Eines Menschen Herz - Boyd, William

William Boyd 

Eines Menschen Herz

Roman

Aus d. Engl. v. Chris Hirte
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Eines Menschen Herz

Logan Mountstuart ist Schriftsteller, Kunsthändler, Spion: Anfang Zwanzig brilliert er mit einer Shelley-Biographie, heiratet eine adlige Lady, trifft auf Berühmtheiten wie Evelyn Waugh (der ihn auf einer Party küsst!) und Virginia Woolf (die Zicke!). Er lernt in Paris Hemingway und Picasso kennen und kauft Gemälde von unbekannten Künstlern namens Paul Klee und Juan Gris. In Form von Tagebucheinträgen ist Eines Menschen Herz hochspannend und abenteuerlich komponiert von William Boyd, einem der brillantesten englischen Romanciers.


Produktinformation

  • Deutsch
  • Abmessung: 188mm x 118mm x 37mm
  • Gewicht: 352g
  • ISBN-13: 9783833305085
  • ISBN-10: 3833305088
  • Best.Nr.: 23602378
'Ich habe diesen Roman bereits zweimal gelesen und werde ihn noch ein drittes Mal lesen. Von wie vielen Büchern kann man das schon sagen.' (Peter Green, Los Angeles Times Book Review)

"Ich habe diesen Roman bereits zweimal gelesen und werde ihn noch ein drittes Mal lesen. Von wie vielen Büchern kann man das schon sagen."(Peter Green, Los Angeles Times Book Review)

„Der großartige William Boyd."

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.03.2005

Englands Glanz und Tanz
William Boyd erfindet ein Tagebuch / Von Felicitas von Lovenberg

Dabeisein ist manchmal schon alles. Als Prinz William im Sommer 2003 seinen einundzwanzigsten Geburtstag feierte, war mindestens einer der handverlesenen Gäste nicht geladen. Der Komödiant Aaron Barschak betrat Windsor Castle über eine Mauer und küßte Will zur Feier des Tages auf beide Wangen, bevor er sich der verdutzten Gesellschaft zu erkennen gab. Großmutter Elizabeth hatte schon Jahre zuvor einen Mann in ihrem Schlafzimmer vorgefunden, der nur einige Minuten mit ihr plaudern wollte, bevor Sicherheitsbeamte ihn hinausbegleiteten.

Gatecrashing, die mit Chuzpe, Eleganz und gesundem Selbstbewußtsein ergaunerte Teilnahme an exklusiven Zusammenkünften und Festivitäten, ist ein beliebter und harmloser englischer Zeitvertreib, in dem es ausgerechnet ein Franzose zu besonderer Brillanz brachte: "Monsieur Claude" alias Claude Khazizian, pensionierter Angestellter eines Wettbüros, schmuggelte sich über Jahre unentdeckt bei prominent besetzten Empfängen, Hochzeiten oder Gipfeltreffen ein. Fotos zeigen ihn im Kreis von Politikern ebenso wie im angeregten …

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´´Wer sich noch daran erinnert, wie es ist, wenn man mit den ersten Sätzen in ein Buch hineinfällt und sich umgehend wünscht, die Zeit möge nun stillstehen bis zur letzten Zeile, der sollte sich den Roman ´Eines Menschen Herz´ besorgen. [...] Ein tolles, turbulentes, vergnügliches, federnd geschriebenes Stück.´´ (Elke Schmitter)

Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension

Die Rezensentin Susanne Ostwald kann sich kaum erwärmen für Williams Boyds fiktives Tagebuch des Logan Mountstuart. Denn obwohl Boyd besagtem Mountstuart ein ereignisreiches Leben andichte, führe dieser Ereignisreichtum zur "zunehmenden Ermattung" des Lesers. Mountstuart tauche immer da auf, wo sich gerade das Rad der Geschichte drehe, was die Rezensentin an "Forrest Gump" erinnert, doch im Gegensatz zur Ironie des Films scheint es Boyd mit seinem Szenario ernst zu sein. Der Roman verfehle laut Rezensentin das Klassenziel gleich in mehrerlei Disziplinen. Formal scheitere der Roman vor allem an der Wahl des Tagebuchs als erzählerisches Medium. Denn die Form des Tagebuchs tauge einfach nicht für Boyds Zwecke, der beabsichtige, die Historie zum Hintergrund zu machen, vor dem sich Boyds Lebensgeschichte abspielt. Dadurch obliege es nämlich dem Tagebuchschreiber, historische Abrisse in seine Aufzeichnungen zu mischen, was so überfrachtet wie unglaubwürdig wirke. Auch Mountstuarts Begegnungen mit den Großen der Kunstwelt (etwa Pablo Picasso, Ernest Hemingway oder Virginia Woolf) gerate "dürr und leblos" und komme somit wie eine "bloße Parade von grossen Namen und historischen …

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"Wer sich noch daran erinnert, wie es ist, wenn man mit den ersten Sätzen in ein Buch hineinfällt und sich umgehend wünscht, die Zeit möge nun stillstehen bis zur letzten Zeile, der sollte sich den Roman Eines Menschen Herz besorgen... ein tolles, turbulentes, vergnügliches, federnd geschriebenes Stück." Elke Schmitter, Der Spiegel, 14.03.05 "Hier ist es: das weiseste, das unvergesslichste Buch des Frühjahrs!" Elmar Krekeler, Focus, 14.3.2005 "Das wahre Leben, hier wird es Lektüre." Die Welt, 12.3.05 "Alle lieben Logan Mountstuart. Boyds bisher großartigster und berührendster Roman." Elmar Krekeler, Die Welt, 5.2.2005 "...brillant erdacht und in bester Erzähltradition umgesetzt." Hamburger Morgenpost, 17.03.2005 "Virtuos spielt er auf der Klaviatur des Tagebuchs. ... Mehr davon, ... wir wollen nur noch diesen geschmeidigen James Bond mit dem ästhetischen Sensorium eines Marcel Proust, wir wollen diese perfekt englische Klassik, die eine gepflegte Partie Bridge mit dem modernen Abenteuerroman spielt ... Boyd ist ein ausgezeichneter Manager seiner erzählten Zeit. Und der seiner Leser: Langeweile wird rigoros wegrationalisiert. Und er ist ein großartiger Stilist ... Wie wunderbar." Stephan Maus, SÜDDEUTSCHE ZEITUNG, 09.08.2005

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.08.2005

Der gelüftete Panamahut
Alte Spiele, neues Glück: William Boyds herrlich altmodischer Roman „Eines Menschen Herz”
Allein schon dieser Titel! „Eines Menschen Herz.” Der Mensch hat kein Herz. Jedenfalls nicht diese Wellness-Kammer, die sich auf Schmerz reimt. Wenn der Mensch Glück hat, knarrt in seinem Kopf ein interessantes Kaleidoskop. Deswegen fordern wir kaleidoskopische Romane mit einer changierenden, sich ständig in Frage stellenden, sich Absatz um Absatz neu erfindenden Sprache, die es sich niemals behäbig im schnurrenden Märchenton unserer Urgroßväter bequem macht. Wir fordern Romane, die wissen, woher sie kommen, und was sie der Tradition hinzuzufügen haben.
Und dann kommt wieder einer von diesen gestriegelten Engländern und wirft noch einmal die ganz große Illusionsmaschinerie an. Holt Onkel Dickens’ Schreibpult aus der Rumpelkammer, füllt Tusche in Tante Mansfields Füllfederhalter, bügelt Opa Thackerays Löschpapier glatt, nippt am handwarmen Sherry, schaut noch einmal über sein whiskeyfarbenes Clubmobiliar und hebt an zu schreiben. Fünfhundert Seiten süffig fabulierte Tagebücher des fiktiven Autors Logan Mountstuart. Das …

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William Boyd, geb. 1952 in Ghana, gehört zu den überragenden europäischen Erzählern der Gegenwart. Er schreibt Romane, Kurzgeschichten und Drehbücher und wurde vielfach ausgezeichnet. William Boyd lebt mit seiner Frau in London und Südfrankreich.

Leseprobe zu "Eines Menschen Herz" von William Boyd

Aus dem Englischen von Chris Hirte
Hotel Metropol, Lissabon. Gestern war ich mit dem Zug in Sintra. Ein dunstiger, kühler Tag, aber die Aussicht war um so bezaubernder, da die Landschaftskonturen durch den Dunst weich wurden. Aber irgendwie wurde mir dort der Mantel mitsamt Paß und Brieftasche gestohlen, und zwar im Castelo da Peña. Ich legte den Mantel auf die Mauer der Außengalerie und trat auf einen vorstehenden Balkon hinaus, um den Blick auf die Berge von Arrábida zu fotografieren. Als ich zurückkam, war der Mantel weg. Ich lief um die Burg und schaute mir alle Besucher an, auch die Leute im Park, aber ich konnte nichts Verdächtiges an ihnen entdecken. Also ging ich heute morgen ins Konsulat und legte meine mißliche Lage dar. Am Nachmittag bekomme ich einen provisorischen Paß. Ich habe meiner Bank telegraphiert, mir Geld zu schicken.
Später. Folgendes ist geschehen. Ich begab mich ins Konsulat (Rua do Ferregail de Baixo) und wurde ins Vorzimmer gewiesen – ein paar Stühle, ein Tisch mit alten Illustrierten und den Times-Ausgaben der letzten Woche. Als sich die Tür öffnete, blickte ich auf, in Erwartung eines Beamten, aber es war eine junge Frau. Es ist erstaunlich, mit welcher Plötzlichkeit dieser Eindruck auftritt – er muß auf einen tiefen, atavistischen Begattungsinstinkt zurückgehen. Ein Blick, und du denkst: »Ja, das ist sie. Sie ist die Richtige für mich.« Jede Faser des Körpers scheint in diesen Ruf einzustimmen. Welche äußeren Faktoren sind maßgeblich für dieses Gefühl? Ist es die Schwingung einer Braue? Die Kurve eines Mundes? Die Linie eines Fußes? Die Schlankheit eines Handgelenks?... Wir lächelten uns höflich an, zwei Ausländer, verwickelt in Amtsgeschäfte, ich schlug meine Zeitung auf und musterte sie ausführlich über den Zeitungsrand.
Der erste Eindruck: ein längliches, schmales, derbes Gesicht. Die Augenbrauen hoch gewölbt, gezupft und nachgezeichnet, sie trug Lippenstift. Ihr Haar kräftig und widerspenstig, mittelbraun mit naturblonden Spitzen an Schläfe und Stirn. Ich stellte mir vor, daß sie am Morgen die Bürste durch ihr Haar gezogen und für den Rest des Tages alle weiteren Bemühungen aufgegeben hat. Sie trug ein blaßgrünes Leinenkostüm, recht schick. Sie holte ein Zigarettenetui aus der Handtasche und hatte schon eine Zigarette angezündet, bevor ich ihr mit meinem Feuerzeug zu Hilfe eilen konnte. Richtig, dachte ich, das ist meine Chance: Ich konnte sie um Feuer bitten – und klappte gerade mein Etui auf, als der Sekretär des Konsuls eintrat: »Mr. Mountstuart, der Konsul läßt bitten.« Ich trat ins Büro ein, und wie in Trance leistete ich die Unterschriften für meinen provisorischen Paß. Beim Hinausgehen schaute ich noch einmal in den Warteraum, aber sie war verschwunden. Ich wurde von einer unbeschreiblichen, geradezu grotesken Panik ergriffen. Ich rannte zurück zum Sekretär und fragte ihn, wo die junge Frau sei. Bei einem anderen Beamten, erwiderte er. Sie sei auf einer Automobilreise mit ihrem Vater, der habe einen Unfall gehabt und sich das Bein gebrochen, und jetzt gebe es komplizierte Versicherungsfragen zu klären. Ich ging zurück ins Vorzimmer und wartete bei geöffneter Tür, damit ich den Korridor überblicken konnte. Als sie aus dem Büro kam, trat ich so locker, wie es nur ging, auf sie zu. Ich lächelte und hatte nicht die geringste Vorstellung, was ich sagen würde. Sie musterte mich unwillig, ihre perfekt geschwungenen Brauen kräuselten sich.

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