Für die RAF war er das System, für mich der Vater - Ameri-Siemens, Anne

Anne Ameri-Siemens 

Für die RAF war er das System, für mich der Vater

Die andere Geschichte des deutschen Terrorismus. Ausgezeichnet mit dem Corine - Internationaler Buchpreis, Kategorie Sachbuch 2007

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Für die RAF war er das System, für mich der Vater

Wer sich die ganze Dimension der Geschichte der RAF verdeutlichen will, muß die Perspektive der Opfer berücksichtigen. Diese andere Geschichte des deutschen Terrorismus zeigt uns die ganze Wahrheit in einem dunklen Kapitel der Bundesrepublik.

Vor dreißig Jahren fand der Terror der RAF seinen Höhepunkt in den Ermordungen von Hanns-Martin Schleyer, Jürgen Ponto und der Ent­führung der »Landshut«: Ereignisse, die die Deutschen bis heute prägen. Anne Siemens erzählt diese dramatische Geschichte neu, aus der Sicht der Opfer. Dadurch, daß sich die Angehörigen – viele zum ersten Mal – in bewegenden Interviews öffnen, wird deutlich, was der Terror der RAF wirklich bedeutet hat. Bislang gab es nur eine Tätergeschichte; die bekannten wie die unbekannten Opfer des Terrors blieben weitgehend ungehört. Sie sprechen nun in dem Buch von Anne Siemens, erzählen, wie ihre Väter und ihre Männer lebten, warum sie sterben mußten und wie sich das Leben ihrer Familien dadurch veränderte.


Produktinformation

  • Verlag: Piper
  • 2007
  • Ausstattung/Bilder: 2007. 287 S.
  • Seitenzahl: 287
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm x 144mm x 27mm
  • Gewicht: 480g
  • ISBN-13: 9783492050241
  • ISBN-10: 3492050247
  • Best.Nr.: 20939117
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 02.04.2007

Frei von Rache
Angehörige von RAF-Opfern berichten über ihre Gefühle
Die Opfer dürfen nicht in Vergessenheit geraten! Ein Satz, den man in diesen Tagen häufig hört; bezogen auf die Opfer der Roten Armee Fraktion, der RAF. Die Mahnung stand im Zusammenhang mit der Freilassung von Brigitte Mohnhaupt und der Frage, ob Christian Klar begnadigt werden solle.
Dreißig Jahre sind seit dem „deutschen Herbst” 1977 vergangen. In jenem Jahr geschahen die Morde an Jürgen Ponto, Hanns-Martin Schleyer, Siegfried Buback und an sieben Fahrern und Personenschützern. Darüber hinaus entführten mit der RAF verbündete Terroristen die Lufthansa-Maschine Landshut. Gemordet haben die RAF-Kommandos bereits zuvor und auch danach, doch verschärfte sich im Herbst 1977 die Situation dramatisch. Die sogenannte zweite Generation der RAF brachte mit ihrer „Offensive 77” den Staat in Bedrängnis, ließ ihn einen Augenblick hilflos und ausgeliefert erscheinen.
Das ist Historie, aber keineswegs eine abgeschlossene Sache. So weiß man bis heute in einigen Fällen nicht, wer die Todesschüsse tatsächlich abgegeben hat. Die Täter tragen nicht zur Aufklärung des finstersten …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 06.08.2007

Historische Schieflage
Im Mittelpunkt des Interesses an der RAF stehen meistens Mörder wie Ulrike Meinhof und Andreas Baader, nicht aber deren Opfer

Auch nach ihrem Ende wird der "Rote Armee Fraktion" immer noch unverhältnismäßig großes Interesse entgegengebracht. Legenden entstehen und wollen nicht vergehen. Einblicke in eine fremde Welt.

Die RAF war keine westdeutsche Affäre, sondern eine Spätgeburt der Weltbürgerkriege des 20. Jahrhunderts. Die interessierten Dritten, die den schießenden westdeutschen Kommunisten jahrelang das logistische Hinterland sicherten, saßen an der Spitze einer regierenden kommunistischen Partei. Das war die ostdeutsche Seite der Medaille. Ohne Unterstützung des Ministeriums für Staatssicherheit, das mit Billigung der SED-Führung handelte, hätte die erste Generation der RAF ihre Ausbildung in palästinensischen Lagern und die Rückkehr in die Bundesrepublik nicht bewerkstelligen können. Die Stasi gewährte den Terroristen nicht nur verdeckte Ein- und Ausreisen, sie ermöglichte ihnen nach Anschlägen via DDR die Flucht in Dritte-Welt-Länder, fälschte Pässe und gab ihnen - wenn nötig - auch Reisegeld. …

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Perlentaucher-Notiz zur TAZ-Rezension

Rudolf Walther begrüßt Anne Siemens' Buch über die Opfer der RAF, auch wenn er es inhaltlich ziemlich durchwachsen findet. Wichtig sei es dennoch, weil hier zum erstem Mal die Opfer der Terroristen in den Mittelpunkt der Betrachtung gerückt würden. Wie der Rezensent berichtet, sprach die Autorin mit Ehefrauen, Söhnen und Töchtern, aber auch mit Kollegen von neun RAF-Opfern, um ein möglichst lebendiges Bild von den Menschen, denen sie nahe standen, entstehen zu lassen. Das Ergebnis ist für Walther nicht immer befriedigend. Er hätte sich gewünscht, die Interviewten hätten mehr von sich und den Opfern und weniger vom politische Klima der 70er Jahre erzählt. Dennoch scheint ihm vieles aufschlussreich und nachvollziehbar, etwa Corinna Pontos Ärger darüber, dass die Öffentlichkeit ihren ermordeten Vater auf ein abstraktes Gewaltopfer reduziert hat, oder Clais Baron von Mirbachs Unbehagen über die unkritischen Reaktion der Medien auf den Auftritt des Terroristen Karl-Heinz Dellwo im schwedischen Spielfilm "Stockholm '75". Die Ausführungen über die RAF im Vorwort haben Walther jedoch nicht überzeugt, er hält der Autorin vor, wenig über die Geschichte der RAF zu wissen.

© Perlentaucher Medien GmbH

»Man kann den Mut und die Klarsicht der hier zu Wort kommenden Personen nur bewundern.« Frankfurter Allgemeine Zeitung

»Man kann den Mut und die Klarsicht der hier zu Wort kommenden Personen nur bewundern.«  Frankfurter Allgemeine Zeitung
Anne Ameri-Siemens, geboren 1974 in Frankfurt am Main, hat Politische Wissenschaft studiert und darin promoviert. Für ihr Buch »Für die RAF war er das System, für mich der Vater - die andere Geschichte des deutschen Terrorismus« wurde sie 2007 u.a. mit dem internationalen Buchpreis Corine ausgezeichnet. Mit der Verfilmung des Buchs, der Dokumentation »Wer gab Euch das Recht zu morden?« war sie 2008 für den Grimme-Preis nominiert. Sie war Redakteurin beim jetzt-Magazin der Süddeutschen Zeitung und arbeitet als freie Autorin unter anderem für das Magazin der Süddeutschen Zeitung, SZ/Wochenende und den Tagesspiegel.

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