Lucius Annaeus Cornutus lebte im 1. Jahrhundert n. Chr. und hatte
als stoischer Philosoph in Rom eine große Wirkungsgeschichte. Neben
zahlreichen anderen Werken ist vor allem eine Einführung in die
griechische Götterlehre unter dem Namen des Cornutus überliefert.
Das vergleichsweise kurze Werk, in dem die Mythologie Homers und
Hesiods in stoischer Weise interpretiert wird, ist der Sache und
Form nach einzigartig. Die Schrift ist für Philosophen und
Altphilologen gleichermaßen interessant, da sie ein wichtiges
Zeugnis für das Verständnis der Stoa einerseits wie für die
römische Mytheninterpretation andererseits bietet. Darüber hinaus
ist Cornutus als Zeitgenosse des Apostels Paulus für Theologen als
religionsgeschichtliches Vergleichswerk zu den frühen Schriften des
Neuen Testaments von großer Bedeutung.
Prof. Dr. Jürgen Zangenberg, Professor für Neues Testament und Archäologie an der Universität Leiden/Niederlande, erforscht die vielfältigen Bezüge des frühen Christentums zur antiken Mittelmeerwelt (Judentum, Literatur, materielle Kultur). Mit Kollegen aus Bern, Mainz und Helsinki leitet er das Kinneret Regional Project am See Gennesaret.
Leseprobe zu "Einführung in die griechische Götterlehre"