Die 13-jährige Gilda hat ein großes Ziel: parapsychologische
Ermittlerin zu werden. Und da der Alltag trotz eifrigen
Ausspionierens der Nachbarn ziemlich langweilig ist, quartiert sich
Gilda während der Sommerferien kurzerhand bei ihrem Onkel in San
Francisco ein. Ein lohnender Einfall, denn in dem alten
viktorianischen Familiensitz scheint sich ein düsteres Geheimnis zu
verbergen.
Ausstattung/Bilder: 2008. 283 S. m. Vign. v. Eva Schöffmann-Davidov. 18, 5 mm
Seitenzahl: 283
Omnibus Taschenbücher Bd.21910
Altersempfehlung: ab 10 Jahren
Deutsch
Gewicht: 300g
ISBN-13: 9783570219102
ISBN-10: 3570219100
Best.Nr.: 23335855
"Schräg, witzig, respektlos! Hier wird in hohem Tempo durch die verschiedensten Genres galoppiert - und die Mischung ist äußerst vergnüglich." -- Stiftung Lesen<br/><br/>"Eine verrückte Heldin, eine schaurige Gruselgeschichte und jede Menge Spannung - perfektes Lesefutter!" -- Badische Zeitung<br/><br/>"Jennifer Allison verbindet spritzig-spannende Unterhaltung mit einer einfühlsamen Adoleszenz-Geschichte." -- Eselsohr
Besprechung von 29.03.2006
Neue Mädchenbücher - Kritisch kommentiert von jungen
Leserinnen
SALLY GRINDLEY: Das Mädchen Lu Si-Yan. Aus dem Englischen von
Verena von Koskull. Bloomsbury 2006. 206 Seiten, 12,90 Euro.
„Der Fluss, das ist Freiheit”. Dieses Bild verfolgt die kleine Lu
Si-Yan und gibt ihr Mut, als ihr Vater stirbt und ihr glückliches
Leben für immer vorbei ist. Der Jugendroman Das Mädchen Lu Si- Yan
der Schriftstellerin Sally Grindley schildert das Schicksal eines
zwölfjährigen Mädchens, das von ihrem Onkel, der sie als
finanzielle Belastung für die Familie seines verstorbenen Bruders
ansieht, als Dienstmädchen verkauft wird, obwohl dies in China
mittlerweile illegal ist.
Nach Monaten harter Arbeit, voller Enttäuschungen und
Lieblosigkeit, flieht sie mit Unterstützung der Großmutter Wong,
der ältesten ihrer neuen Herrschaft. Doch das Geld, das sie von ihr
erhält,wird gestohlen, und um nicht mit leeren Händen nach Hause zu
kommen, nimmt sie eine Anstellung in einer Fabrik an. Hier muss sie
unter menschenunwürdigen Bedingungen sechs, manchmal sieben Tage
die Woche arbeiten, sie näht Teddybären Glasaugen und Ohren ans
Gesicht. Lu Si-Yan bekommt einen kaum …
Jennifer Allison wuchs in einer kleinen Stadt in Michigan auf. Sie arbeitete als Klavierspielerin in einem Einkaufszentrum, als Fließbandarbeiterin bei General Motors, als Bedienung und als Lehrerin, bevor sie zu schreiben anfing. Heute lebt sie mit ihrem Mann Michael und ihrem kleinen Sohn Max in Washington. "Gilda Joyce in geheimer Mission" ist ihr erstes Buch.
Leseprobe zu "Gilda Joyce in geheimer Mission"
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Leseprobe zu "Gilda Joyce in geheimer Mission" von Jennifer Allison
Leseprobe zu "Gilda Joyce in geheimer Mission" von Jennifer Allison
Wenn ihr jemals in einem richtigen Spukhaus gewesen seid (nicht in so einem falschen mit Schreien vom Tonband und an die Wände projizierten Gespenstern), dann wisst ihr, dass ein Haus, in dem es spukt, in Wirklichkeit ganz still ist.
Mr Splinter und seine Tochter Juliet bewohnten genau solch ein Geisterhaus: ein Haus, das zum Garten hin einen schaurigen Turm hatte, der sich wie ein Hexenhut in die Luft reckte; ein Haus voller schwerer Vorhänge, dunkel getäfelter Wände und langer, schweigender Korridore, die von verschlossenen Türen gesäumt waren; ein Haus, in dessen Umgebung Nebel lauerte wie ein Serienmörder, der hinter einem Bus voller Cheerleader-Mädchen her war. Es war ein Haus, das ein schreckliches Geheimnis barg.
Wie viele Menschen, die in Spukhäusern leben, weigerten sich Mr Splinter und seine Tochter, an Gespenster zu glauben.
Sie hatten meine Hilfe nötig. Es war der erste Fall meiner glanzvollen Karriere als Gilda Joyce, parapsychologische Ermittlerin, kurz: Psycho-Ermittlerin.
Gilda Joyce saß in der letzten Reihe von Mrs Weintraubs Englischklasse, kaute auf einer Strähne ihres schwarzen Haars und tat so, als würde sie zuhören, während ihre Klassenkameradinnen an diesem letzten Schultag vor den Ferien davon berichteten, was sie während der Sommerpause vorhatten. Gilda schenkte der Diskussion wenig Aufmerksamkeit, denn sie war in ein kleines, zerfleddertes Buch mit Eselsohren vertieft, das folgenden Titel trug: Handbuch für Meisterhellseher: Ein Leitfaden durch übersinnliche Prinzipien und Methoden. Seit sie das Buch auf einem Flohmarkt entdeckt hatte, begeisterte sich Gilda für den Autor, den Meisterhellseher Balthazar Frobenius, der in einer der gefährlichsten Gegenden von Detroit aufgewachsen war und der von sich behauptete, aufgrund seiner übersinnlichen Kräfte Kriminalbeamten bei der Aufklärung zahlloser Verbrechen geholfen zu haben.
Während die anderen Schülerinnen erzählten, dass sie an den Michigansee oder nach Florida reisen oder die Höhlen von Kentucky besichtigen würden, las Gilda eifrig ein Kapitel, dessen Überschrift lautete: "Folge deinen Impulsen, egal wie unlogisch sie dir vorkommen mögen." Darin erläuterte Balthazar Frobenius, dass hellseherisch begabte Menschen bisweilen von eindeutigen körperlichen Empfindungen ergriffen werden: ...Empfindungen, die einem zunächst ganz willkürlich erscheinen mögen, die jedoch tatsächlich zu einem zufälligen Ereignis oder zu entscheidenden Informationen führen können. So kann es vorkommen, dass eine medial begabte Person von einem plötzlichen Verlangen nach einer ungewöhnlichen Speise überfallen wird, dies Verlangen führt sie dann in eine Umgebung, die sie unter normalen Umständen nie aufsuchen würde. Was entdeckt sie in dieser Umgebung außer der begehrten Speise? Höchstwahrscheinlich eine Person, die die Hilfe ihrer übernatürlichen Fähigkeiten benötigt, oder einen Hinweis, der zur Aufklärung eines ungelösten Verbrechens führt. Für die übernatürlich begabte Person ist es häufig dieser unerwartete Impuls, der sie zu Menschen führt, die Hilfe brauchen, zu Hinweisen, die ein Verbrechen aufdecken, selbst zu Geistern, die ihre Aufmerksamkeit erregen wollen.
Mit der Zeit wirst du deine ganz speziellen Anzeichen erkennen: Es kann sich um Kopfschmerzen handeln, um ein Jucken, ein nervöses Zucken oder um andere körperliche Empfindungen, die zu deinen ganz persönlichen Signalen werden - eine Art übernatürliches Radarsystem, das dir hilft, wichtige Informationen zu empfangen.
Beim Lesen dieses Abschnitts verspürte Gilda ein ungewöhnliches Jucken im linken Ohr. Sie überlegte, ob es sich um eines ihrer ureigenen psychischen Signale handeln könnte, welches ihr andeutete, dass sie kurz vor einem übernatürlichen Erlebnis stand.
Gilda blickte von ihrem Buch auf und stellte fest, dass Mrs Weintraub sie ansah.
"Und wie steht's mit dir, Gilda? Welche Pläne hast du für die Sommerferien?"
Im Moment war ihr einziger konkreterer Plan, den Sommer damit zuzubringen, einem auffallend unattraktiven jungen Mann hinterherzuspionieren, dem sie den Spitznamen "Karohose" gegeben hatte und der einen Job im benachbarten Minimarkt der Tankstelle hatte. Aber das wollte sie nicht unbedingt vor Mrs Weintraub ausbreiten. Sie erinnerte sich daran, dass ihre Mutter kürzlich ihren exzentrischen Cousin erwähnt hatte, der in Kalifornien lebte, daher platzte sie mit dem erstbesten Gedanken heraus, der ihr in den Sinn kam: "Ich fahre nach San Francisco", behauptete sie.
Alle im Klassenzimmer drehten sich nach ihr um und starrten sie mit einer Mischung aus Überraschung und Neugier an, sodass Gilda ihre impulsive Lüge sofort bereute.
"Und was hast du dort vor? Wird das ein Familienurlaub?"
"Ich schreibe einen Roman." Warum erzählte sie Mrs Weintraub so einen Mist?
Gildas blasser, sommersprossiger Teint wurde rosig vor Verlegenheit und Mrs Weintraub sah sie eindringlich und argwöhnisch an. Gilda war schon manchmal dabei erwischt worden, dass sie einfach Geschichten erfand, und sie wusste, dass Mrs Weintraub die meisten ihrer Behauptungen mit einer gewissen Skepsis aufnahm. "Einen Roman zu schreiben ist aber ein ziemlich ehrgeiziger Plan für ein Mädchen deines Alters."
Mrs Weintraub wollte offensichtlich nicht glauben, dass eine Achtklässlerin einen Roman schreiben konnte, selbst wenn es sich um Gilda handelte, die für ihr Alter einen außergewöhnlichen Schreibstil hatte. Da Gilda in einigen ihrer Aufsätze Wörter benutzt hatte wie unfundiert oder prägnant, hatte Mrs Weintraub sogar ungerechterweise angedeutet, sie sei der Ansicht, Gilda habe bisweilen abgeschrieben.
"Ich habe schon ein paar Romane geschrieben", erwiderte Gilda, "ist doch nichts Besonderes dabei." Diese Äußerung stimmte zum Teil; ihr Schrank zu Hause war mit absonderlichen Geschichten voll gestopft, von denen sie hoffte, dass sie sie eines Tages berühmt machen würden.
"Wie interessant", sagte Mrs Weintraub und verschränkte die Arme vor der Brust. "Erzähl uns mehr."
Gilda nagte an ihrem Bleistift und suchte nach einer Antwort, die Mrs Weintraub und die gesamte Klasse dazu bringen würde, sie nicht mehr so anzustarren, als sei sie eine Kröte, die plötzlich erklärt hatte, sie würde gerne Opernsängerin werden.
Nach ein paar quälenden Momenten wurde Gilda jedoch von dem letzten Läuten dieses Schuljahrs erlöst, und sofort setzte das Stuhlgescharre und Getrampel der Schüler ein, die auf die Tür zustürzten und aus dem Gebäude flohen.
Während Gilda durch den Korridor trottete, war sie über sich selbst verärgert. War ihre spontane Behauptung, nach San Francisco zu reisen, das Ergebnis einer echten hellseherischen Eingebung gewesen oder doch nur eine zwanghafte Lüge? Sie hatte sich in letzter Zeit ernsthaft bemüht, immer die Wahrheit zu sagen. Zumindest hatte sie sich vorgenommen, wenn ihr doch mal eine Lüge rausrutschen sollte, alles nur Mögliche zu unternehmen, um diese Lüge wahr werden zu lassen. Wollte sie diesem Vorsatz treu bleiben, musste sie nun also einen Weg finden, im Sommer irgendwie von Michigan nach San Francisco zu kommen - ein Plan, der undurchführbar schien, wenn sie sich eingestand, dass sie kein Geld hatte und dass ihre Mutter dies Vorhaben mit ziemlicher Sicherheit verbieten würde.
"He, seit wann fährst du denn nach San Francisco?!" Gilda wandte sich um und stand vor ihrer besten Freundin, Wendy Choy, die unter dem Gewicht eines riesigen blauen Rucksacks fast zusammenbrach.
"Hör mal, Wendy, du fährst doch in ein Musik-Camp, stimmt's? Stell ich dir darüber etwa eine Million Fragen?"
"Tust du wohl. Und ich frag ja nur, weil - ach, du weißt doch, was du für einen Ruf hast."
"Wenn du nicht glaubst, dass ich nach San Francisco fahre", sagte Gilda, "dann ruf eben meine Mutter an und erkundige dich bei ihr." Gilda wusste, dass Wendy ihre Mutter doch nie anrufen würde. Wendy konnte es nicht leiden, sich stundenlang mit Mrs Joyce unterhalten zu müssen."Aber gestern hast du doch erst erzählt, dass du vorhast, ein paar Monate lang hinter der Karohose aus dem Minimarkt herzuspionieren", sagte Wendy beharrlich. "Du hast gesagt, du hältst es für möglich, dass er ein Serienmörder ist."
Ein Marktplatz-Angebot für "Gilda Joyce in geheimer Mission" für EUR 3,00
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