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Bewertung von R.E.R. am 30.10.2012 |
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Francis lebt mit seiner manisch depressiven Mutter in einem heruntergekommenen Trailerpark in einer langweiligen Kleinstadt in New Jersey. Der siebzehnjährige war früher ein guter Schüler und auch ein erfolgreicher Ringer seiner Schulmannschaft. Die Trennung seiner Mutter von Stiefvater und Bruder hat ihn jedoch aus der Bahn geworfen. Als seine Mutter aufgrund eines Zusammenbruchs erneut in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wird, lernt er Anne-May kennen, die ebenfalls dort behandelt wird. Seine Mutter versucht sich das Leben zu nehmen. In ihrem Abschiedsbrief klärt sie Francis über das Geheimnis seiner Zeugung auf. Er ist das Produkt eines wissenschaftlichen Experimentes und verdankt seine Existenz dem Samen eines genialen Spenders. Mit den Hinweisen seiner Mutter im Gepäck macht Francis sich mit seinem Freund Grover und Anne-May mit dem Auto auf den Weg quer durch Amerika um den Vater zu finden und dadurch Sinn in sein eigenes Leben zu bringen. Benedict Wells verarbeitet in seinem Roman eine Story, die das Magazin Spiegel im Jahr 2005 unter dem Titel “Genies aus der Kälte” herausbrachte. Es ging dabei um die “Nobelpreis Spermienbank” des Multimillionärs Robert Graham die 1999 geschlossen wurde und aus der 215 Retortenkinder hervorgingen. Eines der Schicksale dieser Kinder die dieser Artikel beschreibt, diente augenscheinlich als Grundlage für den Roman. Francis der vaterlose Junge, dessen Leben aussichts- und perspektivlos erscheint, klammert sich an den einzigen Ast, der sich ihm bietet. Durch die späte Offenbarung seiner Mutter bekommt sein Dasein einen Hoffnungsschimmer. Wer einen genialen Vater hat, kann kein Versager sein. Es sind diese einfachen Formeln, die das Buch zu einer leichten, aber auch enttäuschenden Lektüre machen. Francis bringt den Sinn des Lebens auf den kleinsten gemeinsamen Nenner. Genius ist gleich Erfolg, Erfolg ist gleich Geld, Geld ist gleich Glück. So meint er seine große Liebe Anne-May für sich gewinnen zu können, so meint er das Rezept für ein erfülltes Leben zu haben. Die Oberflächlichkeit der Handlung und ihrer Figuren wird dem ernsten Grundthema in keiner Weise gerecht. In einer kurzen Sequenz schreibt Wells über ein weiteres Retortenkind. Ein Mädchen, dass seinen “Spendervater” gefunden hat, von ihm zurückgewiesen wird und daran zerbricht. Hier scheint blitzlichtartig auf, worum es in diesem Buch hätte gehen können. Was passiert mit Kindern, die ihre Wurzeln nicht kennen? Wo die fehlende Identität das Leben vergiftet oder zur ewig schwärenden Wunde wird? Wo die Zurückweisung zur niederschmetternden Erfahrung eines jungen Lebens wird? Wells hat aber nur einen leicht verdaulichen “Roadmovie” mit einem unreifen Helden inszeniert, der sich eher von seinen Genitalien als von seinem Hirn leiten lässt. Seine Hauptfigur begreift das Leben als ein Glücksspiel. Rot oder Schwarz, Hopp oder Topp, Alles oder Nichts. Das Leben ist ein Abenteuer und will gespielt werden. Oft ist dazu auch Glück notwendig, aber ein Glücksspiel ist es deshalb noch lange nicht. Eigentlich hätte der Held auf seiner langen Reise quer durch die Staaten Zeit gehabt, das zu lernen, wenn Wells ihm die Möglichkeit dazu gegeben hätte bzw. dazu in der Lage gewesen wäre. Aber scheinbar waren ihm “Sex, Drugs und Rock’n Roll” sowie geographischen Besonderheiten wichtiger. Schade. |
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Bewertung von Monili84 aus Aachen am 04.03.2012 |
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Ein Buch, dass nicht nur fast genial ist... in briallianter Sprache erzählt Wells die Lebensgeschichte von Francis. Francis ist ein amerikanischer Teenager, der mit seiner depressiven Mutter im Trailerpark am Stadtrand gelandet ist. Er hat einen bedingt verlässlichen Stiefvater, der ihnen in Teilen finanziell unter die Arme greif, um z. B. die Rechnungen für Mums Klinkaufenthalte u die Behandlungen zahlt. Seinen leiblichen Vater kennt er zunächst nicht, nach einem missglückten Selbstmorderversuch der Mutter, findet er einen Brief u macht sich auf die Suche nach dem dort beschriebenen Samenspender. Francis stammt aus einem Laborversuch mit lauter fast genialen Vätern... Auf der Suche nach seinem Erzeuger muss der Junge gemeinsam mit seinem Freund Groover u einem Mädchen, das aus der Nervenanstalt geflüchtet ist, wo sie Francis kennengelernt, durch mehrere Bundesstaaten. In Las Vegas will er sein Glück machen, doch scheitert er...es hat den Anschein er verliert, eben weil er seine Wurzeln (noch) nicht kennt, dabei wollte er doch so gern als Gewinner vor seinen Vater treten. Letztendlich findet er seinen Vater, doch auch der entpuppt sich als Enttäuschung u ist wirklich ein Versagen. Dennoch will Francis es schaffen... Seine "Freundin", das Mädchen aus der Klinik, wird schwanger u er will es richtig machen u Verantwortung für den Sohn übernehmen. Wieder macht er sich auf nach LA um dort endlich das große Geld zu machen... u hier kommt die ganze Genialität des Autors zum Ausdruck...absolut lesenswert...Wells ist wirklich ein kleines Genie! |
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Bewertung von kleinbrina aus Hamm am 20.02.2012 |
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Für den 17-jährigen Francis scheint die Situation aussichtslos. Sein Stiefvater hat die Familie verlassen, seine Mutter lebt mit Depressionen in einer Klinik und seinen leiblichen Vater hat er niemals kennengelernt. Durch diese Situation muss er in einem Trailerpark wohnen, der alles andere als ansehnlich ist. Er hat nur einen Wunsch, er möchte seinen leiblichen Vater kennenlernen. Dies möchte seine Mutter nicht und sie versucht mit aller Macht ein Kennenlernen der beiden Männer zu verhindern. Doch Francis gibt nicht auf und setzt alles dran, um seinen Vater kennenzulernen. Dabei gibt es nur einen winzigen Anhaltspunkt, an dem er sich festklammert. Zusammen mit seinem besten Freund Groover und seiner Freundin Anne-May macht er sich auf die Suche... Da mir Benedict Wells immer wieder empfohlen wurde, wurde es nun langsam Zeit, eines seiner Werke zu lesen. Da meine Erwartungen nicht besonders hoch waren, konnte ich auch nicht enttäuscht werden, allerdings bin ich doch sehr positiv überrascht, denn das Buch war richtig gut. Benedict Wells hat es geschafft, mich direkt an die Geschichte zu fesseln. Ich hätte zwar nicht mit einem derart saloppen Schreibstil gerechnet, aber dennoch wusste dieser zu gefallen. Das Buch liest sich flüssig, schnell und trotz der Thematik sehr sarkastisch. Die Charaktere waren nahezu perfekt. Der Autor hat es geschafft, dass ich mich nahezu mit jeder Person identifizieren konnte, was sonst kaum ein Autor zuvor bei mir geschafft hat. Der 17-jährige Francis hat es in seinem Leben nicht leicht. Er lebt in einem Trailer, seine Mutter ist depressiv, seinen Vater kennt er nicht und besonders viele Freunde hat er auch nicht. Da er bislang nur seinen Stiefvater kennt, lässt ihn der Gedanke nicht los, wer sein leiblicher Vater ist. Seine Mutter möchte ihm dies jedoch nicht sagen. Doch trotz all der Umstände ist Francis alles andere als pessimistisch und möchte etwas aus seinem Leben machen. Sein bester Freund Groover steht ihm dabei immer an der Seite. Auffallend ist hier Francis' Gefühls- und Gedankenwelt, die mich sehr ansprach. Obwohl es manchmal aussichtslos ist, schlägt er sich mit Intelligenz und Sarkasmus durch. Seine Mutter ist nach vielen Enttäuschungen depressiv. Francis' Vater war nur eine Affäre und ihr Ex-Mann hat sie nach der Scheidung einfach zurückgelassen, sodass ihr nichts anderes übrig blieb, als mit Francis in einem Trailerpark zu leben. Sie lebt in ihrer eigenen Welt und verliert die Realität völlig, sodass sie immer wieder in psychiatrische Kliniken eingewiesen werden muss. Mit Anne-May kommt ein weiter Charakter ins Spiel. Auch sie musste ich einfach gerne haben. Wie Francis' Mutter ist auch sie eine Patientin in der Psychiatrie. Obwohl er sie nur vom sehen her kennt, ist sie ihm sofort sympathisch und er bekommt sie nicht mehr aus dem Kopf. Zusammen mit Groover verhilft er ihr zur Flucht aus der Klinik. Die Suche nach dem leiblichen Vater wird authentisch geschildert. Die Jugendlichen haben alle Hoffnungen, Wünsche und Träume. Bei manchem ist es die Suche nach sich selbst, bei anderen der Wunsch nach Freiheit. Die Gedanken und Gefühle der Jugendlichen werden hierbei realitätsnah und sympathisch geschildert. Auch wenn ich zunächst das Gefühl hatte, dass das Thema Gentechnik unangebracht ist, wurde ich auch hier positiv überrascht. Benedict Wells schildert dieses Thema recht neutral, ohne sich auf eine Seite zu schlagen, vielmehr überlässt er hier seinem Leser, sich seine eigene Meinung zu bilden. Insgesamt konnte mich "Fast genial" von sich überzeugen und dieses Buch wird für mich mit Sicherheit nicht das letzte von Benedict Wells sein. Wem komplexe Familiengeschichten gefallen und dazu noch das Interesse an Gentechnik vorhanden ist, wird mit diesem Buch seine pure Freude haben. Empfehlenswert! Es gibt 1 Kommentar zu dieser Bewertung
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4 von 6 Kunden fanden diese Rezension hilfreich. War diese Bewertung für Sie hilfreich? |
| Bewertung von Caro1893 aus Stuttgart am 28.08.2011 | |
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Meine Meinung: Mein erstes Buch von Benedict Wells, obwohl er schon 2 davor geschrieben hat. Sofort war ich von seinem Schreibstil und seiner Erzählart gefesselt und begeistert. Das Buch hat mir sehr gut gefallen und mich während des Lesens immer wieder zum Nachdenken angeregt. Der Leser wird vorallem mit der Frage konfrontiert, was einen Menschen eigentlich ausmacht. Sind es wirklich die Gene, oder können wir trotzdem wir selbst sein, egal wer unsere Eltern sind. Benedict Wells beschreibt diese Suche nach Francis' Herkunft und die Suche nach sich selbst so eindrücklich, dass mir die Geschichte wohl noch lange Zeit im Gedächtnis bleiben wird. Selten empfande ich während dem Lesen eines Buches, so viele verschiedene Gefühle wie hier. Zum einen war da die Hoffnung, dass die Geschichte für Francis so ausgeht wie er sich das wünscht. Zum anderen waren da die melancholischen Gefühle Anne-Mays, die den Leser sofort mit sich ziehen. Ich habe gelacht, nachgedacht, mit den Protagonisten mitgefiebert und gelitten. Ich war einfach mittendrin statt nur dabei. "Fast genial" ist definitiv ein Buch für die etwas jüngere Generation, da es sich ja auch um einen 17-jährigen Protagonisten handelt und dieser einfach die Probleme hat, die Jugendliche in diesem Alter haben. Abgesehen davon hat Benedict Wells, wie ich finde, einen sehr jugendlichen Schreibstil, was vielleicht auch daran liegt, dass er selbst erst Mitte 20 ist. Das Buch ist leicht zu lesen, dabei aber keine leichte Kost und auf keinen Fall seicht oder flach. Benedict Wells schafft es, seine Protagonisten so zu beschreiben, dass sie markant und unverwechselbar wirken. Sie sind echt und man kann eigentlich alle drei verstehen. Der Lauf der Geschichte ist stellenweise sehr überraschend, dadurch aber im Nachhinein auch wirklich sehr passend. Ich will hier nicht mehr verraten, aber so wie die Geschichte sich wendet und vorallem dann das Ende passen einfach wie die Faust aufs Auge. Der Autor hat die Geschichte am Ende offen gelassen, was ich ja einerseites eigentlich echt gemein finde, andererseits lässt das viel Spielraum für die Fantasie des Lesers und jeder kann sich sein eigenes Bild machen und die Geschichte so zu Ende gehen lassen, wie er es gerne hätte. Der Titel des Buches passt übrigens auch total gut zu der Geschichte. Mehr kann ich hier leider nicht sagen, aber ich denke jeder, der die Geschichte gelesen hat wird mir zustimmen. "Fast genial" wird ganz bestimmt nicht mein letztes Buch von diesem Autor sein, denn durch seine unnachahmliche, einfühlsame Art zu schreiben, seine eindrücklichen Protagonisten und seine "fast geniale" Geschichte hat er mich als Leserin dazugewonnen. Fazit: Ein rundum gelungenes Buch, dass von der Suche nach einem Vater, aber auch nach der eigenen Identität erzählt und dabei nie flach, sondern immer einfühlsam und überraschend bleibt. |
10 von 12 Kunden fanden diese Rezension hilfreich. War diese Bewertung für Sie hilfreich? |
Bewertung von MaWiOr aus Halle am 21.08.2011 |
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Der Münchner Benedict Wells (Jg. 1984) überraschte vor drei Jahren mit seinem viel beachteten Debüt „Becks letzter Sommer“, für das er den bayerischen Kunstförderpreis erhielt. Ein Jahr später folgte sein Roman „Spinner“, der bei Lesern und Kritikern ebenfalls Interesse fand. Nun liegt im Diogenes Verlag mit „Fast genial“ ein weiterer Roman des hoffnungsvollen Autors vor. Die turbulente Geschichte spielt in Amerika. Der knapp 18jährige Francis Dean wohnt mit seiner alleinerziehenden und psychisch kranken Mutter in einem heruntergekommenen Trailerpark von New Jersey. Keine rosigen Zukunftsaussichten also. Bisher gab Francis seinem Stiefvater Ryan die Schuld an allem. Über seinen leiblichen Vater weiß er nichts. Seine Mutter hatte nur einmal angedeutet: Es war eine kurze Affäre mit jemandem von weit weg gewesen. Schließlich erfährt Francis, was dieses „weit weg“ bedeutet: er ist ein Retortenkind, gezeugt von einem genialen Wissenschaftler. Damals, Anfang der 80er Jahre, hatte man eine Samenbank der Genies gegründet und seine Mutter nahm an einem dieser absurden Experimente teil. Sein Vater ist also kein Versager, der die Familie im Stich ließ, sondern ein Harvard-Absolvent mit einem IQ von 170. Obwohl Francis weder den Namen noch die Adresse seines leiblichen Vaters kennt (es gibt nur den Hinweis, dass er an der Westküste lebt), macht er sich auf die fast aussichtslose Suche. Er will seinen Vater finden und aus seinem bisherigen Drecksleben ausbrechen. Also begibt er sich mit seinem besten Freund Grover und seiner Freundin Anne-May auf einen abenteuerlichen Erkundungstrip an die Westküste. Seine ganze Hoffnung ruht auf der Klinik, wo damals die Experimente durchgeführt wurden. Doch hier hat man inzwischen alle Unterlagen vernichtet. Als Francis endlich hinter das Geheimnis kommt, erlebt er eine bittere Enttäuschung. Benedict Wells hat die seltene Gabe, interessante Figuren zu erschaffen und ihre Geschichten tragikomisch und voller Tempo zu erzählen. „Fast genial“ ist ein weiteres Beispiel seines Einfallreichtums und seines Formulierungswitzes. |
16 von 17 Kunden fanden diese Rezension hilfreich. War diese Bewertung für Sie hilfreich? |
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