 | Besprechung von 01.08.2011 |
Die Berliner RepublikÜber die finanziellen Nöte der kreativen KlasseSie wollten nicht wie ihre Eltern leben. Keinen Beruf erlernen, der nur dem Zweck dient, Geld zu verdienen. Um damit eine Familie zu ernähren, ein Reihenendhaus abzubezahlen, ein ansehnliches Auto vor der Tür zu parken. Sie studierten nicht Betriebswirtschaft oder Maschinenbau oder Medizin, sondern lieber Kommunikationswissenschaften oder Literatur oder Anglistik oder alles zusammen. Was sie wollten, war ein Beruf, in dem Hierarchien und Geld keine große Rolle spielen, persönliche Interessen und Kreativität dafür eine umso größere. Die Sache mit den Hierarchien und den Interessen und der Kreativität hat so weit auch geklappt - die mit dem Geld leider nicht.
In ihrem Buch "Echtleben" beschreibt die Autorin Katja Kullmann das Leben und besonders die Finanznöte der kreativen Klasse. Es geht um Menschen zwischen Mitte Dreißig und Mitte Vierzig, "fortgeschrittene Erwachsene", die sich nach ihrem erfolgreich abgeschlossenen Studium als freiberufliche Autoren oder Designer in der Kreativwirtschaft von Projekt zu Projekt hangeln, die mal stattliche Summen verdienen, mal …
Perlentaucher-Notiz zur Sueddeutsche Zeitung-Rezension
Ja, die Boheme ist auch nicht mehr, was sie mal war. Frei will sie sein, das Risio des Scheiterns aber lieber nicht tragen, spottet der hier rezensierende Unternehmensberater und Journalist Jan Füchtjohann über die von Katja Kullmann porträtierten verarmten Kreativen aus der Generation der 30- bis 45-Jährigen. Ihn nervt das Gejammer. Außerdem habe Kullmann oberflächlich recherchiert und argumentiere mit wenig intellektueller Schärfe: Füchtjohann vergleicht das Buch mit einer "wütend zusammengerollten Frauenzeitschrift". Da haben Ingo Niermann ("Minusvisionen: Unternehmer ohne Geld") und Rafael Horzon ("Das Weisse Buch") Gehaltvolleres zum Thema beigetragen, findet er.
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 | Besprechung von 02.07.2011 |
Traurige Tagelöhner
Hier spricht das Kreativprekariat: Katja Kullmanns
„Echtleben“
Das Chaos ist blassblau und sieht auf den ersten Blick wie ein
Tapetenmuster aus. Auf den zweiten Blick erkennt man Umrisse: ein
Vintage-Fahrrad, ein It-Bag, ein ausgelatschter Turnschuh, dazu ein
Gehirn, Computerkürzel, Sprechblasen. Mitten ins Chaos hat jemand
ein kreisrundes Loch geschnitten. Sehr aufgeräumt und in den Farben
der aktuellen Regierungskoalition steht da: „Katja Kullman:
Echtleben. Warum es heute so kompliziert ist, eine Haltung zu
haben“.
Haltung in der Wirrnis, Ordnung im Chaos, das echte Leben im
Falschen: Das verspricht das Buch (Eichborn Verlag, 17,95 Euro)
schon von außen. Und die Botschaft kommt an: Im
Zeit-
Magazin wurde die Autorin sofort einfühlsam befragt, in der
Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung befand der
designierte neue Feuilletonchef des Hauptblattes, Nils Minkmar,
dies sei ein „wichtiges soziologisches, politisches Buch“, das die
„Alles wird gut-Rhetorik“ der Merkeljahre widerlege. Das ist doch
mal was.
Dabei ist „Echtleben“ zunächst einmal nur ein weiteres
Generationen-Buch: Wir, schreibt …
"ECHTLEBEN ist ein wichtiges soziologisches, politisches Buch, das man immer amüsiert liest und das manchmal zum Lachen reizt, obwohl es eigentlich eine traurige Geschichte erzählt. (...) Mit poetischer Genaugikeit erzählt. (...) Es ist ein die ,Alles-wird-gut-Rhetorik der Merkel-Jahre widerlegendes Buch, das die individuellen Kosten eines politischen Schwindels vorrechnet." -- Nils Minkmar, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung , 19.6.2011<br/><br/>"Kullmann hat ihre Analyse der Arbeitswelt für die etwas angegrauten ,Neuen Erwachsenen wie einen soziologischen Thriller geschrieben. Sie schont sich in ihrer geschliffen formulierten Ursachenforschung selbst am wenigsten. (...) Sowohl in der Methode, als auch stilistisch hebt sich das Buch wohltuend von den üblichen, oftmals unerträglichen Lifestyle-Theoretikern aus der Zukunftsforscher-Zunft ab. Kullmanns ECHTLEBEN ist echt, weil selbst erlebt, aus nächster Nähe beobachtet, dann messerscharf analysiert und in große, oft beängstigende Zusammenhänge gesetzt." -- profil , 6. Juni 2011<br/><br/>"Das Nervende an Generationenbüchern ist ja, dass sie eine Generation ausrufen (Umhängetasche / X / Golf). Umso interessanter ist es, dass ausgerechnet ein Buch, das erst gar nicht den Versuch unternimmt, solch ein ,Wir zu behaupten, einem verbreiteten Lebensgefühl so nahekommt." -- KulturSPIEGEL, 30. Mai 2011<br/><br/>"Ein ebenso kluger wie eigenwilliger Faktencheck des neuen Kapitalismus und seiner Kulturen - amüsant... "Diesmal kein Generationen-Buch, eher ein Epochen-Buch: punktgenau und vergnüglich, die deutsche Antwort auf Stéphane Hessel, nur jünger, konkreter, origineller." -- Luzia Braun, ZDF Aspekte, Juni 2011<br/><br/>"Eine gelungene Gesellschaftskritik über eine Generation, die eigentlich am Drücker sein sollte, die aber immer wieder erfährt, dass sie nicht gebraucht wird." -- Margarete Kreuzer, RBB Stilbruch, 9. Juni 2011
"Unter erfolgreichen freien Kulturschaffenden [...] zieht die soziale Herkunft eine harte Grenze, sie schafft eine Zwei-Klassen-Bohème, wie Kullmann in ihrem sehr gelungenen Buch eindringlich analysiert."(Alexander Schimmelbusch, Die Welt, 13. Juli 2011)"ECHTLEBEN ist ein wichtiges soziologisches, politisches Buch, das man immer amüsiert liest und das manchmal zum Lachen reizt, obwohl es eigentlich eine traurige Geschichte erzählt. (...) Mit poetischer Genaugikeit erzählt. (...) Es ist ein die ,Alles-wird-gut-Rhetorik der Merkel-Jahre widerlegendes Buch, das die individuellen Kosten eines politischen Schwindels vorrechnet."(Nils Minkmar, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung , 19. Juni 2011)"Kullmann hat ihre Analyse der Arbeitswelt für die etwas angegrauten ,Neuen Erwachsenen wie einen soziologischen Thriller geschrieben. Sie schont sich in ihrer geschliffen formulierten Ursachenforschung selbst am wenigsten. (...) Sowohl in der Methode, als auch stilistisch hebt sich das Buch wohltuend von den üblichen, oftmals unerträglichen Lifestyle-Theoretikern aus der Zukunftsforscher-Zunft ab. Kullmanns ECHTLEBEN ist echt, weil selbst erlebt, aus nächster Nähe beobachtet, dann messerscharf analysiert und in große, oft beängstigende Zusammenhänge gesetzt." (Angelika Hager, profil , 6. Juni 2011) "Das Nervende an Generationenbüchern ist ja, dass sie eine Generation ausrufen (Umhängetasche / X / Golf). Umso interessanter ist es, dass ausgerechnet ein Buch, das erst gar nicht den Versuch unternimmt, solch ein ,Wir zu behaupten, einem verbreiteten Lebensgefühl so nahekommt."(KulturSPIEGEL, 30. Mai 2011) "Ein ebenso kluger wie eigenwilliger Faktencheck des neuen Kapitalismus und seiner..."Diesmal kein Generationen-Buch, eher ein Epochen-Buch: punktgenau und vergnüglich, die deutsche Antwort auf Stéphane Hessel, nur jünger, konkreter, origineller." (Luzia Braun, ZDF Aspekte, Juni 2011)"Eine gelungene Gesellschaftskritik über eine Generation, die eigentlich am Drücker sein sollte, die aber immer wieder erfährt, dass sie nicht gebraucht wird."(Margarete Kreuzer, RBB Stilbruch, 9. Juni 2011)"... ein wunderbar humorvoll und intelligent formulierter Weckruf an das Kreativ-Prekariat ..."(Julia Eikmann, dradio, 20. Juli 2011)
"Unter erfolgreichen freien Kulturschaffenden (...) zieht die soziale Herkunft eine harte Grenze, sie schafft eine Zwei-Klassen-Bohème, wie Kullmann in ihrem sehr gelungenen Buch eindringlich analysiert."(Alexander Schimmelbusch, Die Welt, 13. Juli 2011) "ECHTLEBEN ist ein wichtiges soziologisches, politisches Buch, das man immer amüsiert liest und das manchmal zum Lachen reizt, obwohl es eigentlich eine traurige Geschichte erzählt. (...) Mit poetischer Genaugikeit erzählt. (...) Es ist ein die ,Alles-wird-gut-Rhetorik der Merkel-Jahre widerlegendes Buch, das die individuellen Kosten eines politischen Schwindels vorrechnet."(Nils Minkmar, Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung , 19. Juni 2011) "Kullmann hat ihre Analyse der Arbeitswelt für die etwas angegrauten ,Neuen Erwachsenen wie einen soziologischen Thriller geschrieben. Sie schont sich in ihrer geschliffen formulierten Ursachenforschung selbst am wenigsten. (...) Sowohl in der Methode, als auch stilistisch hebt sich das Buch wohltuend von den üblichen, oftmals unerträglichen Lifestyle-Theoretikern aus der Zukunftsforscher-Zunft ab. Kullmanns ECHTLEBEN ist echt, weil selbst erlebt, aus nächster Nähe beobachtet, dann messerscharf analysiert und in große, oft beängstigende Zusammenhänge gesetzt." (Angelika Hager, profil , 6. Juni 2011) "Das Nervende an Generationenbüchern ist ja, dass sie eine Generation ausrufen (Umhängetasche / X / Golf). Umso interessanter ist es, dass ausgerechnet ein Buch, das erst gar nicht den Versuch unternimmt, solch ein ,Wir zu behaupten, einem verbreiteten Lebensgefühl so nahekommt."(KulturSPIEGEL, 30. Mai 2011) "Ein ebenso kluger wie eigenwilliger Faktencheck des neuen Kapitalismus und seiner... "Diesmal kein Generationen-Buch, eher ein Epochen-Buch: punktgenau und vergnüglich, die deutsche Antwort auf Stéphane Hessel, nur jünger, konkreter, origineller." (Luzia Braun, ZDF Aspekte, Juni 2011) "Eine gelungene Gesellschaftskritik über eine Generation, die eigentlich am Drücker sein sollte, die aber immer wieder erfährt, dass sie nicht gebraucht wird."(Margarete Kreuzer, RBB Stilbruch, 9. Juni 2011) "... ein wunderbar humorvoll und intelligent formulierter Weckruf an das Kreativ-Prekariat ..."(Julia Eikmann, dradio, 20. Juli 2011)
Katja Kullmann, geboren 1970, Journalistin und Buchautorin. Von der Soziologie-Studentin wurde sie zur Bestsellerautorin - und von da zur mäßig bezahlten Freelancerin mit Hartz-IV-Erfahrung. Dann kletterte sie auf einen festen Chefposten - und ging bald freiwillig zurück in die Kleinstunternehmerexistenz. Im Eichborn Verlag erschien Generation Ally (2002), ausgezeichnet mit dem Deutschen Bücherpreis 2003 für das beste Sachbuch. www.katjakullmann.de
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