Jungmädchen- Ungeheuer
Die Figuren Frankensteins und des von ihm geschaffenen Monsters
haben so ungeheure Popularität erlangt, dass man schon daran
erinnern muss: Nicht altüberlieferte Gestalten sind es wie Hexen,
Gespenster, Vampire und Werwölfe, sondern die Erfindung einer
einzigen Autorin, der damals erst 19-jährigen Mary Wollstonecraft
Shelley.
Der dtv legt jetzt die Erstausgabe vor, wie sie, noch
ohne die ängstlichen Rücksichten der späteren Ausgaben in
viktorianischer Zeit, im Jahr 1818 erschien. Das ist lobenswert.
Zugleich bietet der Verlag eine neue Übersetzung. Diese klingt erst
einmal angenehm abgespeckt im Vergleich zur oftmals gewundenen
älteren Version. Aber sie schlägt sich ihre Schneisen zuweilen auf
Kosten der Genauigkeit. „Ich bin bereits weit nördlich von London“,
heißt es da etwa. Wer glaubt, dass der Brief darum in Nordengland
geschrieben wurde, sieht sich getäuscht; Schauplatz ist St.
Petersburg. Ein Blick in die frühere Fassung macht klar, was
passiert ist: „Ich befinde mich hier auf einem viel nördlicher
gelegenen Breitengrade denn London.“ Dann doch lieber
umständlich!
BURKHARD MÜLLER
Mary W. Shelley: Frankenstein. Die Urfassung. Aus dem Englischen Alexander Pechmann.
dtv, München 2013. 304 S., 7,90 Euro.
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