Wie ist das Verhältnis des Menschen zu seiner eigenen Endlichkeit
angelegt? Die Thematisierung der Endlichkeit ist mit der Frage nach
der Möglichkeit eines heilen und ganzen Daseins verknüpft, denn die
Endlichkeit ist die Frage nach dem ausstehenden Sinn. Die
Untersuchung zeichnet den Weg auf, den Heidegger geht, um zu einem
existenzialen Entwurf eines eigentlichen Seins zum Tode zu kommen.
Die Interpretation beginnt und schließt mit der Frage nach dem
Heilsamen. Heidegger zufolge befinden wir uns seinsgeschichtlich in
einem Zeitalter der Verwüstung, in dem die Endlichkeit nur noch
verbraucht, aber nicht mehr bedacht wird.
Indem die ontologische Differenz und die Zeitlichkeit des Daseins
(als Erfahrungsort der Zeitlichkeit des Seins) aufeinander bezogen
werden, werden die Begriffe des Wartens, des Kommens und des
Heilsamen einer Seinsgeschichte der Verwüstung entgegengestellt.
Dadurch erscheint das Begriffsgefüge des Abendgesprächs in einem
Kriegsgefangenenlager zwischen einem Jüngeren und einem Älteren mit
seiner Huldigung des Unnötigsten als eine mögliche Antwort auf eine
heillose Gegenwart.
Im Rahmen einer Betrachtung des Romans Molloy von Samuel Beckett
werden beispielhaft Züge eines verwüsteten Daseins genannt. Das
Beispiel Molloy verdeutlicht die sich selbst radikal durchsichtig
gewordenen Endlichkeit des Daseins. Samuel Beckett und Martin
Heidegger kommen auf ihre je eigene Weise zu Wort. Becketts
Dichtung und Heideggers systematisches Denken lassen eine
Parallelität erkennen, deren Nebeneinander in eine unabgeschlossene
Gegenwart hinein spricht.
Martin Burger studierte Philosophie, Germanistik und Ethnologie in Köln und Wuppertal (Promotion 2001). Er schreibt gelegentlich für "Christ in der Gegenwart", arbeitet als Philosophischer Praktiker freiberuflich in Wuppertal und befindet sich zur Zeit im Referendariat für Gymnasien/Gesamtschulen.
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