Erwin Strittmatter - Leo, Annette
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Annette Leo 

Erwin Strittmatter

Die Biographie

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Erwin Strittmatter

Annäherung an eine umstrittene Biographie
Erwin Strittmatter wurde 1912 im Kaiserreich geboren, er starb 1994 im vereinigten Deutschland. Dazwischen erlebte er zwei Weltkriege, zwei Revolutionen, die Weimarer Republik, das Dritte Reich und die DDR. Ein Jahrhundertleben, das geprägt war von historischen Brüchen, Katastrophen und Zwängen, eine Erfolgsgeschichte als Autor, die nach dem Untergang der DDR noch wuchs.
Annette Leo nähert sich Strittmatters Biographie mit Hilfe von Briefen, Tagebüchern, Erinnerungen von Zeitzeugen und Dokumenten, die zum großen Teil aus Strittmatters Privatarchiv stammen. Sie rekonstruiert das bisher verschwiegene Kapitel seiner Mitgliedschaft in einem Polizei-Gebirgsjäger-Regiment während des Krieges und fragt nach seinem Platz als Schriftsteller und Verbandsfunktionär in den politischen Konflikten der DDR. So entsteht nicht zuletzt auch ein lebendiges Charakterbild des höchst komplizierten und widersprüchlichen Autors.


Produktinformation

  • Verlag: Aufbau-Verlag
  • 2012
  • Ausstattung/Bilder: 2012. 448 S. m. 40 Abb. 220 mm
  • Seitenzahl: 447
  • Best.Nr. des Verlages: 641/13395
  • Deutsch
  • Abmessung: 221mm x 139mm x 39mm
  • Gewicht: 636g
  • ISBN-13: 9783351033958
  • ISBN-10: 3351033958
  • Best.Nr.: 34536086

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Licht ins Dunkel von Erwin Strittmatters Kriegsjahren bringt die Biografie von Annette Leo. Sebastian Kleinschmidt immerhin sieht das so, und er stellt fest: Strittmatter war kein SS-Mann. Darüber hinaus bietet ihm das, wie er findet, gut recherchierte Buch neue Dokumente, Zeitzeugenberichte und ein Abwägen des Verhältnisses von Dichtung und Wahrheit in Strittmatters Texten. Durchweg imponiert ihm das Anliegen der Biografin, dem Autor, seinem Leben und Werk Gerechtigkeit widerfahren zu lassen. Dass Leo als Historikerin vor allem auch die politischen Aspekte dieser Biografie beleuchtet, findet er nur billig. Allerdings hätte er sich ein etwas schärferes ästhetisch-philosophisches Porträt gewünscht. Auf die Art, lässt er uns wissen, wären auch Leos ins Auge fallende Unmutsbekundungen über den Jähzorn des Privatmannes Strittmatter leichter erträglich gewesen.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.08.2012

Der Nebel geht über die Wiesen
Vor hundert Jahren wurde der Schriftsteller Erwin Strittmatter geboren, einer der
beliebtesten Autoren in der DDR. Jetzt beleuchtet eine Biografie seine Jahre im Zweiten Weltkrieg
VON JÖRG MAGENAU
Dort wo er lebte, liegt er auch begraben. Wer von Dollgow im Ruppiner Land das holprige Sträßchen nach Schulzenhof hinausfährt, kommt kurz vor dem Vorwerk an einem kleinen, auf einer Anhöhe am Waldrand gelegenen Friedhof vorbei. Von hier aus kann man über Wiesen und Pferdekoppel zum Hof der Strittmatters hinüberschauen. Den Grabplatz unter der Tanne, den Findling aus dem Wald und seinen Grabspruch hat Erwin Strittmatter selbst ausgesucht. Die Verse stammen aus einem Gedicht seiner Frau, der Lyrikerin Eva Strittmatter: „Löscht meine Worte aus und seht: der Nebel geht über die Wiesen.“
  Der Satz ist in die Landschaft eingeschrieben, geht wie der Nebel aus ihr hervor. Doch so gut er zu diesem naturnahen, bäuerlichen Schriftsteller passt, verwundert er auch. Tatsächlich schrieb er „jahrzehntelang wie ein Besessener gegen den Gedanken an Auslöschen und Vergessen“ an, hält die Historikerin Annette Leo …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 14.08.2012

Die Unruhe beginnt zu weichen, das innere Gepeitschtsein lässt nach

Protokolle aus der Geheimwelt: Erwin Strittmatter hinterließ neben dem literarischen Werk auch Tagebücher. Zum 100. Geburtstag erscheinen Auszüge daraus. Dunkle Punkte verschwieg er allerdings.

Wann ist ein Tagebuch interessant? Viele werden sagen, wenn es Geheimnisse ausplaudert, Geständnisse ablegt, Sünden beichtet, Invektiven ausfaucht, wenn es schonungslos Buch führt über die bezahlten und unbezahlten Rechnungen des Lebens. Strittmatters Tagebücher sind interessant, weil sie von einem interessanten Menschen stammen. Weil dieser Mensch eine starke, entschiedene, mitteilsame Persönlichkeit war, originäre Vorstellungen von sich und der Welt hatte, einen ruhigen und festen Begriff von seiner Aufgabe besaß. Lebenslang führte er Tagebuch. Sein Schreiben endete erst mit dem Tod am 31. Januar 1994.

Aus dem über Jahrzehnte gewachsenen Lebensprotokoll, Strittmatters Geheimwelt, wie seine Frau Eva es nannte, hat jetzt Almut Giesecke zum 100. Geburtstag des Autors eine Auswahl getroffen. Sie umfasst die Jahre 1954 bis 1973. Ein zweiter Band ist in Vorbereitung. Als …

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Dr. Annette Leo, 1948 in Düsseldorf geb., lebt als Historikerin und Publizistin in Berlin. Veröffentlichungen u. a.: "Leben als Balance-Akt. Wolfgang Steinitz - Wissen- schaftler, Jude, Kommunist" (2005), " 'Das ist schon ein zweischneidiges Schwert hier unser KZ ...'. Fürstenberger Alltag und das Konzentrationslager Ravensbrück" (2007).

Kundenbewertungen zu "Erwin Strittmatter" von "Annette Leo"

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Bewertung von MaWiOr aus Halle am 03.08.2012 ***** sehr gut
Erwin Strittmatter (1912-1994) selbst hat keine Autobiografie hinterlassen. Aber seine großen Romane, vor allem die Trilogien „Der Wundertäter“ und „Der Laden“, tragen deutliche autobiografische Züge.

Vor einigen Jahren geriet der Schriftsteller in die Schlagzeilen, als bekannt wurde, dass er während des Zweiten Weltkrieges einer Polizeieinheit angehört hatte, die an Aktionen gegen die Zivilbevölkerung auf dem Balkan beteiligt war. Diese Enthüllungen überschatten nun auch den 100. Geburtstag von Erwin Strittmatter, aus dessen Anlass im Aufbau Verlag die vorliegende Biografie von Annette Leo (Jg. 1948) erschienen ist.

Die Berliner Historikerin konnte sich dabei auf Briefe, Tagebücher, Erinnerungen von Zeitzeugen und bisher nicht bekannte Archivdokumente stützen. Außerdem sprach sie mit dem Bruder und den Söhnen Erwin und Jakob, interviewte die beiden Schriftstellerkollegen Erich Loest und Hermann Kant und suchte die Orte der Kindheit und Jugend auf.

Obwohl Strittmatter fast die ganze deutsche Geschichte des 20. Jahrhunderts erlebte - von der Kaiserzeit über die Weimarer Republik, das Dritte Reich und die DDR bis zur Wende, sind die 450 Seiten keine kontinuierliche Biografie, die alle Lebensabschnitte des Schriftstellers mit der gleichen Intensität beleuchtet.

Leo legt einen Schwerpunkt auf Strittmatters Rolle während des Krieges, eben weil hier in letzter Zeit die meisten Fragen aufkamen. Ihre Recherchen ergaben, dass Strittmatter viel stärker in deutsches „Besetzergebaren“ eingebunden war, als er es später zugab. Sie kommt zu dem Schluss: er habe der „Schweigegemeinschaft“ seiner Generation angehört, denn selbst in seinen Tagebüchern, deren erster Teil erst kürzlich erschien, finden sich allenfalls flüchtige Anspielungen auf diese Kriegsereignisse.

In einem weiteren ausführlichen Kapitel untersucht Leo dann Strittmatters Verstrickungen in der DDR-Zeit, als Verbandsfunktionär oder zeitweise als Stasi-Zuträger. Auch das Verhältnis des Schriftstellers zu Frauen und Kindern, besonders zu seinen Söhnen, versucht sie zu hinterfragen. Ihre Sympathie für Strittmatters literarisches Werk hindert die Autorin jedoch nicht daran, auch hier kritischer hinzusehen und macht auf Strittmatters autobiografische Beschönigungen in diesem Punkt aufmerksam.

Angesichts der vielen ungeklärten Fragen und Aspekte in Strittmatters Leben ist die Biografie von Annette Leo ein wichtiger Beitrag, um das Knäuel aus Dichtung und Wahrheit zu entwirren. Ein lebendiges Charakterbild eines hochverehrten und doch umstrittenen Schriftstellers, der auch mit seinem Leben Chronist einer vielschichtigen Epoche war. Ergänzt wird die Publikation durch einige historische Fotos sowie einen umfangreichen Anhang mit Anmerkungen, Bibliografie, Personenregister und Zeittafel.

Manfred Orlick

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