Ein anderes Leben - Enquist, Per O.

Per O. Enquist 

Ein anderes Leben

Aus d. Schwed. v. Wolfgang Butt
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Ein anderes Leben

Per Olov Enquist erzählt seine Lebensgeschichte in der dritten Person, als ob es die Geschichte eines anderen wäre. "Ein anderes Leben" liest sich wie ein großer Roman über das 20. Jahrhundert, in dessen Zentrum ein junger Mann aus einem kleinen Ort in Nordschweden steht, der zu einem berühmten europäischen Schriftsteller wrude.Von einem, der als Sohn einer strenggläubigen Volksschullehrerin in einem Dorf in Schweden aufwuchs und zu einem der angesehensten europäischen Schriftsteller wurde. Per Olov Enquist erzählt seine Lebensgeschichte, als ob es die eines anderen wäre: Er studierte in Uppsala, erlebte die RAF-Zeit in West-Berlin, schrieb in München als Journalist über die Olympiade und debütierte mit seinem ersten Theaterstück am Broadway in New York. "Wenn alles so gut ging, wie konnte es dann so schlimm werden?" - steht als Leitfrage über Enquists Biografie, die auch tief in die Alkoholabhängigkeit und an den Rand des Todes führte. Ein außergewöhnliches Buch, das sich liest wie ein zeitgenössischer Roman.


Produktinformation

  • Verlag: Hanser
  • 2009
  • Ausstattung/Bilder: 2009. 541 S.
  • Seitenzahl: 544
  • Best.Nr. des Verlages: 505/23270
  • Deutsch
  • Abmessung: 210mm x 135mm x 39mm
  • Gewicht: 640g
  • ISBN-13: 9783446232709
  • ISBN-10: 3446232702
  • Best.Nr.: 25617844

Perlentaucher-Notiz zur FR-Rezension

Katharina Granzin stutzt nur ganz kurz über Per Olov Enquists Erzählperspektive, der seine Autobiografie "Ein anderes Leben" in der dritten Person erzählt, zeigt sich dann aber voll und ganz begeistert. Nach einer Interview-Äußerung des schwedischen Autors liest sie den Text nicht zuletzt als Klartext-Version von Enquists Roman "Kapitän Nemos Bibliothek", den er, wie sie nun weiß, 1990 während seines Alkohol-Entzugs schrieb. Der Autor verrät in seiner Autobiografie zudem, dass er sich als Kind für den "Stellvertreter seines totgeborenen Bruders" hielt, was ein ganz neues Licht auf die Geschichte um zwei bei der Geburt vertauschten Brüder im erwähnten Roman wirft, wie die Rezensentin erklärt. Nicht gelüftet - aber wiederholt auf ein Schreibverbot hingewiesen - werde das Rätsel um seine Pflegeschwester Eeva-Lisa, die damit zum "still atmenden Zentrum" der Autobiografie wird, wie Granzin meint. Das in drei Teile gegliederte Buch überzeugt sie auch im durchaus konventioneller strukturierten Mittelteil, in dem Enquist den Beginn seines Studiums und seine Karriere als Sportler, Journalist und Autor schildert. Tief beeindruckt ist Granzin von der "Offenheit" und der klarsichtigen Selbstanalyse des Autors, und sie fühlt sich, sowohl was ihr Wissen über die Person als auch was das Werk Enquists angeht, bereichert.

© Perlentaucher Medien GmbH

Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 09.03.2009

Vom Wachstum der Schmerzpunkte
Reale Drähte und transzendente Leitungen: Per Olov Enquist erzählt sein Leben als Wiederauferstehung nach freiem Fall
Gründonnerstag. Die tief religiöse Mutter ist mit dem Bus zum Abendmahl gefahren, derweil den Vater und den Jungen daheim das Gewissen plagt. Sie müssen hinterher. Da sie Sportler sind, nehmen sie nicht nur die Räder, sondern auch die Zeit: zwölf Kilometer im Regen durch den Wald in 29’15 Minuten. Von der Haustür bis zur Kirche geht es ihnen nur um die Verbesserung ihres persönlichen Rekords.
Diese Szene, in der sich zwei Lebenswelten auf so wunderbare Weise missverstehen, hat Per Olov Enquist bereits vor fast dreißig Jahren beschrieben, in seinem Roman „Der Sekundant”. Dass hinter der Szene ein persönliches Erlebnis steht, erfahren wir nun in seiner Autobiographie „Ein anderes Leben” – mit einem wesentlichen Unterschied: Enquist ist damals allein durch den Wald gehastet, denn sein leiblicher Vater starb 1935, ein halbes Jahr nach der Geburt des Jungen.
Das Dorf Hjoggböle, in dem er aufwächst, liegt tausend Kilometer nördlich von Stockholm. Dort in Västerbotten liegt immerzu …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 07.06.2009

Schreiben und Flüstern
Allein mit dem Ruhm und der Sucht: Der schwedische Autor Per Olov Enquist erzählt seine Lebensgeschichte

Wenn man dieses Buch mit demselben scharfen Blick betrachtet, mit dem sein Autor sich selbst anschaut - ein Auge weit aufgerissen, das andere wie zum genaueren Zielen zusammengekniffen -, ist es eigentlich keine Autobiographie mehr, sondern ein Verhör. Ein gründliches, geduldiges, manchmal quälendes, manchmal komisches Selbstverhör. Nur dass alle Fragen nachträglich gestrichen wurden: Wie bist du geworden, was du bist? Woher kommt dein Talent? Was war mit deinem totgeborenen Bruder, dem Vater, der starb, als du klein warst? Wann begann dein Höhenflug, wann fing dein Absturz an? Das alles liegt wie wegradiert unter dem Text, den man liest. Aber die Antworten stehen da, eine nach der anderen.

Per Olov Enquist, der Autor des "Besuchs des Leibarztes", des "Buchs von Blanche und Marie" und der "Nacht der Tribaden", der (mit einigem Abstand vor Lars Gustafsson) wichtigste schwedische Schriftsteller unserer Zeit, erzählt sein Leben. Aber er redet nicht wie jemand, der sich interessant machen, der seinen Taten und …

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Per Olov Enquist, 1934 in einem Dorf im Norden Schwedens geboren, lebt in Stockholm. Er arbeitete als Theater und Literaturkritiker und zählt zu den bedeutendsten Autoren Schwedens. Der internationale Erfolg seines "glanzvollen, hinreißend erotischen, politischen Großwerks" ("Ekstra Bladet") bei Presse und Publikum war das Ereignis des literarischen Bücherfrühlings 2001. Zuletzt erhielt Per Olov Enquist den Österreichischen Staatspreis für Europäische Literatur 2009.

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