Gesagt, getan - Stein, Thomas M.

Thomas M. Stein 

Gesagt, getan

Autobiografie

Mit Sibylle Auer
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Gesagt, getan

Mit neunzehn wurde er zum ersten Mal Vater, mit neunundfünfzig zum dritten Mal. In den vierzig Jahren dazwischen wurde aus Thomas M. Stein einer der mächtigsten Männer im deutschen Musikgeschäft. Ein Selfmademan, der sich vom
Verlagslehrling zum Chef der Plattenfirma BMG hocharbeitete, neben Dieter Bohlen in der Jury von "Deutschland sucht den Superstar" saß und dort als "Onkel Stein" Kultstatus erlangte. Thomas M. Stein schildert zahlreiche Begegnungen mit
Größen des Musik- und Showgeschäfts und gibt Einblicke in das Innere der Musikbranche. Gewürzt mit einem gehörigen Schuss Selbstironie lässt er sein ereignisreiches Leben Revue passieren.


Produktinformation

  • Verlag: Ehrenwirth
  • 2009
  • Neuauflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 255 S., 27 meist farb. Fotos auf Taf.
  • Seitenzahl: 255
  • Best.Nr. des Verlages: 03804
  • Deutsch
  • Abmessung: 219mm x 120mm x 28mm
  • Gewicht: 455g
  • ISBN-13: 9783431038040
  • ISBN-10: 3431038042
  • Best.Nr.: 26374272

Leseprobe zu "Gesagt, getan" von Thomas M. Stein

Die Parkbank der menschlichen Seele (S. 108-109)

Ein heißer Sommertag im August 1987, kein Wölkchen weit und breit zu sehen. Scharf hoben sich die Karawanken vor dem strahlend blauen Himmel ab, der Wörthersee glitzerte in der Sonne. Aber das war nicht der Weg in die Ferien, sondern die Fahrt zu einem äußerst spannenden Geschäftstermin: Ich sollte auf Vermittlung von Axel Meyer-Wölden den berühmten Monti Lüftner, Chef der Plattenfirma Ariola und einer der wichtigsten Männer im deutschen Musikgeschäft, in dessen Urlaubsdomizil in Pörtschach treffen. Natürlich hatte ich eine leise Ahnung, dass ihn mehr an mir interessierte als meine erlesene Stimme oder mein im Geschäftsleben eher selten gezeigter Charme.

Ich wusste, dass Ariola-Geschäftsführer Friedel Schmidt in absehbarer Zeit in den Ruhestand gehen würde. Monti suchte einen Nachfolger und hatte offensichtlich dafür mich ins Visier genommen. In Anzug und Krawatte, den Aktenkoffer in der Hand, stand ich jetzt bei Monti vor der Tür. »Geh herst, Thomas«, begrüßte er mich in seinem charmanten österreichischen Dialekt, »i geh mal aufs Boot aussi, gehst mit?« Damit hatte ich nun gar nicht gerechnet. Wer tritt schon mit einer Badehose im Aktenkoffer zum Bewerbungsgespräch an?

Aber bei einem Menschen wie Monti waren solche spontanen Einfälle an der Tagesordnung, so etwas Nebensächliches wie eine Badehose war dabei nicht von Belang. Also gingen wir an Bord seines eleganten hölzernen Boesch-Motorboots, schipperten gemütlich auf den See hinaus und besprachen alle Details meines Vertrags als künftiger Geschäftsführer von Ariola, der Plattenfirma, die Monti vor fast dreißig Jahren unter dem Dach des Mediengiganten Bertelsmann gegründet hatte.

Am Schluss gaben wir uns die Hand darauf, und statt mit einem Glas Champagner anzustoßen, sprangen wir splitterfasernackt ins kalte Wasser des Wörthersees. Der eigentliche Vertrag wurde erst ein Dreivierteljahr später fixiert, aber ich wusste, dass ich mich auf Monti verlassen konnte: Bei ihm galt ein Handschlag so viel wie bei anderen ein hundertseitiges Vertragswerk. Monti Lüftner war auf mich aufmerksam geworden, weil der große nationale Konkurrent Teldec, dessen Geschäftsführer ich war, den Markt gehörig durcheinanderwirbelte und dabei viele Dinge anders machte als die anderen.

Teldec galt als innovativ. Wir hatten viele ungewöhnliche Ideen, brachten neue Gruppen in den Markt, die noch niemand auf dem Zettel hatte, und wir hatten Acts, die ein bisschen schräg waren, aber dafür auffielen – zum Beispiel Kylie Minogue oder Jason Donovan, die damals Darsteller in der australischen TV-Soap »Neighbours« waren und heute anerkannte Künstler sind. Mit unserem Marketing waren wir branchenbekannt, egal, ob wir für die Präsentation unserer neuen Platten in Hamburg den kompletten Zirkus Busch inklusive Programm mieteten oder ob Fans, die keine Eintrittskarten mehr bekommen hatten, sämtliche Fensterscheiben des heutigen Lustspielhauses in München einschlugen, um den Auftritt der bis dato eigentlich völlig unbekannten Hip-Hopper Grandmaster Flash mitzuerleben.

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