eher intellektuell veranlagte Joseph Ratzinger sehr viel vorsichtiger und nüchterner an die ganze Sache herangehen, dass er Wundern und Erscheinungen, den Spuren Gottes also, mit einiger Skepsis begegnen würde, doch dann kam es ganz anders. Ausgerechnet dieser Papst aus Deutschland entschloss sich zu einem spektakulären Schritt, der die ganze Welt in Fassungslosigkeit stürzte: Als erster Papst der Geschichte empfing Benedikt XVI. die Exorzisten der katholischen Kirche auf dem Petersplatz und bestärkte sie in ihrer Arbeit.

Was hatte das zu bedeuten?

Glaubte dieser bedeutende Theologe und herausragende wissenschaftliche Lehrer wirklich an die Macht der Gebete über das Böse? An den Fluch und die konkrete Gefahr, die von Satan auf der Erde ausgeht? An Dämonen und Besessenheit? An das Wunder der Befreiung von bösen Geistern und somit an die Macht des Exorzismus?

Nur wer ihn näher kannte, wunderte sich nicht über die Haltung des neuen Papstes. Familien, die im Borgo Pio jahrzehntelang zu seinem direkten Lebensumfeld gehört hatten, berichteten in diesem Zusammenhang, dass Joseph Ratzinger selbst von einem ganz bestimmten Wunder zutiefst beeindruckt worden sei - von einem Wunder, das sich in seiner unmittelbaren Nachbarschaft zutragen habe und über das man nur hinter vorgehaltener Hand sprach.

Und so war es auch Papst Benedikt XVI., der mich darin bestärkte, mich weiter mit jener Frage nach dem Unerklärlichen zu beschäftigen, die mich schon als jungen Korrespondenten in Rom bewegt hatte und die mich schließlich zu so etwas wie einem Detektiv in Sachen Wunder werden ließ. Das Ergebnis meiner Spurensuche halten Sie mit diesem Buch in den Händen. Und nicht zuletzt war ich auch meinem Sohn Leonardo noch eine Antwort schuldig auf seine Frage, ob Petrus tatsächlich so zaubern könne wie die Fee von Peter Pan.

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Die höchste Schule der Liebe

Wirklich wichtige Treffen oder Konferenzen im Vatikan haben immer etwas Rührendes. Wenn die Mächtigen der Welt in den Vatikanstaat kommen, um die globale Ordnung zu diskutieren, wenn etwa der Präsident der US-Regierung sich mit dem Papst über Krieg und Frieden im Nahen Osten berät oder die Meinung des Vatikans in der Frage der Entwicklung Chinas gefragt ist, geschieht immer das Gleiche: Die Mitglieder solcher Gesprächsrunden können es einfach nicht fassen, wie winzig der Vatikan ist.

Oft habe ich dabei zugesehen, wie die langen, gepanzerten Autokolonnen durch die Pforten des Vatikanstaates verschwanden und deren Fahrer sich wunderten, dass es hinter den hohen Mauern nicht einmal genug Parkplätze für die Staatschefs gab. Mitglieder von Delegationen, die es gewöhnt sind, wie selbstverständlich die modernste Technik heutiger Kongresszentren zu nutzen, erlebten verständnislos, wie im winzigen Kongressgebäude von Radio Vatikan noch vierzig Jahre alte Projektoren sowie krächzende Lautsprecher und Mikrofone aus den 1970er-Jahren eingesetzt wurden.

In diesem Zusammenhang erinnere ich mich an ein Gespräch mit Jan Eliasson, dem damaligen Präsidenten der UN-Generalversammlung, am 17. Juni 2006. Nach seiner Unterredung mit Papst Benedikt XVI. zeigte er sich beeindruckt von genau diesem Gegensatz: dem Zwergstaat Vatikanstadt auf der einen Seite und der internationalen Dimension des päpstlichen Einflusses auf der anderen Seite.

Die katholische Kirche vertritt ihre Interessen nahezu überall auf der Welt. Noch die entlegensten Winkel der Erde - ob in den Wüsten Afrikas oder im Urwald von Sumatra - gehören zu irgendeiner Diözese. Die katholische Kirche hat den kompletten Globus in Kirchenbezirke aufgeteilt. Mit zwei Ausnahmen - dem Nord- und dem Südpol - gibt es überall auf der Welt, wo ein Mensch geboren wird, auch ein Bistum, das sich um ihn kümmern kann.

Diese internationale Dimension beeindruckt vor allem die Organisatoren von Großveranstaltungen. Denn mit dem Vatikan ist es wie mit der Geschichte vom Hasen und vom Igel: Er ist immer schon vor Ort, überall auf der Welt.

Was das für einen Unterschied macht, lässt sich an einfachen Beispielen verdeutlichen: Wenn etwa Tom Cruise einen neuen Action-Film wie "Mission: Impossible III" im italienischen Caserta dreht, dann muss der komplette Apparat aus Hollywood nach Italien verschifft werden. Die US-amerikanische Produktionsfirma bringt ihre eigenen Kameraleute mit, die eigenen Handwerker, Köche, Stuntmen und dergleichen. Es ist, als würde eine ganze Kleinstadt hinter Tom Cruise herziehen. Nötig ist der Aufwand, weil die Erfahrung gezeigt hat, dass sich erfolgreiche Hollywoodfilme nur mit solchen Leuten bewerkstelligen lassen, die zur Produktionsmaschinerie von Hollywood gehören. Vor Ort wird dann meist nur der Lkw für die Stromproduktion gemietet.

Das Gleiche gilt für Rockkonzerte. Wenn die Rolling Stones auf Welttournee gehen, fliegen Hunderte von Bühnenarbeitern vor und hinter den Stones her, um das ganz besondere Gefühl eines Stones-Konzerts technisch zu ermöglichen.

Der Vatikan aber - und nur der Vatikan - kann bei seinen Großveranstaltungen wie den durchschnittlich 1,5 Millionen Besuchern anziehenden Weltjugendtagen auf ein eingespieltes organisatorisches Netzwerk überall auf der Welt vertrauen. Päpste könnten sich einfach vor die riesige Weltkarte stellen, die im dritten Stock des apostolischen Palastes die Wand des Staatssekretariats schmückt, und mit dem Finger auf den Ort tippen, an dem das Event organisiert werden soll: Buenos Aires oder Denver, Paris, Sydney, Köln oder Toronto, kein Problem. Das dortige Bistum baut dann mit einem ganzen Heer von Freiwilligen die Kulisse für ein gigantisches Ereignis auf, zu dem aber nicht die Diözese selbst, sondern der Papst in Rom eingeladen hat.

Dieses weltumspannende Netzwerk kommt aber nicht nur der Planung und Organisation von Großveranstaltungen zugute. Die katholische Kirche betreibt eigene Krankenhäuser, Schulen, Kliniken oder Altenheime. Überall auf der Welt bekommen täglich Hunderte von Millionen Menschen kirchliche Hilfeleistungen in Form von Nahrungsmitteln oder Medikamenten, Ausbildung oder Heilung - nicht zuletzt aber auch in Form von Trost und Beistand. Das alles hat natürlich einen enormen Effekt: Es bindet eine Milliarde Katholiken an ihre Kirche, und diese Bindung ist trotz aller kirchlicher Krisen in der Regel viel enger als die Bindung eines Wählers an seine Partei oder eines Bürgers an seinen Staat.

Diesen gigantischen Einsatz für das Gute könnte sich kein anderer Staat auf der Welt leisten. Aus einem ganz simplen Grund: Er wäre unbezahlbar. Aber das System der katholischen Kirche funktioniert. Und zwar deshalb: Fast alle Mitarbeiter arbeiten gratis. Die Krankenschwestern und Kindergärtnerinnen der Kirche, die katholischen Ärzte und all diese Abermillionen Menschen, die direkt oder indirekt für die katholische Kirche arbeiten, machen das in der Regel ohne Rücksicht darauf, was das für ihren Lebensstandard bedeutet. Sie alle haben, wenn überhaupt, die kleineren Häuser und kleineren Autos; sie wohnen, wenn sie das Ordensleben gewählt haben, in winzigen, meist schlecht geheizten (oder, in heißen Ländern, schlecht gekühlten) Zimmern, und der Grund dafür, dass diese Leute das alles auf sich nehmen, das ist das wahre Wunder.

Warum freut sich eine Ordensfrau, die als Krankenschwester in einem katholischen Krankenhaus arbeitet, wo sie von Patienten herumkommandiert wird und nach zwölf Stunden unbezahlter Schicht todmüde in ihr Bett fällt, auf den nächsten Arbeitstag? Sie freut sich, weil sie gesehen hat, wie es Kranken allmählich wieder besser ging - weil eine Kranke zum ersten Mal wieder etwas gegessen hat, weil ein Kind zum ersten Mal nach einer Operation wieder aufstehen konnte -, und weil sie diese Menschen liebt. Und genau das ist das Erstaunliche an der katholischen Kirche: Sie basiert auf dem Prinzip Liebe.

Aber vielleicht ist das ja auch gar nicht so erstaunlich: Menschen sind eben nicht dann am glücklichsten, wenn sie in einem Sportwagen an einer Traumküste entlangfahren zu einem Galadiner, wo sie den Nobelpreis bekommen werden - sondern dann, wenn sie lieben. Jeder, der wirklich verliebt ist oder es einmal war, weiß, dass man nicht einmal eine Parkbank braucht, dass man auf dem nackten Boden sitzen und unendlich glücklich sein kann, weil der geliebte Mensch neben einem sitzt. Menschen können unendlich glücklich sein, wenn sie einen geliebten Menschen nur ansehen. Oft genügt es auch schon, an den geliebten Menschen zu denken. Aber keine Traumvilla, kein Luxusurlaub kann so glücklich machen wie der Blick eines geliebten Menschen. Natürlich stockt Menschen der Atem, wenn sie etwa beruflich befördert werden, sich ein Traumauto leisten können oder im Lotto gewinnen - aber das alles ist nichts, verglichen mit jenem Moment, in dem Menschen aus einem ganz anderen Grund der Atem stockt: weil nach längerer Zeit ein glühend vermisster, wirklich geliebter Mensch endlich anruft oder an der Tür klingelt. Viele Menschen warten hartnäckig darauf, dass sie sich endlich das Traumhaus, den Traumurlaub oder das Traumkleid leisten können - aber was ist das für eine Hartnäckigkeit, verglichen mit jener, mit der Liebende auf einen Geliebten warten: jahre-, jahrzehnte-, manche ihr ganzes Leben lang?

Ja, das größte Wunder der katholischen Kirche ist die Liebe.

Ich habe viele Reden von Staatschefs oder Präsidenten großer Organisationen an den Papst gehört, und bis zu diesem Punkt, dass die katholische Kirche auf selbstloser Liebe beruht, können eigentlich alle noch folgen. Was zu tiefster Verunsicherung führt, ist der Schritt danach: Es geht der Kirche nämlich um die Liebe Gottes. Wenn die katholische Kirche Recht hat, dann liebt der unerklärliche Gott seine Geschöpfe, die Menschen, und jetzt sind wir bei dem Punkt, um den es eigentlich geht: Ist es vorstellbar, dass der unerklärliche Gott aus Liebe zu seinen Geschöpfen direkt in das, was auf der Erde geschieht, eingreift? Die katholische Kirche glaubt, ja, und hier unterscheidet sich der Vatikan vollständig von allen anderen großen Organisationen: Päpste glauben, dass an der Seite der Kirche nicht eine Ideologie oder eine Botschaft steht, sondern ein unermesslich mächtiges Wesen, von dem wir keine Ahnung haben, was es wirklich ist.

Als ich im Jahr 1987 nach Rom kam, umgab eine seltsame Aura den Vatikan. Gott schien ein tätiger Gott zu sein, der auf der ganzen Welt in rascher Folge eingriff und Wunder wirkte. Ein Grund für diese eigenartige Atmosphäre war die Zahl der Seligund Heiligsprechungen durch Papst Johannes Paul II., die jede bis dahin vorstellbare Rekordmarke übertraf. Bis zum Ende seines Pontifikats sollte Johannes Paul II. in 198 Zeremonien 1338 Verstorbene selig- und 482 Kandidatinnen und Kandidaten heiligsprechen, und sofern es sich nicht um Märtyrer handelt, muss nach der Rechtsprechung der katholischen Kirche für jede Selig- oder Heiligsprechung ein Wunder zwingend nachgewiesen werden.

Das klingt genauso unglaublich, wie es ist: Der Vatikan überprüft in solchen Fällen tatsächlich mit aller ihm gebotenen Sorgfalt, ob der unerklärliche Gott in die Welt eingegriffen hat oder nicht. Konkret bedeutet das, dass eine Gruppe anerkannter Wissenschaftler unabhängig von der katholischen Kirche attestieren muss, dass etwas geschehen ist, das sich mit dem Kenntnisstand der Wissenschaft weder vereinbaren noch erklären lässt. Oft rufen - für unheilbar erklärte - Kranke in ihrer Not einen der verstorbenen Seligsprechungskandidaten um himmlische Hilfe an, und wenn sich später eine unerklärliche Heilung einstellt, wird der Vorfall daraufhin untersucht, ob es sich dabei wirklich um ein Wunder gehandelt haben könnte. Tausende solcher Vorkommnisse prüfte die katholische Kirche unter Johannes Paul II.; in kilometerlangen Gängen bogen sich die Regale unter den Akten der geprüften, der verworfenen und der anerkannten Wunder. Dieser Papst schien wirklich davon überzeugt gewesen zu sein, dass Gott dank der Fürsprache von Seligen und Heiligen eine Vielzahl von Wundern bewirkt.

Um die oben erwähnten Zahlen einordnen zu können, muss man sie in das richtige Verhältnis setzen: Seit der Schaffung des Verfahrens für Heiligsprechungen durch Papst Sixtus V. am 22. Januar 1588 bis zum Amtsantritt Papst Johannes Pauls II. am 16. Oktober 1978 waren insgesamt 302 Verstorbene heiliggesprochen worden. Johannes Paul II. allein fügte mit den 482 Heiligen seiner Amtszeit also mehr Heilige hinzu, als zuvor in fast 400 Jahren dazu erklärt worden waren. Tatsächlich hatten die meisten Päpste während ihres gesamten Pontifikats vielleicht zwei Kandidaten heilig gesprochen - Johannes Paul II. aber war dem Unerklärlichen mit unermüdlichem Eifer auf der Spur.

Dort oben im dritten Stock des päpstlichen Palastes an der nördlichen Ecke des Petersdoms lag damals also eine Wohnung, dessen Bewohner sich in einer direkten Verbindung mit Gott stehen sah. Johannes Paul II. betonte das sogar immer wieder: Er glaubte tatsächlich, dass Gott vor seinen Augen und auch durch ihn, den Papst, wirkte.

Johannes Paul II. zelebrierte Teufelsaustreibungen, versuchte Menschen zu heilen, sah in einem kräftigen Wind, der am 25. Januar 1998 über Kuba wehte, das Eingreifen des Heiligen Geistes, das seine Pilgerreise auf die Insel unterstützte. Doch dann kam der 19. April des Jahres 2005. Johannes Paul II. war gestorben, ein neuer Papst wurde gewählt, und ich hielt es für sicher, dass Joseph Ratzinger sehr viel rationaler und kühler an diesen Aspekt der katholischen Kirche herangehen würde. Ich hielt den neuen Papst Benedikt XVI. für einen in erster Linie wissenschaftlich denkenden Theologen, für den dieser Teil der Geschichte des Christentums, in dem immer wieder einmal unerklärliche Vorfälle geschehen konnten, längst abgeschlossen war. Und meine Einschätzung schien sich zu bestätigen, als Benedikt XVI. wissen ließ, dass er viel weniger Menschen selig- und heiligzusprechen gedenke als sein bewunderter Vorgänger. Außerdem wolle er selbst keine Seligsprechungen im Petersdom zelebrieren - das sollten von nun an Kardinäle oder Bischöfe übernehmen -, sondern nur noch Heiligsprechungen.

Diese Entscheidungen schienen in Einklang mit jenem Joseph Ratzinger zu stehen, der sich sein ganzes Leben lang mit theologischen, historischen und philosophischen Fragen auseinander gesetzt hatte. Musste jemandem, der sich vor allem an Fakten und Begriffen orientierte, nicht allein schon die Vorstellung "unerklärlicher" Ereignisse befremdlich erscheinen? Mussten ihm Spekulationen über ein direktes Eingreifen Gottes auf Erden nicht suspekt vorkommen? Wie ein Rückfall in mittelalterlichen Zauberglauben?

Doch dann sagte ein Bekannter zu mir: "Papst Benedikt XVI. verteidigt Wunder, die selbst für andere Päpste Humbug waren. Denn Joseph Ratzinger hat etwas Seltsames erlebt. Unmittelbar in der Nähe seiner alten Wohnung erfuhr er durch einen Nachbarn von einem unglaublichen Wunder: der Wiedererweckung einer Toten. Das muss ihn stark geprägt haben."

Ein Nachbar des langjährigen Präfekten der Glaubenskongregation, Kardinal Joseph Ratzinger, der die Wiedererweckung einer Toten erlebt hatte?

Ich hatte nie davon gehört und nicht den blassesten Schimmer, um wen es sich dabei handeln könnte.

Meine Spurensuche begann.

Mir war klar, dass ich sehr vorsichtig vorgehen musste und möglicherweise auch überhaupt nichts herausfinden würde. Denn es war gut möglich, dass dieser Mann aus der Nachbarschaft des Joseph Ratzinger, wer immer es auch war, die Einzelheiten dieses Wunders, die er ihm bereitwillig erzählt hatte, nicht vor einem Unbekannten wie mir ausbreiten würde. Es war also gut möglich, dass ich eventuell sogar den richtigen Mann finden, mir dieser aber nichts sagen würde - vielleicht auch nichts sagen durfte. Wenn für den heutigen Papst dieses Wunder ganz persönlich so wichtig war, dann hatte er möglicherweise darum gebeten, Stillschweigen zu bewahren - auch sein Vorgänger Johannes Paul II. hatte häufig so gehandelt.

Joseph Ratzinger wohnte vor seiner Wahl an der Piazza delle Mure Leoniane. Direkt unten im Haus befindet sich eine stadtbekannte Bar, die einstmals eine wahre Goldgrube war. Jahrzehntelang lag sie unmittelbar an der Endhaltestelle der wichtigsten Buslinie von Rom, der Linie 64, die vom Bahnhof Termini zum Petersdom und zurückfuhr. Generationen von Pilgern stärkten sich in dieser Bar, um danach von hier aus den Bus zurück zum Bahnhof zu nehmen, doch im Jahr 1999 wurde die Bushaltestelle verlegt, um den Platz für das Heilige Jahr 2000 neu und schöner zu gestalten. Damit blieben die Heerscharen, die bisher in die Bar gepilgert waren, aus, und Kardinal Joseph Ratzinger konnte hier relativ ungestört frühstücken. Ich sprach mit einer reizenden jungen Frau, die ihm immer einen Cappuccino zubereitet hatte, doch als ich sie danach fragte, ob sie einen Mann aus der Nachbarschaft kenne, der mit dem Papst bekannt gewesen sei und mit ihm über ein außergewöhnliches Ereignis, ein Wunder gesprochen habe, sah sie mich an, als zweifle sie an meinen geistigen Fähigkeiten. Damit war erst mal Schluss, weiter kam ich nicht.Daraufhin beschloss ich, einfach den Weg nachzugehen, den der Kardinal Joseph Ratzinger so viele Jahre lang eingeschlagen hatte. Wenn er aus dem Haus kam, ging er zuerst nach links über die Straße, unter dem sogenannten Passetto hindurch (jahrhundertelang konnten die Päpste über diesen auf hohen Stützmauern von der Straße aus unerreichbar errichteten Fluchtweg vom Petersdom aus in ihre Festung, die Engelsburg, gelangen). Am Passetto gibt es eine internationale Buchhandlung, die Joseph Ratzinger regelmäßig besucht hatte, doch das Ergebnis meiner Nachforschungen enttäuschte mich: Joseph Ratzinger war zwar regelmäßig vorbeigekommen, hatte Neuerscheinungen in zahlreichen Sprachen bestellt - doch an dem Büchertisch gleich am Eingang, auf dem jene Werke auslagen, in denen es um Wunder ging, war er nicht ein einziges Mal stehen geblieben. Auch von einem Mann aus der Nachbarschaft, der ein Wunder erlebt haben wollte, wusste hier keiner etwas. Deshalb befragte ich andere Priester, die diesen Buchladen ebenfalls besucht und Kardinal Joseph Ratzinger gekannt hatten - aber auch von ihnen wusste niemand etwas über diese Geschichte. Daraufhin verlagerte ich meine Spurensuche auf die anderen Läden, an denen der Kardinal Joseph Ratzinger unterwegs vorbeigekommen war.

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Bewertung von Marty am 19.02.2007 ***** ausgezeichnet
Bin erst auf Seite 152, finde dieses Buch spannender als jeden Krimi. M.E. ist es ein seriös recherchiertes Buch. Absolut empfehlenswert.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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