Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat und andere seltsame Geschichten - Schami, Rafik

Rafik Schami 

Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat und andere seltsame Geschichten

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Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat und andere seltsame Geschichten

Augenzwinkernde Beobachtungen aus dem deutschen Alltag.

Seit beinahe vierzig Jahren lebt Rafik Schami nun schon in Deutschland, seinen staunenden und kritischen Blick auf den deutschen Alltag hat er dabei nicht verloren. Unnachahmlich charmant erzählt er in den teilweise erstmals veröffentlichten Erzählungen aus den Jahren 1990 bis 2010 von den Deutschen und ihren sprachlichen Eigenheiten, wundert sich über die unerschütterliche Konsequenz, mit der deutsche Gäste bei Einladungen selbst gemachten Nudelsalat mitbringen, muss erfahren, dass ein Kaufhaus kein Basar ist, verrät, warum er kein Amerikaner wurde, und schließt - beinahe - Freundschaft mit der sprechenden Stubenfliege Subabe.
Neue, unveröffentlichte und bearbeitete Erzählungen aus den Jahren 1990 und 2010.


Produktinformation

  • Verlag: Dtv
  • 2011
  • Ausstattung/Bilder: 2011. 200 S. 191 mm
  • Seitenzahl: 207
  • dtv Taschenbücher Bd.14003
  • Deutsch
  • Abmessung: 193mm x 121mm x 19mm
  • Gewicht: 234g
  • ISBN-13: 9783423140034
  • ISBN-10: 3423140038
  • Best.Nr.: 32569231
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.06.2011

Der Teufel in
Braunschweig
Es ist nicht nur der Nudelsalat, der dem syrischen Erzähler Rafik Schami nach vierzig Jahren in Deutschland immer noch ziemlich fremd erscheint. Seine Helden, manche ein Alter Ego des Autors, wundern sich auch über die Abwrackprämie, über echte und unechte Deutsche und darüber, wie Germanistinnen einem arabischen Mann das Leben schwermachen können. Dazu passen natürlich Mord und Totschlag oder die Begegnung mit dem Teufel in Braunschweig. Immer spielt Rafik Schami in dieser Sammlung von neuen und schon bekannten Erzählungen mit den Erwartungen des Lesers und Zuhörers. Mischt mit subtilem Witz und skurrilem Blick Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend in Syrien mit den ersten Erlebnissen des Emigranten. Die er nun im Alter, keineswegs milder gestimmt, in den Lebensweisheiten gipfeln lässt, die er in langjährigen Erfahrungen machte.
Roswitha Budeus-Budde

Rafik Schami: Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat.
dtv, München 2011.
208 Seiten, 9,90 Euro.
SZdigital: Alle Rechte vorbehalten - Süddeutsche Zeitung GmbH, München
Jegliche Veröffentlichung und nicht-private Nutzung exklusiv über www.sz-content.de

»Immer spielt Rafik Schami in dieser Sammlung von neuen und schon bekannten Erzählungen mit den Erwartungen des Lesers und Zuhörers. Mischt mit subtilem Witz und skurrilem Blick Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend in Syrien mit den ersten Erlebnissen des Emigranten.« -- <em>Roswitha Budeus-Budde 07.06.2011</em>

"Immer spielt Rafik Schami in dieser Sammlung von neuen und schon bekannten Erzählungen mit den Erwartungen des Lesers und Zuhörers. Mischt mit subtilem Witz und skurrilem Blick Erinnerungen aus der Kindheit und Jugend in Syrien mit den ersten Erlebnissen des Emigranten."<br />Roswitha Budeus-Budde 07.06.2011 <br />

»Rafik Schami, der begnadete Erzähler, ist ein wichtiger Brückenbauer zwischen Orient und Okzident.« Sabine Stemmler, Kornwestheimer Zeitung 08.11.2011

»Rafik Schami, der begnadete Erzähler, ist ein wichtiger Brückenbauer zwischen Orient und Okzident.« Sabine Stemmler, Kornwestheimer Zeitung 08.11.2011
Rafik Schami wurde 1946 in Damaskus geboren. 1971 kam er nach Deutschland, studierte Chemie und schloss das Studium 1979 mit der Promotion ab. Heute lebt er in Marnheim (Pfalz). Schami zählt zu den bedeutendsten Autoren deutscher Sprache. Sein Werk wurde vielfach ausgezeichnet und in 25 Sprachen übersetzt. Seit 2002 ist Rafik Schami Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste. Im Sommersemester 2010 hatte er die Brüder-Grimm-Professur der Universität Kassel inne.

Leseprobe zu "Eine deutsche Leidenschaft namens Nudelsalat und..."

Subabe oder Wundersames aus der Fremde (S. 151-152)

Bis zu dem Tag, an dem Subabe starb, mochte ich keine Haustiere. Tiere sind furchtbare Wesen, die einen ständig beobachten und nie etwas sagen. Am allerwenigsten verstehe ich Hundehalter. Aus meiner Heimat kenne ich diese Spezies Mensch auch nicht. In Damaskus laufen alle Hunde frei herum. Sie sind in meinen Augen die schlimmsten Haustiere, die es je gab.

Sie tun schweigend so, als wäre alles in Ordnung, in Wahrheit aber verformt sich Tag für Tag das Gesicht des Hundebesitzers und wird dem seines Hundes immer ähnlicher. Man erzählt von einem Fall in England, wo eine Frau zwei Monate lang nicht bemerkte, dass ihr Hund mit ihr frühstückte, Zeitung las, zur Firma ging und Zigarre rauchte, während sich ihr Mann mit Hundefutter unter dem Küchentisch zufriedengab und sich begeistert an der Leine Gassi führen ließ. Erst ein Nachbar entdeckte von seinem Fenster aus die katastrophale Verwechslung.

Als er die Frau darauf aufmerksam machte, dass ihr kläffender Gefährte, der gerade die Hündin einer alten Dame beschnupperte, niemand anderer als ihr Mann sei, rief sie entsetzt: »Wenn das mein Mann ist, wer ist dann der Schweinehund oben in der Wohnung?« Und sie eilte hinauf. Was danach passierte, ist eine lange Geschichte, in deren Verlauf Psychiater, Polizisten, Richter, mehrere Verwandte und sogar ein Beerdigungsinstitut auftreten, die zu erzählen hier aber zu weit führen würde. Ich wollte nur sagen, dass für mich Hunde umso gefährlicher sind, je harmloser sie erscheinen.

Mir ist ein bissiger, knurrender Dobermann tausendmal lieber als ein kuscheliger winziger Schoßhund. Bei Ersterem weiß man manchmal, was los ist, bei Letzterem nie. Katzen wiederum sind nicht nur verdächtig einzelgängerisch veranlagt, sie schleichen auf ihren berühmtberüchtigten samtenen Pfoten auch überallhin und erspähen viele Geheimnisse, die wir gerne für uns behalten hätten. Obendrein sind sie noch schweigsamer als Hunde.

Und was am schwersten wiegt: Katzen bleiben nicht auf dem Boden. Ständig zeigen sie uns wortlos auf arroganteste Weise unsere bodenverhaftete Schwere, indem sie mit Leichtigkeit alle drei Dimensionen erobern. So viel zu meiner Abneigung gegen Katzen im Haus. Nein, wann immer früher das Gespräch auf Haustiere kam, und es kommt in Deutschland jedes fünfte Gespräch auf den Hund, lavierte ich orientalisch um eine Antwort herum und erzählte weitschweifig von meiner Tierliebe, die es mir verbiete, Tiere in Gefangenschaft zu halten.

Ich führte Freiheit, Natur und die Tierpsyche als bewährte Argumente gegen jede Art der Tierhaltung ins Feld, doch die Hundebesitzer, wahrscheinlich von den Verkäufern ihrer Lieblinge geschult, wurden nur immer dreister und hartnäckiger in ihren Versuchen, sich zu rechtfertigen. Sprach ich, um mein Gegenüber nicht zu beleidigen, vom Leid der Tiere hinter Zoogittern, so bekam ich zu hören, dass es den Tieren in den europäischen Zoos und Haushalten hundertmal besser gehe als in freier Wildbahn in jenen südlichen Gefilden, wo man sie quäle und sie, ob Kröte oder Distelfink, zu guter Letzt in den Backofen stecke. Am liebsten wiederholen Deutsche das Bild vom brutalen südländischen Bauern, der erbarmungslos auf seinen Esel eindrischt. Und das Allerschlimmste an diesen Gegenargumenten der Tierhalter ist: Sie stimmen!

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