Leseprobe zu "Fass mich an!" von Jaiya Hanauer; Hanauer Jon
Was würden Sie sagen? Welchen Teil Ihres Körpers bringen Sie im Bett am wirkungsvollsten zum Einsatz? (Sofern Sie nicht vor Scham über diese Frage vergehen.) Ihre Zunge vielleicht, mit der Sie trickreich zu spielen wissen? Oder Ihren geradezu begnadeten Allerwertesten, der immer wieder für Aufsehen sorgt? Wer weiß, vielleicht sind Sie ja auch sonst gut bestückt, was stets verlässlich seine Wirkung tut. Wie auch immer Ihre Antwort auf diese Frage lauten mag, ein Körperteil kommt Ihnen bestimmt nicht so spontan in den Sinn: Ihre Hände. Klar, mit den Händen lässt sich alles Mögliche anstellen - Blusen und Hemden aufknöpfen, Reißverschlüsse aufziehen oder den Liebsten auch mal drücken. Aber sonst? Was noch?
Lassen Sie sich von uns auf die Sprünge helfen.
Hände sind das Universalwerkzeug des menschlichen Körpers schlechthin. Mit unseren Händen können wir höchst erstaunliche Leistungen vollbringen, ergreifende Klavierkonzerte spielen oder chirurgische Eingriffe am offenen Herzen vornehmen. Ohne Hände gäbe es keine Gemälde in der Sixtinischen Kapelle. Keine David-Statue.
Nur einen langweiligen, unbehauenen Marmorklotz. Und einen Oliver Kahn, der im Tor die unmöglichsten Bälle hält, könnten wir auch nicht bejubeln. In Anbetracht all dieser Großtaten, die unsere Hände bis heute geschaffen haben und nach wie vor schaffen, dürften sie auch beim Sex wahre Meisterleistungen an Hand- und Fingerfertigkeiten zuwege bringen.
Und trotzdem, irgendwie scheinen wir in unserer Unbeholfenheit in tiefste Steinzeit zurückzufallen, sobald wir einander berühren. Wir begrapschen, begrabbeln und befummeln uns, und falls wir dabei zufällig das Glück haben, die ein oder andere intime Stelle zwischen die Finger zu bekommen, gebärden wir uns, als hätten wir zwei linke Hände: Die Frauen pumpen rauf und runter, und die Männer wackeln ein wenig mit den Fingern hin und her. Also nicht gerade das, was man unter hoch entwickelten Praktiken versteht, und eine Affenschande obendrein, wo unsere Hände doch zu so unglaublich viel mehr fähig sind. Uns damit selbst zu begrenzen ist so, als würden wir Einsteins Werk als bloße Rechengleichung sehen oder Pavarotti als DJ auf Karaoke-Partys. Auch wenn manch einer es nicht so recht glauben mag, aber unsere Hände können - und sollten - uns zu fantastischen, weltbewegenden, himmlischen Erlebnissen verhelfen, vorausgesetzt, man weiß sie entsprechend einzusetzen.
Und genau hier kommen wir ins Spiel.
Wir - das sind zwei anerkannte "Sexexperten" auf dem Gebiet der erotischen Körperarbeit, geschulte Fachlehrer mit einem umfassenden Wissen über alles, was mit sinnlich erotischer Berührung zu tun hat. In unseren Seminaren geht es beispielsweise um die Genitalmassage. Und unsere Studenten sind jedes Mal (freudig) überrascht, wenn sie erfahren, dass es über 50 Arten gibt, den Partner an seinen intimsten Stellen mit den Händen zu beglücken. Außerdem zeigen wir viele weitere Techniken auf, mit denen sich sämtliche Körperregionen vom Ohrläppchen bis zum kleinen Zeh stimulieren lassen - vom "Kleinen Erdbeben" (was es unten herum ganz schön kribbeln lässt) bis zum sogenannten Twist 'n' Shout (so benannt, weil er dabei nach mehr schreien wird!). Alles in allem werden damit über 150 Aha-Erlebnisse garantiert.
Falls Sie bislang keine Idee davon hatten, wie Sie und Ihr Partner unter dem variantenreichen Einsatz Ihrer Hände in lustvolle Höhen entschweben können, dann nur deshalb, weil Sie es nicht gewohnt sind, Ihre Hände als die Virtuosen zu sehen, die sie tatsächlich sind. Um Ihnen die Augen für all die reizvollen Möglichkeiten zu öffnen, die buchstäblich in Ihrer Reichweite liegen, sollten Sie zunächst folgende handfeste Tatsachen verinnerlichen:
Punkt 1: Hände - göttliche Freudeninstrumente Wie? Sie dachten, allenfalls die Fingerspitzen? Weit gefehlt - Handflächen, Knöchel, Nägel und sogar die weichen Mulden zwischen den Fingern verfügen allesamt über ganz eigene Fähigkeiten und Beschaffenheiten. Und das heißt, dass Sie Nacht für Nacht aus einem reichhaltigen Buffet mit einer fantastischen Auslese an Sinnlichkeiten schöpfen können. Beginnen Sie mit einem Kraulen der Schultern, das allen Stress dahinschmelzen lässt. Streifen Sie mit den Nägeln über Rücken oder Brust, oder bewegen Sie die Handfläche wellenförmig am Unterbauch. Oder wie wäre es mit einem neckischen Klaps oder Kniff in den Podex? Worauf es ankommt, ist, die Hände versiert einzusetzen - und langweiliger Sex war einmal!
Punkt 2: In null Komma nichts zum Höhepunkt - mit tatkräftigen Handlungen Klar, gute Hand- und Fingerfertigkeiten erweisen sich beim Vorspiel als sehr nützlich. Was vielen aber nicht so klar ist, ist die Tatsache, dass wir diese Fertigkeiten - sogar die Genitalmassage - auch während des Beischlafs einsetzen können. Dazu braucht es nichts weiter, als sich ein bisschen zu strecken und/oder sich in Stellung zu bringen, und dann Hüfte an Hüfte gleichzeitig die Greifwerkzeuge nach unten zu bewegen. Das kann der Beginn eines unglaublichen Höhenflugs werden - insbesondere für Frauen, denn immerhin gelangen zwei Drittel aller Frauen nicht durch Beischlaf allein zum Orgasmus. Der Grund? Mangelnde Stimulation des weiblichen Lustzentrums Nummer eins - der Klitoris. Das soll nicht heißen, dass der Orgasmus das A und O allen sexuellen Erlebens ist, aber für all die Frauen, die häufiger zum Höhepunkt kommen wollen, kann eine helfende Hand einen beachtlichen Teil beitragen.
Punkt 3: Hand anlegen - eine Explosion der Lust Oralsex kann ziemlich erregend wirken. Doch wer seinen Partner schon einmal bis zum Höhepunkt geleckt hat, Kinnbackenkrampf inklusive, der weiß, dass Zungenmuskeln schnell erlahmen. Außerdem hat man damit zu kämpfen, dass ein durchschnittlicher Penis zwischen zwölf und 15 Zentimeter lang ist, wohingegen der Mund nur höchstens acht Zentimeter fassen kann. Danach schlägt der Würgereflex zu. Doch bloß weil wir mit diesen physiologischen Unzulänglichkeiten geschlagen sind, müssen wir nicht meinen, dass uns nichts anderes übrig bleibt als zu lecken und zu leiden. Wo Mund und Zunge versagen, können die Hände in die Bresche springen. Ein paar Handbewegungen zwischen Lecken, Saugen und Lutschen gönnen der Zunge eine Erholungspause und erfassen zudem auch die Stellen, an die auch die längste Zunge nicht heranreicht. Oder man bewegt den Penis im Mund und reibt gleichzeitig mit der Hand am Schaft auf und ab. Das erspart Nackenschmerzen und beschert dem Mann gleichzeitig die beglückende Illusion, dass sich sein Penis vollständig im Mund befindet. Geschickt gemacht, wird er kaum sagen können, wo der Mund aufhört und die Hände anfangen.
Leseprobe zu "Fass mich an!" von Jaiya Hanauer; Hanauer Jon
9 Anale Lust – Kleiner Ratgeber (S. 109-110)
Das Wichtigste, das einzig Wichtige überhaupt, wenn Sie irgendeine Art von Analerotik erwägen, ist, dass Sie von Lust und Begierde getrieben sind. Sie müssen es tun, und zwar unbedingt, weil Sie es zu tun begehren … Der Anus ist von allen Körperteilen derjenige, der einen Schwindler sofort entlarvt. Sagt Ihr Kopf »Ja! Ja!«, und Ihr Bauch schreit »Nein! Nein!«, dann wird Ihr Anus auf Ihren Bauch hören.
Nina Hartley
Bestimmt haben einige von Ihnen die vorherigen Kapitel übersprungen und gleich auf diese Seite geblättert, weil Sie wissen, dass es sich lohnt. Andere haben sich vielleicht vorgenommen, das Kapitel zu überblättern, ertappen sich nun aber dennoch beim Lesen, weil sie sich im Stillen denken: Hmm, vielleicht ist es ja doch nicht so schlecht. So oder so – Sie sind hier richtig. Beginnen wir mit ein paar Fakten: Der Anus ist abgesehen von den Genitalien mit mehr Nervenenden versehen als jede andere Region des Körpers, was ihn höchst sensibel macht. Und das bedeutet schier endloses Lustempfinden, egal ob Mann oder Frau, schwul oder hetero, bisexuell, transsexuell, pansexuell oder irgendetwas dazwischen.
Ein Anus ist ein Anus ist ein Anus … Wagen Sie einen Vorstoß in diese wilden, wundervollen Gefilde und erleben Sie einen Orkan der Lust, dass die Betten wackeln! Wie immer spielen Ihre Hände auch hier eine wichtige Rolle. Ob Sie sich praktisch jungfräulich dem »Hintereingang« nähern oder als erfahrener Anal-Genießer nach neuen Ideen suchen – dieses Kapitel wird jeden befriedigen (eine Analmassage kann nämlich entspannend auf den gesamten Körper wirken). Auch für den Fall, dass Ihr Partner eisern darauf beharrt, nichts von hinten in sich spüren zu wollen, haben wir etliche Tipps parat, wie Sie seine Öffnung dennoch umspielen und ihn oder sie zum Wahnsinn treiben können – selbst, wenn Sie gar nicht eindringen.
Das Analspiel mag nicht jedermanns Sache sein, aber mal ehrlich – wie wollen Sie herausfinden, ob es Ihnen gefällt oder nicht, wenn Sie es gar nicht erst probieren? Nur zu!
Mit der richtigen Vorbereitung zum schmerzfreien Tiefgang
Analsex ist ein bisschen wie Fallschirmspringen: Halten Sie sich an die Regeln, erleben Sie vermutlich einen einzigartigen Glücksrausch! Missachten Sie die Regeln, werden Sie höchstwahrscheinlich eine Bruchlandung erleiden!
Also: Nehmen Sie die Sicherheitsmaßnahmen ernst und erleben Sie Analsex pur – der genauso geil wie verrufen ist!
Langsam vorarbeiten!
Besser gesagt im Schneckentempo. Dringen Sie niemals hart und ungestüm in den Anus ein, zumal ein Eindringen von den meisten (vor allem den Neulingen) ohnehin nicht gewollt ist, zumindest nicht gleich beim ersten Mal. Umspielen Sie stattdessen die Randbezirke, welche ebenfalls sehr sensibel sind und die erotische Aufmerksamkeit sehr genießen werden. Falls Sie sich dann doch irgendwann mit langsam kreisenden Bewegungen inwärts auf die Rosette zubewegen, dann drängen Sie nicht hinein. Warten Sie, bis der Anus so weit ist und Sie einlässt, andernfalls haben Sie dort nichts zu suchen! Und achten Sie die ganze Zeit darauf, dass Ihr Partner tief ein- und ausatmet. Das hilft, den Analkanal zu entspannen.
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