Hingerissen ist Rezensent Jürgen Brocan von Stewart O'Nans Roman "Eine gute Ehefrau". Mit Patty Dickinson, einer jungen Frau, die ihrem im Gefängnis einsitzenden Mann achtundzwanzig Jahre die Treue hält, den Sohn aufzieht und ihr Leben trotz aller Widrigkeiten organisiert, hat O'Nan in seinen Augen eine "unvergessliche Figur" geschaffen. Beeindruckend findet er die Entwicklung Pattys von einer naiven unbedarften Kleinstadtbewohnerin zu einer starken Frau, die ihrem Sohn ein Universtätsstudium ermöglicht und sich mehr und mehr gegen ihre dominante Mutter durchsetzt. Er hebt hervor, dass der Autor die markantesten Stationen dieser achtundzwanzig Jahre völlig "unspektakulär" notiert. Dass sie zu den Ereignissen der Zeitgeschichte kaum in Bezug gesetzt werden, scheint ihm ein wenig bedauerlich. Andererseits sieht er hier überzeugend vorgeführt, "wie existenzielle Nöte die Menschen oft in eine Zeitkapsel sperren und wie individuelle Geschichte ohne Berührungspunkte mit der Weltgeschichte auskommt".
Stewart O'Nan wurde 1961 in Pittsburgh geboren und wuchs in Boston auf. Er arbeitete als Flugzeugingenieur und studierte in Cornwell Literaturwissenschaft. Heute lebt er mit seiner Frau und seinen zwei Kindern in Conneticut. Für sein Esrtlingsroman "Engel im Schnee" erhielt er 1993 den William-Faulkner-Preis.
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