Erich Mühsam war ein Dichter, ein Gestalter von Sprache und
"längeren Gedankenspielen"; als solcher konnte er eine
Kraft entwickeln, die ihm in der rationalen Sphäre der
Gesellschaftsanalyse und -gestaltung versagt blieb. "Sich
fügen heißt lügen" zitiert eine Zeile aus einem Gedicht, das
er in bayrischer Haft 1919 geschrieben hat, und diese darf
sicherlich zugleich als Maxime für sein Leben gelten. Mühsam war
bekennender Anarchist, und die Quelle vor allem für das
literarische Werk entstammte seiner moralischen Stärke und
Unbestechlichkeit. Chris Hirte hat es unternommen, Leben und Werk
dieses ermordeten Dichters nachzuzeichnen. 1985 erstmalig in der
DDR erschienen, steht diese Biographie in der hier vorliegenden
Neuauflage am Anfang der Reihe "Aus dem besseren
Deutschland". Erich Mühsams Leben und Werk ist stellvertretend
für dieses bessere Deutschland bzw. dessen geistigen und
politischen Repräsentanten aus jener Zeit, in der noch die Weichen
gestellt werden konnten.
Chris Hirte, geb. 1948, Studium der Germanistik/Anglistik an der Humboldt-Universität zu Berlin, 1973-1991 Lektor im Verlag Volk und Welt. Erstellte die erste umfassende Erich-Mühsam-Werkausgabe; 1985 erschien die hier vorliegende Biographie. Chris Hirte ist als Publizist und literarischer Übersetzer tätig. 1999 Übersetzerpreis der Ledig-Rowohlt-Stiftung.
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