Ein Regenschirm für diesen Tag - Genazino, Wilhelm

Wilhelm Genazino 

Ein Regenschirm für diesen Tag

Roman

Broschiertes Buch
 
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Ein Regenschirm für diesen Tag

Es gibt sie noch: Flaneure und Lustwandler, die sich Zeit nehmen, die Welt ganz genau zu betrachten. In seinem Roman beschreibt Genazino ein junges, modernes Exemplar dieser Spezies, auf leichte, witzig-ironische Weise.

Geld verdienen kann man mit den unterschiedlichsten Tätigkeiten. Zum Beispiel, indem einer seinem Bedürfnis nach distanzierter Betrachtung der Welt folgt, als Probeläufer für Luxushalbschuhe. Er durchstreift die Stadt mit englischem Schuhwerk, trifft dabei zwangsläufig auf eine seiner offenbar zahlreichen früheren Freundinnen, verfasst Gutachten, für die er 200 Mark bekommt. Doch das Arrangement bröckelt. Seine letzte Freundin, Lisa, verlässt ihn, weil sie seine Weigerung, an der Welt mehr als nur flaneurhaften Anteil zu nehmen, nicht mehr erträgt. Und als das englische Schuhhonorar auf 50 Mark herabgesetzt wird, ist Not am Mann.


Produktinformation

  • Verlag: DTV
  • 2011
  • 12. Aufl.
  • Ausstattung/Bilder: 173 S.
  • Seitenzahl: 176
  • dtv Taschenbücher Nr.13072
  • Deutsch
  • Abmessung: 192mm x 120mm x 14mm
  • Gewicht: 190g
  • ISBN-13: 9783423130721
  • ISBN-10: 3423130725
  • Best.Nr.: 11196965
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 15.09.2001

Artist der Umständlichkeit
Wilhelm Genazino lobt die Muße im Akkord · Von Hubert Spiegel

Der Schutzumschlag von Wilhelm Genazinos neuem Roman zeigt einen jungen Mann, der mit Hilfe zweier Klappstühle eine vom Regen überflutete Straße überquert. Der rechte Fuß steht auf dem vorderen Stuhl, der linke auf dem hinteren, eine Hand liegt auf der Lehne, die andere hält einen Schirm. Gleich wird er mit beiden Füßen auf dem vorderen Stuhl stehen, dann hinter sich greifen und den zweiten Stuhl vor sich stellen. So kommt er voran, langsam, umständlich, stetig. Allerdings ist an den Stuhlbeinen unschwer zu erkennen, daß das Wasser nicht sehr hoch steht, fünf, sechs Zentimeter vielleicht. Ein Platzregen im Sommer, mehr nicht. Das einfachste wäre es gewesen, Schuhe und Strümpfe auszuziehen und barfuß über die Straße zu gehen. Aber dann wäre eine andere Fotografie entstanden, für die Genazino ein anderes Buch hätte schreiben müssen.

Der wasserscheue Jüngling auf den Stühlen, das ist eine Situation, wie sie der Ich-Erzähler des Romans "Ein Regenschirm für diesen Tag" nie erlebt hätte. Nicht als Artist der Umständlichkeit, dem die …

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"Pointillist der zwischenmenschlichen Beziehung." (Frankfurter Rundschau)<br /> "Phänomenologie des Unscheinbaren." (Süddeutsche Zeitung)<br /> "Ein so glückhaft gelungenes Buch, so jenseits aller Moden und literarischen Großmäuligkeit, dass man, am Ende (…) angekommen, gleich wieder von vorn beginnen möchte. Noch einmal durch diese kleine Schule der Wahrnehmung gehen, noch einmal in diesen Alltagsminiaturen und Weltverzauberungsnotaten das Staunen über die Merkwürdigkeiten des Lebens wiedererlernen." (Der Tagesspiegel)

"Pointillist der zwischenmenschlichen Beziehung" Jürgen Verdofsky in 'Frankfurter Rundschau'<br/><br/>"Phänomenologie des Unscheinbaren" Kristina Maidt-Zinde in 'Süddeutsche Zeitung'<br/><br/>"...ein witziges Buch par Excellenze und dabei so schwerelos und ohne jede Geheimniskrämerei." www.buchinformation.de<br/><br/>"Ein so glückhaft gelungenes Buch, so jenseits aller Moden und literarischen Großmäuligkeit, dass man, am Ende (...) angekommen, gleich wieder von vorn beginnen möchte. Noch einmal durch diese kleine Schule der Wahrnehmung gehen, noch einmal in diesen Alltagsminiaturen und Weltverzauberungsnotaten das Staunen über die Merkwürdigkeiten des Lebens wiedererlernen." Sabine Küchler in 'Der Tagesspiegel'

»ganz große Kunst!« Susanne Issig, Kölner Stadt-Anzeiger 18.12.2010

Perlentaucher-Notiz zur F.A.Z.-Rezension

Lebensklug, ironisch und sprachlich brillant findet Hubert Spiegel diese federleicht servierten Lebenszweifel eines "Workaholic des Nichtstuns". Der "seltsam, sonderlich" verkauzte Held des Buches sei ein Altachtundsechziger, der "den beschwerlichen Marsch durch die Institutionen" zugunsten des "interesselosen Streunens durch die Frankfurter Innenstadt" verweigert habe. Kokett und sanft erregt sei dieser Mann vom "süßen Gift des Selbstmitleids", meint Spiegel, der sich außerordentlich beeindruckt zeigt von dessen "sorgfältig ausbalancierten Wahnsystem". Einen letzten und kunstvoll gebrochenen Reflex jener "Neuen Innerlichkeit" hat beim Lesen unser Rezensent verspürt, die nach 1968 die deutsche Literatur "wie eine ansteckende Krankheit" befallen hätte. Erleichterte Schlussdiagnose: Gegen diesen "Peinlichkeitserreger" sei Genazino immun.

© Perlentaucher Medien GmbH

"... der Virtuose des schweifenden Blicks ..." Kristina Maidt-Zinke, Süddeutsche Zeitung, 4./5.8.2001 "Wilhelm Genazino ist ein Minimalist der Disproportionen, schon immer hat er die Seitenansichten des Allernächsten in seiner sanft implodierenden Weltbetrachtung zu kleinen Wahrnehmungswundern gekürt. Sein habitueller Protagoinist ist der Flaneur in der Frankfurter Innenstadt, sein neuer Roman ein humoristische Etüde über die Peinlichkeit, ohne eigene Zustimmung auf der Welt zu sein." Andrea Köhler, NZZ, 25.8.01 "Das Allerschwerste wird hier mit den allerleichtesten Sätzen gestemmt. Seine heitere Melancholie verheisst Rettung im Paradox." Andrea Köhler, NZZ, 25.8.01 "Wilhelm Genazino ist ein Stilist aus der Schule des Witzes. Ein Worterotiker, Wortabschmecker." Andreas Nentwich, Die Zeit, 09.08.01 "In der Tat gibt es kaum einen subtileren Komödianten unter den heutigen Erzählern als Genazino." Peter von Matt, Der Spiegel, 24.09.01 "Ein in langen Jahren erprobter Erzähler ist hier

"... der Virtuose des schweifenden Blicks ..." Kristina Maidt-Zinke, Süddeutsche Zeitung, 4./5.8.2001 "Wilhelm Genazino ist ein Minimalist der Disproportionen, schon immer hat er die Seitenansichten des Allernächsten in seiner sanft implodierenden Weltbetrachtung zu kleinen Wahrnehmungswundern gekürt. Sein habitueller Protagoinist ist der Flaneur in der Frankfurter Innenstadt, sein neuer Roman ein humoristische Etüde über die Peinlichkeit, ohne eigene Zustimmung auf der Welt zu sein." Andrea Köhler, NZZ, 25.8.01 "Das Allerschwerste wird hier mit den allerleichtesten Sätzen gestemmt. Seine heitere Melancholie verheisst Rettung im Paradox." Andrea Köhler, NZZ, 25.8.01 "Wilhelm Genazino ist ein Stilist aus der Schule des Witzes. Ein Worterotiker, Wortabschmecker." Andreas Nentwich, Die Zeit, 09.08.01 "In der Tat gibt es kaum einen subtileren Komödianten unter den heutigen Erzählern als Genazino." Peter von Matt, Der Spiegel, 24.09.01 "Ein in langen Jahren erprobter Erzähler ist hier am Werk. Er hat eine Leichtigkeit erreicht, mit der er auch die schwere Not hintuschen kann, als wäre es auf japanisches Papier." Peter von Matt, Der Spiegel, 24.09.01
Wilhelm Genazino, geb. 1943 in Mannheim, lebt heute als freier Schriftsteller in Frankfurt am Main. 1998 erhielt er den 'Großen Literaturpreis' der Bayerischen Akademie der Schönen Künste und 2004 den 'Georg-Büchner-Preis'. 2007 wurde Wilhelm Genazino mit dem 'Kleist-Preis' und der 'Corine' ausgezeichnet. 2010 erhielt er den 'Rinke-Sprachpreis'.

Kundenbewertungen zu "Ein Regenschirm für diesen Tag" von "Wilhelm Genazino"

3 Kundenbewertungen (Durchschnitt 4.7 von 5 Sterne bei 3 Bewertungen ***** ausgezeichnet)
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Bewertung von Polar aus Aachen am 05.09.2007 ***** ausgezeichnet
Ein Mann läuft Schuhe ein. Allein für diese Idee gilt es, Genazino zu rühmen, und es gelingt ihm im Verlauf seiner Geschichte, daß man sich vorstellt, wie auch in der eigenen Stadt jemand unterwegs ist, um ledernde Produkte einzulaufen. Eigentlich ein schöner Beruf, viel zu wenig beachtet. Nur daß auch die ausgeglichenste Tätigkeit einen nicht davor bewahrt, daß die Freundin einen verläßt, weil man sich zu sehr aufs Beobachten verlegt hat, oder daß man in finanzielle Nöte gerät, wenn das Honorar pro Paar gesenkt wird. Mit einmal sieht man sich den profanen Dingen des Lebens ausgesetzt. Doch wenn sie von Genazino erzählt werden, bleiben sie leicht, schwebend und einem Schmunzeln behaftet.

2 von 2 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von saskia aus vienenburg am 12.07.2007 ***** ausgezeichnet
Dieses Buch ist eine wundervolle Bestätigung für jeden, der sich in seiner wirr anmutenden Gedankenwelt auf dieser Welt allein fühlt: man ist es definitiv nicht! Und der Wahnsinn macht auch noch Spaß! Ich liebe dieses Buch!

2 von 3 Kunden fanden diese Rezension hilfreich.
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Bewertung von Mathis am 01.06.2003 ***** sehr gut
Ein recht geistreich verfasster Bericht eines Fremdlings der Gesellschaft. Der Roman zeigt auch dem Blindesten die kleinen Wunder und Wunderlichkeiten des Alltags in seiner reinsten Form. Die Sprache ist originell, zumindest dem ersten Eindruck nach, jedoch kann man sich nach und nach imme weniger der beschleichenden Monotonie verweheren. Alles in Allem ein lesenswerter amüsanter Regenschirmroman an trüben Regentagen!

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