Tätowieren, Piercen und Dehnen, Einbrennen und Narbenschneiden:
Schon immer diente die Haut buchstäblich als Schnittstelle von
Körper und Welt, zur besonderen Markierung in der Welt: Body
Modification (BodyMod). Heute geschieht diese Praxis der
permanenten Körperveränderung meistens unter individuellem Zugriff.
Trotz einiger Akzeptanzschübe erzeugt die BodyMod weiterhin tiefe
Verunsicherung. So untergräbt sie die Vorstellung von der
Urwüchsigkeit und Integrität des Leibes. Begehren und Aufbegehren:
Jenseits modischer Sternchen-Tattoos und Nabelringe wird BodyMod
als Selbsttechnologie in Fleisch und Blut erkennbar. Im Versuch,
eigene Deutungshoheit zu gewinnen, kratzt der markierte Körper am
noch immer die abendländische Kultur prägenden Dogma leiblicher
Unverfügbarkeit und bedroht die Ordnung.
Als ein Stück Körpergeschichte folgt Tobias Prüwers Essay der
BodyMod-Spur und oszilliert wie die Nadeln der Tätowiermaschine um
die topografischen Markierungspunkte Natürlichkeit und
Produktcharakter, Individuum und Konvention, Pathologisierung und
Selbstgestaltung. Im Kontext von biopolitischem Diskurs und
sozialorganisatorischer Normierung zeigt sich, was diese
körperästhetische Perspektive gefährlich macht und welche kleine
Freiheit sie gewähren kann.
Tobias Prüwer, M.A., Studium der Philosophie sowie Mittleren und Neueren Geschichte in Leipzig und Aberdeen. Chefredakteur des digitalen Stadtfeuilletons Leipzig-Almanach. Theaterredakteur beim Leipziger Stadtmagazin Kreuzer sowie freier Autor, Philosoph und Lektor.
Ein Marktplatz-Angebot für "Fürs Leben gezeichnet" für EUR 9,90
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