Dieses Tier, das es nicht gibt - Said

Said 

Dieses Tier, das es nicht gibt

Ein Bestiarium

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Dieses Tier, das es nicht gibt

Seit Franz Bleis "Bestiarium der Literatur" ist diese sehr ausgefallene Zoologie zu einer eigenen literarischen Gattung geworden. SAID läßt das Genre wiederaufleben und hat damit ein witziges, bisweilen fast surrealistisches Panoptikum geschaffen, das mit Spott, Satire und Erotik nicht spart. Mit wenigen, präzise gesetzten Worten gelingt es ihm, seine Figuren - die vom Albatros über die Mukarina bis zur Zikade reichen - treffend und genau zu charakterisieren und vor dem Leser eine skurrile Welt aus Sprache, Liebe und politischem Geschehen auszubreiten: den drei Themen, um die SAIDs Werk immer wieder kreist, die er wiederholt aufgreift und mit denen er gekonnt zu spielen vermag.

Zum Autor/Herausgeber: SAID, geboren 1947 in Teheran, lebt seit 1965 in München. Sein literarisches Werk wurde mit zahlreichen Preisen ausgezeichnet, darunter der Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis (1991), der Premio Letterario Internazionale "Jean Monnet" (1994) und der Preis der Stadt Heidelberg "Literatur im Exil" (1996). Für sein politisches Engagement und seinen persönlichen Einsatz für verfolgte und inhaftierte Schriftsteller wurde SAID 1997 die Hermann-Kesten-Medaille verliehen; im selben Jahr war er Stipendiat der Villa Aurora in Los Angeles.Veröffentlichungen u.a.: "Liebesgedichte" (1989); "Dann schrei ich, bis Stille ist" (1990); "Selbstbildnis für eine ferne Mutter" (1992); "Wo ich sterbe, ist meine Fremde" (1994); "Es war einmal eine Blume" (1998; Ehrenliste zum österreichischen Jugendbuchpreis, 1999). Bei C.H.Beck erschienen: "Der lange Arm der Mullahs. Notizen aus meinem Exil" (1995) sowie "Sei Nacht zu mir. Liebesgedichte" (1998).


Produktinformation

  • Verlag: Beck
  • 1999
  • 1999.
  • Ausstattung/Bilder: 82 S.
  • Seitenzahl: 82
  • Deutsch
  • Abmessung: 205mm x 119mm x 12mm
  • Gewicht: 140g
  • ISBN-13: 9783406452901
  • ISBN-10: 3406452906
  • Best.Nr.: 08275613
Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 19.02.2000

Falsche Hasen
Das tierische Amüsement
des Dichters Said
Intellektuelle und Künstler mischen sich in die Gesellschaft ein, ohne Politologie studiert oder je auch nur ein Stadtratsmandat versehen zu haben. Das ist man schon gewohnt. Dass sie nun aber auch noch auf dem Gebiet der Biologie wildern, ist ein starkes Stück. Saids neuestes Buch Dieses Tier, das es nicht gibt tut es in 74 Artikeln, in denen es ebenso viele Wesen klassifiziert: vom Albatros bis zur Zikade, darunter ein paar fabelhafte wie Paralule, Sirene, Yeti. Jedem widmet Said eine halbe Seite, auf der er Ess-, Schlaf-, Fortpflanzungs-, Sterbegewohnheiten schildert.
Die im Klappentext ausgegebene Losung „Franz Blei”, der einst das Bestiarium der Literatur schrieb, führt allerdings in die Irre. Der kultivierte Blei liebte die feinsinnige erotische Literatur, bei Said dagegen findet man Wörter wie „fellatio”, „ficken”, „furzen”, „pissen”, „masturbieren”, „arschkriechen”. Geschlechtliche Vermischung von Tier und Mensch (Einhörner und Jungfrauen zum Beispiel) schreckt ihn nicht ab. Said verfolgt offenbar subversive Intentionen. In konsequenter …

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Frankfurter Allgemeine Zeitung - RezensionBesprechung von 16.10.1999

Albatros in schwarzen Socken
Alle Tiere sind schon da: Das Bestiarium des Iraners Said

Die Surrealisten hatten ein Lieblingsspiel: Ein Blatt Papier ging in der Runde herum und jeder schrieb ein Wort darauf, wobei das Blatt so gefaltet wurde, dass niemand sehen konnte, was seine Vorgänger hinterlassen hatten. Zum Schluss wurde das Blatt glattgestrichen, und man las den Satz vor, der sich auf diese wahllos gesellige Weise ergeben hatte. Den somnambulen Reiz dieser Gebilde mit Kalkül nachzuerschaffen, ist gewiss eine lockende Aufgabe. Aber auch eine riskante: denn nichts wirkt verstimmender auf den Leser, als wenn das Bewusstsein, das sich in den Traum verkleidet, sich vergreift, sozusagen blinzelt; es steht mit einem Mal da wie ein ertappter Dieb.

Dieser Gefahr ist der schmale Band "Dieses Tier, das es nicht gibt. Ein Bestiarium" des in Deutschland lebenden Iraners Said nicht entronnen. Die Tiere, die hier nach dem andern antreten, insgesamt vierundsiebzig an der Zahl, haben den Nachteil, dass es sie überwiegend eben doch gibt und dass deshalb der Leser mit Katze und Hase, Falter und Igel schon ganz bestimmte Vorstellungen verbindet. Die Orgien …

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Perlentaucher-Notiz zur ZEIT-Rezension

In einer Kurzbesprechung weist Stefan Weidner auf diese "kleine tierische Sternstunde der Literatur" hin. Zu Unrecht seien die Bücher des in Deutschland lebenden Iraners Said als Exilantenliteratur abgestempelt. Denn hier beschäftige sich Said humorvoll gerade mit deutschen Obsessionen, Tieren eben. Bei ihm erfährt man etwa, dass der Regenwurm "durchsichtig wird, wenn er hungert". Weidner bedauert allerdings, dass Said beim ebenfalls beschriebenen "Goldenen Kalb" ("es besitzt mehrere partner-agenturen") nicht die E-Mail-Adresse mitteilt.

© Perlentaucher Medien GmbH
Said, geb. 1947 in Teheran, hat mit 17 Jahren seine Heimat verlassen. Seit 1965 lebt er als freier Autor in München. Sein literarisches Werk wurde mit zahlreichen Preisen, darunter der Adelbert-von-Chamisso-Förderpreis (1991) sowie die Aufnahme auf die Ehrenliste zum österreichischen Jugendbuchpreis (1999), ausgezeichnet. Für sein politisches Engagement und seinen persönlichen Einsatz für verfolgte und inhaftierte Schriftsteller wurde SAID 1997 die Hermann-Kesten-Medaille verliehen. Im gleichen Jahr war er Stipendiat der Villa Aurora in Los Angeles. Im Mai 2000 wurde er zum Präsidenten des deutschen Pen-Zentrums gewählt.

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