Endmoränen - Maron, Monika

Monika Maron 

Endmoränen

Roman

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Endmoränen

War das Glück immer nur eine Illusion? Johanna versucht ihren biografischen Standort zu bestimmen, rückblickend, vergleichend und ratlos.
"Monika Maron hat ein mutiges Buch geschrieben. Es trifft die Seelenlage der Nation wie kaum ein anderes in diesem Herbst." Tilman Krause, Die Welt


Produktinformation

  • Verlag: Fischer (Tb.), Frankfurt
  • 2004
  • Ausstattung/Bilder: 2004. 252 S.
  • Seitenzahl: 256
  • Fischer Taschenbücher Bd.15454
  • Deutsch
  • Abmessung: 191mm x 125mm x 18mm
  • Gewicht: 189g
  • ISBN-13: 9783596154548
  • ISBN-10: 3596154545
  • Best.Nr.: 11795074
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 25.09.2002

Die Herbstzeitlosen
Von der Kunst, Botschaften in Biografien zu verstecken: Monika Marons unruhiger Vorruhestandsroman „Endmoränen”
„Endmoränen”, so steht es im Lexikon, „vor dem Rand eines vorrückenden Gletschers zu einem Wall zusammengeschobenes Material (Gesteine, Ablagerungen, Holz u.a.)”. Wer ist in Monikas Maron neuem Roman der Gletscher, wer der Wall und was das Material? Der Titel, denkt man, war in Marons Œuvre schon länger überfällig. Handelten nicht schon die letzten Romane grimmig oder heiter von einer Zeit, in der einen kaum noch etwas am Leben hält? Die wirkliche Welt, so konnte man meinen, war 1989 untergegangen, und was nun noch folgte, dauerte, gemessen an seiner Bedeutungslosigkeit, schon viel zu lange. Da wo Marons „Endmoränen” spielen, irgendwo im Urstromtal unweit von Berlin, leben Menschen, die sich fühlen, als hätte ein Gletscher sie zu einem Wall zusammengeschoben. Sie fühlen sich von der Zeit überrollt, und trotzdem geht ihnen das Altern nicht schnell genug. „Vor drei Jahren”, beginnt Johanna ihren Bericht, „habe ich zum ersten Mal bemerkt, daß ich erleichtert war, als der Herbst kam.” Im Herbst fühlt man …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 08.10.2002

Sommerhaus, älter
Was nach dem Rückzug liegenbleibt: Monika Maron blickt Gletschern nach / Von Friedmar Apel

Nach Richard von Weizsäckers gutgemeinter Aufforderung hätten die Deutschen nach der Wende ein einig Volk von Erzählern werden sollen, die immerfort beieinander sitzen und von ihrem Erleben und Erleiden in Ost oder West berichten. Tatsächlich war in der Folge ein Anschwellen biographischer Mitteilungen zu verzeichnen, ob sie das Verständnis verbessert haben, wie es sich der Bundespräsident erhoffte, steht dahin. Es waren nicht nur die Stasi-Unterlagen, die eine Diskussion um geschönte, erfundene oder enteignete Biographien auslösten, sondern auch die Berichte der letzten Überlebenden der Nazi-Diktatur. Das Mißtrauen gegenüber all den Erzählungen von Opfern und Tätern, offenem oder subversivem Widerstand, von Bescheidung, Solidarität und menschlicher Wärme, scheint ebenso gewachsen zu sein wie die Abneigung gegen die gradlinigen Geschichten wohlstandsbürgerlicher Erfolgsmenschen. Manche, die sich gut verstanden, hätten vielleicht voneinander lieber weniger erfahren.

Auch die aus dem Mangel an Zukunftschancen erwachsene …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

Ein großes und auch wieder zwiespältiges Lob für die Autorin ist Iris Radisch da gelungen. Ein "leichtes, ergreifendes Werk", nennt sie den Roman "Endmoräne", ein "kluges ... Alterswerk", eine "Alterselegie". Radisch mag die kleinen Beobachtungen Marons im dörflich-brandenburgischen Nachwendealltag und freut sich am Humor der Autorin und an ihrer "frohen Botschaft" ("das Herz altert nicht"). Sie identifiziert erfreut das Motiv der Erinnerung an eine DDR-kritische Liebe zur deutschen Romantik und empfindet vieles - unter anderem die Erkenntnis, dass eine gewissen Generation in Ost und West sich gleichermaßen müde und ironisch mit dem Altern herumschlägt - offenbar als hinreichend, um der Autorin "luzide Nüchternheit" zu bescheinigen. Nur ganz zum Schluss ein Wermutstropfen: das Werk, "es kennt sich selbst viel zu gut und lässt nichts unerklärt".

© Perlentaucher Medien GmbH

Lebenslinien in Zeiten des Umbruchs<br /> Eine Frau erinnert sich, sie denkt nach. Mehr als zehn Jahre sind vergangen seit dem Mauerfall. Die Tochter, eines der vielen, von Jana Hensel so treffend beschriebenen <em>Zonenkinder</em>, ist längst aus dem Haus. Und die Eltern? Wie steht es um die Generation, die zur Zeit des Mauerfalls die Mitte des Lebens, ihre "besten Jahre", bereits hinter sich hatte? In <em>Endmoränen</em> erzählt Monika Maron in erster Linie von der DDR-Generation, die die Wende durchaus begrüßt hatte, dann von den vielen Umbrüchen überrollt wurde und jetzt ein wenig ratlos in die Zukunft blickt.<br /> Stillstand im Land des Aufbruchs?<br /> Im Mittelpunkt steht Johanna, eine Schriftstellerin, die sich mit ihrem Mann Achim zu DDR-Zeiten in Basekow, einem Flecken im Umland Berlins, ein Refugium geschaffen hatte. Man hatte sich arrangiert, jeder seine Nische gefunden. Johanna war mit sich und der Welt zufrieden, wenn es ihr gelang in ihren Biografien ein wenig Systemkritik zu vermitteln; ebenso Achim, der seine ganze Energie in die Erforschung des Werks von Heinrich von Kleist steckte.<br /> Zu Beginn des Romans ist es Herbst in Basekow, endlich. Johanna hat sich eine Arbeit über Wilhelmine Enke, die Vertraute und Geliebte Friedrich Wilhelms II., vorgenommen, die aber nicht vorankommen will. Sie ist wie gelähmt, raisonniert über das Fortschreiten der Zeit und das Altern. Was bleibt einer Frau, die - statistisch gesehen - noch zwanzig bis dreißig Jahre zu leben hat, aber das, was um sie herum geschieht, nicht beeinflussen kann?<br /> Sich seine neue Biografie zurechtschreiben<br /> Genau das war es, wozu Johanna nach der Wende nicht bereit war. In der DDR war ihre Arbeit sinnvoll, gesellschaftlich wichtig. Heute ist es ihr Broterwerb, mehr nicht. Etwas anderes, so Johanna, hat sie nicht gelernt. Johanna trauert der Vergangenheit nicht nach, andererseits kommt sie mit der Gegenwart und dem Älterwerden nicht zurecht.<br /> <em>Endmoränen</em> ist nicht nur ein Portrait des Seelenzustands der jetzt etwa 60jährigen Ex-DDR-Bürger. Am Beispiel ihres Freundes Christian P. werden die Brüche sichtbar, auf die sich jeder in unserer Gesellschaft gefasst machen muss. Christian P. verliert nicht nur seine Frau an einen jüngeren Mann, als unrentabler Geisteswissenschaftler wird er von seinem Münchener Verlag in ein Mansardenstübchen "wegrationalisiert".<br /> Abschied nehmen und immer wieder anfangen<br /> Schließlich wird Johanna klar, dass es ihr nicht gelungen ist, in dem Ende der DDR und ihrer Jugend auch die Chance eines Anfangs zu sehen. Doch nicht der Westler Christian P. gibt ihr den Anstoß, sich zu verändern, sondern der Russe Igor, ein geschäftstüchtiger, lebensfroher "Barbar".<br /> In <em>Endmoränen</em> zieht Monika Maron vorsichtig, aber doch klar und deutlich Bilanz. Es ist eine sorgfältig komponierte und zugleich sehr flüssig erzählte Geschichte, mit der der Leser Abstand gewinnen kann von der Aufgeregtheit des Alltags, ein Roman, in dem, wie viele Kritiker bemerkt haben, nicht viel passiert. Seine Botschaft - nicht aufgeben, immer wieder von vorne anfangen - klingt ein wenig banal, aber in Zeiten des Umbruchs, in denen diese Haltung zur Überlebensstrategie wird, ist sie wichtiger denn je. (Birgit Kuhn)
Monika Maron, geb. am 3.6. 1941, studierte Theaterwissenschaft und versuchte sich danach als Regieassistentin und Reporterin. Ab 1976 arbeitete sie als freie Schriftstellerin in Ostberlin. Zwischen 1976-78 wurde ihr eine konspirative Tätigkeit für das Ministerium für Staatssicherheit der DDR nachgesagt. 1988 verließ sie die DDR und lebte bis 1992 in Hamburg, später wieder in Berlin. 1992 wurde sie mit dem Kleist-Preis, 2003 mit dem Friedrich-Hölderlin-Preis der Stadt Bad Homburg und 2009 mit dem Literaturpreis der Stadt Mainz geehrt.

Leseprobe zu "Endmoränen" von Monika Maron

"Ich hätte damals mit dem Biografieschreiben aufhören müssen. Wir hatten die Chance, ein ganz neues Leben zu beginnen, eins, das nicht für uns vorgesehen war und mit dem niemand von uns gerechnet hatte. Ich hätte alle Festlegungen aufheben und mein Leben neu erfinden dürfen. Ich hätte Blumenbinderin werden können oder Politikerein, Versicherungsvertreterin, ich hätte auch ein Bestattungsunternehmen gründen können wie der Parteisekretär meines alten Schallplattenverlages. ... Was hätte ich als Bestattungsunternehmerin alles erleben können; ... und niemals hätte ich mich fragen müssen, ob meine Arbeit von Nutzen ist."

Kundenbewertungen zu "Endmoränen" von "Monika Maron"

1 Kundenbewertung (Durchschnitt 2 von 5 Sterne bei 1 Bewertungen ***** weniger gut)
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Bewertung von Ritja aus Deutschland am 26.02.2009 ***** weniger gut
Ich habe es nur bis zur Hälfte geschafft. Die Geschichte schleppt sich so über die Seiten und man hat das Gefühl das es nicht voran geht. Wo ist die Spannung (auch ein "Nicht-Krimi" braucht sie)? Was will mir der Autor mitteilen? Wachsen die Personen im Laufe der Geschichte? Wie entwickelt sich die Handlung? Auf diese und andere Fragen konnte ich entweder keine oder nur eine negative Antwort finden. Schade!

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Taschenbuch

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