Goethe und der Ginkgo - Unseld, Siegfried

Siegfried Unseld 

Goethe und der Ginkgo

Ein Baum und ein Gedicht

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Goethe und der Ginkgo

Süddeutsche Zeitung: Im September 1815 hatte Goethe Marianne von Willemer ein Ginkgo-Blatt überreicht und dessen gefächerte Form für seine Existenz als Mensch und Dichter gedeutet: "... daß ich Eins und doppelt bin ...". Danach entwirft Goethe sein Gedicht "Gingo biloba" als Symbol von Vereinigung und Trennung. Siegfried Unseld beschreibt die Entstehungsgeschichte des "West-östlichen Divan". "Goethe und der Ginkgo erzählt, mit hinreißender Empathie, eine der schönsten komplizierten Liebesgeschichten. Eine wunderschöne, leichtfüßige Studie ..."


Produktinformation

  • Verlag: Insel, Frankfurt
  • 2001
  • 15. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 105 S. m. z. Tl. farb. Abb.
  • Seitenzahl: 112
  • Insel Bücherei Nr.1188
  • Best.Nr. des Verlages: 19188
  • Deutsch
  • Abmessung: 187mm x 121mm x 15mm
  • Gewicht: 195g
  • ISBN-13: 9783458191889
  • ISBN-10: 3458191887
  • Best.Nr.: 07588827
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 28.09.1999

Widerständig und den Zeiten trotzend

Über Goethe und den Ginkgo ist ein kleines Bändchen erschienen, dessen beneidenswert schöne Ausstattung es zu einem verdienten Mitglied der "Insel Bücherei" macht. Erzählt wird darin eine Geschichte aus dem Spätsommer des Jahres 1815, als der Dichter einige Tage in der Frankfurter Gerbermühle wohnt und mit der Gastgeberin Marianne Willemer Verse wechselt, die man heute im "West-östlichen Divan" nachlesen kann. Scheinbar nur eine kurze Epoche in Goethes Leben, haben sie für seine Alterslyrik Epoche gemacht: ein leichtes Spiel mit schwer verständlichen Andeutungen, in denen nur durch das Blattwerk des besungenen Ginkgo Liebe scheinen darf. "Daß ich Eins und doppelt bin", heißt es rätselhaft in dem Gedicht "Gingko Biloba". Warum der große Verleger Siegfried Unseld diese Geschichte um Goethe und den Ginkgo gerade jetzt leichthändig nacherzählt, erfährt nur, wer das Pflanzenkapitel mit aller Aufmerksamkeit liest: Die Sätze über diesen "Urvater der Bäume" malen nämlich ein verborgenes Selbstporträt Siegfried Unselds im Verlegerwald. Wie anders wäre der mehrfache Hinweis zu deuten, der Ginkgo sei ein "Symbol der …

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Widerständig und den Zeiten trotzend

Über Goethe und den Ginkgo ist ein kleines Bändchen erschienen, dessen beneidenswert schöne Ausstattung es zu einem verdienten Mitglied der "Insel Bücherei" macht. Erzählt wird darin eine Geschichte aus dem Spätsommer des Jahres 1815, als der Dichter einige Tage in der Frankfurter Gerbermühle wohnt und mit der Gastgeberin Marianne Willemer Verse wechselt, die man heute im "West-östlichen Divan" nachlesen kann. Scheinbar nur eine kurze Epoche in Goethes Leben, haben sie für seine Alterslyrik Epoche gemacht: ein leichtes Spiel mit schwer verständlichen Andeutungen, in denen nur durch das Blattwerk des besungenen Ginkgo Liebe scheinen darf. "Daß ich Eins und doppelt bin", heißt es rätselhaft in dem Gedicht "Gingko Biloba". Warum der große Verleger Siegfried Unseld diese Geschichte um Goethe und den Ginkgo gerade jetzt leichthändig nacherzählt, erfährt nur, wer das Pflanzenkapitel mit aller Aufmerksamkeit liest: Die Sätze über diesen "Urvater der Bäume" malen nämlich ein verborgenes Selbstporträt Siegfried Unselds im Verlegerwald. Wie anders wäre der mehrfache Hinweis zu deuten, der Ginkgo sei ein "Symbol der Unbesiegbarkeit" und zwischen allen anderen bekannten Arten weiter "nicht klassifizierbar"? Wer anders als der Suhrkamp-Verleger kann gemeint sein mit dem "robusten Baum, widerstandsfähig, keine Schädlinge wagen sich an ihn"? Das Baumporträt als erlaubte Selbstmystifikation eines unbeirrten Büchermachers, dem an seinem heutigen 75. Geburtstag zu wünschen ist, was Goethe ein Vorrecht allein des begabten Menschen genannt hat: immer wieder seine "temporäre Verjüngung" erleben zu dürfen.

twz

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Siegfried Unseld wurde am 28. September 1924 in Ulm geboren und starb am 26. Oktober 2002 in Frankfurt am Main. Nach dem Abitur wurde er im Zweiten Weltkrieg zum Kriegsdienst einberufen und war drei Jahre lang, bis 1945, als Marinefunker im Einsatz. Nach seiner Rückkehr absolvierte er beim Ulmer Aegis Verlag eine Lehre als Verlagskaufmann. 1947 erhielt er durch die Vermittlung von Professor Weischedel die erstrebte Zulassung an der Universität Tübingen und studierte dort Germanistik, Philosophie, Nationalökonomie, Völkerrecht, Bibliothekswissenschaften und Sinologie. Seinen Lebensunterhalt bestritt Unseld als Werkstudent. Bis 1950 arbeitete er im Verlag J. C. B. Mohr in Tübingen. 1951 promovierte er mit einer Dissertation über Hermann Hesse zum Dr. phil. 1952 trat er in den Suhrkamp Verlag ein, wurde 1958 Gesellschafter der Suhrkamp Verlag KG und übernahm nach dem Tod Peter Suhrkamps die Verlagsleitung. Neben seiner beruflichen Tätigkeit besuchte er 1955 das von Henry Kissinger geleitete Internationale Seminar der Harvard Universität in Cambridge/Mass. (USA). Unseld führte die Verlage Suhrkamp und Insel und den 1981 von ihm gegründeten Deutschen Klassiker Verlag bis zu seinem Tod im Jahr 2002.

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