'Du mußt versuchen, auch den Schweigenden zu hören'
Im Hochsommer des Jahres 1949 reist die niederländische Studentin
am Königlichen Konservatorium in Den Haag, Diet Kloos, zusammen mit
einer Freundin nach Paris. Am Tag nach ihrer Ankunft machen die
beiden Freundinnen einen Spaziergang entlang der Seine. Als sie
anschließend auf der Terrasse des Cafes Dupont rasten, fällt Diet
ein Buch vom Schoß. Ein junger Mann am Nebentisch hebt es für sie
auf. Dieser Mann ist Paul Celan.
Es ist der Beginn einer knapp einjährigen Beziehung. Der Dichter im
Exil, seit Juli 1948 in Paris, trifft auf eine junge, aber doch
schon vom Krieg gezeichnete Frau, die - selbst gegen die deutschen
Besatzer aktiv - ihren Mann im Widerstand verloren hat. Gegen die
Last der Vergangenheit verständigen sie sich in der inständigen
Hoffnung auf Zukunft. In der einen Ferienwoche, die beide in Paris
miteinander verbringen, aber auch in dem darauf folgen Briefwechsel
bis zu ihrem Wiedersehen entwickelt sich schon bald etwas ganz
Besonderes.
Paul Sars faßt diese Be gegnung mit einer schönen Edition. Sie
enthält die zwölf handschriftlichen Briefe Paul Celans,
faksimiliert und transkribiert, zusammen mit ihren poetischen
Beigaben. Nachwort und Anmerkungen beleuchten nicht allein die
kurze Geschichte der Beziehung, sondern auch die literarische
Dimension der Briefe und ihrer Beilagen, geschrieben in der - mit
Celans eigenen Worten - 'gestaltgewordenen Sprache eines
Einzelnen', der sich an einer Schnittstelle seines Lebens zu
verdeutlichen wünscht: für den Anderen wie für sich selbst.
Ausstattung/Bilder: 2002. 142 S. m. Faks. u. Fotos.
Seitenzahl: 142
Deutsch
Abmessung: 217mm x 150mm x 14mm
Gewicht: 357g
ISBN-13: 9783518413586
ISBN-10: 3518413589
Best.Nr.: 10849745
Perlentaucher-Notiz zur NZZ-Rezension
Obwohl es gerade ein Flut von Veröffentlichungen von Paul Celans Korrespondenzen gibt, findet der Rezensent mit dem Kürzel A. Bn. diese Briefe des damals 28-jährigen Celan an die etwas jüngere holländische Musikstudentin Diet Kloos-Barnedregt spannend. Das liegt vor allem daran, dass in dieser Korrespondenz und in den Gedichten, die Celan an die Freundin schrieb, schon all die Themen angelegt sind, die ihn sein ganzes Leben lang begleiten sollten: die Texte sind "zwischen Öffnung und Verschließung, Enthüllung und Verbergung oszillierend" und ein früher Ausdruck von Celans "panischem Lebensgefühl". Damit ist diese Buch eine für Celan charakteristische Sammlung von Texten - so das Fazit des Rezensenten.
Paul Celan wurde am 23. November 1920 als Paul Antschel als einziger Sohn deutschsprachiger, jüdischer Eltern im damals rumänischen Czernowitz geboren. Nach dem Abitur 1938 begann er ein Medizinstudium in Tours/Frankreich, kehrte jedoch ein Jahr später nach Rumänien, zurück, um dort Romanistik zu studieren. 1942 wurden Celans Eltern deportiert. Im Herbst desselben Jahres starb sein Vater in einem Lager an Typhus, seine Mutter wurde erschossen. Von 1942 bis 1944 musste Celan in verschiedenen rumänischen Arbeitslagern Zwangsarbeit leisten. Von 1945 bis 1947 arbeitete er als Lektor und Übersetzer in Bukarest, erste Gedichte wurden publiziert. Im Juli 1948 zog er nach Paris, wo er bis zum seinem Tod lebte. Im selben Jahr begegnete Celan Ingeborg Bachmann. Dass Ingeborg Bachmann und Paul Celan Ende der vierziger Jahre und Anfang der fünfziger Jahre ein Liebesverhältnis verband, das im Oktober 1957 bis Mai 1958 wieder aufgenommen wurde, wird den posthum veröffentlichten Briefwechsel Herzzeit zwischen den beiden bestätigt. November 1951 lernte Celan in Paris die Künstlerin Gisèle de Lestrange kennen, die er ein Jahr später heiratete. 1955 kam ihr gemeinsamer Sohn Eric zur Welt. Im Frühjahr 1970 nahm sich Celan in der Seine das Leben
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