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Lange Sommer im Garten am Meer, Baseballspiele und ein Zuhause voller Musik - das ist das Leben des jungen Edward, der von allen geliebt wird. Von Anfang an verzaubert der Junge die ganze Familie, weil er vor nichts Angst hat und die Menschen liebt. Das größte Glück für den achtjährigen Edward ist die Geburt seiner Schwester Sabine. Edward liest und singt dem Baby vor, trägt es durchs Haus und möchte es sogar zu einem großen Baseballspiel mitnehmen. Zuvor radelt er rasch noch in die Stadt, um eine Überraschung für Sabine zu besorgen. Doch Edward kommt nie wieder ... Ein ergreifendes Jugendbuch über Trauer und einen Abschied für immer!…mehr

Produktbeschreibung
Lange Sommer im Garten am Meer, Baseballspiele und ein Zuhause voller Musik - das ist das Leben des jungen Edward, der von allen geliebt wird. Von Anfang an verzaubert der Junge die ganze Familie, weil er vor nichts Angst hat und die Menschen liebt. Das größte Glück für den achtjährigen Edward ist die Geburt seiner Schwester Sabine. Edward liest und singt dem Baby vor, trägt es durchs Haus und möchte es sogar zu einem großen Baseballspiel mitnehmen. Zuvor radelt er rasch noch in die Stadt, um eine Überraschung für Sabine zu besorgen. Doch Edward kommt nie wieder ... Ein ergreifendes Jugendbuch über Trauer und einen Abschied für immer!
  • Produktdetails
  • Verlag: Hanser
  • Seitenzahl: 96
  • Altersempfehlung: ab 11 Jahren
  • 2010
  • Ausstattung/Bilder: 2010. 96 S. 220 mm
  • Deutsch
  • Abmessung: 220mm
  • Gewicht: 242g
  • ISBN-13: 9783446235892
  • ISBN-10: 3446235892
  • Best.Nr.: 29503822
Autorenporträt
Birgitt Kollmann, geboren 1953 in Duisburg, studierte in Heidelberg Englisch, Spanisch und Schwedisch. Sie arbeitete als Übersetzerin im Bereich Entwicklungshilfe. Nach sechs Jahren Aufenthalt in Südamerika ist sie heute als freie Übersetzerin tätig und lebt mit ihrer Familie bei Darmstadt.
Rezensionen
Besprechung von 27.11.2010
Achtet auf die Zeichen im Paradies

Patricia MacLachlan ist eine Legende der Kinderliteratur. Jetzt hat die Amerikanerin ein Buch geschrieben, das sich des heikelsten Themas annimmt: des Todes. In "Edwards Augen" erschafft sie ein Arkadien, in dem der dunkle Gast das Licht nicht trüben kann.

Von Andreas Platthaus

Wie macht sie das, vom Tod erzählen? Indem Patricia MacLachlan den Verstorbenen erst einmal richtig leben lässt. Edward ist, als er verunglückt, acht Jahre alt, und er war von dem Moment an, als die Eltern ihn nach der Geburt aus dem Krankenhaus mit nach Hause brachten, der Augenstern seines um drei Jahre älteren Bruders Jake. Das kann man wörtlich nehmen, denn Jake, aus dessen Sicht die ganze Geschichte erzählt wird, hat durch die erste Begegnung mit Edward auch seine erste Erinnerung erhalten - an dessen Augen: "Ich erinnere mich, wie ich ganz still dasitze, so ängstlich, dass ich unfähig bin, mich zu rühren. Edward schlägt die Augen auf und sieht mich an. Seine Augen haben das dunkle Schlammblau des Nachthimmels, aber mit überraschenden goldenen Sprenkeln darin . . . Ich will sagen, dass Edward schön ist . . . das Schönste, was ich je gesehen habe. Ich will sagen, dass ich ihn liebe, mehr als alles. Mehr als alle, die ich kenne. Aber ich bin erst drei, und als ich zu sprechen versuche, gelingt es mir nicht, all das zu sagen."

Es macht nichts, denn alle verstehen, was Jake sagen will - seine Eltern, die drei älteren Geschwister, und die beiden Freunde der Buchhändlerfamilie, der schon in seinen Sechzigern stehende farbige Nachbar Albert Groom und dessen rüstiger Vater Tim Groom. Es ist eine verschworene kleine Gemeinschaft, die da an der kanadischen Küste lebt, mutmaßlich in einem der Gebiete, wo englische und französische Kultur sich berühren, denn Jake liest auch französische Bücher vor, gleichzeitig herrscht die typisch angloamerikanische Faszination für Baseball. Dürfen wir Arkadien als Handlungsort vermuten? Wo das Geschehen angesiedelt ist, bleibt indes ohne Bedeutung, so allgemeingültig erzählt MacLachlan.

Und doch ist es nicht gleichgültig, dass das Meer in der Nähe ist. Es trägt bei zum Idyll einer Kindheit, die harmonischer kaum denkbar und gewiss nur selten schöner beschrieben worden ist: "Ein orangeroter Vollmond stand am Horizont über der Bucht und spiegelte sich blass im Wasser. Edward legte den Kopf an meine Schulter. Es war windstill. Dann, eines nach dem anderen, kamen die Glühwürmchen hervor."

Birgitt Kollmann hat als Übersetzerin selbst ein Kunststück geschaffen, denn so schlicht die Sprache der 1938 geborenen MacLachlan scheint, so verwunschen sind die Bilder, die sie damit malt. Das geht bis hin zur für deutsche Kinder eigentlich unbegreiflichen Baseball-Terminologie und -Mythologie, die hier wie in manchen amerikanischen Kinderbüchern eine zentrale Rolle spielt. Edward ist ein Meister des Spiels und vor allem des knuckleball, eines Wurfs, der den Ball nicht in Drehung versetzt, was zu einem für den Schlagmann unberechenbaren Flugverhalten führt. So in sich ruhend wie der Ball in der Luft ist auch Edwards Leben. Das macht ihn zum Liebling aller Verwandten und Freunde.

Dann stirbt er, und es ist nichts Ungebührliches daran, es hier zu verraten. Signale gibt es von Beginn an genug in der Geschichte, die auch schon nach seinem Tod einsetzt. Die Überraschung, die Patricia MacLachlan eingebaut hat, ist von ganz anderer Natur, und sie sei verschwiegen. Sie trägt jedenfalls entscheidend mit dazu bei, dass "Edwards Augen" eines der untröstlich-tröstlichsten Bücher ist, die wir haben, vergleichbar nur mit "Ente, Tod und Tulpe" von Wolf Erlbruch. So kann man mit Kindern über den Tod reden. Und wird sich auch vor Erwachsenen nicht dafür schämen müssen.

Es ist alles voller Zeichen im Paradies dieses Buches, und Edward sieht und kennt sie alle. Das heißt auch, dass er wissend, aber unbesorgt in den Tod gegangen ist. Die Tage, in denen er lebte, sind durch Patricia MacLachlan in unserer Erinnerung verankert.

Patricia MacLachlan: "Edwards Augen". Aus dem Englischen von Birgitt Kollmann. Hanser Verlag, München 2010. 92 S., geb., 12,90 [Euro]. Ab 11 J.

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