Fausts Kolonie - Jaeger, Michael

Michael Jaeger 

Fausts Kolonie

Goethes kritische Phänomenologie der Moderne. Habil.-Schr.

Broschiertes Buch
 
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
50 ebmiles sammeln
EUR 49,80
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Fausts Kolonie

Die literatur- und ideengeschichtliche Studie gilt dem Krisenbewußtsein Goethes, das seit der Französischen Revolution und dann insbesondere während der ersten drei Jahrzehnte des 19. Jahrhunderts mit zunehmender Intensität das Weltbild des Dichters prägt und das in der abschließenden Arbeit an der Faust-Tragödie (1830/31) seinen prägnantesten Ausdruck gewinnt. Die Analyse des Dramas zeigt Faust als einen von Goethe prototypisch konzipierten Repräsentanten der Moderne, der einen radikalen Bruch mit der europäischen Überlieferung herbeiführt und der als Weltkolonisator das spezifi sch moderne Projekt der Unterwerfung von Natur und tradierter Kultur in Angriff nimmt. Im Zentrum des geschichtlichen Interesses der Untersuchung steht dann auch Goethes literarische Darstellung des in der Folge der industriellen Revolution sich ausbreitenden veloziferischen Maschinenwesens und der entsprechenden Beschleunigung der Zeit- und Alltagserfahrung. Vor dem historischen Hintergrund ist Goethes Klassikdoktrin zu erkennen sowohl in ihrer Funktion als Krisenreaktion und Therapeutikum wie auch als Gegenentwurf zu der für die Moderne charakteristischen prozessualen Bestimmung der geschichtlichen Zeit und des politischen Geschehens.


Produktinformation

  • Verlag: Königshausen & Neumann
  • 2004
  • 3. Auflage.
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 668 S. m. 116 Abb.
  • Seitenzahl: 668
  • Deutsch
  • Abmessung: 240mm x 155mm x 53mm
  • Gewicht: 1025g
  • ISBN-13: 9783826027161
  • ISBN-10: 3826027167
  • Best.Nr.: 12591707
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.07.2004

Auf Vernichtung lief's hinaus
Goethe war doch der Modernste: Michael Jaegers Faust-Studie

Verzweiflungsvolle Monologe, depressive Abstürze bis hin zu Selbstmordphantasien, haltlose Euphorien und Allmachtsvorstellungen, dann wieder zerknirschte Verwünschungen - kein Zweifel, Faust ist die wandelnde Negation aller Goetheschen Zivilisationsideale. Der nervöse Gelehrte und spätere Kolonisator setzt sich über alle Regeln klassischer Lebenskunst und Mäßigung hinweg. Warum gab sich Goethe dann aber immer wieder mit der ungeliebten Figur ab?

Die Faust-Tragödie und ihre Hauptfigur, die an zentraler Stelle die "Geduld" verflucht, waren geeignet, Goethes wachsendes Mißbehagen am "veloziferischen Unwesen" der Moderne zum Ausdruck zu bringen. So die Antwort, die Michael Jaeger in seiner Habilitationsschrift auf diese Frage gibt. Es ist - durchaus im Einklang mit Goethe - eine fulminante kritische Demontage der Faust-Figur. Am Ende bleibt vom berühmtesten deutschen Dramenhelden nur eine Karikatur des prometheischen Menschen. Die mächtige Wirkungsgeschichte der Tragödie ist demnach in die falsche Richtung gelaufen. Die identitätsstiftende …

Weiter lesen

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Michael Jaeger hat's herausgefunden: Faust ist eine negative Figur, eine "Karikatur des prometheischen Menschen", und die bejahende Wirkungsgeschichte der Goethe'schen Tragödie, die Fausts Streben als "höchste Tugend des sich emanzipierenden Menschen" deutet - sie war ein großer Irrtum. Da bleibt Wolfgang Schneider nicht viel übrig, als "fulminant" zu rufen und sich von der Wucht der Argumente mitreißen zu lassen. Jaeger widerspreche - mit guten Argumenten! - Bloch und Lukacs, die affirmativ von der "Lernfahrt des Subjekts" respektive dem "Drama der Menschengattung" gesprochen hatten; dagegen hält er es mit Karl Löwith, der vor mehr als einem halben Jahrhundert gegen die Geschichtsphilosophie und ihre "Heilsperspektiven" angeschrieben hatte und sich dabei auf den Humanisten Goethe berief. Jaeger tut es ihm nach und kann dabei nach Aussage des Rezensenten den Weimarer Geheimrat selber als überzeugenden Gewährsmann gewinnen: Goethe habe in den Faust alles gesteckt, was ihm am "veloziferischen Unwesen" der Moderne nicht geheuer war - er sei deshalb in seiner "revolutionären Leidenschaft" und seiner nervösen "Getriebenheit" keine Identifikations-, sondern eine …

Weiter lesen

"Die pessimistische Deutung des Faust-Dramas als Diagnose der modernen Welt hat am großartigsten und umfassendsten der Germanist Michael Jaeger in seiner Habilitationsschrift Fausts Kolonie entfaltet. Jaeger liest nicht nur den Faust-Text Szene für Szene und arbeitet dessen immer abgründigere Verzweifl ung heraus; er ordnet die dort symbolisch und allegorisch geleistete Diagnose der Moderne ein ins gesamte Goethesche Alterswerk." (Süddeutsche Zeitung)<br/><br/>"Wer sich im nächsten Jahrzehnt mit Goethes Faust befasst, wird sich mit diesem im doppelten Sinn des Wortes gewichtigen Buch auseinandersetzen müssen. Daran führt kein Weg vorbei." (German Studies Review)
Michael Jaeger ist Privatdozent für Neuere deutsche Literatur an der Freien Universität Berlin.
Mehr von