Eine Zeit ohne Tod - Saramago, José

José Saramago 

Eine Zeit ohne Tod

Roman

Dtsch. v. Marianne Gareis
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Eine Zeit ohne Tod

Und wenn einfach keiner mehr sterben würde?

Es ist der 1. Januar in einem nicht näher bezeichneten Land. Etwas, wofür es kein Beispiel in der Geschichte gibt, geschieht: An diesem Tag stirbt niemand. Und auch am folgenden Tag nicht, und am darauffolgenden. Selbst die Königinmutter, bei der es aussah, als würde sie den Jahreswechsel nicht mehr erleben, verharrt im Sterben. Der Tod selbst scheint zu streiken.


Produktinformation

  • Verlag: Rowohlt Tb.
  • 2009
  • 2. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 252 S.
  • Seitenzahl: 252
  • rororo Taschenbücher Nr.24342
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 115mm x 20mm
  • Gewicht: 210g
  • ISBN-13: 9783499243424
  • ISBN-10: 3499243423
  • Best.Nr.: 23846449
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.11.2007

Als plötzlich keiner mehr starb
Plauderei mit virtuosem Schluss: José Saramagos „Zeit ohne Tod”
José Saramago geht es wie beinahe allen Literatur-Nobelpreisträgern: Dieser Ruhm ist eine Spur zu groß. Vor der Verleihung war man noch gespannt, ob António Lobo Antunes der auserwählte Portugiese sein würde, oder eben Saramago. Hinterher wusste es jeder: Lobo Antunes wäre der bessere Kandidat gewesen.
Was die Sprache angeht: auf jeden Fall. Saramago ist, auch in seinem neuen Roman „Eine Zeit ohne Tod”, ein Autor, der mit vielen Versatzstücken schreibt, oft formelhaft. Dabei ist die Anlage auch dieses Buches spannend, der erste Satz möglicher Ausgangspunkt eines Meisterwerks: „Am darauffolgenden Tag starb niemand.” Wo, was ist am bisher letzten Tag geschehen, fragt man sich sofort, und ist schon auf die bloße Verankerung des Geschehens in Zeit und Raum gespannt: Wobei das Verblüffende des Satzes natürlich nur aus seiner Unbestimmtheit besteht. In Azingha, dem Dorf der Provinz Riabatejo, in dem Saramago 1922 geboren wurde, wird es wieder und wieder geschehen, das an einem Tag keiner stirbt. Aber in einem ganzen Land, wie hier?
Die …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 10.10.2007

Gevatter Tod macht Ferien
Gestorben wird nicht mehr: José Saramagos morbide Fabel / Von Anja Hirsch

Man stelle sich vor, alle würden erblinden - Als-ob-Spiele dieser Art, wie etwa in "Die Stadt der Blinden", liebt der portugiesische Schriftsteller José Saramago, mit ihnen erprobt er Möglichkeiten und erzählt an ihnen Gleichnisse. In seinem neuen Roman "Eine Zeit ohne Tod" treibt der fast Fünfundachtzigjährige dieses Spiel vergnügt auf die Spitze und lebt eine kühne Allmachtsphantasie aus: Er schafft den Tod kurzerhand ab. Es wird einfach nicht mehr gestorben, und zwar um Schlag zwölfe in einer Silvesternacht in einem ganzen Land.

Feuerwehrmänner ziehen Sterbende aus brennenden Häusern, doch die atmen einfach weiter, über Tage, Wochen, Monate. Unfallopfer weigern sich plötzlich zu sterben. Lebenstüchtige dagegen atmen spontan auf, weil kein drohendes Ende sie bremst. Nur die Kirchenvertreter sind ratlos und bangen um ihren theologischen Kern, denn wo kein Tod, da keine Auferstehung. Und von den Bestattern hört man Klagen, ganz zu schweigen von den Versicherungsunternehmern. Saramago exerziert seine kühne Idee wie eine Etüde mit …

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Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension

Angesichts dieses Romans des portugiesischen Autors Jose Saramago ist Hans-Peter Kunisch hin und her gerissen. Lässt ihn der erste Satz auf ein "Meisterwerk" hoffen, wird er vom Folgenden erstmal gründlich enttäuscht. Es geht um den erstaunlichen Umstand, dass in einem ganzen Land plötzlich nicht mehr gestorben wird, was die Menschen und die Politik durcheinander bringt. Für den Rezensenten ist die ganze Geschichte viel zu konstruiert, und ihn nervt zudem, dass der Autor immer alles erklären will. Dadurch wird der durchaus originelle Plot ermüdend, moniert Kunisch, dem besonders die politischen Ausführungen Saramagos ziemlich belanglos vorkommen. Dann aber tritt der Tod in Gestalt einer verführerischen Dame auf, die Sterbepause des Landes findet eine überraschende Erklärung und damit gerät der Roman zur Freude des Rezensenten wieder in flotteres Fahrwasser. Und der Schluss des Buches schwingt sich dann für den freudig überraschten Kunisch sogar wieder zu der Höhe auf, die ihn am Anfang überzeugt hat.

© Perlentaucher Medien GmbH
José Saramago, geboren am 16. November 1922 in Azinhaga in der portugiesischen Provinz Ribatejo, entstammt einer Landarbeiterfamilie. Nach dem Besuch des Gymnasiums arbeitete er als Maschinenschlosser, technischer Zeichner und Angestellter. Später war er Mitarbeiter eines Verlags und Journalist bei verschiedenen Lissabonner Tageszeitungen. Ab 1966 widmete er sich verstärkt der Schriftstellerei. Während der Salazar- Diktatur gehörte er zur Opposition. Der Romancier, Erzähler, Lyriker, Dramatiker und Essayist erhielt 1998 den Nobelpreis für Literatur. Er starb am 18. Juni 2010 auf Lanzarote.

Kundenbewertungen zu "Eine Zeit ohne Tod" von "José Saramago"

2 Kundenbewertungen (Durchschnitt 3 von 5 Sterne bei 2 Bewertungen ***** gut)
***** ausgezeichnet
***** sehr gut
 
(1)
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Bewertung von olgica am 23.06.2009 ***** weniger gut
Am Neujahrstag stirbt niemand. Am nächsten Tag auch nicht. Am darauffolgenden ebenfalls nicht. Die Menschen des Landes wundern sich erst, fühlen sich dann aber durch ihre neue Unsterblichkeit beflügelt und reizen ihr Leben aus. Allerdings entstehen auch viele Probleme, da Krankenhäuser und Pflegeheime bald mit im Sterben liegenen Menschen überfüllt sind. Durch einen Brief, der mit tod unterzeichnet ist, erfahren die Menschen schließlich warum niemand mehr stirbt.
Der Autor José Saramago befasst sich mit dem alten Menschheitswunsch der Unsterblichkeit auf kritische Art. Er zeigt die Probleme einer Welt ohne Tod auf. Nebenbei kritisiert er sehr offen Politik und Gesellschaft.
Leider ist die Idee besser als die Umsetzung. Es fehlt an Spannung und der Erzählstil ist oftmals seltsam.

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Bewertung von Uli Geißler aus Fürth/Bay. am 14.10.2007 ***** sehr gut
Überraschende Wendung des Unausweichlichen

Die Erwartung einer skurril-nachdenklichen Fabel enttäuscht der portugiesischen Literaturnobelpreisträger auch in seinem aktuellen Roman nicht. Es geht um den – oder vielleicht dem Versuch, gendergerecht mit dem Unausweichlichen, Unbeeinflussbaren und Unerforschbaren umzugehen, geschuldet – die tod, zur Abgrenzung gegenüber des tatsächlichen Todes kleingeschrieben.
Der Meister der metaphorischen Satire und des ironisch-realkritischen Polit-Romans gelingt es immer wieder – eben auch in „Eine Zeit ohne Tod“ – normale, auch unbedachte Gegebenheiten auf den Kopf zu stellen und damit aber Gedankenwellen auszulösen, die an den Festen des Sicheren, des Geglaubten oder Tatsächlichen rütteln. Kirche und Staat sind zutiefst verunsichert.
Wieder spielt sich die Geschichte in einem fiktiven und Portugal doch nicht so ganz unähnlichen Land ab. Trotzdem könnte es auch überall sein.

Das Göttliche ausklammernd personifiziert der Autor das Sterben, lässt es in weiblicher, Laken verhüllter Skelettgestalt und eigenschaftlich (kleingeschrieben) wirken. Ab Neujahr stirbt niemand mehr. Kurz erfreut merkt die menschliche Gemeinschaft sehr schnell, wie sich dadurch die Probleme nicht lösen, sondern ganz neue, entmenschlichte Eigenschaften im Volk breit machen. Geschäfte mit den Nicht-sterben-Wollenden zeigen auf, wie skrupellos und korrumpiert Menschen schon nach kürzester Zeit werden. Die mit den Untoten Geschäfte machen, gehen über Leichen …

Als nach einem Dreivierteljahr die tod beschließt, allem Überleben ein Ende zu setzen, kommt es zu einer für Viele verzweifelnden Wendung. Demnächst Sterbende werden postalisch vorgewarnt und informiert, so dass deren geregelter Abgang möglich ist. Nur ein Cellist widersetzt sich unwissentlich der Vorhersehung.

Das irdische aber auch das unterirdische Dasein gerät ins Wanken, wenngleich der Autor selbst die göttliche Ordnung bezogen auf den Einfluss auf das Leben und Sterben unerwähnt lässt. Doch die sich zwischen tod und dem Musiker keimende Liebesbeziehung verwandelt die das Geschehen in ein merkwürdig wehmütiges Märchen.

Saramago`s Geschichte ist wieder ein Text melancholischer Erschütterung und Nachdenklichkeit, ein sozialkritischer Impuls für das Zusammenleben der Menschen.

© 10/2007, Redaktionsbüro Geißler, Uli Geißler, Freier Journalist, Fürth/Bay.

Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch

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