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| Bewertung von goat aus Niedersachsen am 29.08.2010 | |
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Philippes Leben fällt wie ein Kartenhaus in sich zusammen, als seine Frau ihn nach der Scheidung vor die Tür setzt. Seine größte Angst ist, seine kleine Tochter nicht sehen zu dürfen. Doch seine Frau hat zur Bedingung gemacht, dass er seine Tochter an den Wochenenden erst zu sich holen darf, wenn er eine eigene Wohnung hat. Doch der Gedanke daran rückt in weite Ferne, als er auch noch seine Arbeit verliert. Das Geld wir knapp und schließlich bleibt ihm nichts mehr als die Kleidung, die er am Leib trägt. Von nun an führt Philippe ein Leben auf der Straße. Harold Cobert hatte sich schon nach wenigen Seiten in mein Herz geschrieben. Schonungslos aber sehr einfühlsam beschreibt er Stufe um Stufe Philippes Abstieg. Ich hatte beim Lesen immer einen Kloß im Hals und habe mich gefragt, ob es tatsächlich möglich ist, so schell so tief zu fallen. Dieses beklemmende Gefühl bin ich die ganze Zeit über auch nicht mehr losgeworden. Durch diesen Roman hat sich meine ganze Sichtweise völlig umgestellt. Dem Roman lag ein Schreiben vom Autor an die Buchhändler bei, wo unter anderem zu lesen ist: "Schlimmer als das Leben auf der Straße, das Elend und die Gewalt ist es, in den Blicken der anderen nicht mehr zu existieren. Auf ein unsichtbares Etwas reduziert zu werden." Diese Sätze haben mich nach Beenden des Buches den ganzen Nachmittag nicht mehr losgelassen. Wie reagiert man selber, wenn einem ein Obdachloser zu nahe kommt? Als erstes stellt sich der Fluchtreflex ein, weil diese Menschen nicht mehr die Möglichkeit haben, sich so sauber zu halten, wie es für uns selbstverständlich ist. Schon der Geruch stößt uns ab. Viele von ihnen haben zusätzlich noch eine Alkoholfahne, weil das Leben auf der Straße ohne Alkohol kaum zu ertragen ist. Aber kaum einer fragt sich, warum diese Menschen letztendlich überhaupt auf der Straße gelandet sind ... Als Philippes Freund sich von ihm abwendet, hat mich das sehr betroffen gemacht und das Schlimme ist, dass ich es trotzdem nachvollziehen konnte. Nicht nachvollziehen hingegen konnte ich das Verhalten von Philippes Exfrau und ihren Eltern. Dem Vater das Kind vorzuenthalten und dann auch noch wegzuziehen ohne eine Adresse zu hinterlassen, das ist das Allerletzte. Erst als Philippe dann auf Baudelaire trifft und dieser Hund ihm zeigt, dass es sich zu leben lohnt, fasst er wieder Mut und bekommt sogar unerwartete Unterstützung. Durch die kurzen Kapitel hatte ich das Gefühl, dass die Seiten nur so an mir vorüber flogen - dabei hätte ich liebend gerne noch viel mehr gelesen. Dieser Roman geht unter die Haut und lässt den Leser sehr nachdenklich zurück. Ich kann nichts anderes als fünf Sterne für dieses Werk vergeben und hoffe, in Zukunft noch viele Bücher von diesem Autor lesen zu dürfen. Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch |
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| Bewertung von kleinfriedelchen aus Berlin am 25.08.2010 | |
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Jeder, der schon mal in Berlin oder einer anderen Großstadt mit der Bahn gefahren ist, hat sie bestimmt gesehen: die Obdachlosen, die mit monotoner Stimme um ein bisschen Kleingeld oder etwas zu essen bitten. Wie reagiert ihr da? An gutgelaunten Tagen gebe ich ihnen schon mal einen Euro, doch oftmals vergrabe ich mich einfach hinter meinem Buch und beachte sie nicht weiter. Die meisten Menschen blenden sie einfach aus, sehen sie nicht. Vielleicht weil sie unangenehm riechen, selbst schuld sind an ihrer Situation oder einfach, weil wir ihr Leid nicht sehen wollen. Eben dies thematisiert der französische Autor Harold Cobert in seinem Roman „Ein Winter mit Baudelaire“. Inspiriert durch eine Fernseh-Reportage, hat er sich genauer mit dem Leben der Obdachlosen auf der Straße auseinandergesetzt und ein wunderschön poetisches, eindringliches Buch geschrieben. Dieses möchte ich euch heute vorstellen. Philippe verliert kurz hintereinander seine Frau, seine Wohnung und seinen Job. Anfangs lebt er noch vom Geld auf seinem Konto, doch das geht schnell zur Neige. Arbeitslosengeld steht ihm nicht zu, eine neue Wohnung bekommt er nur mit einem festen Gehalt. Immer drängender wird für ihn die Frage, wo er die nächste Nacht verbringen soll. Aus Scham gesteht er weder seinen Eltern noch seinen Freunden seine Situation, und ohne unterstützende Hilfe rutscht er immer tiefer in die Ausweglosigkeit. Mit jeder Job-Absage, jedem Misserfolg schwindet sein Elan und Tatendrang ein Stückchen mehr, bis er schließlich nicht mehr weiter weiß und erschöpft auf einer Parkbank zusammenbricht und seine erste Nacht im Freien verbringt. Er ist zum Obdachlosen geworden… Dieses Buch fährt einem wirklich unter die Haut! Cobert zeigt den aussichtslosen Versuch eines Mannes, seine Würde zu bewahren und als Mensch und nicht als Schandfleck der Gesellschaft gesehen zu werden. Anfangs noch ein gebildeter Mann, versinkt Philippe nach und nach in seinem eigenen Dreck und in der Gossensprache. Dann droht ihn auch noch der Alkohol zu zerstören. In dieser Situation trifft er auf den Streuner Baudelaire, der ihm mit seiner bedingungslosen Liebe wieder etwas Hoffnung gibt. Mit Philippes Abstieg sinkt auch das sprachliche Niveau. Anfangs dominieren wundervoll poetische Satzkonstruktionen, die jedoch immer roher werden, je mehr Philippe verkommt. Erst mit Baudelaire ändert sich seine Situation nach und nach. So hat der Autor ein berührendes mitreißendes Buch geschaffen, realistisch und unkitschig, das ich vorbehaltlos weiterempfehle. Zwar wird dieses Buch an der Situation der Obdachlosen nichts ändern können, doch mag sich durch die Lektüre wenigstens unser Blick auf sie verändern. Und genau das will Cobert wohl auch bezwecken, widmet er das Buch doch den Obdachlosen, "damit man sie nicht mehr ansieht, ohne sie zu sehen". Nehmen und Lesen! Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch |
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| Bewertung von urmeli am 19.08.2010 | |
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Philippe, ein junger Mann aus der Le Havre zieht nach Paris um dort Mit Hilfe vieler kleiner Nebenjobs sein Studium zu finanzieren. Dort lernt er Sandrine, eine reiche Tochter aus Versailles kennen und lieben. Sie heiraten trotz der Ablehnung aus Sandrines Elternhaus und bekommen eine Tochter, Claire. Die Liebe hält dem Alltag nicht Stand. Philippe hat nur einen schlecht bezahlten und befristeten Job als Wärmepumpenverkäufer und behält diesen nur, wenn er genügend Abschlüsse aufweist. Sandrines Eltern unterstützen nur ihre eigene Tochter und Enkeltochter, die Abneigung gegen Philippe wird immer stärker. Als Claire 6 ½ Jahre alt ist, ist die Scheidung durch und Philippe muss die gemeinsame Wohnung verlassen. Seine geliebte kleine Tochter darf er erst dann wiedersehen, wenn er eine Wohnung hat. Er weiß nicht wo er bleiben soll. Um eine neue Wohnung hat er sich bisher nicht gekümmert, Hotel sind in Paris alle ausgebucht oder horrend überteuert. So schläft er im Wagen vor seinem Büro. Nachdem er am nächsten Tag zerknittert bei der Arbeit ankommt, wird ihm klargemacht, dass aufgrund seiner schlechten Arbeitsleistung der Vertrag nicht verlängert wird. So steht er gleich doppelt auf der Straße, keine Wohnung, keine Arbeit. Bei seinen Versuchen eine Wohnung zu bekommen wird er abgelehnt, weil er keine Arbeit hat, eine Arbeit erhält er nicht ohne Wohnung. Einige Zeit kann er sich mit dem verbliebenden Geld und Hotelübernachtungen über Wasser halten, aber nicht mehr lange und er ist obdachlos. Auch das Leben auf der Straße will gelernt sein, und er macht einige unliebsame Erfahrungen. Im Sommer und Herbst ist das Leben noch erträglich, mit kleinen Betteleien kann er überleben, aber nun kommt der Winter. Das Obdachlosenheim, das er kennenlernt und so verdreckt, das er schnell wieder kehrtmacht. Als er fast am Abgrund steht kommt ein kleiner streunender Hund auf ihn zu. Er hilft ihm aus einer brenzligen Situation heraus, er führt ihn zu Freunden, die ihm Essen geben. Die Almosen der Passanten werden aufgrund des süßen Hundes großzügiger und er kommt mit Menschen ins Gespräch, die ihn vorher nicht beachtet haben. Die größte Hilfe erfährt er jedoch auf dem Obdachlosenkahn Le Fleuron, bei dem nur Obdachlose mit Hunden aufgenommen werden. Dort bekommt er eine Beratung um Sozialhilfe zu erhalten und ein Jurist kümmert sich um das Sorgerecht für seine Tochter. Ein erschütternder Roman – der in Teilen autobiografisch ist – über das Leben auf der Straße. Wie leicht kann man dorthin geraden. Besondert betroffen machte mich die Schilderung der vielen noch berufstätigen Obdachlosen. Das Gehalt reicht nicht für ein Dach über dem Kopf. Hier ist doch wirklich etwas falsch in unserer Gesellschaft. Die Handlung spielt zwar in Frankreich und möglicherweise sind wir in Deutschland noch davon entfernt, jedoch nicht mehr weit. Eine gleichzeitig erschütternde, poetisch geschriebene und zu Herzen gehende Geschichte, die nachdenklich macht. Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch |
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| Bewertung von evelynmartina am 14.08.2010 | |
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"Ein Winter mit Baudelaire" ist ein kurzweiliges Lesevergnügen vom Feinsten. In kurzen Kapiteln mit aussagekräftigen Titeln schildert Harold Cobert ausdrucksstark und bildhaft den Abstieg eines Mannes ins Abseits der Gesellschaft. Der Leser begleitet Philippe auf seinem Weg nach unten, durchlebt mit ihm einsame, kalte und unwürdige Situationen im Dasein eines Heimatlosen und steht ihm wie sein Hund Baudelaire bei, als er sich aus seiner Notlage zu befreien versucht. Der Text lässt sich flüssig lesen. Durch den zum Teil sehr prägnanten Sprachstil, befindet man sich inmitten des Geschehens und spürt hautnah sowohl die positive, als auch negative Atmosphäre. Die Handlung gleicht einem modernen, poetisch angehauchten Märchen mit vorhersehbarem Ende, dennoch ist sie authentisch. Sehr eindrucksvoll und treffend beschreibt der Autor die Lage der Obdachlosen: Hinter jedem steckt eine eigene Biographie, untereinander herrscht Konkurrenz und das nackte Überleben bestimmt den Tagesablauf. Zitat: "Gestern ist so wie heute und morgen ist so wie gestern." Von der Umwelt werden sie zwar angeblickt, jedoch nicht gesehen. Die Erzählung ist keine klassische Mensch-Tier-Geschichte. Cobert geht es in seinem Roman vielmehr darum, den Leser auf das Obdachlosen-Milieu aufmerksam zu machen und Verständnis für diese Randgruppe zu wecken. Dafür hat er laut eigenen Aussagen wochenlang recherchiert und sich unter die Clochards begeben. Er unterstützt ein neues bisher einzigartiges Pariser Projekt, das sich nicht nur um die Verwahrung gestrandeter Menschen kümmert, sondern auch effektive Hilfe anbietet. Fazit: Bei "Ein Winter mit Baudelaire" handelt es sich um einen einfühlsamen, melancholischen Roman, der zum einen nachdenklich stimmt, denn keiner ist vor einem Schicksal wie dem des Protagonisten gefeit, der zum anderen aber auch ermutigt, sich aus einem schier ausweglosen Zustand herauszukämpfen. Das Buch richtet zudem einen eindeutigen Appell an seine Leserschaft: Schaut hin und nicht weg! Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch |
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| Bewertung von Prinzessin_Brambilla am 10.08.2010 | |
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Ein zartes Flüstern ist es, das man von Hauptfigur Philippe als erstes wahrnimmt. Behutsam erzählt er seiner Tochter die wunderschöne Geschichte vom Sternenprinz und der Prinzessin der Morgenröte. Ein kurzes Märchen, das die kleine Claire am liebsten von ihrem Papa vor dem Einschlafen hört. Das idyllische Anfangsszenario wird schnell gebrochen, der leise Ton der Stimme jedoch bleibt. Philippes Ex-Frau wirft ihn aus der Wohnung, er verliert seinen Job, seine Freunde, landet auf der Straße – bis er von niemandem mehr gehört wird. Mit einer eindringlichen und teilweise auch wunderbar poetischen Sprache, die ohne Ausschmückungen auskommt, beschreibt der Autor Harold Cobert den sozialen Abstieg eines Mannes in Paris. Je tiefer Philippe fällt, desto kürzer werden die Kapitel. Das Lesetempo wird zunehmend schneller und zieht den Leser in den Strudel der Verzweiflung, der die Hauptfigur gefangen hat. Wie kurze Filmschnitte reihen sich die Szenen aneinander, die sich durch den gekonnten Einsatz von Wiederholungen und Ellipsen in den Kopf des Lesers einprägen: „Kleidung finden. Caritas. Gehen. Notdurft verrichten. Betteln. Würde bewahren. Nicht verrückt werden. Wasser lassen. Die Tage zählen“. Doch dann, als Philippe den tiefsten Punkt seines Lebens erreicht, kommt mit dem Vierbeiner Baudelaire die rettende Wendung seiner Lage. Schritt für Schritt gelingt es dem Protagonisten mithilfe des Hundes an seiner Seite wieder zu hoffen, aufzustehen und seiner Stimme wieder Gehör zu verleihen. Und all das, ohne dabei in die Kitschecke abzudriften oder überzogen zu wirken. Schließlich erwarten den Leser in der zweiten Hälfte des Romans einige Figuren, deren Beschreibung an manchen Stellen zwar etwas zu kurz kommt, die jedoch mit ihrem sprudelnden Optimismus nicht nur Phillipe ins Leben zurück holen, sondern auch dem Leser ein wenig von dem beklemmenden Gefühl nehmen, das sich nach der Lektüre der bewegenden Schilderung des Elends angestaut hat. In einem Brief, der leider nur an Buchhändlerinnen und Buchhändler adressiert ist, schreibt Cobert: „Die Literatur kann nicht die Welt ändern, das wäre zu schön, aber sie kann eine Veränderung unserer Wahrnehmung bewirken. Und wenn sich unser Blick auf die Welt ändert, ändert sich in gewisser Weise auch die Welt an sich. Wenn man sie nicht mehr anblickt, ohne sie zu sehen.“ Bei mir ist es ihm tatsächlich gelungen. Ich drehe den Mp3-Player nicht mehr lauter, oder halte mir das Buch ein bisschen höher vors Gesicht. Und auch wenn ich oft kein Kleingeld bei mir habe, so schenke ich zumindest eines: ein Lächeln. Danke für diesen großartigen Roman! Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch |
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| Bewertung von Tintenherz aus Kronshagen am 29.07.2010 | |
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Der Sternenprinz "Ein Winter mit Baudelaire" von Harold Cobert erschienen im Pendo Verlag, Seitenanzahl: 285 Inhalt: Nach der Trennung von seiner Frau Sandrine, die ihm auch zu allem Unglück den Kontakt zu seiner Tochter Claire verwehrt, verliert Philippe alles. Er findet keine Wohnung und kündigt nach erfolglosen Mühen seinen Job als Handelsvertreter. Philippe wird zum Obdachlosen und lebt auf der Straße. In seinem größten Unglück findet er einen Freund: den Hund Baudelaire. Dieser führt ihn zum Licht am Ende des Tunnels. Autor: Harold Cobert, 1974 in Bordeaux geboren, hat Literatur studiert. Er ist Theater-, Film- und Fernsehautor und hat in Frankreich u. a. eine Reihe Essays über Mirabeau veröffentlicht. "Ein Winter mit Baudelaire" ist sein erstes Buch, das auf Deutsch erscheint. Die Idee zu diesem Buch bescherte ihm ein Fernsehbericht über Le Fleuron Saint Jean, ein Boot für Obdachlose, betreut von den karitativen Diensten des Malteserordens und der Tierschutzorganisation 30 Millions d'Amis. Meine Meinung zu dem o. g. Buch: Der Schutzumschlag mit dem Mann auf der Bank und dem Hund, der zu ihm aufschaut, umrahmt von Vögeln, ist liebevoll gestaltet. Passend für einen poetischen Roman. Kurze, prägnante Sätze, manchmal nur einzelne Worte beschreiben erschreckend detailliert, den beschwerlichen Weg und die Emotionen von Philippe. Der Schreibstil hält den Leser gefangen und man spürt das Unglück des Protagonisten, wie es ihn betäubt und lähmt. Dieses Buch regt zum Nachdenken an, das eigene Leben schätzen zu lernen und das Glück festzuhalten und zu genießen, so lange es geht. Man weiß nie, was noch passiert. Fazit: "Ein Winter mit Baudelaire" ist ein wunderschöner und trauriger Roman, der mir so manches Mal Tränen in die Augen getrieben hat. Ich kann nur sagen: UNBEDINGT LESEN! Zitat aus dem Buch: "Gestern ist so wie heute und morgen so wie gestern. Zukunft und Gegenwart, die kein Ende hat." Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch |
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| Bewertung von Wortakrobat am 19.07.2010 | |
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"...UND AUS DEM UNGLÜCK VON UNS BEIDEN MACHEN WIR DANN (...) GLÜCK!" Der französische Autor Harold Cobert legt mit diesem Roman eine leise, zeitweise fast schon melancholisch anmutende Erzählung vor. Philippe verliert aufgrund der vielen kleinen Ungerechtigkeiten in seinem Leben seinen Job und damit auch seine Familie. Besonders schmerzhaft ist für ihn der Verlust seiner kleinen Tochter Claire. Außer Stande sich selbst aus seiner Situation zu befreien und von Freunden und Familie im Stich gelassen, lebt Philippe fortan auf der Straße und lernt eine ihm bisher gänzlich unbekannte, fremde Welt kennen. Der Winter verspricht kalt zu werden und seine Lage scheint hoffnungslos - bis er dem streundenden Hund Baudelaire begegnet. Aus der anfänglichen Abneigung gegenüber seines ungewollten Kameraden entwickelt sich über den kalten Winter hinweg eine tiefe, ehrliche Freundschaft. Und es zeigt sich, dass auch ein Hund als Freund Philippe wieder Zuversicht geben kann... Ein Buch, das zu Herzen geht und das nachdenklich macht. In feinsinniger und metaphorischer Sprache beschreibt der Autor von einem Leben, dem innerhalb weniger Tage die Grundlage entzogen wird. Je hoffnungsloser die Situation Philippes, desto düsterer auch die Wortwahl - das Leben auf der Straße wird somit auch mit sprachlichen Mitteln herausgearbeitet. Mit Baudelaires Auftauchen scheint auch die Sprache wieder weniger hart, der Stil sanfter... Die meisten Personen bleiben in ihrer Beschreibung eher schemenhaft, die Ausnahme macht hier der Hund Baudelaire, dessen Eigenheiten und Verhaltensweisen aufs Genaueste nachgezeichnet werden. Dennoch bleiben die Geschehnisse realitätsnah und der Leser kann sich gut in die Handlung und die Charaktere hineinversetzen. Für mich ein wundervoller, tiefsinniger Roman, voller Wärme und Charme. Ein Buch zum innehalten und nachdenken - lesenswert! Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch |
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Bewertung von R.E.R. am 16.07.2010 |
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Auf den Hund gekommen Obdachlos. Kein Dach über dem Kopf. Was bei den zur Zeit herrschenden Temperaturen wie ein Freiluft-Abenteuer anmutet, wird spätestens im Herbst und Winter zur oft tödlichen Realität. Erst vor kurzem lief im Fernsehen eine Reportage von Günter Wallraff, der sich einen Winter lang selber in die Obdachlosigkeit begab um das Leben dieser Menschen außerhalb unserer Gesellschaft zu dokumentieren. Vieles was ich damals in dem Fernsehfilm gehört und gesehen habe, las ich jetzt in “Ein Winter mit Baudelaire” wieder. Ein Happy End gibt es jedoch nur im Roman von Harold Cobert. Philippe hat über seine Verhältnisse geheiratet. Jetzt ist die Ehe geschieden und seine Frau möchte ihn am liebsten spurlos aus ihrem und dem Leben der gemeinsamen Tochter Claire löschen. Sie wirft ihn aus der Wohnung und verweigert ihm das Besuchsrecht für die sechsjährige solange er keine eigene Wohnung hat. Die Wohnungssuche gestaltet sich aussichtslos. Philippe hat nur einen befristeten Arbeitsvertrag und keine Bürgschaft. Der Druck nimmt zu, sein Erfolg als Handelsvertreter unter diesem Stress ab. Als ihm auch noch ein großer Kunde von einem Kollegen weggeschnappt wird, kündigt er. Ohne Arbeit und festen Wohnsitz tingelt er von Hotel zu Hotel. Er lebt von seinen Ersparnissen bis seine Bankkarte eingezogen wird. Mit dem letzten Bargeld bezahlt er das Hotel und steht dann mit einem Koffer und einem Müllsack auf der Straße. Der erste Teil des Buches ist weniger ein Roman, als ein knallharter Tatsachenbericht. Cobert präsentiert nüchtern die Entwicklung vom in Sicherheit lebenden Familienvater zum obdachlosen Penner. In kurzen Kapiteln mit fast Stakkatohaften Sätzen schildert er den Absturz Philippes. Dieser rational orientierte Teil degradiert den Leser zum nüchternen Betrachter. Cobert verzichtet völlig auf Hintergrundinformationen, die uns Philippe als Person mit einer speziellen Vita näherbringen. Ich habe den menschlichen Faktor vermisst und das Buch innerlich schon abgeschrieben. Weil es so kurz war, las ich weiter. Das hat sich gelohnt. Mit dem Auftauchen des Hundes ändert sich der Ton der Geschichte. Philippe ist schon ganz am Ende der Spirale angekommen, als ihn ein streunender Hund aus einer brenzligen Situation rettet. Die beiden leben von da an gemeinsam auf der Straße. Durch Baudelaire ändert sich die Lage. Der Hund öffnet die Herzen und Geldbeutel der Passanten. Und ermöglicht es Philippe auf dem Schiff “Le Fleuron” unterzukommen, ein Obdachlosenasyl für Hundebesitzer. Dort erhält er soziale Hilfe und anwaltliche Unterstützung. Kapitel und Sätze bleiben auch in diesem Teil kurz und bündig, der Inhalt aber wird hoffnungsvoller. Was diesem Buch meiner Meinung nach fehlt ist die Einfühlsamkeit. Mehrere Kapitel bestehen hauptsächlich aus Verben und Substantiven: “Essen, Schlafen, Trinken, Sauber bleiben” oder “Pennen, Waschsalon, Pinkeln, Caritas, Kacken, Schnorren, Würde bewahren”. Das klingt so derb wie es der drastischen Situation angemessen ist, aber es ist nicht bildlich, nicht anschaulich genug. Vor kurzem habe ich den Krimi “Hundszeiten” von Felicitas Mayall gelesen. Er spielt im Obdachlosenmilieu in München. Mayall schafft das, was Cobert nicht gelungen ist. Man kann sich in die Situation einfühlen. Spürt den Durst, fühlt den Schmutz, riecht den Gestank, hat Angst vor der Gewalt und leidet unter der Teilnahmslosigkeit. Cobert bittet am Ende des Buches um Unterstützung für verschiedene Obdachlosenhilfsorganisationen. Das ist edel und begrüßenswert. Und führt im einen oder anderen Fall sicher auch zum gewünschten Resultat. Für sein großes Ziel, die Augen nicht mehr von Pennern und Obdachlosen abzuwenden, ist sein nüchternes Werk jedoch zu schwach. Eher ist man nach der Lektüre geneigt, einen streunenden Hund aufzunehmen. Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch |
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| Bewertung von Escribiente aus Lübeck am 15.07.2010 | |
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Man kann dieses Buch selbstverständlich auch dann genießen, wenn man zuvor nicht „Les fleurs du mal“ von Baudelaire gelesen hat, doch die Kenntnis darüber macht das Vergnügen aber auch den emotionalen Eindruck, den das Buch beabsichtigt, ungleich größer. Kurze Sätze, klare Gedanken. Hintergedanken. Dem Stile treu bleiben. Eine Friedhofsmauer ist der einzig greifbare, wenn auch paradoxe Beweis dafür, dass es Leben gibt. Ein Hund huscht verstohlen durchs Bild. „Nimm mich zu dir“, sagt Charles Baudelaire, „und aus dem Elend von uns beiden machen wir dann vielleicht so etwas wie Glück.“ Nur dafür ist es noch zu früh. Der Hund heißt Baudelaire. Doch das weiß Philippe, der Protagonist zu dieser Zeit noch nicht. Philippe ist schon früh morgens auf der Straße, er war es die ganze Nacht. Es ist Mai. Er liest die Zeitung, erfährt, dass die meisten Obdachlosenheime nur von November bis Mai geöffnet sind. Damit beginnt für ihn, ohne dass er es weiß, ein neuer Abschnitt in seinem Leben. Viel zu früh kommt er in seine Firma, um sich in der Toilette zu waschen. Zielvorgaben. Noch funktioniert er. Alle funktionieren. Tag für Tag. Woche für Woche. Philippe schwänzt – mehr zufällig – den Nachmittag. Sucht ein Hotel. Schaltet den Fernseher im dürftig möblierten Zimmer ein, und erfährt, dass die gesunkene Kaufkraft auf die schwindelerregenden Profite einiger, weniger Unternehmen trifft. Er erfährt, dass mit Beginn der warmen Jahreszeit und dem Eintreffen der ersten Badegäste an der Côte d‘Azur die Obdachlosenheime geschlossen werden. Philippe erlebt Menschen, die eine poröse Selbstsicherheit zur Schau tragen, die von feinen Rissen der Lebensunlust und existenzieller Verunsicherung durchzogen ist. Doch noch ist alles kein Problem für ihn. Er hat seinen Führerschein abgeben müssen. Es ist ein schöner Abend. Er fährt Metro. Findet Platz. Die Gesichter der Menschen, auf die er trifft, sind nicht mehr so verkrampft und angespannt, nur noch glatt und verschlossen wie Wachsmasken. Märchenhaftes beginnt. Die Realität holt die ans Gemüt gehende Geschichte ein. Und die Wirklichkeit öffnet ihre automatische Schiebetür und schiebt ihn, der abzugleiten droht, hinaus auf die Straße, hinein in eine Welt, in der sogar die Kultur auf Pump zu haben ist. Philippe stellt fest, dass er keine Schuhe mehr hat. Auch seine Socken sind weg. Er ist angekommen. Obdachlos. Er ist stimmlos. Und er erfährt, dass das Zeitgefühl das Erste ist, was man auf diesem Wege verliert. Dabei ist es wichtig, sich daran zu erinnern, dass es einst ein anderes Leben gab – und dass auch ein anderes, besseres kommen kann. Aber, zunächst ist gestern so wie heute und morgen so wie gestern. Ein Teufelskreis. Ein Schatten an der Wand. Er sinkt tiefer. Gibt das auf, was ihn zum Menschen macht. Alkohol. Selbst der Schatten wendet sich von ihm ab. Die Menschen haben das schon längst vollzogen. Nur ein Hund hält zu ihm. Ein braver Hund. Und dieser Hund rettet ihm wahrscheinlich das Leben. Ein Kreis beginnt sich zu schließen. Ein Märchen? Aber beginnen Märchen nicht stets mit dem Satz: „Es war einmal…“? Ein Buch, das Spuren hinterlässt. Und um mit Baudelaire zu schließen: „Weit hinter dir lass Kummer, Schuld und Streit, Die dumpf und lastend dich zur Erde zwingen, Beglückt, wer sich erhebt auf leichten Schwingen Zu leuchtender Gefilde Heiterkeit!“ (Strophe aus „Erhebung“) Diese Bewertung bezieht sich auf eine andere Ausgabe: Gebundenes Buch |
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