Freunde sterben nicht - Wolf, Markus

Markus Wolf 

Freunde sterben nicht

Autobiographische Geschichten

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Freunde sterben nicht

Nicht zum ersten Mal blickt der Autor zurück auf sein Leben. Dieses aber ist sein persönlichstes Buch. Mit beeindruckender Offenheit ruft er Erinnerungen an Freunde und Weggefährten wach und gewährt Einblicke in sein eigenes Denken.
Es ist ein Buch des Resümees, der Befindlichkeiten und Gefühle.

Ein Buch des Resümees, der Befindlichkeiten und Gefühle, für das Wolf ein Motto von Alexander Kluge wählte: »Im Lebenslauf verteidigt der Mensch das einzige, was er besitzt: seine Zeit und seinen Eigensinn ... Gefühle können Partisanen sein, Katalysatoren, Störenfriede, Bremser und Vollender. Sie sind ein geheimnisvolles Inventar der Geschichtslandschaften, sie begründen bestimmte Prozesse weit jenseits des organisierten guten Willens, der sich Politik nennt.«
Schon einmal, in der »Troika«, hat Markus Wolf über Freunde und Freundschaften geschrieben. In diesem Buch wendet er sich den Freunden zu, die seinen Lebensweg kreuzten und ihn ein Stück begleiteten, manche von der Kindheit an. Es sind Persönlichkeiten, deren Haltungen so verschieden sind wie ihre Lebenswege: der Amerikaner, der Agent des sowjetischen Geheimdienstes war; Freunde aus der Moskauer Schulzeit, aus denen Forscher, Aufklärer, Publizisten im Dienste verschiedener Herren wurden; der französische Journalist, den Wolf nach dem Ende der DDR kennenlernte; der Auschwitz-Häftling, KoKo-Mitarbeiter und jetzige israelische Staatsbürger; der Politiker und Alterspräsident des Bundestages, der aus Überzeugung zum Informanten der HVA wurde ... Es ist ein Buch des Rückblicks, das seine Spannung nicht nur aus den mit den politischen Bewegungen des letzten Jahrhunderts so eng verbundenen Schicksalen dieser Personen bezieht.


Produktinformation

  • ISBN-13: 9783360009838
  • ISBN-10: 3360009835
  • Best.Nr.: 10698466
Verschwiegen<br /> Markus Wolf war innerhalb der DDR-Staatssicherheit als Chef der "Hauptverwaltung Aufklärung" (HVA) über 30 Jahre zuständig für die Auslandsspionage. Nach dem Ende der SED-Herrschaft löste sich der Apparat auf, und Wolf wurde von bundesdeutschen Gerichten verurteilt - die ihm anvertrauten Agenten hat er trotz aller verlockenden Angebote verschiedener Geheimdienste nie verraten. Auch in diesem Band hält sich der Ex-Nachrichtenmann an das Prinzip, nichts zu schreiben, was seinen ehemaligen "Quellen" schaden könnte.<br /> Keine Verklärung der DDR<br /> Die Begegnungen mit faszinierenden Persönlichkeiten, die sich aus höchst unterschiedlichen Motiven zur Zusammenarbeit mit der DDR-Aufklärung bereit erklärten, stehen im Mittelpunkt des Bandes. Es erstaunt, wie nahe sich offenbar Agentenführer und "Kundschafter" im Laufe ihrer gemeinsamen Tätigkeit kamen. Wolf lamentiert nicht und zeigt sogar hier und da die Fähigkeit zur Selbstkritik. Er stellt sich auch gegen die Verklärung des real existierenden Sozialismus und beschreibt die durch ideologische Engstirnigkeit entstandenen Probleme in der HVA. Vor allem liefert er aber ein detailliertes und sehr lebendiges Bild der "Soldaten an der unsichtbaren Front". Man mag Wolf gegenüberstehen, wie man will: Interessant ist die Lektüre seiner Schilderungen aus einer - letztendlich dann doch - vergangenen Zeit allemal.<br /> (Philipp-Robert Schulz, literaturtest.de)

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 05.11.2002

Gesäuberte Zeiten
Markus Wolf sollte ein Erholungsheim für Altspione gründen / Von Frank Pergande

Wer versucht, Markus Wolfs jüngstes Buch aus der Sicht seines Autors zu sehen, dürfte melancholisch werden. Wolf stammt aus einer berühmt gewordenen Familie. Sein Vater war der Schriftsteller Friedrich Wolf, dessen Drama "Professor Mamlock" im Schulunterricht der DDR behandelt wurde. Markus wuchs in der Sowjetunion auf, wohin sein Vater emigriert war. Er war zu jung, um die stalinistischen Gewalttaten in seiner unmittelbaren Nachbarschaft bewußt wahrzunehmen, wurde Journalist und kam mit der "Gruppe Ulbricht" zurück nach Deutschland. Er berichtete von den Nürnberger Prozessen. Sein Bruder Konrad wurde Regisseur und war Präsident der Akademie der Künste der DDR.

Markus baute die DDR-Staatssicherheit mit auf und wurde der Verantwortliche für die Auslandsspionage, zuletzt im Rang eines Generalobersten. Drei Jahre vor dem Ende der DDR quittierte er den Dienst bei der Staatssicherheit, um Schriftsteller zu werden. Sein erstes Buch hieß "Die Troika" und ging zurück auf eine Idee seines Bruders Konrad, der über das miteinander verwobene …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

In neun "sorgfältig komponierten" Porträts erinnert Markus Wolf an seine Freunde, Agenten, Geheimdienstler, Journalisten, berichtet Rezensent Jens Bisky. Dem früheren Leiter der Hauptabteilung Aufklärung und stellvertretenden Minister für Staatssicherheit der DDR sind damit "ausnahmslos interessante Geschichten" gelungen, findet Bisky. Zugleich sind es nach seiner Ansicht Geschichten, die vor allem der Rechtfertigung dienen. Wo der Leser Auskunft über das tatsächlich Geschehene erwarte, appelliere Wolf an dessen moralische Urteilskraft. An Wolfs eigener moralischer Urteilskraft zweifelt dagegen Bisky nach der Lektüre. Wo Wolf mit Blick auf seinen Freund Alik, der für den SMERSCH, eine besonders brutale Abteilung des NKWD arbeiten musste, vom "Spiel des Schicksals" spricht, erblickt Bisky einen klaren Fall von Willkür nach dem "Grundprinzip des Stalinismus, aus Tätern Opfer, aus Opfern Täter zu machen." Auch wenn die Geschichten mit viel Einfühlungsvermögen geschrieben sind, Wolfs selbstgerechter Blick, gefällt Bisky ganz entschieden nicht: ein Gedankenaustausch des Lesers mit Wolf setze voraus, dass er die Meinungen des Autors teilt und suggestive Formeln mehr schätze als Argumente.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.08.2002

Die Katzen werden gut versorgt
Ein Abschlusscommuniqué verwickelter Beziehungen: Markus Wolf erinnert an seine Freunde
Hans war darunter, und Jim war dabei, und Sascha ist Wunderheiler geworden. Auch über Leonard, Martin und Alik hätte man gern mehr erfahren. Dass sie sich eines Tages mit Markus Wolf anfreundeten, scheint keinesfalls das Aufregendste in ihren Lebensläufen gewesen zu sein, aber es charakterisiert deren Eigenart. Ihre Biographien hat der Weltbürgerkrieg nicht nur bestimmt, sie haben ihn geführt, sich seinen Regeln bis ins Private hinein unterworfen.
Verlässlich aber kam der Augenblick, in dem sie Privatleute mit bürgerlicher Existenz werden mussten. Da sitzt dann Ende der achtziger Jahre der Kommunist Leonard, der in den USA für den sowjetischen Geheimdienst spionierte, krank in seinem Rollstuhl, die New Yorker Wohnung ist klein und übervoll mit Büchern und Papieren, Erinnerungen. Mit brüchiger Stimme sagt er: „Die revolutionäre Disziplin gebietet es, Begebenheiten aus dem Kampf nicht mitzuteilen”. Da ist Johanna, die als Sonja Lüneburg zu den erfolgreichen „Kundschaftern” der DDR in Brüssel und Bonn gehörte. Heute versorgt …

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"Im Lebenslauf verteidigt der Mensch das einzige, was er besitzt: seine Zeit und seinen Eigensinn ... Gefühle können Partisanen sein, Katalysatoren, Störenfriede, Bremser und Vollender. Sind sind geheimnisvilles Inventar der Geschichtslandschaften, sie begründen bestimmte Prozesse weit jenseits des organisierten guten Willens, der sich Politik nennt." (Alexander Kluge)
Markus Wolf, geb. 1923 in Hechingen, aufgewachsen ab 1934 als Emigrantenkind in Moskau. 1943-45 Kommentator am Deutschen Volkssender in Moskau. Mai 1945 Rückkehr nach Deutschland, bis 1949 beim Berliner Rundfunk tätig, dann in der DDR-Botschaft in Moskau. Seit 1951 Mitarbeiter, 1952 Leiter des Außenpolitischen Nachrichtendienstes der DDR. Ab 1955 Leiter der Hauptverwaltung Aufklärung beim Ministerium für Staatssicherheit. 1986 Ausscheiden aus dem Dienst. Seitdem schriftstellerisch tätig. 1990-1991 Aufenthalt in Moskau. Nach Rückkehr in die BRD Prozess wegen Landesverrats; Verurteilung und Urteilsaufhebungen. 2006 verstarb Markus Wolf.

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