Europa erfindet die Zigeuner - Bogdal, Klaus-Michael

Klaus-Michael Bogdal 

Europa erfindet die Zigeuner

Eine Geschichte von Faszination und Verachtung

Gebundenes Buch
 
versandkostenfrei
innerhalb Deutschlands
25 ebmiles sammeln
EUR 24,90
Sofort lieferbar
Alle Preise inkl. MwSt.
Bewerten Empfehlen Merken Auf Lieblingsliste


Europa erfindet die Zigeuner

Geborene Diebe und Lügner, Gefährten des Satans, Waldmenschen, unzähmbare Wilde, eine Bande von Asozialen Dies sind nur einige der Zuschreibungen, mit denen die Romvölker Europas in den letzten 600 Jahren ausgegrenzt wurden. Wie es möglich wurde, daß jahrhundertealter Haß in einem Spannungsverhältnis von Faszination und Verachtung sich bis heute halten konnte, zeigt in seinem brillant recherchierten Buch nun Klaus-Michael Bogdal zum ersten Mal im europäischen Vergleich.
Der Autor weist in dieser spannend und anschaulich erzählten Geschichte nach, wie die Europäer zum verachteten Volk am unteren Ende der Gesellschaftsskala stets die größtmögliche Distanz suchten. Keine der unterschiedlichen Gesellschafts- und Machtordnungen, in denen sie lebten, ließ und läßt eine endgültige Ankunft in Europa zu. Ohne einen schützenden Ort sind sie seit ihrer Einwanderung vor 600 Jahren ständigen Verfolgungen und Ausgrenzungen ausgesetzt: in den Imaginationen der Kunst und in der politischen Realität.
Das Buch umfaßt die Geschichte der Darstellung der Zigeuner in der europäischen Literatur und Kunst vom Spätmittelalter bis heute von Norwegen bis Spanien, von England bis Rußland. Die Dokumente, die Bogdal heranzieht, reichen von den frühen Chroniken und Rechtsdokumenten über ethnographische Werke und künstlerische Darstellungen bis hin zu den Holocausterinnerungen von Sinti und Roma.


Produktinformation

  • Verlag: Suhrkamp
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 590 S.
  • Seitenzahl: 592
  • Best.Nr. des Verlages: 42263
  • Deutsch
  • Abmessung: 217mm x 147mm x 35mm
  • Gewicht: 693g
  • ISBN-13: 9783518422632
  • ISBN-10: 3518422634
  • Best.Nr.: 33379054

Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Der Bielefelder Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal hat mit diesem buch keine Geschichte der Zigeuner vorgelegt, baut Rezensent Rolf-Bernhard Essig falschen Erwartungen vor, sondern eine Studie ÃŒber unsere Zuschreibungen, die bereits im 15. Jahrhundert, als die Roma aus Indien nach Europa einwanderten, unangenehm zu werden begannen. Wobei die negative Klischees (sie haben der Heiligen Familie auf der Flucht nach Ägypten die Unterkunft verwehrt, Christi KreuznÀgel geschmiedet, etc.) durchaus mit erotischen Fantasien (Carmen) einhergehen konnten. Einige von Bogdals Theorien findet Essig ÃŒbertrieben, aber er ist doch entsetzt, wie hochmÃŒtig und gehÀssig diese Gruppe ÃŒber Jahrhundert behandelt wurde. Und selbst 1956 bewertete der BGH ihre Verfolgung durch den Nationalsozialismus als "sicherheitspolitische und kriminalprÀventive" Maßnahme gegenÃŒber "primitiven Urmenschen", wie Essig zu unserer aller BeschÀmung zitiert.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 26.11.2011

Goldene Zähne, gezinkte Karten

Eine mitreißende Studie über die allmähliche Verfertigung eines historischen Vorurteils: Klaus-Michael Bogdal beschreibt die Geschichte der Zigeuner.

Von Uwe Ebbinghaus

Nur eine einzige Abbildung enthält die Studie von Klaus-Michael Bogdal, die aber hat es in sich. Sie entstammt der "Spiezer Chronik" aus der zweiten Hälfte des fünfzehnten Jahrhunderts und zeigt eine kleine, eng gedrängte Gruppe von Menschen - Männer, Frauen und Kinder mit Turbanen und spitzen Hüten -, die im Freien, vor einer Stadtbefestigung, die offenbar Bern zeigen soll, einfach dastehen und sich nur selbst Halt zu geben scheinen. Niemand kümmert sich um sie, die im deutschen Sprachraum Zigeuner genannt werden. Sie scheinen, plötzlich aufgetaucht, nicht zu wissen, wohin sie gehören, und heben zu Bewegungen in alle Richtungen an.

Im öffentlichen Bewusstsein wird ihre Hautfarbe, da lange Zeit eine ägyptische Herkunft angenommen wird, immer schwärzer, die Frauen werden als schöne, freizügige Tänzerinnen und verschlagene Wahrsagerinnen dargestellt, mit goldenen Ohrringen und wehenden Röcken. Und auch die Zähne der Männer, …


"Die profunde Studie [ist] eine spannend zu lesende Tour de Force durch ein unbekanntes Feld der Geschichte. Auf jeden Fall hat sie das Zeug zu einem Standardwerk."<br />Edelgard Abenstein Deutschlandradio Kultur

»Diese Studie liest sich...anregend klar, bereichernd, oft beschämend, wenn etwa der Bundesgerichtshof 1956 Verfolgungen der ›Zigeuner‹ als ›sicherheitspolitische und kriminalpräventive‹ Maßnahmen gegenüber ›primitiven Urmenschen‹ bewertet.«

»Der Bielefelder Literaturwissenschaftler Klaus-Michael Bogdal hat es in einer umfangreichen und äußerst lesenswerten Studie unternommen, die europäischen Projektionen zu rekonstruieren, die sich auf die Zigeuner als Inkorporation des Fremden schlechthin richten.«
Prof. Dr. Klaus-Michael Bogdal ist Professor im Fach Deutsch an der Pädagogischen Hochschule Freiburg.

Ein Marktplatz-Angebot für "Europa erfindet die Zigeuner" für EUR 21,00

Zustand Preis Porto Zahlung Verkäufer Rating
wie neu 21,00 2,00 Banküberweisung Distelrath 100,0% ansehen